Christian Wolter

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Christian Wolter (* 1972 in Teterow) ist ein deutscher Museologe, Sporthistoriker und Autor.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Christian Wolter wuchs in der DDR in der damaligen Kreisstadt Teterow auf, die nach der Wende zum Landkreis Rostock im neuen Bundesland Mecklenburg-Vorpommern kam. Nach seinem Schulabschluss 1988 machte Wolter bis 1990 eine Berufsausbildung als Maurer. Zudem betätigte er sich literarisch und wurde insbesondere in der Social-Beat-Bewegung der 1990er Jahre aktiv. Wolter veröffentlichte zahlreiche Prosatexte in verschiedenen Underground-Literaturmagazinen, bestritt viele Lesungen und trat oft bei Social-Beat-Festivals sowie bei den Berliner Lesebühnen Reformbühne Heim & Welt und Chaussee der Enthusiasten auf. Außerdem hatte er Fernsehauftritte im damaligen Bürgersender Offener Kanal Berlin.[1]

Von 1996 bis 1999 gab Wolter das Fanzine FRÖSI für die FRAU heraus. Der Name war eine satirische Anspielung sowohl auf die ehemalige DDR-Kinderzeitschrift FRÖSI („Fröhlich sein und singen“), die von 1953 bis 1991 erschien, als auch auf die frühere Zeitschriften-Welt des DDR-Verlagsbetriebs Verlag für die Frau, der neben Büchern zahlreiche Mode- und Ratgeber-Frauenzeitschriften herausgab. Wolters „Punk-Fanzine“ gilt inzwischen als „legendär“. 1998 tourte er mit dem Züricher Duo Ärger & Seelenlos durch die Schweiz und die Bundesrepublik Deutschland.[1][2]

2001 erschien im süddeutschen Independent-Verlag Killroy Media Wolters Debütroman Die FRÖSI-Bande, in dem er eine mecklenburgische Adoleszenzgeschichte erzählt, „mit allem, was dazugehört: Sex, Drogen, Provinz, Arbeitslosigkeit, Hansa-Fans und Neonazis“. Die „trashige Nachwendesatire“ fand einige Beachtung beim Publikum und der Kritik.[2][3][4] 2004 veröffentlichte er das Hörspiel Diese starke Lust am Bösen, in dem er in einzelnen Geschichten, die in der DDR-Vor- und Nachwendezeit spielen, das Verhalten von „hartgesottenen und gewaltbereiten“ Fußballfans in der ostdeutschen Provinz thematisiert.

Mitte der 2000er Jahre studierte Wolter Museologie an der Hochschule für Technik, Wirtschaft und Kultur in Leipzig. In seiner Abschlussarbeit befasste er sich mit dem Leipziger Bruno-Plache-Stadion, das bei dessen Eröffnung 1922 das größte vereinseigene Fußballstadion Deutschlands war und in dem heute die Heimspiele des 1. FC Lokomotive Leipzig ausgetragen werden. Aus seiner Diplomarbeit resultierte 2008 das Sachbuch Stadion, Tore, Emotionen, in dem Wolter sowohl die Geschichte dieser traditionsreichen Leipziger Sportkampfbahn aufarbeitet als auch viele Zeitzeugeninterviews und Fotos wiedergibt.[5]

Ende der 2000er Jahre ging er nach Berlin und recherchierte dort zweieinhalb Jahre in den Archiven des Landes und der Vereine über die Geschichte der Berliner Fußballplätze, anfangs als Privatforscher und später für das Fanprojekt Berlin. Hieraus entstand das Sachbuch Rasen der Leidenschaften, das 2011 herauskam und in dem Wolter die „Geschichte und Geschichten“ von etwa 75 Berliner Spielstätten darstellt und über „Vereine, Rekorde und Tumulte“ berichtet.[6][7]

Seit 2012 forscht er zum Arbeiterfußball in Berlin.[7] Anfang 2015 veröffentlichte er dazu sein Buch Arbeiterfußball in Berlin und Brandenburg 1910–1933, das im Hildesheimer Arete Verlag erschien. Seit 2016 betreibt er die Webseite arbeiterfussball.de.[8]

Christian Wolter lebt und arbeitet in Mecklenburg.

Publikationen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Belletristik

Sachbücher

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Vgl. Angaben zu Christian Wolter (Memento des Originals vom 27. Februar 2014 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.killroy-media.de auf der Website des Verlags Killroy Media (www.killroy-media.de); abgerufen am 23. Februar 2014.
  2. a b Marc Degens: satt.org-Literaturredakteur Marc Degens empfiehlt: >> Christian Wolter: Die FRÖSI-Bande. Literaturempfehlung im Online-Feuilleton satt.org, Stand: 30. Juni 2006; abgerufen am 23. Februar 2014.
  3. Daniel Beskos: Das Beste vom Osten sind immer noch die Möbel. Christian Wolters „Frösi-Bande“. Rezension in literaturkritik.de, Ausgabe Nr. 11, November 2002; abgerufen am 23. Februar 2014.
  4. Theo Breuer: Deutschsprachige Prosa (Teil 2) >> Die „FRÖSI-Bande“ von Christian Wolter. Rezension im Onlinemagazin Titel-Kulturmagazin vom 28. Februar 2005; abgerufen am 23. Februar 2018.
  5. (Redaktion): Schlachten Tore Emotionen. Ein Buch über das Bruno-Plache-Stadion in Leipzig Probstheida. In: Leipziger Internet Zeitung vom 24. April 2008; abgerufen am 23. Februar 2014.
  6. Andreas Gläser: Rasen der Leidenschaften. Berlins Fußballstadien: Wo der Ball zuhause ist. Rezension in: Der Tagesspiegel vom 23. Januar 2012; abgerufen am 23. Februar 2014.
  7. a b Jens Uthoff: Das war die goldene Hertha-Ära. Interview mit Christian Wolter in der taz vom 24. April 2012; abgerufen am 23. Februar 2014.
  8. arbeiterfussball.de - Aktuelles. Abgerufen am 3. April 2018.