Dieter Pohl (Heimatforscher)

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Dieter Pohl (* 1. März 1934 in Hirschberg, Provinz Niederschlesien) ist ein deutscher Heimatforscher und Ingenieur.[1]

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jugend und Ausbildung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Familie kam nach der Vertreibung 1946 in ein Dorf südlich von Bremen. Dieter Pohl besuchte zunächst die Mittelschule in der Kleinstadt Syke und ab 1951 ein Gymnasium in Bremen, das er 1954 mit dem Abitur abschloss. Danach studierte er Elektrotechnik an der RWTH Aachen mit Abschluss als Diplomingenieur (1962). Er wurde 1974 in Aachen nach zwölfjähriger Industrietätigkeit zum Dr.-Ing. promoviert.

Berufliche Tätigkeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach zehnjähriger Tätigkeit als Entwicklungsingenieur im Philips-Konzern in Deutschland und den Niederlanden wurde er 1973 Hauptabteilungsleiter im Geschäftsbereich KFZ-Prüftechnik der Robert Bosch GmbH. 1977 wurde er im Bosch-Geschäftsbereich Fernsehanlagen Prokurist und Geschäftsleiter der Abteilung Entwicklung, 1987 bis zu seiner Pensionierung 1994 in der Position eines Abteilungsdirektors (Vice President) Koordinator für die Forschungs- und Entwicklungspolitischen Vorhabens des Bosch-Konzerns in Bonn und Brüssel. In dieser Funktion war er auch Mitglied des Direktorats des EU-Projektes EUREKA 95 zur Entwicklung und Einführung des hochauflösenden Fernsehens in Europa, das nach technisch erfolgreichem Abschluss aber durch das Ausscheiden Großbritanniens nicht mehr zur Geltung kam.

Genealogie und kulturhistorische Forschung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Parallel entwickelten sich seine Interessen für Genealogie und schlesische Heimatgeschichte, die erstmals 1973 mit der Erforschung seiner Vorfahren in Niederschwedeldorf (heute Szalejów Dolny) einsetzten. Ab 1981 begann er mit der umfassenden Aufgabe, alle noch vorhandenen deutschen Kirchenbücher der Grafschaft Glatz (ca. 1300 Exemplare) zu ermitteln, die nicht nur in den dortigen Pfarreien, sondern auch im Staatsarchiv Breslau (Archiwum Państwowe we Wrocławiu) und im Erzbischöflichen Diözesanarchiv Breslau (Archiwum Archdiecezjalne we Wrocławiu) vorhanden sind.[2] Als Ergebnis brachte er den Band Die Kirchenbücher der Grafschaft Glatz 1996 zum Druck.

Er gründete 1986 die genealogisch orientierte Forschungsgruppe Grafschaft Glatz (FGG), die er bis 2001 leitete und deren Mitglied er auch heute noch ist. 2001 gründete er die kulturell und kirchenhistorisch orientierte Arbeitsgemeinschaft Grafschaft Glatz - Kultur und Geschichte (AGG) deren jährliche Tagungen in Münster durchgeführt wurden. Nach seinem 80. Geburtstag übergab Pohl die Leitung der AGG am 26./27. April 2014 an Klaus Hübner. Die Gruppe hat zurzeit mehr als 60 Mitglieder, darunter neun aktive oder emeritierte Hochschullehrer. Unter Pohls Leitung publizierte die AGG von 2002 bis 2013 zwölf Ausgaben der AGG-Mitteilungen.

Er gab weiterhin die Ortschroniken des Pfarrers Joseph Kögler heraus (5 Bände), verfasste eine Bibliographie und mehr als 50 kulturhistorische Arbeiten über die Grafschaft Glatz und leistete damit einen wesentlichen Beitrag zum Erhalt ihres kulturellen Erbes.[3]

Mitgliedschaften und Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1976 bis 1995 war Dieter Pohl Mitglied der Fernseh- und Kinotechischen Gesellschaft (FKTG) und von 1979 bis 1987 ihr Zweiter Vorsitzender.

Pohl ist Mitglied des Verbandes der Historikerinnen und Historiker Deutschlands und ordentliches Mitglied der Historischen Kommission für Schlesien, Mitglied des Vereins für Geschichte Schlesiens und Mitglied des Kuratoriums und des Vereins der Freunde und Förderer der Stiftung Kulturwerk Schlesien.

2004 wurde ihm für seine Verdienste als ehrenamtlicher Geschichtsforscher der Grafschaft Glatz das Bundesverdienstkreuz am Bande verliehen.

Publikationen (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Grafschaft Glatz (Schlesien): Die Sammlung Kögler im Erzbischöflichen Diözesanarchiv Breslau, Köln 2000, ISBN 3-927830-17-8
  • Die Grafschaft Glatz (Schlesien), Bund der Vertriebenen, Kulturreferat, Bonn 1996, 1. Aufl., Stand: 1. Dezember 1996, ISBN 3-925103-83-X
  • Die Kirchenbücher der Grafschaft Glatz (Schlesien): die Bestände 1937 und 1997, Lorsch 1996, ISBN 3-927830-14-3
  • Das Dekanatsarchiv des Erzbischöflichen Generalvikariats der Grafschaft Glatz: Bestandsaufnahme 1994, Lorsch 1995, ISBN 3-927830-13-5
  • Die Grafschaft Glatz (Schlesien) in Darstellungen und Quellen: eine erweiterte Bibliographie, Modautal 1995, 1. Ausg., ISBN 3-927830-10-0
  • als Bearbeiter und Herausgeber: Quellenverzeichnis die Grafschaft Glatz, Arbeitsgemeinschaft ostdeutscher Familienforscher/Forschungsgruppe Grafschaft Glatz, Modautal, ISSN 0937-2652
  • als Autor und Herausgeber Die Chroniken der Grafschaft Glatz/Joseph Kögler, Köln 2003, ISBN 3-927830-19-4
  • als Bearbeiter und Herausgeber: Quellenverzeichnis - die Grafschaft Glatz und ihre Nachbargebiete sowie übergeordnete Themen, Arbeitsgemeinschaft ostdeutscher Familienforscher/Forschungsgruppe Grafschaft Glatz, Modautal, ISSN 0937-2652
  • als Bearbeiter und Herausgeber: Handbuch für Grafschaft Glatzer Familienforscher: Forschungshilfen, Arbeitsgemeinschaft ostdeutscher Familienforscher/Forschungsgruppe Grafschaft Glatz, Modautal, Grundwerk Stand 9/1989, ISBN 3-927830-00-3

Die vollständige Publikationsliste von Dieter Pohl umfasst zurzeit 52 Titel.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Publikationsverzeichnis von Dieter Pohl in DNB
  2. Arno Herzig: Glaciographia Nova: Festschrift für Dieter Pohl, S. 12f.
  3. Schlesischer Kulturspiegel 1/2004

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Arno Herzig: Glaciographia Nova: Festschrift für Dieter Pohl. 1. Auflage. DOBU, Wiss. Verl. Dokumentation und Buch, Hamburg 2004, ISBN 3-934632-05-X.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]