Kunstmuseum Bonn

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Kunstmuseum Bonn (2014)

Das Kunstmuseum Bonn gehört zu den großen, bundesweit beachteten Museen für Gegenwartskunst. Der von dem Berliner Architekten Axel Schultes entworfene und 1992 eröffnete Neubau zählt zu den wichtigsten Museumsbauten der letzten Jahrzehnte. Die rund 7.500 Werke umfassende Sammlung des Kunstmuseum Bonn zeichnet sich neben ihrem zentralen Werkkonvolut zu August Macke und der Kunst der Rheinischen Expressionisten vor allem durch die bedeutende Sammlung zur deutschen Kunst nach 1945 mit Schwerpunkt auf der Malerei und ihren erweiterten, bildbezogenen Ausdrucksformen, aus. Das Museum gehört zur Museumsmeile in Bonn.

Geschichte[Bearbeiten]

Das zentrale Treppenhaus im Kunstmuseum Bonn

Die Planungen für den Bau eines städtischen Kunstmuseums begannen Anfang der 1980er-Jahre als Teil eines Gesamtkonzepts zur Errichtung von Kulturbauten des Bundes in der damaligen Hauptstadt Bonn. 1985 wurde von der Stadt Bonn ein zweistufiger Hochbauwettbewerb ausgelobt, der 250 Einzelentwürfe hervorbrachte und auch Ideen für die geplante Bundeskunsthalle einbezog. Beide Museen sollten, trotz der unterschiedlichen Träger, ein Ensemble bilden und durch den heute so genannten „Museumsplatz“ miteinander verbunden werden. Auf dem späteren Baufeld des Kunstmuseums stand ein Zollamt des Bundes aus den 1950er-Jahren, das abgerissen und nach Oberkassel (Bonn) verlagert werden musste. Auch eine Freiluft-Umstpannungsanlage von RWE stand dem Vorhaben im Weg, die neugeordnet und komprimiert wurde.

Gebaut wurde das Kunstmuseum Bonn ab 1985 von dem ersten Preisträger des Wettbewerbs, dem Architektenbüro BJSS – Dietrich Bangert, Bernd Jansen, Stefan Scholz, Axel Schultes – und Jürgen Pleuser. Die Baukosten des 1992 eröffneten Museums betrugen ca. 100 Mio. DM. Der Bau ist eine der wichtigsten Museumsneubauten nach dem Zweiten Weltkrieg.

Die eigentliche Sammlungsgeschichte des ursprünglich aus der Privatsammlung Obernier entstandenen Kunstmuseum Bonn begann 1949 mit dem Ankauf des Türkischen Cafés (1014) und dem Seiltänzer (1914) von August Macke. Zusammen mit dem Kreis der Rheinischen Expressionisten und einer kleinen Max-Ernst-Sammlung bildet Macke das Fundament der Sammlung und war auch Grundlage für die Konzentration der Sammlung auf das Medium Malerei. Der jahrelange Status Bonns als Bundeshauptstadt legte es darüber hinaus nahe, diese Sammlungslinie vor allem innerhalb der deutschen Kunst zu verfolgen. So ist innerhalb der letzten sechs Dekaden eine der international wichtigsten Sammlungen mit ca. 7.500 Kunstwerken[1] zur deutschen Kunst entstanden, wobei von bedeutenden Künstlern und Künstlerinnen jeweils ganze Werkgruppen erworben wurden. Bis in die 1990er-Jahre ist das Museum vordergründig ein Ort für Malerei gewesen, wohingegen sich der Fokus unter den Direktoren Dieter Ronte und Stephan Berg erheblich weitete und z.B auch fotografische und installative Positionen einbezog. Gerade in der Politik der Wechselausstellungen zeigt sich jedoch auch die internationale und medienübergreifende Ausrichtung des Kunstmuseums.

Architektur[Bearbeiten]

Luftaufnahme des Kunstmuseums

Die Architektur von Axel Schultes mit ihrem „fließenden“ Raumkonzept macht das 1992 eröffnete Haus zu einem Musterbeispiel neuer Museumsarchitektur in Deutschland. Innen wie außen dokumentiert das Haus ein starkes architektonisch-künstlerisches Selbstbewusstsein durch die weit gespannten Dachlandschaften, den kreisförmig gefassten Treppenaufgang sowie die Sammlungs- und Ausstellungsräume mit ihren über Eck gelegten Durchgängen. Das Gebäude basiert auf einem quadratischen Grundriss, in den dynamische diagonale Achsen eingearbeitet wurden. Das amphitheaterhaft angelegte Treppenhaus bildet den Mittelpunkt des Hauses und verbindet das Foyer mit den oberen Sammlungs- und Wechselausstellungsräumen. Auch das im Untergeschoss gelegene Auditiorium ist als Amphitheater angelegt und zeigt eine Architektur, der es wesentlich um die Verbindung zwischen Antike, Moderne und Zeitgenossenschaft geht. Axel Schultes sensibler Umgang mit Licht kommt eine zentrale Bedeutung im Kunstmuseum Bonn zu. Dies zeigt sich schon darin, dass das Haus – mit Ausnahme der Grafikräume – fast durchgehend als Tageslichtmuseum geplant ist. Durch große Fensterfronten öffnet sich das Museum zum Außenraum, während das Oberlicht im Obergeschoss für gleichmäßiges Streulicht sorgt.

Direktoren/Intendanten[Bearbeiten]

Die Sammlung[Bearbeiten]

Das Kunstmuseum Bonn verfügt neben dem Westfälischen Landesmuseum in Münster weltweit über den größten Sammlungsbestand zu Macke, dessen Bildauffassung auch eine Brücke zwischen der deutschen und der französischen Kunst schlägt. Gemeinsam mit dem Kreis der Rheinischen Expressionisten und einer kleinen Max-Ernst-Sammlung, bildet dieser nun das Fundament der Sammlung und die Grundlage für die programmatisch fortgeführte Konzentration auf das Medium der Malerei und deutsche Kunst. Die Erwerbung ganzer Werkgruppen und Ensembles gehört zur Spezifika der Sammlungspolitik und setzt sich in der Sammlungspräsentation in sogenannten Künstlerräumen fort. Das Haus verfügt z.B. über zentrale Werkkonvolute von Joseph Beuys, Gerhard Hoehme, Blinki Palermo, Imi Knoebel, Gerhard Richter, Sigmar Polke, Georg Baselitz, Rosemarie Trockel, Ulrick Rückriem, Hanne Darboven, Reinhard Mucha, Andreas Gursky, Georg Herold und Katharina Grosse. Gleichzeitig wurde die Fokussierung auf deutsche Kunst bewusst durch Ankäufe u.a. von Robert Delaunay, Axej Jawlensky, Helmut Federle, Phil Sims oder David Reed aufgebrochen.

August Macke und der Rheinische Expressionismus[Bearbeiten]

August Macke, der 1887 in Meschede geboren wurde, aber seit 1900 bis zu seinem frühen Tod 1914 in Bonn lebte, bildet zusammen mit dem Kreis der Rheinischen Expressionisten und einer kleinen Max-Ernst-Sammlung das Fundament der Sammlung. Sein Umgang mit Farbe und Licht bildete auch die Grundlage für die konsequent fortgeführte Konzentration der Sammlung auf das Medium der Malerei. Das Museum verfügt heut über eine der umfangreichsten Macke-Sammlungen mit Gemälden, Aquarellen und Zeichnungen. Zum Kreis der Rheinischen Expressionisten, die auch im Kunstmuseum Bonn vertreten sind, zählen u.a. Franz M. Jansen, Helmut Macke, Carlo Mense, Heinrich Nauen, Paul Adolf Seehaus oder Hans Thuar.

Deutsche Kunst nach 1945[Bearbeiten]

Der Sammlungsschwerpunkt deutscher Kunst der letzten 60 Jahre nimmt den größten Teil der Sammlung des Kunstmuseum Bonn ein und zeichnet somit wichtige Strömungen der Kunstgeschichte nach. Das Rückgrat der Fünfziger-Jahre-Sammlung bilden u.a. Werke von Fritz Winter, Willi Baumeister, Gerhard Hoehme, Emil Schumacher sowie Gerhard Hoehme und Ernst Wilhelm Nay. Eine jüngere Generation – u.a. Sigmar Polke, Gerhard Richter und Georg Baselitz oder die Künstler der Gruppe "Zero" – suchte nach neuen Ausdrucksformen. Für die Erweiterung des Skulpturbegriffs steht neben Joseph Beuys auch Franz Erhard Walter, der mit seinem "1. Werksatz" in der Sammlung vertreten ist. Zu den führenden Künstlern der Region des Rheinlandes zählen die Beuys-Schüler Blinky Palermo, Imi Knoebel, Amseln Kiefer oder, später, Walter Dahn. Vor allem Richter und Palermo wurden wegweisend für Künstler wie Albert und Markus Ohlen, Martin Kippenberg oder Daniel Richter, die allesamt in der Sammlung vertreten sind. In den frühen 1980er-Jahren wares es die Neuen Wilden um Hans Peter Adamski, Werner Büttner, Walter Dahn und die Oehlen-Brüder, die Furore machen; gleichzeitig entstand aber auch ruhigere, fast "dokumentarische" Ansätze, etwa von Hanne Darboven, die in der Sammlung mit dem großen Werkkomplex "Bismarckzeit" vertrete ist. Neben der Fotografiesammlung, die in den letzten Jahren deutlich erweitert wurde, sind für den Bereich der zeitgenössischen Skulptur und Plastik Reinhard Mucha, Biergit Werres, Camill Leberer, Georg Herod, Benjamin Houlihan und Thomas Rentmeister zu nennen. Seit 2011 ziert darüber hinaus die 7 x 20 m große Skulptur "In Seven Days Time" von Katharina Grosse die Fassade des Kunstmuseums.

Joseph Beuys: Multiples[Bearbeiten]

Das Museum besitzt mehr als 500 Arbeiten von Joseph Beuys und beherbergt damit eine der wichtigsten Sammlungen zu seinem Werk. Zur Beuys-Sammlung zählen Plastiken und Zeichnungen, vorrangig jedoch Multiples. Mit 460 von insgesamt 557 Arbeiten verfügt das Kunstmuseum über die größte öffentliche Sammlung von Beuys-Multiples in Europa und deckt chronologisch die gesamte Schaffenszeit von Beuys ab.

Die Grafische Sammlung[Bearbeiten]

Dieser Sammlungsteil umfasst mehr als 5.500 Blatt von internationalem Rang. Der historische Bestand beruht im Wesentlichen auf Zeichnungen und Druckgrafiken der Rheinischen Expressionisten sowie Max Ernst. Der umfangreichste Teil der Grafischen Sammlung nimmt die internationale Kunst nach dem Zweiten Weltkrieg ein, u.a. mit Carl Buchheister, Karl Otto Götz, Hans Hartung und Emil Schumacher. Weiter spannt sich die Sammlung von Werken der amerikanischen und englischen Pop Art zu Vertretern der Minimal Art und der amerikanischen Farbfeldmalerei zu Werken von Sigmar Polke, Gerhard Richter und Hanne Darboven. Zu Franz Erhard Walthers „1. Werksatz“ befinden sich eine Auswahl von 80 Blättern in der Sammlung. Einen besonderen Bezug zur Bundeshauptstadt Bonn und zum Kunstmuseum besitzt z.B. die Collage von Christo, „Wrapped Reichstag, Project for Berlin“ von 1977. Mit Werken von Dorothee Rocke, Thomas Müller, Silvia Bächli, Gert und Uwe Tobias oder Anna Amadio reicht die Sammlung schließlich von den ausgehenden 1990er-Jahren bis in die Gegenwartskunst.

Fotografie- und Videokunst[Bearbeiten]

Ein besonderer Anziehungspunkt des Museums ist die Videosammlung Ingrid Oppenheim, die seit dem Jahr 2005 im Rahmen einer von Stefan Eberstädt gestalteten Rauminstallation präsent wird. Bereits 1980 gab die Kölner Galeristin und Sammlerin Ingrid Oppenheim ihren umfangreichen Bestand von Videos als Dauerleihgabe nach Bonn, der nach ihrem Tod 1986 dem Kunstmuseum übereignet wurde. Zur Sammlung gehören frühe Bänder von Video-Pionieren wie Klaus vom Bruch, Gary Hill, Nan Hoover, Ulrike Rosenbach, Marcel Odenbach und Bill Viola. Durch die konsequente Fortsetzung von Ankäufen sind inzwischen ca. 200 Künstler mit Arbeiten in der Sammlung vertreten. Die langjährige Zusammenarbeit mit der Videonale, dem 1984 in Bonn gegründeten Video-Festival, das seit 2006 seine Heimat im Kunstmuseum Bonn hat, unterstreicht die Bedeutung der Videokunst. Neben der Videosammlung verzeichnet das Museum wichtige fotografische Werke von u.a. Bernd und Hilla Becher, Katharina Sieverding, Andreas Gursky, Thomas Struth, Thomas Ruff und Jörg Sasse. 2012 konnte das Museum seinen Fotografie- und Medienschwerpunkt mit dem Ankauf der Serie Sich selbst optimierendes System (2004/06) von Jürgen Klauke im Rahmen der Sammlungsneupräsentation erweitern.

Skulpturen im Außenbereich des Kunstmuseums[Bearbeiten]

Ausstellungen[Bearbeiten]

Der Anspruch, das eigene Sammlungsprofil im Austausch mit internationalen Persönlichkeiten zu schärfen, drückt sich vor allem in der Wechselausstellungspolitik aus, die bereits unter Dierk Stemmler und Katharina Schmidt und dann verstärkt unter Dieter Ronte den globalen Dialog der Kunst suchte. Darüber hinaus hat das Haus immer wieder schwerpunktartig die Bezüge zwischen deutscher und amerikanischer Malerei untersucht. Wichtige Meilensteine in der jüngeren Ausstellungsgeschichte des Museums waren in diesem Zusammenhang beispielsweise Präsentationen zu Brice Maren, Philip Guston, Ellsworth Kelly, Robert Ryman und John Baldessari. Im europäischen Kontext hat sich Museum verstärkt mit Positionen beschäftigt, die gattungsübergreifend an der medialen und inhaltlichen Erweiterung des klassischen Kunstbegriffs arbeiteten, wie dies für Nedko Solakov, Erwin Wurm oder Kris Martin gilt. Innerhalb der Ausstellungen mit Deutschlandbezug sind in den letzten Jahren vor allem Präsentationen mit Werken von Franz Ackermann, Thomas Rentmeister oder Albert Oehlen zu nennen. Mit dem groß angelegten Projekt „ Der Westen leuchtet“ hat das Kunstmuseum Bonn darüber hinaus die international ausstrahlende Qualität der Künstler des Rheinlands umfassend vorgestellt.

Auswahl von Ausstellungen seit 2010

  • Der Westen leuchtet, 2010
  • Mitch Epstein – State of the Union, 2011
  • Rosemarie Trockel, 2011
  • Thomas Rentmeister – Objects. Food. Rooms, 2012
  • Albert Oehlen, 2012
  • David Reed – Heart of Glas, 2012
  • MUSCHELBAUM, HOLZVOGEL UND AUGENFISCH. Max Ernst für Kinder und Jugendliche, 2012
  • Ernst Wilhelm Nay – Das polyphone Bild, 2012/2013

Literatur[Bearbeiten]

  • Kunstmuseum Bonn. Vom Rheinischen Expressionismus bis zur Kunst der Gegenwart. Hrsg. Kunstmuseum Bonn, 2013, ISBN 978-3-943676-01-3.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Kunstmuseum Bonn – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. "Körperliche Inaugenscheinnahme', S. 17, General Anzeiger Bonn vom 26. April 2012
  2. Nomen nominandum: René Zechlin wird neuer Leiter des Kunstvereins Hannover in der online-Ausgabe von art – Das Kunstmagazin vom 16. November 2007, zuletzt abgerufen am 17. August 2013

50.7150555555567.1210277777778Koordinaten: 50° 42′ 54,2″ N, 7° 7′ 15,7″ O