Dieter Richter

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Dieter Richter (2006)

Dieter Richter (* 24. Dezember 1938 in Hof, Bayern) ist ein deutscher Germanist und Autor.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Richter studierte Germanistik, Altphilologie und Theologie an der Universität München und der Universität Göttingen. Nach Promotion bei Hans Neumann und Assistentenzeit in Göttingen wurde er 1972 als Professor für Kritische Literaturgeschichte und literaturwissenschaftliche Methodenlehre an die Universität Bremen berufen. Anfänglicher Schwerpunkt seiner wissenschaftlichen Arbeit war die Deutsche Philologie des Mittelalters (vor allem die geistliche Literatur). Im Zusammenhang mit der Neugründung der Universität Bremen beschäftigte er sich mit Problemen der Hochschulreform und einer kritischen Neudefinition der Germanistik und ihrer Arbeitsfelder und -methoden. Damit wurden bislang wissenschaftlich kaum beachtete, aber gesellschaftlich einflussreiche Textgattungen (vor allem Kinder- und Popularliteratur) interessant. Es entstanden Arbeiten zur Märchenforschung und zur Geschichte der Kindheit. Seit den 1990er Jahren und im Zusammenhang mit verschiedenen Gastprofessuren an italienischen Universitäten und der Mitarbeit in süditalienischen Forschungseinrichtungen beschäftigt sich Richter zunehmend mit Themen der Grand Tour, der Geschichte der deutsch-italienischen Beziehungen und der Landeskunde Süditaliens, vor allem der Gegend von Neapel. Methodischer Ausgangspunkt seiner neueren Arbeiten ist dabei ein integrativer Begriff von Kulturgeschichte, in dem Betrachtungsweisen der Literatur- und Kunstgeschichte, der Ethnologie und der materiellen Geschichtsforschung verschmelzen.

Neben seiner Tätigkeit als Autor und Übersetzer (u. a. der neapolitanischen Märchen von Giambattista Basile) ist Richter auch als Kurator verschiedener kulturhistorischer Ausstellungen in Deutschland und Italien bekannt geworden. Er gehört zu den Gründungsmitgliedern der Gruppe Der Rote Elefant.

Seit 2004 ist Richter emeritiert und freiberuflich tätig. Er war verheiratet und ist Vater von zwei Kindern, lebt in Bremen und ist Ehrenbürger der Stadt Amalfi. Am 2. Juni 2008 wurde ihm der Verdienstorden der Italienischen Republik verliehen. Für sein Buch Der Süden. Geschichte einer Himmelsrichtung erhielt er den zweiten Platz des NDR Kultur Sachbuchpreises 2009.[1]

Schriften (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Monografien

  • Die deutsche Überlieferung der Predigten Bertholds von Regensburg. Untersuchungen zur geistlichen Literatur des Spätmittelalters. München (C.H.Beck) 1969.
  • Märchen, Phantasie und soziales Lernen. Berlin (Basis) 1974 (zus. mit Johannes Merkel).
  • Schlaraffenland. Geschichte einer populären Phantasie. Köln (Diederichs) 1984, ISBN 3-424-00789-7. Frankfurt (S.Fischer) 1995.
  • Das fremde Kind. Zur Entstehung der Kindheitsbilder des bürgerlichen Zeitalters. Frankfurt (S.Fischer) 1987.
  • La luce azzurra. Saggi sulla fiaba. Milano (Mondadori) 1995.
  • Pinocchio oder Vom Roman der Kindheit. Frankfurt (S.Fischer) 1995. U.d.T. Carlo Collodi und sein Pinocchio Berlin (Wagenbach) 2004.
  • Il mito della Grotta Azzurra. La nascita di un luogo romantico tra folklore, letteratura e viaggio. Napoli (Electa) 1995.
  • Il giardino della memoria. Il Cimitero acattolico di Capri. Capri (La Conchiglia) 1996.
  • Napoli cosmopolita. Viaggiatori e comunità straniere nell´Ottocento. Napoli (Electa) 2002.
  • Jean Paul und Italien. Joditz (Jean-Paul-Edition) 2002.
  • Neapel – Biographie einer Stadt. Berlin (Wagenbach) 2005.
  • Der Vesuv. Geschichte eines Berges. Berlin (Wagenbach) 2007.
  • Der Süden. Geschichte einer Himmelsrichtung. Berlin (Wagenbach) 2009.
  • Von Hof nach Rom. Johann Christian Reinhart. Ein deutscher Maler in Italien. Eine Biographie. Berlin (Transit Verlag) 2010, ISBN 978-3-88747-245-0.
  • Goethe in Neapel. Berlin (Wagenbach) 2012.
  • Jean Paul. Eine Reise-Biographie. Berlin (Transit Verlag) 2012, ISBN 978-3-88747-280-1.
  • Das Meer. Geschichte der ältesten Landschaft, Berlin (Wagenbach), 2014, ISBN 978-3-8031-3648-0.

Herausgeberschaften

  • Nicht heimlich und nicht kühl. Entgegnungen an Dienst- und andere Herren. Berlin (Ästhetik und Kommunikation) 1977 (zus. mit Heiner Boehncke).
  • Fremdenverkehr und lokale Kultur. Kulturanthropologische Untersuchungen an der Küste von Amalfi. Bremen (KEA) 1999.
  • La scoperta del Sud. Il Meridione, l´Italia, l´Europa. Geneve (Slatkin) 1994.
  • Bremen und Italien. Zur Geschichte einer Beziehung. Bremen (Temmen) 1994 (zus. mit Christian Marzahn).
  • Voyage. Jahrbuch für Reise- & Tourismusforschung, Berlin 2001–2009 (zus. mit Hasso Spode u.a.).
  • Vorbild Herculaneum. Römisches Bayern und Antikenrezeption im Norden. München 2006 (zus. mit Ludwig Wamser).

Editionen und Anthologien

  • Berthold von Regensburg: Deutsche Predigten. München (Fink) 1968.
  • Das politische Kinderbuch. Eine aktuelle historische Dokumentation. Darmstadt (Luchterhand) 1973.
  • Carl Dantz: Peter Stoll. Ein Kinderleben von ihm selbst erzählt [1925]. München (Weismann) 1978 (zus. mit Johannes Merkel).
  • Wilhelm Lamszus: Das Menschenschlachthaus. Bilder vom kommenden Krieg [1912]. München (Weismann) 1980.
  • Kindheit im Gedicht. Deutsche Verse aus acht Jahrhunderten. Frankfurt (S.Fischer) 1992.
  • August Kopisch: Entdeckung der Blauen Grotte auf der Insel Capri [1838]. Berlin (Wagenbach) 1997. 2009.
  • Neapel. Eine literarische Einladung. Berlin (Wagenbach) 1998. 2008.
  • Briganten am Wege. Deutsche Reisende und das Abenteuer Italien. Frankfurt (Insel) 2002.
  • Pompeji und Herculaneum. Ein Reisebegleiter. Frankfurt (Insel) 2005.
  • Stefan Andres: Terrassen im Licht. Italienische Erzählungen. Göttingen (Wallstein) 2009.

Ausstellungen (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Alla ricerca del Sud. Tre secoli di viaggio ad Amalfi nell´immaginario europeo. Firenze (La Nuova Italia) 1989. [Amalfi, Antichi Arsenali].
  • Süßhunger. Zur Kulturgeschichte des Süßen. Bremen (Gasseleder) 1990 [Überseemuseum Bremen].
  • I profumi di Reid. Uno scavo archeologico a Villa Rufolo e la vita di un inglese nella Ravello dell´Ottocento. Napoli (Electa) 1999 [Ravello, Villa Rufolo] (zusammen mit Matilde Romito).
  • Stefan Andres und Positano. Ein Schriftsteller und Künstler „am Rande der Welt“. Salerno 2000 [Positano, Museo del Duomo].
  • Die letzten Stunden von Herculaneum. Mainz (Zabern) 2005 [Römermuseum Haltern, Pergamonmuseum Berlin, Archäologische Staatssammlung München] (zusammen mit Josef Mühlenbrock).
  • Blicke auf Rom / Sguardi su Roma. Dem Deutsch-Römer Johann Christian Reinhart zum 250. Geburtstag. Rom, Casa di Goethe 2. Februar 2011 - 15. Mai 2011.
  • Lady Hamilton. Eros und Attitüde. Schönheitskult und Antikenrezeption in der Goethezeit. Rom Casa di Goethe 24. September 2015 - 17. Januar 2016. Wörlitz, Haus der Fürstin, 4. Juni - 18. September 2016. Katalog Petersberg (Verlag Michael Imhof) 2015.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Michael Nagel (Hrsg.): Reisen, Erkunden, Erzählen. Bilder aus der europäischen Ethnologie und Literatur. Dieter Richter zum 65. Geburtstag. edition lumière, Bremen 2004, ISBN 3-934686-18-4, (Presse und Geschichte Neue Beiträge 10).

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. NDR Kultur Sachbuchpreis 2009 für Jürgen Osterhammel. NDR Kultur am 25. Oktober 2009, abgerufen am 4. Januar 2016.