Cornel Wachter

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Anlässlich der 30. Jahrestagfeier zu „the CIVIL warS“ im Odeon-Kino Köln, v.L.n.R.: Hannelore Lübeck, Cornel Wachter, Robert Wilson
Hommage Ruhender Verkehr, eine fahrbereite rote Mercedes-Benz A-Klasse im Betonmantel (zum 75. Geburtstag von Wolf Vostell), Rheinisches Landesmuseum Bonn
Hommage für Wolf Vostell (Cornel Wachter) (Bonn) jm01954.jpg

Cornel Wachter (* 25. November 1961 in Köln) ist ein deutscher Bildhauer und Maler.[1]

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Cornel Wachter wurde 1961 in eine Arztfamilie geboren – Vater und Großvater waren beide am „Severinsklösterchen“, dem Kölner Krankenhaus der Augustinerinnen, tätig, sein Ur-Urgroßvater war der Augenarzt Albert Mooren.[2] Er machte Abitur am Humboldt-Gymnasium Köln[3] und absolvierte ab 1985 eine Ausbildung zum Steinmetz und Steinbildhauer an der Bauhütte des Kölner Doms, wo er Ende September 1987 ausschied.[4] Seitdem ist er freischaffender Künstler.

Wachter lebt seit 1962 in einem Haus in der Kölner Südstadt, dem so genannten Vringsveedel.[1]

Kunstprojekte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Cornel Wachter bezeichnet sich selbst als „Stilpluralisten“. Er mischt unterschiedliche Kunstrichtungen und verbindet sie mit seinem gesellschaftlichen Engagement, als „Akteur auf der künstlerisch-politischen, sozialen Bühne“.[5]

1983 bis 2001 bildete Wachter zusammen mit Elmar de Saint Schmitt das Künstlerduo UnterbezirksDada, das mit Plakataktionen und Performances auf sich aufmerksam machte.

1999 organisierte er die Aufführung der Oper Alceste (1773) von Anton Schweitzer und Christoph Martin Wieland.[6]

2003 legte Cornel Wachter die Logos seines weltweiten Kunstprojektes „Have a nice round“ in 15 verschiedenen Sprachen über die Fassade des Weimarer Hotels Elephant. Es sollte „zur Achtung vor dem Leben, dem Erhalt von Umwelt und Kultur“ aufrufen und 2004 bei den Olympischen Spielen gezeigt werden.[5][7]

Seit 2005 gehört seine Tischskulptur „Diary of an ennuyé - Tagebuch eines Gelangweilten“ zur Sammlung im Kunstmuseum Bonn.[8]

Anlässlich des 75. Geburtstags seines Kollegen Wolf Vostell goss Wachter 2007 seinen A-Klasse-Mercedes in einen Mantel aus Beton. Das als Hommage an den 1998 verstorbenen Künstlerkollegen gedachte Werk, dessen Plastik Ruhender Verkehr 1969 entstand, steht vor dem Rheinischen Landesmuseum Bonn.[9]

Wachters künstlerische Reaktion auf das Attentat 2002 am Gutenberg-Gymnasium von Erfurt, die Tischskulptur Diary of an ennuyé - Tagebuch eines Gelangweilten ist Teil der ständig gezeigten Sammlung des Kunstmuseums Bonn.

Im Frühjahr 2006 startete Cornel Wachter mit Timo Belger die Kunst-Kampagne Die 1 muss stehen! zur Fußball-WM 2006, die sich auf ökologisch und ökologisch und sozial zertifizierten Textilien präsentierte. Die Erlöse der Kampagne kamen Initiativen zugute, die sich um drogensüchtige und obdachlose Jugendliche bemühen.[10]

2008 zeigte Wachter eine interaktive Installation im Kölner Wallraf Richartz Museum und stellt die Frage: „Wann haben Sie das erste Mal bewusst Kunst erlebt?“ Zahlreiche Künstler, darunter wie Robert Wilson, Marina Abramović, Desmond Morris, Kurt Masur beteiligen sich an dieser Arbeit, dessen Ergebnisse in das Buch Ich fand Kunst doof und gemein - Mein erstes Kunsterlebnis. einflossen. In der 2014 erschienenen Folgepublikation … als Paul McCartney mich anrief – Mein erstes Musikerlebnis versammelt die ersten Musikerinnerungen von mehr als einhundert Persönlichkeiten.

Anlässlich des 275. Geburtstag des Weimarer Klassikers Christoph Martin Wieland am 5. September 2008 initiierte Cornel Wachter die Uraufführung des Stabat mater von Giovanni Battista Pergolesi in der von C. M. Wieland 1781 geschriebenen deutschen Fassung. Unter der Leitung von Alexander Eberle, dem Chordirektor des Aalto-Theater spielte das Münchner Barockorchester L’arpa festante, es sangen die Sopranistin Elisabeth Scholl und der Countertenor Alexander Schneider in der Kirche St.Peter zu Oßmannstedt, dem „Wielanddorf“ bei Weimar.

Ein Projekt mit jahrzehntelangem Vorlauf war die Montage der Peter-Hecker-Zeichnung (K)Eine Herberge von 1929 mit realen Köpfen für die Protagonisten Maria und Josef, für das Wachter Cosma Shiva Hagen und Mark Benecke gewinnen konnte. Einen ersten Druck schenkte er seiner Heimatgemeinde, der Lutherkirche in der Kölner Südstadt, das Motiv wurde von einem Sponsor in der Weihnachtszeit 2015 bundesweit auf „Infoscreens“ im öffentlichen Raum verbreitet.[11]

Gesellschaftliches Engagement[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wachter konzentriert sein soziales Engagement vor allem auf seine Heimatstadt bzw. sein „Veedel“.

1986 initiierte er – noch als Lehrling der Dombauhütte – die erste Benefiz-Schallplatte für den Erhalt des Kölner Domes. Gemeinsam mit der Kölner Mundartband Bläck Fööss dichtete Wachter den Titel Mer losse d'r Dom en Kölle in Mer Helfe Dem Dom En Kölle um. Die Erlöse gingen an den Zentral-Dombau-Verein.[12]

1998 hatte Wachter die Idee, das Sponsorenlogo auf den Spielertrikots bei einem Spiel der Bundesliga durch die Vorstellung eines Kunst-, Sozial- oder Gesundheitsprojekts zu ersetzen. Nach mehrjährigen Verhandlungen mit unterschiedlichen Partnern setzte Borussia Dortmund das Konzept mit Otmar Alt und einem seiner Kunstwerke in der Saison 2006/07 um. 2018 folgte Wachters „Heimatverein“, der SC Fortuna Köln, bei einem Spiel der Idee: Statt für den Hauptsponsor wurde auf den Trikots für eine Vorsorgekampagne der AOK geworben.[13]

Als Gründungsmitglied engagiert er sich seit 2002 im „Club der offenen Herzen“, der sich die Unterstützung obdachloser Menschen zur Aufgabe gemacht hat.[14]

2003 war Wachter zusammen mit Pfarrer Hans Mörtter Initiator und Organisator des „Kölner Signals gegen den Irak-Krieg“, für das er unter anderem Günter Grass, Walter Jens, Dieter Wellershoff und viele andere Prominente als Unterstützer gewann.[2]

2010, zum 150. Jubiläum, organisierte Cornel Wachter für den Kölner Zoo eine vorübergehende Neu-Installation einer historischen Lok als Klettergerät auf dem Spielplatz, wobei es weniger um das Klettern als solches, als vielmehr um nostalgische Gefühle älterer Zoobesucher gehen sollte, die als Kind auf der ursprünglichen Lok gespielt hatten.[15][16]

Nach einer überstandenen Darmkrebserkrankung initiierte er gemeinsam mit Timo Belger eine Aufklärungskampagne für die Darmkrebs-Vorsorge, u. a. mit dem Magazin Die wunderbare Welt des Cornel Wachter. Diese wurde 2017 als „Engagement des Jahres“, mit dem das „Thema Darmkrebs aus der Tabuzone herausgeholt worden“ sei, mit dem Felix-Burda-Award ausgezeichnet.[17][18]

Werke in öffentlichen Sammlungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Publikationen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Als Herausgeber[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • … als Paul McCartney mich anrief: mein erstes Musikerlebnis. E. A. Seemann, Leipzig 2014, ISBN 978-3-86502-290-5.
  • „Ich fand Kunst doof und gemein“: mein erstes Kunsterlebnis. E. A. Seemann, Leipzig 2012, ISBN 978-3-86502-290-5.

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Cornel Wachter – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Marianne Kolarik: Durch die Südstadt mit Cornel Wachter. In: Kölner Stadt-Anzeiger. 30. Mai 2012, abgerufen am 11. Mai 2018.
  2. a b »Stilpluralist« und einfach kölsch. In: TOP MAGAZIN. RHS Verlagsgesellschaft, Dezember 2017, abgerufen am 11. Mai 2018.
  3. Cornel Wachter – Vita. In: Galerie Inge Baecker. Abgerufen am 11. Mai 2018.
  4. Dombauhütte und Dombauverwaltung: Austritte. In: Willy Weyres, Arnold Wolff (Hrsg.): Kölner Domblatt. Jahrbuch des Zentral-Dombau-Vereins. Band 52. Verlag J. P. Bachem, Köln 1987, ISBN 3-7616-0925-6, S. 263.
  5. a b Dieter Ronte: Positive Kraft. In: Kölner Stadt-Anzeiger. 20. August 2005, abgerufen am 11. Mai 2018.
  6. Rainer Hartmann: Von Köln nach Weimar. In: Kölner Stadt-Anzeiger. 2. April 2002, abgerufen am 11. Mai 2018.
  7. Archivlink (Memento des Originals vom 4. März 2016 im Internet Archive) i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/old.acc-weimar.de
  8. http://www.galerie-baecker.de/Wachter_vita.html
  9. Dieter Brockschnieder: Auto mit Beton übergossen. In: Kölnische Rundschau. 15. Oktober 2007, abgerufen am 11. Mai 2018.
  10. Gabriele Woll: Die Eins muss stehen. In: Katholische Landjugendbewegung Deutschlands. 6. April 2006, abgerufen am 11. Mai 2018.
  11. "K)Eine Herberge?" Kunstprojekt von Cornel Wachter zu Weihnachten 2015. In: Lutherkirche Evangelische Gemeinde Köln. Abgerufen am 11. Mai 2018.
  12. Benefiz-Schallplatte der Bläck Fööss für den Dom. In: Willy Weyres, Arnold Wolff (Hrsg.): Kölner Domblatt. Jahrbuch des Zentral-Dombau-Vereins. Band 53. J. P. Bachem, Köln 1988, ISBN 3-7616-0958-2, S. 226.
  13. Rheinfussball: Neues Logo auf der Fortuna-Brust. In: Rheinfussball. (rheinfussball.de [abgerufen am 11. April 2018]).
  14. Helga Ramler: Künstler helfen Obdachlosen. In: Kölner Stadt-Anzeiger. 1. August 2002, abgerufen am 11. Mai 2018.
  15. Hendrik Pusch: Wegen Sicherheitsbedenken. Kletterverbot für die neue Zoo-Lok. In: Kölner Express. 2. April 2010, abgerufen am 11. Mai 2018.
  16. Colonia holt die Kölner Zoo-Lok zurück nach Hause. In: Colonia Spezialfahrzeuge. 2010, abgerufen am 11. Mai 2018.
  17. Felix-Burda-Award: Die Preisträger aller Kategorien seit 2003. In: Felix-Burda-Stiftung. Abgerufen am 11. Mai 2018.
  18. Wolfgang van den Bergh: Felix Burda Award. Maar gibt nicht auf, den Beharrungskräften zu trotzen. In: Ärzte Zeitung online. 15. Mai 2017, abgerufen am 11. Mai 2018.
  19. Kevin Cavanagh: Teutloff loved art — and how it looked on Brock’s campus. In: The Brock News. Brock University, 25. August 2017, abgerufen am 12. Mai 2018 (englisch).
  20. Stadt Köln (Hrsg.): Friedrich-Vordemberge-Stipendium für Bildende Kunst: Preisträgerinnen und Preisträger Förderstipendienchronologisch. Köln (PDF-Liste).