Digitale Infrastruktur

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Die digitale Infrastruktur ist der Teil der Telekommunikations-Infrastruktur eines Landes, der digitale Dienste und netzbasierte Geschäftsmodelle ermöglicht. Sie ist Grundlage für die Digitale Transformation und Digitalisierung in der Wissensgesellschaft. Eine leistungsfähige digitale Infrastruktur ist mit dem Wachstum des Internet und des World Wide Web sowie durch die Beschleunigung der Digitalen Revolution seit den 1990er Jahren zu einem der wichtigsten Wettbewerbsfaktoren für Wirtschaft und Wissenschaft geworden.[1][2][3] Eine Grundversorgung mit Breitbandzugang wird zunehmend als Aufgabe der staatlichen Daseinsvorsorge gesehen.[4][5][6][7] Stromnetze und eine sichere, flächendeckende Versorgung mit elektrischer Energie sind als Kritische Infrastruktur unverzichtbare Voraussetzung für das Funktionieren der digitalen Infrastruktur.[8]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In den 1960er Jahren wurde mit dem militärischen Projekt Arpanet in den USA eine Dezentralisierung der Informations- und Kommunikationsinfrastruktur angestrebt. Grundlage war das bereits ausgebaute Telefonnetz, obwohl dieses auf analogem elektronischen Datentransfer beruhte. Anfänglich waren es vor allem Universitäten und Forschungseinrichtungen, die auf eine digitale IT-Infrastruktur angewiesen waren.

In den 1990er Jahren wurde mit Einführung des World Wide Web die Metapher der Datenautobahn geprägt, welche die Verbindung zum traditionellen Infrastrukturbegriff herstellte. Der Ausbau der digitalen Infrastruktur erfolgte vor allem innerhalb der Unternehmen und Institutionen durch Rechenzentren.

In den 2000er und 2010er Jahren sind weltweit die Anforderungen an die Leistungsfähigkeit der festen und mobilen Netze (Flächendeckung, Bandbreite) weiter stark gestiegen.

Komponenten der digitalen Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zur Hardware und Software der digitalen Infrastruktur zählen unter anderem:

Der Zugriff auf digitale Netzwerke wird durch verschiedene Netzwerkprotokolle geregelt. Besondere Bedeutung kommt dabei der Netzwerksicherheit[10] zu.

Ausbau der digitalen Infrastruktur in Europa[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Europäische Union[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Europäische Kommission hat 2016 bekräftigt, dass der Ausbau hochleistungsfähiger fester und drahtloser Breitbandnetzanbindungen in der Europäischen Union eine wichtige Voraussetzung für die Schaffung des Digitalen Binnenmarkts darstellt.[11][12][13] Die Europäische Union dürfte jedoch das angestrebte Ziel verfehlen, bis 2020 alle EU-Bürger mit Breitbandanschlüssen über 30 Megabit pro Sekunde zu versorgen.[14] In einem Sonderbericht im Dezember 2018 stellte der Europäische Rechnungshof fest, dass sich die Breitbandversorgung EU-weit im Allgemeinen zwar verbessert hat, die Nutzung ultraschneller Breitbanddienste aber deutlich unter der Zielvorgabe liegt. Auch die Anbindung von ländlichen Gebieten, in denen Investitionen für den Privatsektor weniger attraktiv sind, ist nach wie vor schlechter als die von Städten.[15]

Deutschland[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Deutschland wurde 2014 mit der Digitalen Agenda 2014–2017 unter anderem der flächendeckende Ausbau von Hochleistungsnetzen beschlossen.[16] Kritisiert wird, dass der Ausbau nur schleppend vorangeht.[17][18][19] Auf den Digital-Gipfeln der Bundesregierung steht seit Jahren das Thema Ausbau von Breitband sowie der Ausbau von konvergenten Netzen als "Infrastruktur für die Gigabit-Gesellschaft" im Mittelpunkt.[20][21][22] Mit dem Digitalinfrastrukturfondsgesetz vom 17. Dezember 2018 wurde ein Sondervermögen des Bundes errichtet, mit dem insbesondere der Ausbau von Breitbandnetzen sowie die digitale Infrastruktur für Schulen (Digitalpakt) gefördert werden sollen.[23] Vor allem im ländlichen Raum besteht Bedarf am Ausbau einer breitbandigen digitalen Infrastruktur.[24] Die Stromnetze sollen zu intelligenten Stromnetzen ausgebaut werden, um die Effizienz der Energieversorgung zu steigern.[25]

Österreich[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Umsetzung der Breitbandstrategie 2020 soll dazu dienen, die digitale Kluft zwischen Land und Stadt zu schließen.[26] Als wichtige Ziele beim Ausbau der digitalen Infrastruktur werden Verfügbarkeit, Zugänglichkeit, Sicherheit und Neutralität angesehen.[27]

Schweiz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Schweiz lag 2018 bei der Hochbreitband-Abdeckung (mindestens 100 Megabit pro Sekunde download) nach Malta und den Niederlanden in Europa auf dem dritten Platz.[28] Seit Anfang 2019 wird das 5G-Mobilfunknetz in der Schweiz zügig ausgebaut, was jedoch auch auf Widerstand stößt.[29][30]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Stefan Krempl: Studie: Deutschland braucht eine "erstklassige digitale Infrastruktur". heise online, 12. Juni 2018, abgerufen am 6. August 2019.
  2. Herausforderungen beim Ausbau der digitalen Infrastruktur - Bundesfinanzministerium - Monatsbericht des BMF März 2018. Abgerufen am 8. August 2019.
  3. Jürgen Kuri: Digitale Infrastruktur. Zwischen Fördermilliarden und Netzrealitäten | APuZ. Bundeszentrale für politische Bildung, 11. April 2017, abgerufen am 10. August 2019.
  4. Bundesamt für Kommunikation (BAKOM): Grundversorgung im Fernmeldebereich. Schweizerische Eidgenossenschaft, 1. Januar 2018, abgerufen am 15. August 2019.
  5. Breitband muss es für alle geben. Kommunal.at, 29. Juli 2018, abgerufen am 15. August 2019.
  6. Fraktion Bündnis 90/Die Grünen: Breitband für alle - Digitale Infrastruktur flächendeckend ausbauen. In: Drucksache 19/5306. Deutscher Bundestag, 26. Oktober 2018, abgerufen am 15. August 2019.
  7. Schnelles Internet für alle: Große Koalition will Rechtsanspruch, Industrie warnt vor "Planwirtschaft". In: netzpolitik.org. 6. Februar 2018, abgerufen am 15. August 2019.
  8. Dagmar Röhrlich: Rüsten gegen den Blackout - Unsichere Stromversorgung in Zeiten der Energiewende. Deutschlandfunk, 14. August 2019, abgerufen am 15. August 2019.
  9. BSI für Bürger - Öffentliche WLANs. Abgerufen am 13. August 2019.
  10. BSI - Projekt "Digitale Gesellschaft: smart & sicher" (SuSi). Abgerufen am 13. August 2019.
  11. Europäische Kommission: Konnektivität für einen wettbewerbsfähigen digitalen Binnenmarkt - Hin zu einer europäischen Gigabit-Gesellschaft. 14. September 2016, abgerufen am 9. August 2019.
  12. Europäische Kommission: Eine digitale Agenda für Europa. 19. Mai 2010, abgerufen am 9. August 2019.
  13. European Commission: European Broadband Mapping. Abgerufen am 10. August 2019.
  14. Eric Heyman, Kevin Körner: Digitale Infrastruktur: Engpässe hemmen Europa. In: EU-Monitor Digitale Ökonomie und struktureller Wandel. Deutsche Bank Research, 28. September 2018, abgerufen am 13. August 2019.
  15. Sonderbericht Nr. 12/2018: Breitbandausbau in den EU-Mitgliedstaaten. Europäischer Rechnungshof, abgerufen am 16. August 2019.
  16. BMVI - Gigabit-Gesellschaft (Ausblick). Abgerufen am 13. August 2019.
  17. Jan Rähm: Breitbandausbau - Kupfer für immer. Deutschlandfunk, 12. Mai 2015, abgerufen am 15. August 2019.
  18. heise online: #heiseshow: Die unendliche Geschichte Breitbandausbau. heise online, 13. September 2018, abgerufen am 15. August 2019.
  19. Pfälzischer Merkur: Internetzugang: Im Schneckentempo ins Netz. 19. August 2019, abgerufen am 20. August 2019.
  20. Bundesministerium für Wirtschaft und Energie: Plattform 1 "Digitale Netze und Mobilität". Abgerufen am 15. August 2019.
  21. Bundesregierung: Von der digitalen zur Gigabit-Gesellschaft. 30. August 2017, abgerufen am 15. August 2019.
  22. Gigabit-Netze für Deutschland - Herausforderungen und Chancen für die Gigabit-Infrastruktur. Bundesverband der Deutschen Industrie e.V. (BDI), 10. Oktober 2018, abgerufen am 16. August 2019.
  23. Sondervermögen „Digitale Infrastruktur“ beschlossen. Bundesministerium der Finanzen, 1. August 2018, abgerufen am 8. August 2019.
  24. Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft: Flächendeckende Breitbandversorgung – auch im ländlichen Raum. 30. Dezember 2014, abgerufen am 15. August 2019.
  25. digitalSTROM.org – an der ETH Zürich gegründete Non-Profit-Organisation
  26. Infrastruktur: Digital Roadmap Austria. Abgerufen am 13. August 2019.
  27. Werner Illsinger: Digitale Infrastruktur. In: Digital Society.at. Abgerufen am 13. August 2019.
  28. Schweiz bei Hochbreitband-Abdeckung europaweit weiterhin führend - Glasfasernetz Schweiz. Abgerufen am 14. August 2019.
  29. Report: Was die Schweiz beim 5G-Ausbau besser macht als Deutschland. Abgerufen am 14. August 2019.
  30. heise online: Schweiz: Genf stoppt Aufbau von 5G-Mobilfunkantennen. Abgerufen am 14. August 2019.