GE Jenbacher

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GE Jenbacher
Rechtsform GmbH & Co OG
Gründung (1959 Jenbacher Werke AG)
Sitz Jenbach
Leitung Carlos Lange
Mitarbeiter 1600 (Jenbach), 1700 (weltweit)
Branche Energietechnik
Website www.jenbacher.com

Firmengebäude in Jenbach
Eingangsbereich in Jenbach
Vorstellung eines Gasmotors auf der Expo 2015 in Mailand

Die Firma GE Jenbacher GmbH & Co OG in Jenbach in Tirol ist im Besitz von General Electric (GE Energy-Gruppe) und ist heute einer der führenden Hersteller von Gasmotoren und Blockheizkraftwerken. GE Jenbacher ging aus den ehemaligen Jenbacher Werken, einem Hersteller von Dieselmotoren und Lokomotiven, hervor.

Firmengeschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Obwohl die Firma keine lange Geschichte aufweist, gehen ihre Ursprünge weit zurück. 1487 wurde ein Hüttenbetrieb durch die Fugger gegründet. 1657 wurde der gesamte Fugger-Besitz in Tirol vom Staat übernommen, die Kupfer- und Silbervorkommen waren jedoch erschöpft, so dass ab diesem Zeitpunkt Eisen abgebaut wurde. Nachdem die Hütte 1870 zwischenzeitlich an die Salzburg-Tiroler Montangesellschaft übergegangen war, wurde sie 1881 von Julius und Theodor Reitlinger erworben. Ab 1909 ging aber auch das Eisen zur Neige und nach einem Aufschwung während des Ersten Weltkriegs blieb nur mehr die Gießerei übrig.

Nach dem Tode von Julius Reitlinger gingen die Werke in den Besitz seines Sohnes Friedrich Reitlinger. Dieser beging 1938 kurz nach dem „Anschluss“ Österreichs an das nationalsozialistische Deutsche Reich gemeinsam mit seiner Tochter Suizid, nachdem er in seinem Haus von Nationalsozialisten festgehalten worden war. Das Werk wurde zu Gunsten des Landes Tirol beschlagnahmt und arisiert. Zunächst wurden Bremsklötze für die Deutsche Reichsbahn hergestellt, ab 1939 von Ernst Heinkel Flugzeugteile und Raketenmotoren. Das Werk wurde damit zum größten Rüstungsbetrieb Tirols. Dabei kam es zu massivem Einsatz von Zwangsarbeit: zwei Drittel der 3.000 Beschäftigten waren Zwangsarbeiter.[1] Ein Frauenlager, das als Außenlager des Arbeitserziehungslagers Reichenau der Gestapo unterstand, war bei den Jenbacher Heinkel-Werken angesiedelt. Die ukrainische Zwangsarbeiterin Eugenia Kaser berichtet von erbärmlichen Zuständen im Lager.[2]

Nach dem Zusammenbruch am Ende des Zweiten Weltkriegs wurde das Werk unter öffentliche Verwaltung gestellt. Es musste auf Friedensproduktion umgestellt werden, wobei zuerst Kochgeschirr erzeugt, aber auch mit der Reparatur von Eisenbahnwagen begonnen wurde. Wegen der Verfügbarkeit von entsprechenden Fachleuten und Facharbeitern wurde entschieden, sich auf die Produktion von Dieselmotoren zu konzentrieren. Zuerst wurde ein 15 PS-Viertaktmotor gebaut, der sehr erfolgreich war und in großen Stückzahlen hergestellt wurde. Diesem folgten weitere Viertakt-Modelle und schließlich Zweitaktmodelle bis über 1500 PS nach. In den 1990er Jahren wurden die großen, vorwiegend Diesel-Zweitaktmotoren allerdings durch zunehmend noch leistungsstärkere und vorwiegend gasbetrieben Turbo-Viertaktmotoren verdrängt. Jenbach hatte nie bloß Motoren, sondern stets Komplettanwendungen mit Kompressoren, Pumpen, Stromgeneratoren oder dgl. produziert.

Erst 1959 wurde die Firma als Jenbacher Werke AG konstituiert, wobei die Hauptaktionäre die Creditanstalt-Bankverein (CA) mit 35 % und Mannesmann mit 26 % waren, der Rest befand sich in Streubesitz. Die CA erhöhte ihren Anteil kontinuierlich und durch den Verkauf der Mannesmann-Anteile an die von der CA kontrollierte Andritz AG erlangte sie überwiegende Mehrheit des Aktienkapitals. 1979 waren 1.550 Angestellte im Werk beschäftigt. 1988 wurde das Unternehmen mehrheitlich von der Auricon Beteiligungs AG erworben. 1991 kam es dann zur Aufteilung in die Jenbacher Energiesysteme AG (JES) und die Jenbacher Transportsysteme AG (JTS). JTS übernahm noch im gleichen Jahr 29,9 % der britischen Telfos Holding, wodurch sich das Unternehmen auch einen Einfluss auf Ganz-Hunslet, die ehemalige ungarische Lokomotivfabrik Ganz-Mávag, sicherte. Ende des Jahres wurde JTS Mehrheitseigentümer von Telfos. Kein Erfolg wurde der Versuch, mit Hilfe der AEG auch in die Straßenbahnproduktion einzusteigen. Nachdem der Integral einen Verlust von über 22 Millionen Euro verursacht hatte, wurde die Schienenfahrzeugsparte 2001 an Connex abgestoßen. Der andere Firmenteil wurde 2003 an General Electric verkauft.

Fahrzeugbau[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zwei Lokomotiven der Reihe 2043 in Wels

Ab 1945 wurde unter anderem mit Reparaturen von rollendem Gut für die französische Besatzungsmacht begonnen.[3] Zudem stellte sie zunehmend Fahrgestelle für Dieselmotoren (Feldbahn-Diesellokomotiven, Kompressoren und Diesel-Karren, Büffel) [3] und in der Folge zahlreiche Eisenbahn-Triebfahrzeuge für die Österreichischen Bundesbahnen, aber auch Fahrzeuge für andere Bahnverwaltungen und Betriebe her.

Die Jenbacher Werke bezeichneten ihre Lokomotiven nach einem System, aus dem Kraftübertragung, ungefähre Leistung, Achsfolge oder Einsatzzweck sowie das Dienstgewicht hervorgehen. Die ÖBB-Reihe 2060 trug daher die Werksbezeichnung DH200B28. Die anderen Modelle trugen die Bezeichnung JW.[3]

Für die ÖBB stellte das Unternehmen die Reihen 2060, 2062, 2043, 5081 (Lizenzbau des Uerdinger Schienenbus), 2068, 5047, 5147, aber auch die elektrohydraulische Lokomotive 1067 her. Einige dieser Bauarten waren auch bei anderen Bahnverwaltungen im Einsatz. Auch die Jugoslawischen Eisenbahnen bestellten eine größere Anzahl von Verschublokomotiven und an die SŽD konnte man mehrere Varianten der Reihe МГ liefern. Ebenfalls zur SŽD kamen 27 Generatorloks, die auch als Kraftwerk zur Stromerzeugung verwendet werden konnten. Weitere belieferte Bahngesellschaften waren beispielsweise die GKB, die TCDD und die EAR, für die 1971 Lokomotiven in Kooperation mit Henschel entstanden. In den Sechziger-Jahren wurden auch Deutz-Diesellokomotiven mit ca. 200 - 500 PS in Lizenz gebaut. Besonders zahlreich waren auch die Feldbahnloks und Werkslokomotiven, von denen insbesondere die Voest viele einsetzte. Auch im Waggonbau war Jenbacher weiterhin aktiv. Das letzte wichtige Produkt – der Gliederzug Integral, der nur von der Bayerischen Oberlandbahn eingesetzt wird – war allerdings ein Misserfolg, der letztlich zum Rückzug aus dem Schienenfahrzeugbau führte.

Firmenprofil und Produkte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die GE Energy Gasmotorensparte stellt Gasmotoren, sowie Blockheizkraftwerke und Dieselgeneratoren in Containerbauweise zur Energieversorgung her, und ist ausschließlich auf die Gasmotorentechnologie spezialisiert.

Am Hauptsitz Jenbach, in der Produktionszentrale der Gasmotorensparte von GE, sind etwa 1.300 Mitarbeiter/-innen beschäftigt, weltweit mehr als 1.700. Zur Gruppe gehören auch Gasmotor-Montagebetriebe in Hangzhou, China, und Veresegyház, Ungarn.[4]

Auszeichnung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 2017: Fabrik des Jahres, europaweit ausgeschriebener GEO-Award[5]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Franz Mathis: Big Business in Österreich. Verlag für Geschichte und Politik, Wien 1986, ISBN 3-7028-0256-8
  • Sepp Tezak: Die Jenbacher Werke. In: Schienenverkehr aktuell. 1988/4, S. 12
  • Helmut Petrovitsch: Lokomotiven aus Tirol. Chronik des Schienenfahrzeugbaues der Jenbacher Werke AG. In: Schienenverkehr aktuell. 1987/12 – 1990/6 (20 Teile)

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: GE Jenbacher – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Hester Margreiter: Die sozioökonomischen Auswirkungen nationalsozialistischer Arbeitseinsatz- und Frauenpolitik in Tirol. 2013; abgerufen am 15. Dezember 2015.
  2. Horst Schreiber: Zwangsarbeit. In: Nationalsozialismus und Faschismus in Tirol und Südtirol. Opfer. Täter. Gegner. S. 193 (erinnern.at [PDF; abgerufen am 15. Dezember 2015]).
  3. a b c Andreas Christopher: Jenbacher-Werke. In: Bahnen → Fahrzeughersteller. Abgerufen am 10. März 2010.
  4. Allgemein. GE Jenbacher, S. Unternehmensprofil Jenbacher Gasmotoren von GE Energy; abgerufen am 10. März 2010 (https).
  5. GE Jenbacher ist Fabrik des Jahres 2017 auf ORF-Tirol vom 20. Oktober 2017 abgerufen am 20. Oktober 2017