Dammer Bergsee

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Naturschutzgebiet Dammer Bergsee

IUCN-Kategorie IV – Habitat/Species Management Area

Dammer Bergsee

Dammer Bergsee

Lage Nördlich von Damme im nieder­sächsischen Landkreis Vechta
Fläche 105 ha
Kennung NSG WE 222
WDPA-ID 62698
FFH-Gebiet 102,6 ha
Geographische Lage 52° 32′ N, 8° 12′ OKoordinaten: 52° 32′ 23″ N, 8° 11′ 34″ O
Dammer Bergsee (Niedersachsen)
Dammer Bergsee
Meereshöhe von 109 m bis 117 m
Einrichtungsdatum 12. Mai 1995
Verwaltung NLWKN

Der Dammer Bergsee ist ein See und ein Naturschutzgebiet bei der Stadt Damme im niedersächsischen Landkreis Vechta. Das 1,05 km² große Schutzgebiet mit der Kennzeichennummer NSG WE 222 steht seit 1995 unter Naturschutz. Es liegt im Höhenzug Dammer Berge und ist Teil des FFH-Gebietes 317 „Dammer Berge“. Der See selbst, der 2 km nördlich des Stadtkerns von Damme liegt, ist ca. 700 m breit und ca. 560 m lang.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der See entstand in den Jahren 1952 bis 1967 als Großer Klärteich des Dammer Eisenerzbergbaus. Auf Initiative des Landkreises Vechta wurden 1974 bis 1975 erste Aufforstungen und Anpflanzungen durchgeführt. Nach fehlgeschlagenen Versuchen, Birken anzupflanzen, hielt sich ab Ende der 1980er Jahre ein kleiner Birkenwald am Nordrand der Halde. Dort finden sich inzwischen Kleines Wintergrün oder Breitblättriger Stendelwurz. Botaniker wie Johannes Wagner und Paul Olberding erkannten und beschrieben die herausragende Bedeutung des unter touristischen Nutzungsstress geratenden Gebietes. 1991 wollte der Landkreis Vechta das tonige Material der Abraumhalde als Abdichtung der Mülldeponie Tonnenmoor bei Vechta abtragen lassen. Paul Olberding und Johannes Wagner, später auch Torsten Laumann und die neugegründete Kreisgruppe Vechta des Naturschutzbundes setzten sich für den Erhalt und die Umwandlung in ein Naturschutzgebiet ein. Am 21. April 1995 wurde das Gebiet nach jahrelangen Auseinandersetzungen als Naturschutzgebiet „Dammer Bergsee“ ausgewiesen. Zu dieser Zeit waren dort 241 Farn- und Blütenpflanzen bekannt.

Flora[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Pseudognaphalium luteoalbum

Seither wurden Arten wie Italienischer Aronstab, Berg-Haarstrang, Savoyer Habichtskrautes oder Kleine Bibernelle, Büschel-Nelke, Aufgeblasenes Leimkraut und Echter Ackerfrauenmantel nachgewiesen. Mehr als 360 verschiedene Pflanzenarten waren 2006 registriert, darunter seltene Arten wie das Strand-Tausendgüldenkraut, das Gelblichweiße Ruhrkraut (Pseudognaphalium luteoalbum) oder das Hain-Greiskraut (Senecio nemorensis). Neben Orchideen finden sich dreizehn Farnarten, darunter Bergfarn (Lastrea limbosperma), Hirschzunge (Phyllitis scolopendrium) und Eichenfarn (Gymnocarpium dryopteris) nachweisen; hinzu kommen umfangreiche Bestände von Sumpffarn (Thelypteris palustris), Natternzunge (Ophiglossum vulgatum) und Gemeinem Frauenfarn (Athyrium filix-femina).

Auf der Abraumhalde gedeihen Silber- und Golddisteln (Carlina acaulis und Carlina vulgaris), dann die eher in gebirgigeren Regionen vorkommende Ästige Graslilie (Anthericum racemosum). Die als stark gefährdet geltende Knäuel-Glockenblume (Campanula glomerata) und die Aufrechte Waldrebe (Clematis recta) sind hier ebenfalls zu finden, ebenso wie das Kleine Filzkraut (Filago minima) und das Wimper-Perlgras (Melica ciliata). Als Vertreter der Trockenrasen-Gesellschaften sind auf der Halde ebenfalls Wirbeldost (Clinopodium vulgare), Kleiner Wiesenknopf (Sanguisorba minor ssp. minor), Wiesen-Salbei (Salvia pratensis) und Tauben-Skabiose (Scabiosa columbaria) anzutreffen.[1]

Die Waldlandschaften bergen Bestände von Kleinem Wintergrün (Pyrola minor), des zuweilen als Unterart des Fichtenspargels betrachteten Buchenspargels (Monotropa hypophagea), aber auch der Rote Fingerhut (Digitalis purpurea) findet hier geeignete Standorte.

Für den Schutz gefährdeter Pflanzenarten ist es vor allem wegen der Überreste des 1967 aufgegebenen Eisenerzbergbaus besonders wertvoll. Am Rande von künstlichen Stillgewässern, die der Erzwäsche dienten, auf Spülfeldern und einer Bergehalde haben sich aufgrund der extremen Standortverhältnisse sehr viele seltene Pflanzen angesiedelt, darunter etliche Orchideenarten.[2] Der Landkreis Vechta ist als untere Naturschutzbehörde zuständig.

Fauna[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In den Dammer Berge leben 13 Fledermausarten, von denen Wasser- und Teichfledermaus, Kleine Bartfledermaus, Mausohr und Bechsteinfledermaus, Abendsegler, aber auch Zwerg- und Mückenfledermaus im Gebiet vorkommen. Die einstigen Versorgungsstollen des Bergwerkes „Porta Damme“ und die Bunker auf dem Muna-Gelände bieten zahlreiche Schlafplätze, die auch andere Fledermausarten zur Überwinterung nutzen. So ließen sich Braunes und Graues Langohr, Breitflügelfledermaus und Fransenfledermaus, sogar die überaus seltene Mopsfledermaus nachweisen. Unter den Mardern sind die Mauswiesel und Hermeline häufig, aber auch Iltis, Stein- und Baummarder kommen vor. Die Bestände der Dachse nehmen zu. Weitere Säugetiere sind Eichhörnchen, Kaninchen und Feldhase, der Rotfuchs und das Wildschwein, Igel und Maulwurf, Reh und Damhirsch, eine Art, die in den Dammer Bergen eingebürgert wurden, ebenso wie Marderhund, Waschbär und Amerikanischer Nerz, die nach Ansiedlung durch Menschen aus anderen Gebieten eingewandert sind.

Mehr als 160 Vogelarten wurden bisher nachgewiesen, 77 Arten sind als Brutvögel beheimatet.

Hinzu kommen drei Eidechsen-, drei Molch- und drei Froschlurcharten sowie die Ringelnatter. In größerer Zahl trifft man Zauneidechse und Kamm-Molch an, aber auch der Kleine Wasserfrosch (Rana lessonae), der auf der Roten Liste Niedersachsen als stark gefährdet eingestuft wurde.

Apatura iris

Aus der Käferfamilie finden sich der Hirschkäfer und der Nashornkäfer, für die die Dammer Berge als FFH-Schutzgebiet eingerichtet wurden, Areale, die unmittelbar an das Naturschutzgebiet „Dammer Bergsee“ anschließen. Auch Schmetterlinge, wie der Große Schillerfalter (Apatura iris), treten wieder auf, ebenso wie typische Waldschmetterlinge (Admiral, Trauer- und Kaisermantel usw.). An Nachtschmetterlingen findet sich der Mittlere Weinschwärmer oder das Taubenschwänzchen.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Wolfgang Stelljes: Natur aus zweiter Hand. Der Dammer Bergsee: In: kulturland oldenburg. Heft 176 (Ausgabe 2.2018). S. 2 f. (online)

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Naturschutzgebiet Dammer Bergsee – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Eine Liste weiterer Pflanzen finden sich hier.
  2. Naturschutzgebiet „Dammer Bergsee“ in der Datenbank des Niedersächsischen Landesbetriebs für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN)