Chloridoideae

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Chloridoideae
Hundszahngras (Cynodon dactylon)

Hundszahngras (Cynodon dactylon)

Systematik
Klasse: Bedecktsamer (Magnoliopsida)
Monokotyledonen
Commeliniden
Ordnung: Süßgrasartige (Poales)
Familie: Süßgräser (Poaceae)
Unterfamilie: Chloridoideae
Wissenschaftlicher Name
Chloridoideae
Kunth ex Beilschm.

Die Chloridoideae sind eine Unterfamilie der Süßgräser (Poaceae).

Merkmale[Bearbeiten]

Die Vertreter der Unterfamilie sind einjährige oder ausdauernde Gräser mit Rhizomen und Ausläufern, die rasenbildend oder niederliegend sind. Sie sind meist krautig, seltener verholzt. Die Halme sind fest oder hohl.

Die Blätter stehen distich. Das Blatthäutchen fehlt meist auf der abaxialen Seite, selten ist es als Haarkranz vorhanden. Adaxial ist es ein Häutchen. Die Blattspreiten sind meist relativ schmal mit Pseudo-Blattstielen. Die Nervatur ist parallel. Die Blattscheiden sind meist nicht geöhrt. Das Mesophyll ist gewöhnlich radiär angeordnet, ein adaxiales Palisadenparenchym fehlt. Die für C4-Pflanzen typische Kranz-Anatomie ist vorhanden. Die Mittelrippe ist einfach.

Die Blütenstände sind Ähren, verzweigte Ähren oder Trauben. Die Ährchen sind meist zwittrig, seltener eingeschlechtig, dann sind die Pflanzen häufig diözisch. Es sind zwei Hüllspelzen vorhanden. Die Ährchen sind meist seitlich zusammengedrückt und zerfallen über den Hüllspelzen. An den Deckspelzen werden selten Grannen gebildet und kommen meist in der Einzahl vor. Die Vorspelzen sind gut entwickelt. Es gibt zwei fleischige, kahle Lodiculae, sie können aber auch fehlen. Es werden ein bis drei Staubblätter gebildet. Der Fruchtknoten ist kahl und besitzt kein apikales Anhängsel. Es gibt zwei freie Griffel mit je einer Narbe.

Die Karyopse besitzt oft ein freies Perikarp. Der Nabel ist kurz. Das Endosperm ist hart, Fette fehlen, die Stärkekörner sind einfach oder zusammengesetzt. Der Embryo ist meist groß, selten klein. Ein Epiblast ist meist vorhanden, selten fehlend. Eine Scutellum-Spalte ist vorhanden. Das Internodium des Mesokotyls ist verlängert. Die Blattränder des Embryos berühren sich, seltener überlappen sie sich.

Die Basis-Chromosomenzahl ist x = (7, 8), 9, 10.

Die meisten Arten sind C4-Pflanzen vom PCK oder NADME-Typ. Lediglich Eragrostis walteri und Merxmuellera rangei sind C3-Pflanzen.

Verbreitung[Bearbeiten]

Die Arten der Chloridoideae kommen besonders in Trockengebieten vor, besonders in den Tropen und Subtropen. In den temperaten Gebieten sind sie weniger vertreten.

Systematik[Bearbeiten]

Die Unterfamilie umfasst rund 1400 Arten. Ihre Schwestertaxon sind die Arundinoideae. Die klassische Gliederung in Triben ist durch molekularbiologische Daten nicht gedeckt, jedoch gibt es noch keine neue Gliederung.

Hundszahngras (Cynodon dactylon)
Großes Liebesgras (Eragrostis cilianensis)
Kleines Liebesgras (Eragrostis minor)
Teff (Eragrostis tef)
Salz-Schlickgras (Spartina anglica)
Stachelkopfgräser (Triodia) in Australien

Es gibt folgende Triben:[1]

  • Tribus Cynodonteae[2]
  • Tribus Eragrostideae[4]
    • Acrachne Wight & Arn. ex Chiov., mit etwa drei Arten in den Tropen.
    • Aeluropus Trin., mit etwa fünf Arten, die an salzhaltigen Standorten vom Mittelmeergebiet und Afrika bis nach Indien und China gedeihen und von denen zwei Arten auch in Europa vorkommen.
    • Allolepis Soderstr. & H.F. Decker, mit nur einer Art, die im Gebiet der südlichen USA und in Mexiko vorkommt:
    • Apochiton C.E. Hubb., mit nur einer Art, die im tropischen Ostafrika vorkommt:
    • Bealia Scribn. (die Arten werden auch zu Muhlenbergia gestellt)
    • Bewsia Gooss., mit nur einer Art, die in Südafrika vorkommt:
    • Blepharidachne Hack., mit vier Arten in den USA, in Mexiko und in Argentinien.
    • Blepharoneuron Nash, mit zwei Arten, die in Nordamerika und Mexiko vorkommen.
    • Brachychloa S.M. Phillips, mit zwei Arten, die in Südafrika und in Mosambik vorkommen.
    • Calamovilfa (A. Gray) Hack. ex Scribn. & Southworth, mit fünf Arten, die in Nordamerika vorkommen.
    • Chaboissaea E. Fourn., mit bis zu vier Arten, die aber auch zu Muhlenbergia gestellt werden.
    • Cladoraphis Franch., mit zwei Arten.
    • Coelachyrum Hochst. & Nees, mit etwa sechs Arten, die von Afrika und Arabien bis Pakistan vorkommen.
    • Crypsis Aiton, mit etwa neun Arten, die vom Mittelmeergebiet bis China und im tropischen Afrika vorkommen.
    • Dactyloctenium Willd., mit etwa 12 Arten.
    • Dasyochloa Willd. ex Rydb., mit nur einer Art, die in Nordamerika und Mexiko vorkommt:
    • Desmostachya (Stapf) Stapf, mit nur einer Art, die von Afrika und Vorderasien bis nach Thailand vorkommt:
    • Dinebra Jacq., mit etwa 3 bzw. 24 Arten, die von anderen Autoren zu Leptochloa gerechnet werden.
    • Distichlis Raf., mit etwa sieben Arten (6 in Amerika, einer in Australien).
    • Drake-brockmania Stapf, mit zwei Arten in Afrika.
    • Ectrosia R. Br., mit 12 Arten vom tropischen Australien bis Neuguinea.
    • Ectrosiopsis (Ohwi) Jansen, mit nur einer Art, die in Australien, Neuguinea und auf den Karolinen vorkommt:
    • Eleusine Gaertn., mit etwa 10 Arten in Afrika und Südamerika, von denen aber mindestens eine Art, Eleusine indica (L.) Gaertn. auch pantropisch verbreitet ist.
    • Entoplocamia Stapf, mit nur einer Art, die in Südwestafrika vorkommt, und dort deutsch Knopfgras heißt[5]:
    • Eragrostiella Bor, mit etwa fünf Arten, die zwischen Sri Lanka und Australien vorkommen.
    • Liebesgräser (Eragrostis Wolf), mit etwa 350 Arten.
    • Erioneuron Nash, mit etwa drei Arten in Nordamerika.
    • Fingerhuthia Nees, mit zwei Arten in Südafrika.
    • Gouinia E. Fourn., mit etwa 12 Arten im tropischen Amerika.
    • Habrochloa C.E. Hubb., mit nur einer Art, die in Afrika vorkommt:
    • Halopyrum Stapf, mit nur einer Art:
    • Harpachne Hochst. ex A. Rich., mit zwei Arten in Nord- und Nordostafrika und einer Art in China.
    • Heterachne Benth., mit etwa drei Arten in Nordaustralien.
    • Hubbardochloa Auquier, mit nur einer Art in den Gebirgen Zentralafrikas:
    • Indopoa Bor, mit nur einer Art, die in Indien vorkommt:
    • Jouvea E. Fourn., mit zwei Arten, die von Niederkalifornien bis Panama vorkommen.
    • Kengia Packer, mit nur einer Art, die in Nordostchina vorkommt:
    • Leptocarydion Hochst. ex Stapf, mit nur einer Art, die in Ost- und Südafrika vorkommt:
    • Leptochloa P. Beauv., mit etwa 34 Arten.
    • Lophacme Stapf, mit zwei Arten, die in Zentralafrika vorkommen.
    • Lycurus Kunth, mit etwa drei Arten in den tropischen und warmen Gebieten Amerikas.
    • Monanthochloe Engelm., mit zwei Arten in den südlichen USA, in Westindien und Argentinien.
    • Monodia S.W.L. Jacobs, mit nur einer Art, die in Westaustralien vorkommt:
    • Muhlenbergia Schreb., mit etwa 162 Arten hauptsächlich im tropischen und warmen Amerika und wenigen Arten in Zentral- und Ostasien.
    • Munroa Torr., mit fünf Arten in Amerika.
    • Myriostachya (Benth.) Hook. f., mit nur einer Art, die Sri Lanka, in Bengalen, Myanmar und auf der Malayischen Halbinsel vorkommt:
    • Neesiochloa Pilg., mit nur einer Art, in Brasilien:
    • Neyraudia Hook. f., mit vier Arten in Afrika, in Asien und eingebürgert auch in Amerika vorkommen.
    • Ochthochloa Edgew., mit nur einer Art, die in Nord- und Nordostafrika und in Vorderasien bis nach Pakistan vorkommt.
    • Odyssea Stapf, mit zwei Arten, die in Afrika und an der Küste des Roten Meeres vorkommen.
    • Orinus Hitchc., mit etwa vier Arten, die in Kaschmir, Tibet und China vorkommen.
    • Oropetium Trin., mit sechs Arten in den Tropen von Afrika und Asien.
    • Pereilema J. Presl, mit vier Arten in den Tropen Amerikas.
    • Planichloa B.K. Simon (die einzige Art, P. nervilemma B.K. Simon wird auch zu Ectrosia gestellt)
    • Plectrachne Henrard (mit bis zu 16 Arten in Australien, die aber auch zu Triodia gestellt werden)
    • Pogonarthria Stapf, mit vier Arten in Afrika.
    • Pogononeura Napper, mit nur einer Art, die im tropischen Ostafrika vorkommt:
    • Psammagrostis C.A. Gardner & C.E. Hubb., mit nur einer Art, die in Westaustralien vorkommt:
    • Psilolemma S.M. Phillips, mit nur einer Art, die in Ostafrika vorkommt:
    • Redfieldia Vasey, mit nur einer Art, die in den USA vorkommt:
    • Reederochloa Soderstr. & H.F. Decker, mit nur einer Art, die in Mexiko vorkommt:
    • Rheochloa Filg., P.M. Peterson & Y. Herrera, mit nur einer Art, die in Brasilien vorkommt:
    • Richardsiella Elffers & Kenn.-O'Byrne, mit nur einer Art, die in Sambia vorkommt:
    • Schenckochloa J.J. Ortíz (wird auch zu Gouinia E. Fourn. gestellt)
    • Sclerodactylon Stapf, mit nur einer Art, die an der ostafrikanischen Küste und auf den Inseln des Indischen Ozeans vorkommt:
    • Scleropogon Phil., mit nur einer Art, die in den USA, in Mexiko, Argentinien und Chile vorkommt:
    • Silentvalleya V.J. Nair, Sreek., Vajr. & Bhargavan, mit nur einer Art, die in Indien vorkommt:
    • Sohnsia Airy Shaw, mit nur einer Art, die in Mexiko vorkommt:
    • Sporobolus R. Br., mit etwa 160 Arten, die in Amerika, Asien und Afrika vorkommen und nur einer Art in Europa.
    • Steirachne Ekman, mit zwei Arten, die in Brasilien vorkommen.
    • Swallenia Soderstr. & H.F. Decker, mit nur einer Art, die in Kalifornien vorkommt:
    • Symplectrodia Lazarides, mit zwei Arten, die in Australien vorkommen.
    • Tetrachne Nees, mit nur einer Art:
    • Thellungia Stapf (wird auch zu Eragrostis Wolf gestellt)
    • Trichoneura Andersson, mit etwa acht Arten, die in Afrika, in den USA, in Peru und auf den Galapagosinseln vorkommen.
    • Tridens Roem. & Schult., mit etwa 16 Arten, die in Amerika und in Angola vorkommen.
    • Triodia R. Br. (inkl. Plectrachne Henrard), mit etwa 65 Arten in Australien.
    • Triplasis P. Beauv., mit zwei Arten, die zwischen den USA und Costa Rica vorkommen.
    • Tripogon Roem. & Schult., mit etwa 39 Arten in den Tropen Afrikas und Asiens.
    • Triraphis R. Br., mit etwa acht Arten im tropischen Afrika und in Australien.
    • Uniola L., mit vier Arten in Amerika.
    • Urochondra C.E. Hubb., mit nur einer Art, die zwischen Nordostafrika und Vorderasien vorkommt:
    • Vaseyochloa Hitchc., mit nur einer Art, die in Texas vorkommt:
    • Viguierella A. Camus, mit nur einer Art, die auf Madagaskar vorkommt:
  • Tribus Leptureae[6]
    • Lepturus R. Br., mit etwa 11 Arten von den Küsten von Ostafrika bis Polynesien und Australien.
  • Tribus Orcuttieae[7]
    • Neostapfia Burtt Davy, mit nur einer Art, die ausschließlich in Kalifornien vorkommt:
    • Orcuttia Vasey, mit fünf Arten in Kalifornien.
    • Tuctoria Reeder, mit drei Arten in Kalifornien und Mexiko.
  • Tribus Pappophoreae[8]
    • Cottea Kunth, mit nur einer Art, deren Verbreitungsgebiet von den südlichen USA über Mexiko bis Ecuador und Argentinien reicht:
    • Enneapogon Desv. ex P. Beauv., mit etwa 30 Arten in den klimatisch wärmeren Gebieten der Erde und mit nur einer Art in Europa.
    • Kaokochloa De Winter, mit nur einer Art, die in Namibia (Kaokoveld, Namib)endemisch ist:
    • Pappophorum Schreb., mit etwa sieben Arten, die ine einem Gebiet von den südlichen USA bis Argentinien vorkommen.
    • Schmidtia Steud. ex J.A. Schmidt, mit etwa zwei Arten, die in Afrika und auf den Kapverden vorkommen.
  • Incertae sedis innerhalb der Unterfamilie:
    • Centropodia (R. Br.) Rchb., mit etwa vier Arten von Afrika bis Zentralasien.
    • Merxmuellera, mit bis zu 19 Arten (sie werden z.T. auch zu Rytidosperma gestellt); hierher gehört auch:

Belege[Bearbeiten]

  • Grass Phylogeny Working Group, Nigel P. Barker, Lynn G. Clark, Jerrold I. Davis, Melvin R. Duvall, Gerald F. Guala, Catherine Hsiao, Elizabeth A. Kellogg, H. Peter Linder: Phylogeny and Subfamilial Classification of the Grasses (Poaceae). Annals of the Missouri Botanical Garden, Band 88, 2001, S. 373–457.
  • David John Mabberley: The Plant Book. A portable dictionary of the higher plants. Cambridge University Press 1987. ISBN 0-521-34060-8

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Chloridoideae – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Grass Phylogeny Working Group, 2001.
  2. Artenliste Cynodonteae nach GRIN, abgerufen 26. Juli 2008.
  3. M.A.N. Müller: Gräser Südwestafrika/Namibias. Seite 190. Windhoek 1985. ISBN 0-86976-202-8
  4. Artenliste Eragrostideae nach GRIN, abgerufen 26. Juli 2008.
  5. M.A.N. Müller: Gräser Südwestafrika/Namibias. Seite 140. Windhoek 1985. ISBN 0-86976-202-8
  6. Artenliste Leptureae nach GRIN, abgerufen 26. Juli 2008.
  7. Artenliste Orcuttieae nach GRIN, abgerufen 26. Juli 2008.
  8. Artenliste Pappohoreae nach GRIN, abgerufen 26. Juli 2008.