Die große Reise der Agathe Schweigert

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Filmdaten
OriginaltitelDie große Reise der Agathe Schweigert
ProduktionslandDDR
OriginalspracheDeutsch
Erscheinungsjahr1972
Länge101 Minuten
Stab
RegieJoachim Kunert
DrehbuchJoachim Kunert
Hans Müncheberg
ProduktionDEFA für DDR-Fernsehen
MusikGerhard Wohlgemuth
KameraWolfgang Pietsch
SchnittChrista Helwig
Besetzung

Die große Reise der Agathe Schweigert ist eine deutsche Literaturverfilmung von Joachim Kunert aus dem Jahr 1972. Sie beruht auf der Erzählung Agathe Schweigert von Anna Seghers. Der Film wurde im Auftrag des Fernsehens der DDR von der DEFA produziert.

Handlung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ernst Schweigert musste über Nacht seine Mutter Agathe und Nazi-Deutschland Richtung Paris verlassen, da er an einer Protestaktion teilgenommen hatte. Nachdem sich seine Spur verliert, macht sich Agathe auf die Suche nach ihrem Sohn. Sie verkauft ihren Kurzwarenladen, um Geld für ihr Vorhaben zu haben und reist mit der Bahn in Richtung Westen. Die im Ort bekannte und geachtete Frau wird sogleich vom Bahnschaffner erkannt und angesprochen. Bei der Zollkontrolle wird sie ein wenig ängstlich, doch alles geht gut.

In Paris angekommen, lässt Agathe die Stadt und ihre Sehenswürdigkeiten auf sich wirken. Schließlich hat sie in ihrem Leben noch nie eine so große Reise gemacht und stand immer nur hinter dem Tresen ihres Ladens. Nachdem sie die Adresse gefunden hat, von der sie den letzten Brief bekommen hatte, erfährt sie hier, dass Ernst schon vor längerem weitergereist sei. Zum Glück findet sich ein Freund von Ernst und sie erfährt, dass ihr Sohn in Spanien gegen die Faschisten kämpft. Agathe folgt ihm - bis an die Front. Zunächst begibt sie sich nach Toulouse und ist erstaunt, dass ihr Sohn auch hier Freunde hat. Nun begreift sie erst, dass er Mitglied der Internationalen Brigade ist. Von Frankreich weiter nach Spanien zu reisen erweist sich als Problem, weil man Agathe keine Papiere ausstellen will. Erst als sie sich bereit erklärt, in Spanien eine Arbeit anzunehmen scheint es eine Lösung zu geben. Allerdings muss sie nun erst einmal abwarten, doch geht es am Ende schneller als erwartet und ihr Antrag genehmigt. So geht die Reise weiter mit der Bahn über die Pyrenäen und dann zu Fuß bis zur Grenze. Dort werden sie als Kämpfer für die Freiheit Spaniens begrüßt und in die nächste Stadt gebracht. Hier hofft sie endlich ihren Sohn zu finden, doch sie erfährt, dass er noch immer an der Front kämpft und sie ihn dort nicht besuchen könne.

Agathe lernt auf ihrem Weg viele unterschiedliche Menschen kennen, aber alle sind sie freundlich zu ihr und alle können ein wenig Deutsch. Sie versucht die Motivation zu verstehen, die Menschen aus allen Nationalitäten hierher nach Spanien treibt, um gegen die Faschisten zu kämpfen. Mit einem jungen Polen fährt sie bis Valencia und sieht zum ersten Mal das Meer. Hier ist auch ein großes Hospital, in dem sich Ernst aufhalten soll. Doch sie kommt zu spät, denn vor zwei Tagen ist er zurück an die Front gereist. So bleibt Agathe nichts weiter übrig, als erst einmal im Hospital zu warten und mitzuarbeiten, bis Ernesto wieder hierher zurückkommt, wie er angekündigt hatte. Da es viel zu tun gibt, wird ihr die Zeit nicht lang. Wäsche ist zu legen, die Betten zu beziehen, Essen auszuteilen und viele andere Arbeiten die Agathe so tun kann. Doch schon bald kommt ein Brief, dass Ernst weiter an der Front bleiben muss. Es fügt sich aber, dass ein Verwundeter in eine Spezialklinik gebracht werden muss und da die sich in der Stadt befindet, in der Ernesto derzeit stationiert ist, soll Agathe den Kranken auf dem Transport begleiten. Dort angekommen muss sie allerdings erfahren, dass ihr Sohn nicht kommen wird, weil das Bataillon weiterziehen musste. Enttäuscht zieht Agathe durch die Straßen der Stadt und lässt sich am Ende von einem Transport wieder mit zurück ins Hospital nehmen. Hier erhält sie die erschütternde Nachricht vom Tod ihres Sohnes. Nur die Arbeit kann sie jetzt von ihrem Schmerz ablenken. Unermüdlich kümmert sie sich um die Kranken und Verletzten. Dabei entdeckt sie zufällig Reinhold, einen ehemaligen Schulkameraden ihres Sohnes, der ihr von ihm und seinen letzten Lebenstagen berichtet.

Nachdem das Hospital evakuiert werden muss, flieht Agathe mit einer Gruppe Zivilisten zu Fuß bis nach Frankreich. Sie schlägt sich bis zu einem kleinen Bergbauernhof durch. Dort kann Agathe Zuflucht finden, doch nach Tagen der Rast zieht es sie weiter zu einem Internierungslager. Es hatte sie die Nachricht erreicht, dass Reinhold hier interniert wurde. Das Wachpersonal hält Agathe für Reinholds Mutter, was ihr hilft zu ihm gelassen zu werden. Da sie nun niemanden mehr hat, will sie in Reinholds Nähe bleiben und gedenkt mit den Internierten zu gehen, wenn sie auf Asylsuche in die Welt ziehen.

Hintergrund[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Erstaufführung erfolgte am 12. November 1972 im 1. Programm des DDR-Fernsehen.[1] Die Figur der Agatha Schweigert wurde optisch an die der Anna Seghers angelegt.

Der Film endet in Frankreich, wo Agatha Schweigert Robert, den Freund ihres Sohnes im Internierungslager aufsucht. Im Roman verschlägt es sie auf der Flucht vor den Deutschen bis auf die Antillen. Dort begegnet ihr im Frühjahr 1941 Anna Seghers.

Kritik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

„Eine nicht mehr ganz junge Frau gibt ihren Kurzwarenladen und damit ihre gesicherte Existenz auf, um ihrem Sohn zu folgen, den in der Fremde ein ungewisses Schicksal erwartet. Im Deutschland der dreißiger Jahre und im Spanienkrieg angesiedelter, antifaschistischer Fernsehfilm, atmosphärisch dicht und eindringlich gespielt.“

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Die große Reise der Agathe Schweigert im Online-Lexikons des DDR-Fernsehens
  2. Die große Reise der Agathe Schweigert. In: Lexikon des internationalen Films. Zweitausendeins, abgerufen am 2. März 2017.