Corps Marcomannia-Breslau zu Köln

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Wappen

Das Corps Marcomannia Breslau ist eine suspendierte Studentenverbindung im Kösener Senioren-Convents-Verband.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Bund ging aus der kurzlebigen Verbindung Austro-Borussia hervor und wurde am 1. Dezember 1864 als Landsmannschaft an der Schlesischen Friedrich-Wilhelms-Universität gegründet. Am 3. November 1868 wurde sie als viertes Corps in den Senioren-Convent zu Breslau aufgenommen. Die Corpsburschenfarben sind rot-weiß-schwarz, die Fuchsfarben rot-weiß-rot auf silberner Perkussion. Der Wahlspruch ist Honestis honorem, fidelibus fidem, violentis vim!

1884 und 1903 stellte Marcomannia mit Rufin Reichert und Friedrich Töpffer den Vorsitzenden des oKC. Ein im Wintersemester 1878/79 vereinbartes Freundschaftsverhältnis mit dem Corps Hansea Königsberg brach Marcomannia bald ab. 1902 ging sie dank Ernst Mendrzyk und vieler Verkehrsgäste ein Vorstellungsverhältnis mit dem Corps Masovia Königsberg ein. Als die sogenannte Kreispolitik im KSCV nach dem Ersten Weltkrieg wieder besondere Bedeutung gewann und Marcomannia zum roten Kreis neigte, löste der CC der Masovia das Verhältnis am 24. September 1919 einstimmig auf.[1] Seit 1910 besaß Marcomannia in der Kirschenallee 30[2] in Breslau ein eigenes Corpshaus. In der Zeit des Nationalsozialismus musste sie am 4. November 1935 wie alle Corps suspendieren.

Obwohl Marcomannia ein Corps an der Universität Breslau war, hatte sie seit der Gründung der Technischen Hochschule Breslau (1910) wie die drei anderen Corps im SC zu Breslau zahlreiche Mitglieder, die Ingenieurwissenschaften studierten. Um diese Tradition fortzuführen, rekonstituierte sie nach dem Zweiten Weltkrieg am 1. Dezember 1952 an der Universität Köln und der RWTH Aachen. Das Corps Silesia hatte diesen Schritt bereits am 7. Dezember 1950, das Corps Borussia Breslau am 9. Oktober 1951 getan. Das Corps Lusatia Breslau folgte am 27. Juli 1956. Damit bestand der gesamte Breslauer Senioren-Convent als Teil des Kölner Senioren-Convents an zwei Hochschulen. Dieser Sachverhalt – ein Corpsbetrieb an zwei Orten mit zwei Corpshäusern – ist in der Geschichte des Corpsstudententums einmalig. 1965 wurde der aktive Betrieb in Aachen aufgegeben. Als letztes Corps gab 2001 die Borussia Breslau den Versuch, an zwei Hochschulorten gleichzeitig einen Aktivenbetrieb zu betreiben, auf und verkaufte ihr Haus in Köln.

Siegen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

An der Universität-Gesamthochschule Siegen bestanden 1992 vier Studentenverbindungen: drei Burschenschaften – eine im Bund Deutscher Ingenieur-Corporationen, eine in der Deutschen Hochschulburschenschaft und eine freie – sowie ein Wingolf.[3] Am 23. Mai 1992 eröffnete Marcomannia eine Zweigstelle in Siegen. Ermöglicht wurde der Schritt durch die Hilfe des Alte-Herren-Senioren-Convent Siegen (Vorsitzender: Klaus Gerstein) und von Inaktiven der Corps Baltica-Borussia Danzig zu Bielefeld und Franconia Karlsruhe.[3] Nach der Aufgabe von Aachen konnten damit wieder Studenten technischer Fächer Marcomannen werden. In zehn Semestern renoncierten sieben Füchse, von denen fünf recipiert wurden. Als nur noch ein Inaktiver und ein Fuchs am Ort waren, beschloss der FCC am 23. November 1996 die teure Wohnung im Zwischenweg 5 zum 31. März 1997 aufzugeben.

Verhältniscorps[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das zweite Jahr bezieht sich auf den Abschluss des Vorverhältnisses.

Kartelle[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Befreundete[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Corps Vandalia Rostock (1922/1919)
  • Corps Hercynia München (1974/1969)

Bekannte Mitglieder[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Suspension[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Anfang ohne Ende: Marcomannias Zirkel

Die letzte CC-Meldung von Marcomannia datiert vom 1. Dezember 2004. An dem Tag wurden einige Marcomannen philistriert und inaktiviert. Der anschließende Corpsbestand weist keine Aktiven aus. Marcomannia suspendierte zum Jahresende 2004.[4]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • AHV des Corps Marcomannia Breslau (Hg.): Daten und Ereignisse aus Marcomannias Geschichte 1864–1912, o. J.
  • Paulgerhard Gladen: Geschichte der studentischen Korporationsverbände, Bd. 1, Würzburg 1981, S. 15–40.
  • Siegfried Schunke: Geschichten über Marcomannia und Marcomannen, 2 Bde. (1864–1918 und 1918–1936). Lüneburg 2004.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Corps Marcomannia Breslau – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Eduard Loch, Hans Lippold: Geschichte des Corps Masovia 1830–1930, 3. Teil. Königsberg i. Pr. 1930/1933
  2. E. H. Eberhard: Handbuch des studentischen Verbindungswesens. Leipzig, 1924/25, S. 29.
  3. a b Deutsche Corpszeitung 3/1992
  4. Paulgerhard Gladen: Die Kösener und Weinheimer Corps: Ihre Darstellung in Einzelchroniken. WJK-Verlag, Hilden 2007, ISBN 978-3-933892-24-9, S. 108