Christian Füller (Journalist)

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Christian Füller (* 1963 in München) ist ein deutscher Journalist und Autor.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach dem Abitur am Jack-Steinberger-Gymnasium in Bad Kissingen studierte Christian Füller Politikwissenschaft an der Freien Universität Berlin, der Ludwig-Maximilians-Universität München und der Universität Leipzig und nahm am European Master of Public Administration-Programm Rotterdam/Speyer teil.

Er lebt mit seiner Familie in Berlin.

Wirken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Christian Füller war von März bis September 2017 Chefredakteur der Wochenzeitung der Freitag.[1] Er schrieb als Autor unter anderem für den Freitag, die Frankfurter Allgemeine, die taz, Spiegel Online, die WamS, Cicero sowie für politische Zeitschriften wie die Blätter für deutsche und internationale Politik oder die Berliner Republik und war bis 2013 bei der tageszeitung u.a. als Bildungs- und Seite-3-Redakteur beschäftigt. Zu Bildungspolitik und sexuelle Gewalt gegen Kinder publiziert er die Blogs pisaversteher [2][3] und Die gute Schule.[4]

Füller ist Autor und Co-Autor mehrerer Bücher. In Schlaue Kinder, schlechte Schulen beschrieb und kritisierte er 2008 das deutsche Schulsystem. Mit Die Gute Schule: Wo unsere Kinder gerne lernen porträtierte er 2009 die – in seiner Wahrnehmung – fünf besten Schulen Deutschlands und fand viele Gemeinsamkeiten für das neue Lernen. In dem Buch findet sich eine Liste der „100 besten Schulen Deutschlands“, darunter die Odenwaldschule. Füller kritisiert in dem Buch scharf Eltern, die immer ihr Kind als erstes sehen.[5] In Ausweg Privatschulen?, das gleichfalls ein Reportagen- und Porträtbuch ist, legte er zusammen mit Annegret Nill und Wolf Schmidt eine Beschreibung der deutschen Hassliebe zu privaten Schulen vor. Seine These, dass es nicht weniger, sondern mehr freier Schulen bedürfe, wurde kontrovers aufgenommen, unter anderem von der Gewerkschaft GEW[6] und der SZ.[7] Auch in diesem Band stellt die Odenwaldschule (Kapitel Die Reformpädagogen) eine besondere Schule dar, ohne dass Füller die Missbrauchs-Vorwürfe gegen den Schulleiter Gerold Becker erwähnt.

Füller plädierte mehrfach dafür, Studiengebühren zu erheben – wenn auch unter der Bedingung, dass die Studierenden über die Gebührentöpfe in den Hochschulen selbst verfügen sollten.[8] Gegen diese Texte gab es stets wütende Proteste.[9] Füller kritisiert die Bildungsarmut der Bundesrepublik[10], ihre Modernisierungsblockade durch den Föderalismus und den mangelnden Reformwillen.[11] Der Journalist interviewte den Sonderberichterstatter der Vereinten Nationen für das Recht auf Bildung, Vernor Muñoz,[12] und setzt sich publizistisch für Inklusion ein, das gemeinsame Lernen behinderter Kinder mit Schülern ohne Behinderungen.[13]

In dem 2011 publizierten Buch Sündenfall untersucht er die 2010 erneut skandalisierten Missbrauchsfälle an der Odenwaldschule. Er geht der Frage nach, „ob nicht der Missbrauch die Achillesferse der Reformpädagogik ist“.[14][15] In dem Buch entschuldigte sich der Autor, dem Verdacht gegen Becker nicht bereits früher nachgegangen zu sein. In den Blättern für deutsche und internationale Politik erschien eine Zusammenfassung des Buchs.[16] Füller forderte ein Odenwald-Tribunal gegen die schuldigen Lehrer und Netzwerke.[17]

Füller geht von einer doppelten Krise der deutschen Bildungspolitik aus. Auf der einen Seite die Pisa-Krise der staatlichen Schulen, auf der anderen der Verlust der Alternative „nach dem Supergau, den die Reformpädagogik auf ihrem Flaggschiff der Odenwaldschule Oberhambach produziert hat“.[18] Im Freitag schrieb der Autor von einer wahnsinnigen Bildungsrepublik, die auf Elemente der reaktionären Kritik von Julius Langbehn aus dem Jahr 1890 zurückgreife. „Genau das alles findet im Jahr 2014 wieder statt, wenn Eltern zusammen mit linken bis ultrakonservativen Bildungsesoterikern vor dem Pisawahnsinn der US-amerikanisch und kapitalistisch gesteuerten OECD warnen.“[19] In der FAS forderte Füller, Lehrer bei erwiesener pädagogischer Unfähigkeit aus dem Beamtenverhältnis entlassen zu können.[20]

An der Debatte über die Verleihung des Theodor-Heuss-Preises 2013 an Daniel Cohn-Bendit beteiligte sich Füller mit mehreren Artikeln in der taz, dem Freitag und der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.[21]

In der Debatte um die Grünen und den Missbrauch vertrat Füller die These, dass Pädophilie bei den Grünen „keine Nebensache“ gewesen, sondern „in der grünen Ideologie angelegt“ sei. Dies geschah zuerst in einem von der taz bestellten und juristisch geprüften Artikel, den Chefredakteurin Ines Pohl dennoch stoppen ließ. Pohls Entscheidung, der Wortlaut von Füllers Artikel und Einzelheiten aus der Redaktionssitzung gelangten nach einer Veröffentlichung von Stefan Niggemeier an die Öffentlichkeit.[22][23][24][25][26][27][28][29] Nach einem Bericht der FAZ wies Pohl die Ressortleiter des Blattes später schriftlich an, es dürften „keine Texte von ihm in der taz erscheinen. Bitte sorgt dafür, dass dies nicht passiert.“[30] Eine Lang-Fassung erschien am 14. September 2013 in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.[31][32]

Im März 2015 untersuchte Füller in dem Buch „Die Revolution missbraucht ihre Kinder“[33] Protestbewegungen wie den Wandervogel oder die 68er-Bewegung auf pädosexuelle Legitimationsmuster. „Die These, dass pädophile Positionen fest in Weltanschauung und Parteistruktur [der Grünen] verankert waren, kann er mit einigen neuen Details belegen“, schrieb die taz mit Bezug auf Füllers Enttarnung des grünen NRW-Spitzenkandidaten für die Bundestagswahl 1983, Werner Vogel.[34][35] Die Reaktionen waren kontrovers. „Christian Füller hat sich verrannt, weil er unbedingt den Popanz des Sexualrevolutionärs brauchte, der Kinder missbraucht“, schrieb Alan Posener.[36] SZ.de resümierte, dass er zeige, „wie Päderasten in einem ideologisch aufgeheizten Umfeld Wege finden, sich diese Ideologien in ihrem Sinne zurechtzubiegen.“ [37] In den Blättern verglich er den Missbrauch in den katholischen Internaten des Stift Kremsmünster und Kloster Ettal mit dem an der Odenwaldschule. "Die Ideologie der Eliten deckte dort die pädosexuellen Täter."[38]

Schriften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Die neue alte Spitze taz vom 11. September 2017; Der Freitag stellt sich neu auf: Jakob Augstein und Philip Grassmann geben Chefredaktion an Christian Füller ab, meedia.de vom 23. Februar 2017
  2. pisaversteher.de
  3. pisaversteher.com.
  4. dieguteschule.wordpress.com
  5. Christian Füller: My Kind First: Lern nicht mit den Schmuddelkindern Spiegel Online vom 12. Juni 2009.
  6. Peter Sinram: Herausforderung Privatschulen? in der GEW-Zeitschrift Berlin
  7. Alex Rühle: Warum der Klassenkampf keiner mehr ist, Süddeutsche Zeitung vom 16. September 2012.
  8. Christian Füller: Protest der Privilegierten taz vom 10. Februar 2002; Studiengebühren jetzt! taz vom 20. Oktober 2004; Karl Marx hatte Recht taz vom 24. Oktober 2012
  9. Torsten Bultmann: Studiengebühren für Kindergärten?; NachDenkSeiten: [1]
  10. Christian Füller: Ungleich, ungerecht, ineffizient Berliner Republik 3/2010
  11. Christian Füller: Die ziellose Bildungsrepublik Berliner Republik 2/2013
  12. Christian Füller: Behinderte müssen wählen können, taz vom 6. Juni 2009
  13. Christian Füller: Unter Schurkenstaaten, taz vom 27. Januar 2010; Kosmetischer Abschluss, taz vom 4. März 2009; Pädagogik paradox: Autistenschule schmeißt Autisten raus Spiegel online vom 1. Juni 2011
  14. Rezensionsnotizen im Perlentaucher zu Sündenfall.
  15. Jörg Schindler: Blind für die Versuchungen, Frankfurter Rundschau online vom 28. März 2011.
  16. Geleugnete Schuld, Blätter für deutsche und internationale Politik, Ausgabe 3/2012
  17. Missbrauch an Reformschule: Warum wir ein Odenwald-Tribunal brauchen Spiegel Online vom 14. April 2010
  18. Füllers Kritik am Interview mit Otto Herz Bildungsreporter
  19. In der Wahnsinnsrepublik Freitag vom 16. April 2014
  20. Gescheitert, aber unkündbar Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung vom 10. Feb 2014
  21. Der Tabubrecher, taz online vom 19. April 2013; Großer Kinderladen BRD vom 25. April 2013; Dany im Kinderladen, faz.net vom 29. April 2013; Danys Phantasien und Träume, faz.net vom 29. April 2013.
  22. „Diese Entscheidung, der betroffene Text und die redaktionsinterne Diskussion sind durch Illoyaliäten an die Öffentlichkeit gelangt“, Ines Pohl zur Nicht-Veröffentlichung eines Artikels über Pädophilie und grüne Ideologie, taz-Hausblog, 22. August 2013
  23. Verhinderte die taz einen kritischen Artikel zu den Grünen? In: Tagesspiegel, 19. August 2013 [2]
  24. Zensur bei "taz" als Wahlkampfhilfe für Grüne? In: WELT, 19. August 2013 [3]
  25. Grüne und Pädophilie: Die taz kippt einen Artikel. In: FAZ, 19. August 2013 [4]
  26. Die heile Welt der Grünen. Warum die „taz“ einen Artikel über Pädophilie unterdrückt. In: ZEIT, 22. August 2013 [5]
  27. Grüne und Pädophile „taz“-Chefin in Erklärungsnot. In: FAZ, 23. August 2013 [6]
  28. Pädophilie-Debatte: Irrwege des Liberalismus. In: Spiegel, 28. August 2013 [7]
  29. Aaram Ockert: Hetze gegen GRÜN. In: Freitag, 29. August 2013 [8]
  30. „Kritischer Journalismus“ bei der „taz“, Die falschen Fragen. In: FAZ, 11. September 2013
  31. taz mahnt FAZ ab, 18. September 2013
  32. Christian Füller: Sexuelle Befreiung. Frankfurter Allgemeine Zeitung, 14. September 2013, abgerufen am 17. September 2013.
  33. dierevolutionmissbrauchtihrekinder.wordpress.com.
  34. Nina Apin: Kulturgeschichte der Übergriffigkeit [9] In: die tageszeitung vom 12. März 2015
  35. Pädophiles Waterloo [10] In: Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 9. April 2015
  36. Alan Posener: Im Paradies für Päderasten? [11] In: Die Welt vom 14. März 2015
  37. Thorsten Denkler: Wie Päderasten Einfluss nehmen [12] In: SZ.de 14. März 2015
  38. [13], Blätter für deutsche und internationale Politik, Ausgabe 4/2016