Corona-Party

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Als Corona-Party wird ein geselliges Beisammensein trotz oder wegen der COVID-19-Pandemie (Corona-Krise) bezeichnet. Die meisten Presseberichte sprechen von Jugendlichen, die sich aufgrund der allgemeinen Schulschließungen zu Partys treffen, anstatt zuhause zu bleiben. Die Partys finden in Clubs, in Privatwohnungen oder an öffentlichen Plätzen statt. Polizeiberichte und Medien verwenden die Bezeichnung teils in Anführungszeichen. Solche und andere Verstöße gegen die Anti-Corona-Maßnahmen sind von Wissenschaftlern und Politikern scharf kritisiert worden.

In den Medien gibt es auch Aussagen von Partyteilnehmern, die ihr Verhalten im Nachhinein bedauern, so zum Beispiel ein deutscher Austausch-Student in Italien[1] sowie Studenten einer Stuttgarter WG.[2] Der Ausdruck „Corona-Party“ wurde auch in sarkastischer Weise für die Zustände in Flüchtlingslagern Griechenlands verwendet.[3]

Beispiele[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Es gibt viele Polizei- und Medienberichte über „Corona-Partys“. Statistiken zur Gesamtzahl oder Häufigkeit bzw. wissenschaftliche Studien liegen bislang nicht vor.

Bereits vor den strengeren Maßnahmen wie den Schließungen von Schulen und Gaststätten gab es Infektionen in Clubs. Der Berliner Tagesspiegel berichtete am 10. März, 17 von 48 gemeldeten Fällen in Berlin seien auf einen einzigen Club-Besucher zurückzuführen. Sie hätten sich im Club „Trompete“ angesteckt.[4] Laut der Website der Bundeshauptstadt (15. März) gab es in Berlin 263 Infektionen mit dem Coronavirus. Davon gingen 42 auf Veranstaltungen in diesem Club zurück.[5]

Die Schwäbische Post berichtete am 19. März 2020 von etwa 40 Jugendlichen, die sich bei der Ruine am Rosenstein in Heubach getroffen hätten. Die Party sei kurz vor 15 Uhr von einem Anrufer gemeldet worden. Die Polizei rückte mit mehreren Streifenwagen an und belehrte die Jugendlichen, die sich einsichtig gezeigt und den Ort freiwillig verlassen hätten.[6]

Am 19. März 2020 informierte die Polizei, dass sie in mehreren Städten Baden-Württembergs Corona-Partys beendet haben. Die Jugendlichen seien zwischen 15 und Anfang 20 gewesen. Die meisten hätten sich einsichtig gezeigt. Man feiere auf Schulhöfen, Grillplätzen und in Parks. Polizeipräsident Reinhard Renter bat die Erziehungsberechtigten, auf ihre Kinder einzuwirken.[7]

Laut Süddeutsche.de (19. März) hat die Polizei im Fünfseenland (zu dem der Starnberger See gehört) nicht nur Corona-Partys „gesprengt“. Nach Hause geschickt wurden auch grillende Jugendliche sowie Mütter mit Kindern auf Spielplätzen. Die Polizei ermahnte Gastwirte, die ihr Lokal nicht spätestens 15 Uhr schlossen, und eine Lottoladen-Inhaberin, deren Geschäft noch nach 17:30 Uhr geöffnet hatte. Ein Wirt am Starnberger Seebahnhof hatte seine Gäste erst gegen 20:15 Uhr dazu aufgefordert, zu gehen. Die Polizei war nachsichtig, da die strengeren Bestimmungen erst am 18. März in Kraft getreten waren. Grundsätzlich können aber Anzeigen erstattet und Geldstrafen verhängt werden.[8]

In Staßfurt (Sachsen-Anhalt) hat die Polizei eine Corona-Party am 20. März 2020 aufgelöst. Die Jugendlichen im Alter von 14 bis 20 Jahren hätten gut gelaunt „Corona, Corona“ gesungen. Die Polizei stellte die Personalien fest und belehrte die Jugendlichen.[9]

Ebenfalls am 20. März berichtete der Rundfunk Berlin-Brandenburg, dass die Polizei in den vergangenen Nächten immer wieder solche Partys aufgelöst habe. Einige junge Teilnehmer sagten dem Fernsehsender, sie fühlten sich gesund und glaubten, dass keiner von ihnen das Coronavirus habe. RBB zufolge verabreden die jungen Leute sich über Facebook für „Coronaferien-Partys“. Bestimmte Orte in Berlin seien besonders beliebt.[10]

Der ORF berichtete über ein Treffen mit lauter Musik von vier Männern am Samstag, 21. März 2020 in einem Vereinslokal in Heiligenkreuz am Waasen. Die Polizei löste die Feier auf und zeigte die Männer an. Der teilnehmende steirische Landtagsabgeordnete Gerhard Hirschmann (FPÖ) wurde parteiintern und von Seiten anderer Parteien scharf kritisiert[11] und legte daraufhin sein Amt nieder.

Motive[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Laut FAZ lassen sich einige Menschen

„das Feiern nur ungern nehmen. Die einen feiern trotz der Gefahr einer Ansteckung, die anderen feiern genau deswegen. Denn nach einer Erkrankung wäre man immun und könnte wieder normal leben ­– so zumindest die Annahme. Mit privat organisierten, sogenannten „Corona-Partys“ setzen manche Menschen diesen Plan in die Realität um.“[12]

Wer sich jetzt bewusst anstecke, sei dann immun, so die Idee. Forscher sagten schließlich, dass das neue Virus bei gesunden Menschen unter 60 Jahren meist keinen großen Schaden anrichte. Jedoch, so die NZZ: „In seltenen Fällen können auch junge Menschen schwer erkranken oder sterben, und durch solches Verhalten gefährdet man die Risikogruppen.“[13]

Die Sozialpsychologin Margarete Boos erklärte dem NDR gegenüber, dass Menschen soziale Bedürfnisse hätten, die nicht leicht kontrolliert werden könnten. Wenn Menschen glaubten, dass ihre Freiheit beschränkt werde, könnten sie unreflektiert mit Trotz reagieren. Gerade jungen Menschen falle es schwer, die Erfüllung von Wünschen zurückzustellen. Außerdem nähmen sie mehr Risiko in Kauf als Ältere.[14]

Reaktionen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Vize-Präsident des Robert Koch-Instituts, Lars Schaade, warnte vor „Coronapartys“ in den eigenen vier Wänden. „Bitte tun Sie das nicht. Schränken Sie das gesellschaftliche Leben ein.“[15]

Der bayerische Ministerpräsident Markus Söder (CSU) sagte am 19. März 2020: „Wir haben Nachrichten bekommen, dass es Corona-Partys gibt bei Jugendlichen […]“. Er verwies darauf, dass man Eltern und Großeltern anstecken könne – „wer möchte denn dafür verantwortlich sein?“[16] Schon zwei Tage zuvor hatte er bemerkt: „Sorry, aber das geht gar nicht […]. Das ist eine wirkliche Gefährdung.“[17]

Berlins Gesundheitssenatorin Dilek Kalayci (SPD) sagte am 21. März 2020:

„[…] Ich wiederhole es immer wieder: Es ist nicht die Zeit für Partys! Weder in Klubs noch in Parks. […] Unter manchen jungen Leuten herrscht nach wie vor eine Haltung nach dem Motto: ‚Dann infizieren wir uns halt, weil es für uns mit einem leichten Krankheitsverlauf dann auch vorbei ist.‘ Nur garantieren kann ihnen das niemand! […] Aber es gibt auch die andere Seite Berlins: Viele junge Menschen sind sehr verantwortungsvoll, bieten sich an in der Nachbarschaftshilfe, zeigen sich sehr sozial. Diese solidarische Seite der Stadt gibt es auch.“[18]

Der Berliner Landesschülerausschuss mahnte, die Ausgangsbeschränkungen zu beachten. Es sei eine „verantwortungslose Zumutung gegenüber dem Rest der Bevölkerung“, zu Corona-Partys einzuladen. Man solle sich nur noch digital austauschen.[19]

In Bento stellten zwei Autoren hingegen die Frage, wie viele Feiern es tatsächlich gäbe. Ihrer Meinung nach gäbe es „viel Hörensagen, wenige dokumentierte Fälle“.[20]

Die niederländischen Sicherheitsbehörden haben sich auf eine Notverordnung verständigt, in denen Coronafeestjes explizit erwähnt werden. Als Beispiele für die Lokalität werden Studentenhäuser, Garagen und Schuppen genannt.[21]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Belege[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Bento: Appell eines Erasmus-Studenten aus Italien: Macht es besser als ich, 13. März 2020, abgerufen am 21. März 2020.
  2. Bild.de: Wir schämen uns für unsere Corona-Party, 21. März 2020, abgerufen am 21. März 2020.
  3. Katja Thorwarth: Corona-Party unter griechischer Sonne, oder: Eine beispiellose Inhumanität, Frankfurter Rundschau vom 19. März 2020, abgerufen am 21. März 2020.
  4. 17 von 48 Berliner Coronavirus-Infizierten besuchten Club „Trompete“, 10. März 2020, abgerufen am 21. März 2020.
  5. Berlin.de: „Es ist einfach nicht die Zeit für Partys“, 15. März 2020, abgerufen am 21. März 2020.
  6. Falscher Zeitpunkt: Polizei löst Corona-Party in Heubach auf, 19. März 2020, abgerufen am 21. März 2020.
  7. Badische Neueste Nachrichten: Polizei löst „Corona-Partys“ in Baden-Baden, Bühl und Durmersheim auf, 20. März 2020, abgerufen am 21. März 2020.
  8. Christian Deussing: Polizei sprengt mehrere Corona-Party, Süddeutsche Zeitung vom 19. März 2020, abgerufen am 2020.
  9. N-tv: Polizei löst „Corona Party“ in Sachsen-Anhalt auf, 20. März 2020, abgerufen am 21. März 2020.
  10. RBB24.de: Berliner Polizei zählt fast 100 Verstöße gegen Corona-Regeln – Nach wie vor laufen Corona-Partys, 20. März 2020, abgerufen am 21. März 2020.
  11. FPÖ-Abgeordneter feierte „Corona-Party“ orf.at, 22. März 2020, abgerufen 22. März 2020.
  12. FAZ.net: Feiern bis der Arzt kommt, 19. März 2020, abgerufen am 22. März 2020.
  13. NZZ: Auf keinen Fall sollte man jetzt eine Corona-Party veranstalten, 16. März 2020, abgerufen am 22. März 2020.
  14. NDR.de: Corona-Partys: Ist manchen die Gefahr nicht bewusst?, 22. März 2020, abgerufen am 22. März 2020.
  15. Tagesschau.de: RKI warnt vor „Coronaparty“, 16. März 2020, abgerufen am 21. März 2020.
  16. Merkur: Eilmeldung / Coronapartys in Bayern: Ministerpräsident Markus Söder warnt, 19. März 2020, abgerufen am 21. März 2020.
  17. Polizei beendet „Corona-Partys“ in Franken – Söder empört, Welt Online, 17. März 2020, abgerufen am 21. März 2020.
  18. Berlin.de: Es ist nicht die Zeit für Partys, 21. März 2020, abgerufen am 21. März 2020.
  19. Berliner Morgenpost: Corona: Nun 1071 Fälle in Berlin nachgewiesen, 22. März 2020, abgerufen am 21. März 2020.
  20. Bento: Die Wut auf Corona-Partys wächst – doch wie viele Feiern gibt es wirklich?, von Jan Petter und Lukas Eberle, 20. März 2020, abgerufen am 21. März 2020.
  21. Noodverordening van de voorzitter van de veiligheidsregio […], S. 7 (Erläuterung für Artikel 2.1: Verboden samenkostem en evenementen) 26. März 2020, abgerufen am 28. März 2002.