ClamAV

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ClamAV – Clam AntiVirus
ClamTk.png
ClamAV mit der Oberfläche ClamTk auf Xubuntu 10.04
Basisdaten
Entwickler Cisco (ab 2013; davor Sourcefire)
Aktuelle Version 0.99.1, Beta 1[1]
(4. Februar 2016)
Betriebssystem plattformübergreifend (Unixähnliche, wie Linux und Mac, sowie Windows und Ähnliche, wie etwa OS/2)
Kategorie Virenschutzprogramm
Lizenz GPL
Deutschsprachig ja (teilweise)
www.clamav.net

ClamAV (Clam AntiVirus) ist ein unter der GNU General Public License stehendes Virenschutzprogramm – also eine Anwendung gegen Schädlinge wie etwa Viren – mit einem Phishing-Filter, welcher häufig auf E-Mail-Servern zur Ausfilterung sogenannter Computerwürmer und Phishing-E-Mails zum Einsatz kommt. Bei ClamAV handelt es sich um eine Bibliothek, die in eigene Anwendungen eingebunden werden kann, einen im Hintergrund laufenden Dienst (Daemon) und eine Befehlszeilen-Anwendung.

Unter Linux greift ClamAV auf fanotify zurück, um den Zugriff auf das Dateisystem über den Virenscanner umzuleiten, und kann daher als Echtzeitscanner verwendet werden; unter Windows sind für den Einsatz als Echtzeitscanner Zusatztools notwendig.

Technische Einzelheiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

ClamAV besteht aus mehreren einzelnen Anwendungen, die wichtigsten sind:

  • Der auf der Befehlszeile arbeitende Virenscanner clamscan,
  • Der wahlweise nutzbare Daemon clamd. Er lädt die Virensignaturen nur einmal beim Systemstart in den Arbeitsspeicher und nicht wie clamscan bei jedem Aufruf.
  • Das vergleichsweise schlanke Frontendprogramm clamdscan übergibt die zu prüfenden Dateien an clamd und wertet dessen Resultate aus.
  • freshclam verwaltet die vorhanden Virensignaturen. Es kann auch Aktualisierungen der Virensignaturen von einem Server von Sourcefire VRT herunterladen.

Für die Einbindung in Mail Transfer Agents existieren weitere Anwendungen wie clamav-milter, amavis, simscan oder qmail-scanner.

Da ClamAV freie Software ist,[2] fand es schnell Einzug in unterschiedliche Linux-Distributionen und wurde auch auf andere Betriebssysteme portiert. Zudem wurden eine Reihe von grafischen Oberflächen entwickelt.

Beispiel-Sitzung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bei einer ClamAV-Sitzung wird das Programm clamscan aufgerufen, um das aktuelle Verzeichnis zu durchsuchen. Das folgende Beispiel durchsucht drei Dateien. Die erste Datei wird als Phishing-E-Mail erkannt, die zweite als Virus-E-Mail. Die dritte Datei wird als sauber erkannt:

foo@bar:~$ clamscan
/home/foo/Phishing-E-Mail: HTML.Phishing.Bank-159 FOUND
/home/foo/Virus-E-Mail: Adware.Casino-1 FOUND
/home/foo/saubere-Datei: OK
----------- SCAN SUMMARY -----------
Known viruses: 42498
Engine version: 0.88
Scanned directories: 1
Scanned files: 3
Infected files: 2
Data scanned: 0.99 MB
Time: 1.765 sec (0 m 1 s)

Derivate und grafische Benutzeroberflächen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

ClamWin für Windows[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

ClamWin 0.95.1 ausgeführt auf Windows XP

ClamWin[3] ist ein unter der GPL stehender Virenscanner für Windows, der von Alex Cherney entwickelt wird und auf ClamAV basiert. Die Portierung des ursprünglichen ClamAV-Quellcodes auf die Windows-Plattform erfolgt seit der Version 0.88.1 und ist nicht mehr von einer Unix-Laufzeitumgebung wie Cygwin abhängig. ClamWin ist in einem Paket als Windows-Installer verfügbar und seit dem 18. April 2006 auch ohne Installation als Portable Software nutzbar, welche beispielsweise auch von einem USB-Stick ausgeführt werden kann.[4]

Zudem gibt es für den Open-Source-Webbrowser Mozilla Firefox die Erweiterungen ClamWin Antivirus Glue for Firefox (mit Unterstützung bis zur Firefox-Version 1.5.0.x) und Fireclam[5] (ab Firefox-Version 3.0), mit der selbstständig alle heruntergeladenen Dateien durch ClamWin überprüft werden können.

In der Anwendung enthalten sind:

Geplant:

Clam Sentinel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Clam Sentinel[6] ist ein Echtzeit-Scanner und setzt auf ClamWin auf.[7] Es läuft unter Windows 98/98SE/ME/XP/Vista/7/8 und nistet sich als Anwendung im Infobereich der Taskleiste ein. Es erkennt Veränderungen am Dateisystem und prüft diese durch ein im Hintergrund mitlaufendes ClamWin-Antivirus. Auch werden angeschlossene Laufwerke wie z.B. USB-Sticks von Clam-Sentinel überwacht, solange bis diese Geräte wieder getrennt werden. An Funktionen bietet es:

  • Erweitert ClamWin mit einem Echtzeitschutz
  • Integriertes System zum Erkennen von Angriffen (Intrusion detection)
  • Heuristischer Schutz
  • Schutz für USB-Sticks und austauschbare Datenträger
  • Verwendet das Quarantäneverzeichnis von ClamWin
  • Prüft in Echtzeit Logdateien, Laufwerke, Arbeitsspeicher und Nachrichten
  • Voreinstellungen sind für die meisten Computer bereits eingerichtet
  • Einfache Konfiguration über das Symbol im Informationsbereich (System Tray)
  • Unterstützt Betriebssysteme ab Win98 und neuer
  • Verfügbar in Englisch, Italienisch, Deutsch und Französisch
  • Mehrbenutzerfähig

ClamAV für Windows[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Des Weiteren gibt es auch verschiedene Portierungen von ClamAV für Windows, welche wie die Linux-Variante über die Netzwerkschnittstelle (über Port 3310) ansprechbar sind – sowohl unmittelbar ausführbare Varianten als auch solche, die die Hilfe von Cygwin benötigen.

Unmittelbar ausführbare Varianten:

  • ClamAV Antivirus Native Win32 Port[8] – bildet die Grundlage für ClamWin
  • ClamAV for Windows, jetzt Immunet FREE Antivirus[9] – die Basis war der ursprüngliche Quellcode von ClamAV

Portierung auf Cygwin (für Windows):

KDE-Oberfläche KlamAV[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

das KlamAV-Einstellungsfenster

KlamAV ist ein unter der GPL stehender KDE-Frontend für ClamAV, welcher von Robert Hogan entwickelt wird.

In der Anwendung enthalten sind:

ClamXav für Mac OS X[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mit ClamXav existiert auch für das Betriebssystem Mac OS X eine grafische Benutzeroberfläche, die ClamAV als Basis nutzt und ständig weiter entwickelt wird. Allerdings handelt es sich hierbei seit der Version 2.8 um ein kommerzielles Produkt.

ClamAV-GUI für OS/2[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auch für das Betriebssystem OS/2 und sein Derivat eComStation existiert eine grafische Benutzeroberfläche,[11] die ClamAV als Basis nutzt und weiter entwickelt wird.

ClamMail für Windows[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

ClamMail ist ein E-Mail-Proxy auf Basis von ClamAV. Bevor die Post in den E-Mail-Client kommt, läuft sie durch den Virenscanner. Im Programm enthalten ist eine automatische Aktualisierungs-Funktion.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

ClamAV existiert seit den frühen Nullerjahren des 21. Jahrhunderts.[12]

Im Juli 2003 zog ClamAV auf SourceForge um.[13] Im Oktober 2003 folgte Round Robin der Spiegelserver seiner Datenbank per Resource Record, im Januar 2004 eine sprunghafte Vergrößerung der Datenbank, und im Februar 2004 ein von Debian inspiriertes Verfahren zur schnellen Aktualisierung aller Spiegelserver.[14][15][16]

Im August 2007 verkauften die hauptsächlichen Entwickler von ClamAV das Projekt an Sourcefire.[17]

Im Juli 2013 wurde Sourcefire und damit auch ClamAV von Cisco gekauft.[18][19]

Versionsgeschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Version veröffentlicht am[20] Anmerkungen und wichtigste Änderungen
Ältere Version; nicht mehr unterstützt: 0.60 29. Juli 2003 [21] Unterstützung bis 1. September 2004.
Ältere Version; nicht mehr unterstützt: 0.65 12. November 2003 [21] Komprimierte und digital signierte Datenbank.[21]
Ältere Version; nicht mehr unterstützt: 0.70 15. März 2004 [22] Robusterer Daemon und auf VBA-Makros für MS Office erweitert.[22]

Es folgten 6 weitere Versionen der 0.7er-Reihe von 0.71 bis 0.75.1 am 30. Juli 2004.

Ältere Version; nicht mehr unterstützt: 0.80 17. Oktober 2004 Es folgten 19 weitere Versionen in der 0.80er-Reihe (nach 0.80 von 0.81 bis 0.88.7)

Letzte Version: 0.88.7 am 11. Dezember 2006

Ältere Version; nicht mehr unterstützt: 0.90 13. Februar 2007 Es folgten 14 weitere Versionen in der 0.90er-Reihe bis zum Ende der 0.94er-Reihe (nach 0.90 von 0.90.1 bis 0.94.2)

Letzte Version: 0.94.2 am 26. November 2008

Ältere Version; nicht mehr unterstützt: 0.95 23. März 2009 Neu: Unterstützung für Windows-Systeme;[23] es folgten 3 weitere Versionen in der 0.95er-Reihe (nach 0.95 von 0.95.1 bis 0.95.3) mit Sicherheits- und Stabilitätsaktualisierungen[24][25]

Letzte Version: 0.95.3 am 28. Oktober 2009

Ältere Version; nicht mehr unterstützt: 0.96 31. März 2010 Neu: Heuristik zur Windows-Malware-Erkennung; Unterstützung der Dateiformate für 7zip, InstallShield, cpio und weitere;[26] neu in Version 0.96.2: neuer Parser für PDF-Dateien, sowie Optimierung der Ausführungsgeschwindigkeit und des Speicherverbrauches;[27] gemeinschaftlich-basierte Nachweisverfahren (mit Cloud Computing und Unterstützung der Internetgemeinschaft);[28] es folgten fünf Versionen in der 0.96er-Reihe (nach 0.96 von 0.96.1 bis 0.96.5), unter anderem mit Sicherheits- und Stabilitätsaktualisierungen

Letzte Version: 0.96.5 am 30. November 2010

Ältere Version; nicht mehr unterstützt: 0.97 7. Februar 2011 Neu: Unterstützung von Windows, Unterstützung von Signaturen, die auf SHA1 und SHA256 basieren, verbesserte Fehlererkennung, Geschwindigkeits- und Speicheroptimierungen[29]

Es folgten vier Versionen in der 0.97er-Reihe (nach 0.97 von 0.97.1 bis 0.97.6)
Letzte Version: 0.97.8 am 23. April 2013

Ältere Version; nicht mehr unterstützt: 0.98 19. September 2013 neben der Unterstützung weiterer Dateiformate (wie ISO-9660-Abbilder und selbst entpackende 7z-Archive) wurde unter anderem für Echtzeitüberwachung das Modul Clamuko/Dazuko durch fanotify ersetzt;[30]

Letzte Version: 0.98.7 am 28. April 2015

Aktuelle Version: 0.99 1. Dezember 2015 u.a. Erweiterung mit der Malware-Beschreibungssprache YARA, zudem eine neue Echtzeitüberwachung für Linux[31]
Aktuelle Version: 0.99.1 am 4. Februar 2016[1]
Legende:
Alte Version
Ältere Version; noch unterstützt
Aktuelle Version
Aktuelle Vorabversion
Zukünftige Version

Erweiterbarkeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

ClamAV selbst ist (unter Windows) kein Echtzeit-Scanner, kann aber zusammen mit Programmen wie ClamFS, Spyware Terminator, Clam Sentinel oder Winpooch zur Echtzeit-Scannung genutzt werden.

Kritik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

ClamAV stand vor allem wegen seiner niedrigen Erkennungsraten in der Kritik. Im Januar 2008 erreichte ClamAV in einem Test des Magdeburger Sicherheitsinstituts AV-Test mit über einer Million Schädlingen eine Erkennungsrate von nur 77,3 Prozent (bester Wert 99,9 %, schlechtester 55,8 %). Auch die Rate an Falsch-Alarmen war vergleichsweise hoch.[32][33]

Im August 2007 erreichte ClamAV mit der Version 0.91-1-1 des Linux-Clients unter Ubuntu bei einem unabhängigen Test des Dienstleisters Untangle noch einen Wert von 100 Prozent bei der Catch-Rate (gleichwertig mit den Produkten der Firmen Kaspersky und Norton) im Wild- und EICAR-Test und belegte mit über 90 Prozent im Gesamtergebnis den 2. Platz.[34]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: ClamAV – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b ClamAV: herunterladen (englisch) – ClamavNet; abgerufen am 23. Februar 2016
  2. About. ClamAV, abgerufen am 13. Dezember 2014 (englisch).
  3. ClamWin - Free Antivirus. ClamWin, abgerufen am 19. Juni 2014.
  4. ClamWin Portable Support (englisch) – Seite mit Entwicklungsgeschichte bei PortableApps.com; Stand: 28. Juni 2013
  5. Fireclam – Eintrag bei Firefox Add-ons (abgerufen am 13. Oktober 2009)
  6. Clam Sentinel - Free Realtime Antivirus. Clam Sentinel, abgerufen am 1. September 2014.
  7. Clam Sentinel - Making ClamWin Be Used In Real-Time. Cyber Pillar, abgerufen am 1. September 2014 (englisch).
  8. ClamAV Native Win32 Port. Gianluigi Tiesi, abgerufen am 8. April 2009 (englisch).
  9. ClamAV - Windows Antivirus (englisch) – Informationen zu Immunet FREE Antivirus auf der Seite von Clam AntiVirus, am 19. Juni 2014
  10. ClamAV/SOSDG (Memento vom 6. Januar 2014 im Internet Archive) (englisch) – Summit Open Source Development Group, am 25. März 2009 (zuletzt im Internet Archiv gesichert am 6. Januar 2014)
  11. ClamAV-GUI for eCS (englisch und französisch)
  12. Alan Shimel: ClamAV Founders Moving On From Sourcefire. In: Network World. International Data Group, 20. Juni 2012, abgerufen am 15. Dezember 2015.
  13. New home for ClamAV. In: SourceForge. 29. Juli 2003, abgerufen am 15. Dezember 2015.
  14. database distribution. In: SourceForge. 30. Oktober 2003, abgerufen am 15. Dezember 2015.
  15. huge database update. In: SourceForge. 8. Januar 2004, abgerufen am 15. Dezember 2015.
  16. New mirroring system. In: SourceForge. 18. Februar 2004, abgerufen am 15. Dezember 2015.
  17. Dirk Martin Knop: Sourcefire kauft ClamAV-Projekt. In: Heise online. 17. August 2007, abgerufen am 15. Dezember 2015.
  18. Sourcefire: Cisco kauft Anbieter von Intrusion Detection System SnortGolem, am 24. Juli 2013
  19. Cisco kauft SourcefireAdmin-Magazin, am 25. Juli 2013
  20. Browse /clamav (englisch) – Versionsliste bei SourceForge; Stand: 26. Juli 2011
  21. a b c Important notice for people using ClamAV 0.60. In: SourceForge. 15. August 2004, abgerufen am 15. Dezember 2015.
  22. a b 0.70 release: new clamd and VBA macros decoding. In: SourceForge. 15. März 2004, abgerufen am 15. Dezember 2015.
  23. ClamAV: Download - ClamAV: Sichern sie Ihr UNIX NetzwerkNetzwelt, am 31. Januar 2011
  24. Sicherheits-Update für Open-Source-VirenscannerHeise online, am 11. April 2009
  25. Update für freien Virenscanner ClamAV beseitigt SehschwächeHeise online, am 17. Juni 2009
  26. Freier Virenscanner ClamAV in Version 0.96 verfügbarHeise online, am 8. April 2010
  27. Neuer PDF-Parser für ClamAV-Antiviren-ScannerAdmin-Magazin, am 13. August 2010
  28. ClamAV für WindowsCHIP online, am 20. September 2010
  29. ClamAV 0.97 has been released! (englisch) – ClamAV Blog, am 7. Februar 2011
  30. ClamAV 0.98 has been released! (englisch) – ClamAV, am 19. September 2013 (abgerufen am: 30. September 2013)
  31. ClamAV-Virenscanner unterstützt YARAAdmin-Magazin, am 3. Dezember 2015
  32. Auf der Pirsch! Antivirenlösungen auf dem Prüfstandc’t 01/2008, am 22. Dezember 2007
  33. Anti-virus comparison test of current anti-malware products, Q1/2008 (Memento vom 15. Juli 2011 im Internet Archive) (englisch), Testergebnisse von AV-Test
  34. Untangle Fight Club (englisch) – Ergebnisse des FightClub auf der LinuxWorld 2007