Corona-Party

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Corona-Party in Kopenhagen, Dänemark

Der Begriff Corona-Party etablierte sich während der COVID-19-Pandemie („Corona-Krise“) im deutschen Sprachraum als Schlagwort zur Bezeichnung eines geselligen Beisammenseins trotz bzw. wegen einer staatlich verordneten Massenquarantäne („Lockdown“). Dabei war unerheblich, ob sich die Gruppe in Clubs, Privatwohnungen oder an öffentlichen Plätzen traf. Die Berichte nannten als Teilnehmer häufig Jugendliche, die sich aufgrund der allgemeinen Schulschließungen zu Partys trafen, statt zu Hause zu bleiben. Polizeiberichte und Massenmedien verwendeten die Bezeichnung teils in Anführungszeichen. Politiker kritisierten solche Ereignisse teilweise scharf. Sie wurden als Verstöße gegen die erlassenen Corona-Verordnungen auch sanktioniert. Statistiken zur Häufigkeit von Corona-Partys gibt es bislang nicht.

Beispiele[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Es gibt gelegentliche Polizei- und Medienberichte über „Corona-Partys“. Statistiken zur Gesamtzahl oder Häufigkeit bzw. wissenschaftliche Studien liegen bislang nicht vor. In den Medien gibt es ferner Aussagen von Partyteilnehmern, die ihr Verhalten im Nachhinein bedauern, so das Beispiel eines deutschen Austauschstudenten in Italien[1] sowie von Studenten einer Stuttgarter WG.[2]

Bereits vor den strengeren Maßnahmen wie den Schließungen von Schulen und Gaststätten gab es Infektionen in Clubs.[3] Laut der Website der Bundeshauptstadt (15. März) gab es in Berlin 263 Infektionen mit dem Coronavirus. Davon gingen 42 auf Veranstaltungen in einem Club zurück.[4]

Die Schwäbische Post berichtete am 19. März 2020 von etwa 40 Jugendlichen, die sich in Heubach getroffen hätten. Die Party sei kurz vor 15 Uhr von einem Anrufer gemeldet worden. Die Polizei rückte mit mehreren Streifenwagen an und belehrte die Jugendlichen, die sich einsichtig gezeigt und den Ort freiwillig verlassen hätten.[5]

Am 19. März 2020 informierte die Polizei, dass sie in mehreren Städten Baden-Württembergs Corona-Partys beendet haben. Die Jugendlichen seien zwischen 15 und Anfang 20 gewesen. Die meisten hätten sich einsichtig gezeigt. Man feiere auf Schulhöfen, Grillplätzen und in Parks. Polizeipräsident Reinhard Renter bat die Erziehungsberechtigten, auf ihre Kinder einzuwirken.[6]

Laut Süddeutsche.de (19. März) hat die Polizei im Fünfseenland (zu dem der Starnberger See gehört) nicht nur Corona-Partys aufgelöst. Nach Hause geschickt wurden auch grillende Jugendliche sowie Mütter mit Kindern auf Spielplätzen. Die Polizei ermahnte Gastwirte, die ihr Lokal nicht spätestens 15 Uhr schlossen, und eine Lottoladen-Inhaberin, deren Geschäft noch nach 17:30 Uhr geöffnet hatte. Ein Wirt am Starnberger Seebahnhof hatte seine Gäste erst gegen 20:15 Uhr dazu aufgefordert, zu gehen. Die Polizei war nachsichtig, da die strengeren Bestimmungen erst am 18. März in Kraft getreten waren. Grundsätzlich können aber Anzeigen erstattet und Geldstrafen verhängt werden.[7]

Ebenfalls am 20. März berichtete der Rundfunk Berlin-Brandenburg, dass die Polizei in den vergangenen Nächten immer wieder solche Partys aufgelöst habe. Einige junge Teilnehmer sagten dem Fernsehsender, sie fühlten sich gesund und glaubten, dass keiner von ihnen das Coronavirus habe. RBB zufolge verabreden die jungen Leute sich über Facebook für „Coronaferien-Partys“. Bestimmte Orte in Berlin seien besonders beliebt.[8] Beispielsweise am 9. April löste die Polizei in Mannheim eine „Corona Party“ von fünf Männern in einer Gaststätte auf.[9]

Der ORF berichtete über ein Treffen mit lauter Musik von vier Männern am Samstag, 21. März 2020 in einem Vereinslokal in Heiligenkreuz am Waasen. Die Polizei löste die Feier auf und zeigte die Männer an. Der teilnehmende steirische Landtagsabgeordnete Gerhard Hirschmann (FPÖ) wurde parteiintern und von Seiten anderer Parteien scharf kritisiert[10] und legte daraufhin sein Landtagsmandat nieder. Das Strafverfahren gegen Hirschmann wurde eingestellt.[11]

Im August 2020 wurde bekannt, dass Hamburgs Innensenator Andy Grote (SPD) mit einer privaten Feier anlässlich seiner Wiederberufung ins Amt im Juni 2020 gegen die zu diesem Zeitpunkt geltende Corona-Eindämmungsverordnung des Senats, dem er selbst angehörte, verstoßen und damit eine Ordnungswidrigkeit begangen hatte. Die zuständige Behörde verhängte gegen Grote ein Bußgeld in der Höhe von 1.000 Euro, das dieser umgehend zahlte, um seine Schuld einzugestehen. Oppositionsvertreter in Hamburg kritisierten Grotes mangelndes Verantwortungsbewusstsein sowie seine politische Unglaubwürdigkeit als Innensenator und forderten seinen sofortigen Rücktritt oder seine Entlassung durch den Ersten Bürgermeister und Regierungschef Peter Tschentscher (SPD). Dem kamen weder Grote noch Tschentscher nach.[12]

Rechtliches[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die rechtliche Beurteilung einer Feier hängt vom Rechtskreis ab.

Österreich[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Österreich kommt es unter anderem darauf an, ob die Feier im öffentlichen Raum oder auf einem Privatgrundstück abgehalten wird. So berichtet die Wiener Zeitung, dass die österreichischen COVID-19-Verordnungen keine Grundlage dafür abgäben, eine Party auf Privatgrund zu untersagen. Wenn gegen eine solche Feier vorgegangen wird, heiße es aus dem Innenministerium, dann wegen anderer Gründe wie Lärmbelästigung.[13] Der Verfassungsrechtler Andreas Janko sieht ebenfalls eine Regelungslücke: Eine Corona-Party etwa sei verantwortungslos, aber nicht immer verboten: Wer zum Beispiel Mitbewohner in einem Mehrparteienhaus aufsucht, muss dafür keinen öffentlichen Ort durchqueren.[14]

Niederlande[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auch niederländischen Zeitungen zufolge gibt es Undeutlichkeit darüber, was genau verboten ist. So gebe es nur eine Empfehlung des Kabinetts, nicht mehr als drei Gäste zuhause zu empfangen. Für sie gelte die Abstandsregel von anderthalb Metern. Justizminister Ferdinand Grapperhaus kommentierte, dass man kein größeres Fest feiern solle, wenn die Wohnung für den Abstand zu klein sei. Die Polizei habe, so das Algemeen Dagblad, nicht das Recht, ein Haus (zur Kontrolle) einfach so zu betreten.[15]

Motive[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Laut FAZ lassen sich einige Menschen

„das Feiern nur ungern nehmen. Die einen feiern trotz der Gefahr einer Ansteckung, die anderen feiern genau deswegen. Denn nach einer Erkrankung wäre man immun und könnte wieder normal leben – so zumindest die Annahme. Mit privat organisierten, sogenannten „Corona-Partys“ setzen manche Menschen diesen Plan in die Realität um.“[16]

Wer sich jetzt bewusst anstecke, sei dann immun, so die Idee. Forscher sagten schließlich, dass das neue Virus bei gesunden Menschen unter 60 Jahren meist keinen großen Schaden anrichte. Jedoch, so die NZZ: „In seltenen Fällen können auch junge Menschen schwer erkranken oder sterben, und durch solches Verhalten gefährdet man die Risikogruppen.“[17]

Die Sozialpsychologin Margarete Boos erklärte dem NDR gegenüber, dass Menschen soziale Bedürfnisse hätten, die nicht leicht kontrolliert werden könnten. Wenn Menschen glaubten, dass ihre Freiheit beschränkt werde, könnten sie unreflektiert mit Trotz reagieren. Gerade jungen Menschen falle es schwer, die Erfüllung von Wünschen zurückzustellen. Außerdem nähmen sie mehr Risiko in Kauf als Ältere.[18]

Reaktionen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Vize-Präsident des Robert Koch-Instituts, Lars Schaade, warnte vor „Coronapartys“ in den eigenen vier Wänden. „Bitte tun Sie das nicht. Schränken Sie das gesellschaftliche Leben ein.“[19]

Der bayerische Ministerpräsident Markus Söder (CSU) sagte am 19. März 2020: „Wir haben Nachrichten bekommen, dass es Corona-Partys gibt bei Jugendlichen […]“. Er verwies darauf, dass man Eltern und Großeltern anstecken könne – „wer möchte denn dafür verantwortlich sein?“[20] Schon zwei Tage zuvor hatte er bemerkt: „Sorry, aber das geht gar nicht […]. Das ist eine wirkliche Gefährdung.“[21]

Berlins Gesundheitssenatorin Dilek Kalayci (SPD) sagte am 21. März 2020:

„[…] Ich wiederhole es immer wieder: Es ist nicht die Zeit für Partys! Weder in Klubs noch in Parks. […] Unter manchen jungen Leuten herrscht nach wie vor eine Haltung nach dem Motto: ‚Dann infizieren wir uns halt, weil es für uns mit einem leichten Krankheitsverlauf dann auch vorbei ist.‘ Nur garantieren kann ihnen das niemand! […] Aber es gibt auch die andere Seite Berlins: Viele junge Menschen sind sehr verantwortungsvoll, bieten sich an in der Nachbarschaftshilfe, zeigen sich sehr sozial. Diese solidarische Seite der Stadt gibt es auch.“[22]

Der Berliner Landesschülerausschuss mahnte, die Ausgangsbeschränkungen zu beachten. Es sei eine „verantwortungslose Zumutung gegenüber dem Rest der Bevölkerung“, zu Corona-Partys einzuladen. Man solle sich nur noch digital austauschen.[23]

In Bento stellten zwei Autoren hingegen die Frage, wie viele Feiern es tatsächlich gebe. Ihrer Meinung nach gibt es „viel Hörensagen, wenige dokumentierte Fälle“.[24]

Die niederländischen Sicherheitsbehörden haben sich auf eine Notverordnung verständigt, in denen Coronafeestjes explizit erwähnt werden. Als Beispiele für die Lokalität werden Studentenhäuser, Garagen und Schuppen genannt.[25]

Sprachliches[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Ausdruck „Corona-Party“ wurde in Sprachwörterbüchern oder Sites für die Sprachbeobachtung registriert. So definierte das DWDS: „privat organisierte Party, die während der Coronakrise unter Umgehung von Maßnahmen zur Eindämmung des Coronavirus veranstaltet wird“.[26] Die niederländische taalbank von Ton den Boon, Chefredakteur des Dikke Van Dale, hat mehrere Synonyme in ihr Corona-Wörterbuch aufgenommen: coronafeestje, anticoronafeest, lockdownparty. Beim letzteren folgt die Erklärung, dass es sich um eine Party handele, die von Menschen organisiert und besucht werde, die einen Lockdown nicht ernst nehmen.[27]

Coronaparty wurde zum Österreichischen Unwort des Jahres 2020 gewählt.

Der Ausdruck Corona-Party wurde auch in sarkastischer Weise für die Zustände in Flüchtlingslagern Griechenlands verwendet.[28]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Belege[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Bento: Appell eines Erasmus-Studenten aus Italien: Macht es besser als ich, 13. März 2020, abgerufen am 21. März 2020.
  2. Bild.de: Wir schämen uns für unsere Corona-Party, 21. März 2020, abgerufen am 21. März 2020.
  3. 17 von 48 Berliner Coronavirus-Infizierten besuchten Club „Trompete“, 10. März 2020, abgerufen am 21. März 2020.
  4. Berlin.de: „Es ist einfach nicht die Zeit für Partys“, 15. März 2020, abgerufen am 21. März 2020.
  5. Falscher Zeitpunkt: Polizei löst Corona-Party in Heubach auf, 19. März 2020, abgerufen am 21. März 2020.
  6. Badische Neueste Nachrichten: Polizei löst „Corona-Partys“ in Baden-Baden, Bühl und Durmersheim auf, 20. März 2020, abgerufen am 21. März 2020.
  7. Christian Deussing: Polizei sprengt mehrere Corona-Party, Süddeutsche Zeitung vom 19. März 2020, abgerufen am 2020.
  8. RBB24.de: Berliner Polizei zählt fast 100 Verstöße gegen Corona-Regeln – Nach wie vor laufen Corona-Partys, 20. März 2020, abgerufen am 21. März 2020.
  9. Fünf Männer feiern „Corona-Party“ mit Marihuana, Die Rheinpfalz vom 10. April 2020, abgerufen am 10. April 2020.
  10. FPÖ-Abgeordneter feierte „Corona-Party“, orf.at, 22. März 2020, abgerufen 22. März 2020.
  11. Ernst Sittinger: "Corona-Party" war erlaubt: Keine Strafe für feiernden FPÖ-Politiker Hirschmann. In: Kleine Zeitung. 30. Mai 2020, abgerufen am 30. Mai 2020.
  12. Corona-Bußgeld für Innensenator Grote, Norddeutscher Rundfunk, abgerufen am 5. August 2020
  13. Covid-Gesetz geht an Höchstgericht, 2. April 2020, abgerufen am 15. April 2020.
  14. Kurier: Party unter Nachbarn nicht verboten, aber „verantwortungslos“, 7. April 2020, abgerufen am 15. April 2020.
  15. Algemeen Dagblad: Kan de politie binnenvallen op mijn verjaardag? Negen vragen over het nieuwe coronabeleid, 24. März 2020, abgerufen am 15. April 2020.
  16. FAZ.net: Feiern bis der Arzt kommt, 19. März 2020, abgerufen am 22. März 2020.
  17. NZZ: Auf keinen Fall sollte man jetzt eine Corona-Party veranstalten, 16. März 2020, abgerufen am 22. März 2020.
  18. NDR.de: Corona-Partys: Ist manchen die Gefahr nicht bewusst?, 22. März 2020, abgerufen am 22. März 2020.
  19. Tagesschau.de: RKI warnt vor „Coronaparty“, 16. März 2020, abgerufen am 21. März 2020.
  20. Merkur: Coronapartys in Bayern: Ministerpräsident Markus Söder warnt, 19. März 2020, abgerufen am 21. März 2020.
  21. Polizei beendet „Corona-Partys“ in Franken – Söder empört, Welt Online, 17. März 2020, abgerufen am 21. März 2020.
  22. Berlin.de: Es ist nicht die Zeit für Partys, 21. März 2020, abgerufen am 21. März 2020.
  23. Berliner Morgenpost: Corona: Nun 1071 Fälle in Berlin nachgewiesen, 22. März 2020, abgerufen am 21. März 2020.
  24. Bento: Die Wut auf Corona-Partys wächst – doch wie viele Feiern gibt es wirklich?, von Jan Petter und Lukas Eberle, 20. März 2020, abgerufen am 21. März 2020.
  25. Noodverordening van de voorzitter van de veiligheidsregio […], S. 7 (Erläuterung für Artikel 2.1: Verboden samenkostem en evenementen) 26. März 2020, abgerufen am 28. März 2002.
  26. DWDS: Corona-Party, abgerufen am 15. April 2020.
  27. Coronawoordenboek, abgerufen am 15. April 2020.
  28. Katja Thorwarth: Corona-Party unter griechischer Sonne, oder: Eine beispiellose Inhumanität, Frankfurter Rundschau vom 19. März 2020, abgerufen am 21. März 2020.