Krankensalbung

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Die Krankensalbung ist eine in vielen Kirchen praktizierte Handlung, die an Kranken vollzogen wird und vor allem mit Anweisungen aus dem 5. Kapitel des neutestamentlichen Jakobusbriefes begründet wird. In der römisch-katholischen, der altkatholischen und der orthodoxen Kirche sowie in der Christengemeinschaft gilt die Krankensalbung als Sakrament. Evangelisch-Freikirchliche Gemeinden praktizieren die Krankensalbung als „Ältestendienst nach Jakobus 5“. Auch lutherische, reformierte und unierte Kirchen sehen zum Teil für die Krankenseelsorge wieder eine Salbung vor, die jedoch nicht als Sakrament verstanden wird.[1]

Biblischer Bezug

Das Neue Testament stellt, wie bereits das Alte Testament, Krankheit und Leid in einen Bezug zu Gott als dem Herrn über Krankheit und Heilung. Von Jesus von Nazaret erzählen die Evangelien zahlreiche Krankenheilungen; im heilenden Wirken Jesu wird das Reich Gottes erfahrbar (Lk 11,22 EU, Lk 7,18-22 EU). Jesus trug seinen Jüngern auf, Kranken beizustehen und sie zu heilen (Lk 10,9 EU). Die Jünger taten dies und verwendeten dabei als Zeichen auch ein seinerzeit übliches Mittel zur Wundheilung, die Salbung mit Öl (Mk 6,12-13 EU).[2]

Der Brief des Jakobus lässt erkennen, dass in der christlichen Gemeinde in den letzten Jahrzehnten des ersten christlichen Jahrhunderts die Praxis der Krankensalbung bestand:

„Ist einer von euch krank? Dann rufe er die Ältesten der Gemeinde zu sich; sie sollen Gebete über ihn sprechen und ihn im Namen des Herrn mit Öl salben. Das gläubige Gebet wird den Kranken retten und der Herr wird ihn aufrichten; wenn er Sünden begangen hat, werden sie ihm vergeben.“

Jakobus 5,14-15.

Der Kranke wird als jemand gekennzeichnet, der ἀσθενεῖ astheneī ‚schwach, krank ist‘, also offenbar ans Haus gebunden, aber er kann noch nach den Ältesten rufen; er ist (Vers 15) κάμνων kámnōn ‚ermüdet‘, aber nicht sterbend. Er ruft nach den „Ältesten der Gemeinde“, also den Mitgliedern des kollegialen Leitungsgremiums der Gemeinde, die „nicht aufgrund einer charismatischen Heilungsgabe, sondern kraft ihres Amtes zum Handeln am Kranken befähigt sind“. Salbung und Gebet gehören zusammen; vorrangiges Tun ist das Gebet „über den Kranken hin“ (ἐπ' αὐτόν ep autón), die „Salbung im Namen des Herrn“ hat begleitende Funktion (ἀλείψαντες aleípsantes ‚während sie salben‘), sie ist Symbolhandlung und nicht medizinische Anwendung. Die Wirkung des Handelns erwächst aus dem Gebet. Dadurch wird ein magisches Verständnis der Salbung ausgeschlossen. [3]

Geschichte der Krankensalbung

Aus der Zeit bis zum frühen Mittelalter sind nur wenige Gebete überliefert, die zur Segnung des Salböls für die Krankensalbung gesprochen wurden, jedoch keine eigentlichen liturgischen Ordnungen. Im altkirchlichen Sprachgebrauch wurde nicht die Salbung, sondern das geweihte Öl (griech. μύρον míron, auch ἒλαιον νοσούντων élaion nosoúntōn „(Oliven)Öl der Kranken“, lat. pinguedo olivae „Fett der Olive“ oder oleum benedictum „geweihtes Öl“) als „Sakrament“ bezeichnet. Die Gläubigen brachten Öl mit in die Kirche, wo es vom Bischof oder Priester am Ende des Hochgebets der heiligen Messe gesegnet wurde. Ab dem 5. Jahrhundert wurde das Öl im römischen Ritus am Gründonnerstag vom Bischof geweiht und konnte danach von den Gläubigen mitgenommen oder bei Bedarf abgeholt werden. Bis ins 8. Jahrhundert hatten Laien die Möglichkeit, das geweihte Öl zu Hause aufzubewahren und bei sich oder bei kranken Familienangehörigen anzuwenden, die Salbung konnte aber auch vom Priester vorgenommen werden. Man salbte möglicherweise die erkrankten Körperstellen oder den ganzen Körper. In der ältesten Zeit wurde das Öl wahrscheinlich auch getrunken. [4]

Ein im 5. Jahrhundert entstandenes, auf ältere koptische Vorlagen zurückgehendes Gebet zur Weihe des Krankenöls („Emitte, quaesumus, Domine“) ist noch heute nur leicht verändert Bestandteil der Liturgie der Ölweihe, die am Gründonnerstag oder einem anderen Tag der Karwoche in Kathedralkirchen stattfindet:

„Sende, wir bitten dich, Herr, den Heiligen Geist, den Parakleten, vom Himmel auf dieses Fett der Olive, das du vom grünen Holz zur Stärkung des Geistes und des Leibes hervorbringen ließest. Und dein heiliger Segen sei jedem, der sich damit salbt, davon kostet und es berührt, Schutz des Leibes, der Seele und des Geistes, der alle Schmerzen, alle Schwächen und jede Krankheit des Leibes vertreibt, [dieses Öl,] womit du Priester, Könige, Propheten und Märtyrer gesalbt hast.“

Sacramentarium Gelasianum vetus („Altgelasianum“)[5]

Bis zum frühen Mittelalter war die Praxis der Krankensalbung zurückgegangen. Bischof Jonas von Orléans (818-843) beklagte, viele Christen hätten sie aus Unwissenheit oder Sorglosigkeit aufgegeben und gingen stattdessen zu Wahrsagern und Zauberern. Im 9. Jahrhundert erkannten die Bischöfe verbreitet die Bedeutung der Krankensalbung für die Seelsorge und setzten sich für ihre Aufwertung ein. Die Salbung von Kranken durch Laien wurde von der Kirche verboten, da das Öl genus sacramenti „eine Art Sakrament“ sei und in die Hand des Priesters gehöre. Doch auch unter Priestern war das Sakrament vernachlässigt worden. Daher drängten die Bischöfe und Synoden dazu, das Sakrament wenigstens an Sterbende zu spenden. Die Salbung wurde in den Sakramentaren des 9. Jahrhunderts neben der Beichte und den Sterbegebeten verbindlich in die Sterbeliturgie aufgenommen (Ordines ad visitandum et unguendum infirmum „Ordnungen zum Besuch und zur Salbung eines Kranken“), bei den Begleittexten zur Salbung trat der Aspekt der Buße gegenüber dem der Heilung mehr und mehr in den Vordergrund. Gesalbt wurden meist die fünf Sinne, die Füße und die Lenden des Kranken. Zum Ritus gehörte in der Regel auch die Handauflegung.[6]

Die Sterbesakramente (unbekannter niederländischer Maler, um 1600)

Im Hochmittelalter kam für die Krankensalbung die Bezeichnung extrema unctio („Letzte Ölung“) auf. Aus der Anweisung, die Krankensalbung wenigstens den Sterbenden zu spenden, hatte sich die Praxis entwickelt, sie nur den Sterbenden zu erteilen. Dies wurde von der spekulativen Theologie, vermutlich ohne Wissen um die historischen Wurzeln, ausgefaltet und hatte so wieder stabilisierende Funktion auf die Praxis. Die Theologen der Scholastik sahen in der Krankensalbung die „Beseitigung aller Hindernisse vor dem Eingang in die himmlische Glorie“ - im 19. Jahrhundert dann auch als „Todesweihe“ bezeichnet -, ihre Spendung war „die Vollendung des kirchlichen Bemühens um die Heilung der Seele“ am Lebensende.[7] Petrus Lombardus sprach von unctio in extremis („Salbung in den letzten [Augenblicken des Lebens]“), Albertus Magnus von unctio exeuntium („Salbung der Sterbenden“). Erst im 20. Jahrhundert setzte sich die Bezeichnung unctio infirmorum („Salbung der Kranken“) durch, die den aus der Tradition der Alten und der frühmittelalterlichen Kirche bekannten Zeugnissen wie auch den heute noch verwendeten liturgischen Texten mehr entspricht.[8]

An der „falschen Praxis“ und dem darauf aufbauenden „spektakulären Gedankengebäude“ der Scholastik übten der byzantinische Theologe und Erzbischof Symeon von Thessaloniki († 1429) und ein Jahrhundert später die Reformatoren Kritik. Martin Luther wandte sich unter Berufung auf den Jakobusbrief in seiner Schrift De Captivitate Babylonica Ecclesiae 1520 entschieden gegen die Umdeutung der Krankensalbung in ein Sterbesakrament und weigerte sich, es in der praktizierten Form als auf Jesus zurückgehendes Sakrament zu akzeptieren.[9] Das Konzil von Trient verteidigte die Sakramentalität der Krankensalbung und die katholischer Praxis als der Bibel nicht widersprechend. „Die Begrifflichkeit bleibt im Rahmen der Auffassung, die in der Krankensalbung vor allem eine spirituelle Hilfe am Lebensende sehen wollte, freilich ohne dass eine dogmatische Festlegung in Richtung auf ein Sterbesakrament hin erfolgt ist.“[10] Der 1566 erschienene Catechismus Romanus fasste den Zeitraum der Sakramentenspendung weit und forderte zwar lebensgefährliche Krankheit - nicht Lebensgefahr allein, etwa auf Reisen oder vor einer Hinrichtung -, aber es dürfe nicht gewartet werden, bis keine Hoffnung auf Genesung mehr bestehe. Diese Weisung blieb in der Praxis jedoch weitgehend unbeachtet. Das Rituale Romanum von 1925 verschärfte sogar die Formulierung früherer Ritualien: Statt „dass Todesgefahr zu drohen scheint“ (ut mortis periculum imminere videatur) hieß es jetzt „sich aufgrund von Krankheit oder Altersschwäche in Todesgefahr befindet“ (ob infirmitatem vel senium in periculo mortis versetur).[11]

Krankensalbung in der römisch-katholischen Kirche

Die Krankensalbung wird als ein sakramentales Mittel der Stärkung und Ermutigung verstanden. Sie soll in schwerer Krankheit Anteil am Heiligen Geist schenken und in dem Kranken Vertrauen auf die göttliche Barmherzigkeit wecken. Nach katholischem Verständnis hat sie eine Sünden vergebende Wirkung[12] und verbindet den Kranken mit dem Leiden, dem Kreuz und der Auferstehung Jesu Christi.

„Durch die heilige Krankensalbung und das Gebet des Priesters empfiehlt die ganze Kirche die Kranken dem leidenden und verherrlichten Herrn, dass er sie aufrichte und rette (vgl. Jak 5,14-15 EU), ja sie ermahnt sie, sich aus freien Stücken mit dem Leiden und dem Tode Christi zu vereinigen (vgl. Röm 8,17 EU; Kol 1,24 EU; 2 Tim 2,11-12 EU; 1 Petr 4,13 EU) und so zum Wohle des Gottesvolkes beitzutragen.“

Zweites Vatikanisches Konzil, Dogmatische Konstitution Lumen gentium Nr. 11.

Die frühere offizielle Bezeichnung der Krankensalbung als Letzte Ölung ist volkstümlich auch heute noch in Gebrauch. Die zutreffende Bezeichnung, die auch die Konstitution des Zweiten Vatikanischen Konzils über die Liturgie der Kirche „Sacrosanctum Concilium“ (Nr. 73) verwendet, ist jedoch Krankensalbung. In diesem Sinn hat das Konzil beschlossen, den Ritus und die Deutung dieses Sakraments zu erneuern. Mit der Apostolischen KonstitutionSacram Unctionem Infirmorum“ erteilte Papst Paul VI. am 30. November 1972 die Approbation zur erneuerten Form der Krankensalbung.

Die Krankensalbung ist bestimmt für Menschen, „die sich wegen Krankheit oder Altersschwäche in einem bedrohlich angegriffenen Gesundheitszustand befinden“; das Sakrament kann wiederholt empfangen werden, wenn der Kranke zwischenzeitlich wieder zu Kräften gekommen war oder bei Fortdauer derselben Krankheit eine Verschlechterung eintritt.[13]

Sakramentale Handlung und Form

Aktueller Ritus

  • Eröffnung
    • Gruß, Besprengung mit Weihwasser, Einführung
    • Allgemeines Schuldbekenntnis mit Vergebungsbitte (oder Beichte)
  • Wortgottesdienst
  • Sakramentale Feier
    • Handauflegung
    • Weihe des Öls bzw. Dankgebet über das Öl
    • Salbung von Stirn und Händen
    • Gebet nach der Salbung
  • Abschluss

Gesalbt werden Stirn und Hände des Kranken, im Notfall genügt die Salbung der Stirn oder, falls das durch besondere Umstände nicht möglich sein sollte, eine andere, besser geeignete Stelle des Körpers. Zur Salbung mit dem Krankenöl spricht der Priester: „Durch diese heilige Salbung helfe dir der Herr in seinem reichen Erbarmen, er stehe dir bei mit der Kraft des Heiligen Geistes: Der Herr, der dich von Sünden befreit, rette dich, in seiner Gnade richte er dich auf.“

Für die Salbung kann das vom Bischof vor Ostern geweihte Öl verwendet werden, der Priester kann aber auch aktuelle das benötigte Öl weihen.[14]

Ablauf bis 1975

Nach dem außerordentlichen Usus (Liturgie von 1962) ist die Salbung der Sinne in der Form vorgesehen, wie sie für den deutschen Sprachraum bis zum Erscheinen des liturgischen Buches Die Feier der Krankensakramente. Die Krankensalbung und die Ordnung der Krankenpastoral in den katholischen Bistümern des deutschen Sprachgebietes 1975 vorgeschrieben war: Gesalbt werden die Sinnesorgane (Augen, Ohren, Nase, Mund, Hand, Füße) mit dem Öl oder – falls dies nicht möglich ist – die Stirn. Die Salbung der Nieren war 1925 entfallen, die Salbung der Füße konnte entfallen. Der Priester spricht auf Latein die Worte Per istam sanctam Unctionem et suam piissimam misericordiam indulgeat tibi Dominus quidquid per visum (auditum...) deliquisti. Amen. („Durch diese heilige Salbung und seine mildreichste Barmherzigkeit lasse dir der Herr nach, was du durch Sehen (Hören, Riechen, Schmecken und Reden, Berühren, Gehen) gesündigt hast. Amen“); bei Salbung der Stirn wird diese Formel abgeändert „… was immer du gesündigt hast“. Anstelle der Handauflegung streckt der Priester lediglich die rechte Hand über den Kranken aus.[15]

Materie der Krankensalbung

Bei der Krankensalbung wird nicht Chrisam, sondern Krankenöl (geweihtes Olivenöl, im Notfall ein anderes Pflanzenöl) verwendet. Dieses Krankenöl (lat.: oleum infirmorum) wird jedes Jahr in der Chrisammesse am Morgen des Gründonnerstags oder an einem früheren osternahen Tag vom Bischof in Konzelebration mit seinem Presbyterium geweiht und danach in die Pfarreien der Diözese verteilt. Dort soll es, zusammen mit den anderen heiligen Ölen zu Beginn der Messe vom Letzten Abendmahl am Gründonnerstag oder zu einem anderen geeigneten Zeitpunkt feierlich in die Kirche hineingetragen und seine Bedeutung der Gemeinde jährlich aufs Neue erklärt werden. Sowohl die Chrisammesse als auch die heiligen Öle selbst sind Sakramentalien.

Der Bischof kann das Krankenöl in jeder von ihm geleiteten Feier der Krankensalbung weihen. In Notsituation darf jeder Priester, der die Krankensalbung vollzieht, innerhalb dieser Feier das Krankenöl weihen.

Spender der Krankensalbung

Das Sakrament wird durch den zuständigen Pfarrer gespendet. Kann die Erlaubnis des Ortsbischofs angenommen werden, dürfen es auch andere Priester spenden. Im Notfall darf und soll dieses Sakrament jedoch jeder Priester spenden. Im Codex Iuris Canonici heißt es dazu: „Die Krankensalbung spendet gültig jeder Priester, und nur er.“[16] Wichtig für das Zustandekommen des Sakraments ist die entsprechende Absicht („Intention“) des Spenders, das Sakrament spenden zu wollen.

Versehgang und Sterbesakramente

Ferdinand Waldmüller (Sohn): Der Versehgang, Österreich, 1836

Wird die Krankensalbung Sterbenden gespendet, so wird der Kranke, soweit er hierzu jeweils noch in der Lage ist, auch mit den Sakramenten der Buße (vor der Krankensalbung) und der als Wegzehrung gespendeten Kommunion (nach der Krankensalbung) versehen (daher der Name „Versehgang“). Wenn der Kranke nicht mehr in der Lage ist, die Kommunion unter der Gestalt des Brotes zu empfangen, kann sie ihm auch unter der Gestalt des Weines gereicht werden. Gemäß vom Papst erteilter Vollmacht spendet der Priester zusätzlich den mit vollkommenem Ablass verbundenen apostolischen Segen. Ist der Sterbende nicht gefirmt, kann ihm der Priester auch dieses Sakrament spenden. Man spricht in diesen Fällen auch von den Sterbesakramenten.

In früheren Jahren ging in ländlichen Gebieten bei einem solchen Versehgang der Priester in Begleitung eines Ministranten in Chorkleidung zum Haus des Kranken, der Ministrant trug ein Licht und eine kleine Schelle, um Entgegenkommende auf die Gegenwart des Allerheiligsten aufmerksam zu machen. Heute kommt der Priester meist allein ins Haus, zur Spendung der Krankensalbung soll sich aber, wo immer möglich, eine kleine Gemeinde versammeln. Im Haus des Kranken soll, wenn möglich, ein mit einem weißen Tuch bedeckter Tisch für die heiligen Öle, Kerzen und ein Gefäß mit Weihwasser mit Aspergill oder einem Zweig zum Besprengen mit Weihwasser bereitgestellt werden.[17] Hierzu war vielfach in den Familien eine sogenannte Versehgarnitur mit den nötigen Ausstattungsgegenständen vorhanden.

Die Christengemeinschaft

Die von der Anthroposophie Rudolf Steiners geprägte Christengemeinschaft bezeichnet die Krankensalbung als Heilige Ölung oder Letzte Ölung. Sie ist ein Sakramentale und bildet die erste Stufe eines vierstufigen „Sterbe- und Todesgeleits.“ Ihr folgen in diesem Ritual die Aussegnung, die Bestattung oder Trauerfeier sowie die Menschenweihehandlung für Verstorbene.[18]

Bedeutung der Heiligen Ölung

Verstanden wird die Heilige Ölung als „tiefgreifende Hilfe, in welcher Richtung der Weg des Menschen sich auch wenden mag – zum Tod oder zurück ins Leben“. Sie vermittelt nach Auffassung der Christengemeinschaft ein Dreifaches: die Kraft, die den Geist vom Leib unabhängig macht; den Segen Jesu Christi, der den Tod überwunden hat; das Weggeleit „von Dasein zu Dasein“. Es besteht die Überzeugung, dass die sakramentale Handlung auch bei Bewusstlosigkeit des Sterbenden ihre Wirkung entfaltet. Anders als in der katholischen Kirche wird die Letzte Ölung jedoch nicht an bereits Verstorbenen vollzogen.

Die Heilige Ölung als Handlung

Allein der ordinierte Priester der Christengemeinschaft hat die Vollmacht, die Letzte Ölung dem Sterbenden zu spenden. In der Regel assistiert ein Ministrant, der bei der Handlung am Sterbebett die Gemeinde vertritt. Der Priester legt vor dem Akt seine Amtstracht an und weiht das Öl, dass bei der Salbung verwendet werden soll. Zunächst liest er am Kranken- bzw. Sterbebett das sogenannte Hohepriesterliche Gebet aus den Abschiedsreden Jesu (Joh 17 EU), das er in ritueller Sprache vorträgt. Es folgen drei kurze „kultische Sätze“, mit denen die bereits erwähnten Wirkungen der Heiligen Ölung ausgesprochen werden und auf die der Ministrant jeweils mit einem „Ja, so sei es!“ antwortet. Danach entnimmt der Priester einer Kapsel mit Daumen und Zeigefinger dreimal Salböl, das er jeweils in Kreuzform auf die Stirn des Sterbenden zeichnet – zunächst über dem rechten Auge, dann über dem linken und schließlich in der Mitte. Damit ist die Handlung, an der auch Verwandte, Freunde sowie Ärzte und Pflegepersonal teilnehmen können, beschlossen.

Krankensalbung in der Praxis evangelisch-freikirchlicher Gemeinden

In der Verkündigung und Unterweisung wird die Krankensalbung als zeichenhafte Handlung für das heilende Handeln Jesu Christi der glaubenden Gemeinde angeboten. Wichtig für die Durchführung der Krankensalbung ist, dass der Kranke nach biblischer Anweisung danach verlangt und die Ältesten der Gemeinde zu sich rufen lässt: „Ist einer unter euch krank, so soll er die Ältesten der Gemeinde rufen, damit sie für ihn beten und ihn im Namen des Herrn mit Öl salben.“ (Jakobusbrief 5,14). Eine Ausnahme von dieser Regel wird gemacht, wenn Eltern die Gemeindeältesten zu ihrem erkrankten Kind rufen. Eine Salbung bereits Verstorbener findet jedoch nicht statt.

Spender der Krankensalbung sind in evangelisch-freikirchlichen Gemeinden die Ältesten der Gemeinde. Der Gemeindepastor ist als Mitältester in der Regel bei einer Krankensalbung anwesend, sein Mitwirken ist aber nicht unbedingt erforderlich. Da die neutestamentlichen Stellen, die vom Ältestendienst handeln, immer von einem Ältestenkollegium ausgehen, sollen auch bei der Krankensalbung nach Möglichkeit wenigstens zwei Gemeindeälteste präsent sein.

Materie der Krankensalbung

Bei einer freikirchlichen Krankensalbung wird schlichtes Pflanzenöl verwendet, mit dem das Haupt des Kranken (Psalm 23,5 EU), manchmal auch der erkrankte Bereich des Körpers gesalbt wird. Das verwendete Öl bedarf keiner besonderen vorherigen Weihe. Es kann aber wohlriechendes Salböl sein.

Die Krankensalbung als Handlung

Eine vorgeschriebene Liturgie gibt es hier nicht. In der Regel hat die Krankensalbung jedoch folgenden Verlauf: Sie wird mit einem Gebet und Schriftlesung (Jakobusbrief 5,14-16) eröffnet. Danach berichtet der Kranke auf Nachfragen der Ältesten von seiner Krankheit und deren Verlauf. Die Ältesten und der Kranke bekennen voreinander ihre Schuld (Jak 5,16 EU) und sprechen sich gegenseitig im Namen Jesu Vergebung zu. Anschließend wird der Kranke im Namen Jesu mit Öl gesalbt. Die Ältesten legen ihm danach die Hände auf und beten für seine Genesung. Der Psalm 23 und/oder das Vater Unser sowie ein Segenswort beschließen die Krankensalbung.

Siehe auch

Literatur

  •  Reiner Kaczynski: Feier der Krankensalbung. In: Sakramentliche Feiern I/2 (Gottesdienst der Kirche. Handbuch der Liturgiewissenschaft 7,2). Verlag Friedrich Pustet, Regensburg 1992, ISBN 3-7917-1334-5, S. 241-343.
  •  Hans Mallau: Wenn du glauben könntest. Von der Heilung des Kranken durch das Gebet des Glaubens. 5., ergänzte Auflage. Oncken-Verlag, Wuppertal 1975, ISBN 3-7893-0483-2.
  •  Die Feier der Krankensakramente. Die Krankensalbung und die Ordnung der Krankenpastoral in den katholischen Bistümern des deutschen Sprachgebietes. 2. Auflage. Benziger u. a., Einsiedeln u. a. 1994, ISBN 3-545-50631-2.
  •  Marc Retterath: Die Krankenliturgie der Trierer Kirche seit dem Konzil von Trient (= Theos. Bd. 54). Kovač, Hamburg 2003, ISBN 3-8300-0732-9 (Zugleich: Trier, Universität, Dissertation, 2002).
  • Benedikt Kranemann: Krankenöl. In: Reallexikon für Antike und Christentum. Band 21: Kleidung II – Kreuzzeichen. Hiersemann, Stuttgart 2006, ISBN 3-7772-0620-2, Sp. 915–965.
  •  Paul Meyendorff: The Anointing of the Sick (= The Orthodox Liturgy Series. Nr. 1). St. Vladimir's Seminary Press, Crestwood NY 2009, ISBN 978-0-88141-187-4.

Einzelnachweise

  1. Salbung in der Evangelischen Landeskirche in Baden
  2. Reiner Kaczynski: Feier der Krankensalbung. In: Sakramentliche Feiern I/2. Regensburg 1992, S. 241-343, hier S. 251ff.
  3. Reiner Kaczynski: Feier der Krankensalbung. In: Sakramentliche Feiern I/2. Regensburg 1992, S. 241-343, hier S. 254f.
  4. Reiner Kaczynski: Feier der Krankensalbung. In: Sakramentliche Feiern I/2. Regensburg 1992, S. 241-343, hier S. 258-273.
  5. Reiner Kaczynski: Feier der Krankensalbung. In: Sakramentliche Feiern I/2. Regensburg 1992, S. 241-343, hier S. 264.
  6. Reiner Kaczynski: Feier der Krankensalbung. In: Sakramentliche Feiern I/2. Regensburg 1992, S. 241-343, hier S. 274-285.
  7. Reiner Kaczynski: Feier der Krankensalbung. In: Sakramentliche Feiern I/2. Regensburg 1992, S. 241-343, hier S. 281-284.
  8. Reiner Kaczynski: Feier der Krankensalbung. In: Sakramentliche Feiern I/2. Regensburg 1992, S. 241-343, hier S. 247; Petrus Lombardus, Sent. IV 23,11; Albertus Magnus, In sent. IV 23,2,4,2.
  9. Reiner Kaczynski: Feier der Krankensalbung. In: Sakramentliche Feiern I/2. Regensburg 1992, S. 241-343, hier S. 285f.
  10. Reiner Kaczynski: Feier der Krankensalbung. In: Sakramentliche Feiern I/2. Regensburg 1992, S. 241-343, hier S. 287.
    Concilium Tridentinum, Sessio XIV (25. November 1551): Doctrina de sacramento extremae unctionis: DS 1694-1700, 1716-1719.
  11. Reiner Kaczynski: Feier der Krankensalbung. In: Sakramentliche Feiern I/2. Regensburg 1992, S. 241-343, hier S. 288ff.
  12. Papst Paul VI., Apostolische Konstitution Sacram Unctionem Infirmorum, zitiert das Konzil von Trient, 14. Sitzung, Über die Letzte Ölung, Kap. 2 (DS 1696): „Der Gehalt ist nämlich die Gnade des Heiligen Geistes, dessen Salbung die Vergehen, falls solche noch zu tilgen sind, und die Überbleibsel der Sünde wegnimmt und den Geist des Kranken aufrichtet und stärkt.“
  13. Die Feier der Krankensakramente. 1994, S. 55.
  14. Reiner Kaczynski: Feier der Krankensalbung. In: Sakramentliche Feiern I/2. Regensburg 1992, S. 241-343, hier S. 310f.
  15. Reiner Kaczynski: Feier der Krankensalbung. In: Sakramentliche Feiern I/2. Regensburg 1992, S. 241-343, hier S. 290ff.
  16. can. 1003 §1 CIC
  17. Kleines Rituale für besondere pastorale Situationen. Herder, Einsiedeln u. a. 1980, S. 75.
  18. Die Fakten und Zitate dieses Abschnitts sind folgendem Aufsatz entnommen; Helgo Bockemühl: Die Begleitung der Sterbenden und Verstorbenen durch die Rituale der Christengemeinschaft, in: Die Drei. Zeitschrift für Anthroposophie in Wissenschaft, Kunst und sozialem Leben, Nr. 8–9/2001, S. 95–99 (PDF-online)

Weblinks