Dirlammen

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Dirlammen
Koordinaten: 50° 36′ 23″ N, 9° 18′ 11″ O
Höhe: 451 m ü. NHN
Fläche: 9,74 km²[1]
Einwohner: 408 (Dez. 2011)[2]
Bevölkerungsdichte: 42 Einwohner/km²
Eingemeindung: 1. Februar 1972
Postleitzahl: 36369
Vorwahl: 06643
Luftbild Dirlammen
Luftbild Dirlammen

Dirlammen ist ein Dorf in Mittelhessen mit rund 450 Einwohnern und Ortsteil der Gemeinde Lautertal im Vogelsbergkreis.

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Dirlammen liegt am nordöstlichen Rand des Vogelsbergs rund 30 km nordwestlich von Fulda.

Nachbarortschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Dirlammen grenzt im Nordosten an Meiches, im Osten an Lauterbach, im Süden bzw. Süd-Westen an Hopfmannsfeld und Hörgenau.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Ort Dirlammen wurde im Jahre um das Jahr 1140 erstmals unter dem Namen Dirlame erwähnt.[1]

Erstbesiedlung und Namensabstammung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Fachwerkhäuser in Dirlammen
Kutschenhäuschen

Der Ort Dirlammen bzw. das umfassende Gebiet war schon weit vor der urkundlichen Erwähnung besiedelt. Funde weisen auf eine Besiedlung in der Bronzezeit hin. Das bezeugen zahlreiche „Hügelgräber“, die rings um Dirlammen zu finden sind. Im Jahre 1922 wurden einige dieser Hügelgräber auf dem Ziegenrückskopf und der Grabeneck von Dr. Kunkel vom Oberhessischen Museum in Gießen im Beisein von Lehrer Bayerer aus Dirlammen und einigen Arbeitern geöffnet. Dabei wurden neben Knochenresten zwei Dolche mit den Resten von hölzernen Scheiden, eine Gewandnadel mit keulenförmigem Kopf und eine Gewandnadel aus Bronzedraht in der Art einer „Fibel“ gefunden. Diese Funde weisen auf eine Besiedlung des Gebietes bereits zur Bronzezeit (ca. 1800–1100 v. Chr.) hin. Die Gräber selbst bestehen aus Steinhügeln von ca. 1 bis 2 m Höhe, die einen Durchmesser von 8 bis 12 m haben. Die Grabkammer selbst ist aus dickeren Felsblöcken oder Felsplatten gebildet. Einen Hinweis auf eine noch frühere Besiedlung fand im Mai 1966 Karl Greb beim Pflügen seines Feldes „Im Dieles“. Er förderte ein abgebrochenes Steinbeil zutage. All diese Zeugen der Siedlungsgeschichte dieses Raumes sind jedoch nur kleine Bruchstücke eines großen Mosaiks, die zwar wichtige Hinweise auf eine frühe Besiedlung geben, ein lückenloses Datei jedoch nicht zulassen.

Einen weiteren Hinweis auf eine Besiedlung in vorchristlicher Zeit sieht Pfarrer Zinn in dem bis heute erhaltenen Flurnamen „Die Afdahler“. Danach weist dieser Name auf einen heidnischen Opferplatz („auf der Alah“) hin. Pfarrer Zinn versucht auch anhand des Ortsnamens eine Besiedlung des Ortes bereits zur frühesten Siedlungsperiode zu erklären:

„Die waldfreien Weidegründe um Dirlammen mussten schon in den frühesten Zeiten Ansiedler anlocken. Aus diesen Ursachen müssen wir von vornherein die Annahme Arnolds und Diemers, dass der Ortsname Dirlammen alter Dativ eines Personennamens sei, der übrigens gar nicht näher bezeichnet und in seinem tatsächlichen Vorkommen urkundlich belegt wird, als unwahrscheinlich ablehnen und einen Ursprung des Ortsnamens vermuten, der über die Zeit, da man nur gegründete Orte nach ihren Besitzern benannte, hinausreicht. Der lang gestreckte Wiesen- und Weidengrund, in dem Dirlammen liegt, führt oberhalb des Dorfes auf der Generalstabskarte den Namen Ohgrund und dürfte ein ursprünglicher Ahagrund (Wassergrund) gewesen sein, ein Name, der zu seiner feuchten, stellenweise sumpfigen Beschaffenheit gut passt. Nun aber sagt man in althochdeutscher Zeit für Sumpfland und für überhaupt wasserreiches Gelände auch die lam („lame“) entsprechend dem lateinischen lama und südfranzösischem lamma. Es ist also, wie auch Sturmfels annimmt, sehr wahrscheinlich, dass man die älteste in diesem Tale entstandene Siedlung als „ze dir (der)lamen“ gelegen bezeichnete. Indem man später ze (zu) wie gewöhnlich bei solchen Ortsnamen wegließ und das Geschlechtswort dir (der) mit dem folgenden Dingwort, zu dem es gehörte, verschmolz, entstand der Ortsname Dirlamen, aus dem dann später durch Verkürzung des a das heutige Dirlammen wurde. Tatsächlich schrieb man auch früher stets Dirlamen (1138–1149, 1277–1280) und Tirlamen (1641). Erst seit 1723 schrieb man in den Kirchenbüchern zu Hopfmannfeld Dierlammen und Tierlammen. Die heutige Form Dirlammen findet sich zuerst in den genannten Kirchenbüchern im Jahre 1806 und von da an als regelmäßige Schreibweise.“ (Pfarrer Zinn, 1991)

Territorialgeschichte und Verwaltung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die folgende Liste zeigt im Überblick die Territorien, in denen Dirlammen lag, bzw. die Verwaltungseinheiten, denen es unterstand:[1][3]

Gerichte seit 1803[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der Landgrafschaft Hessen-Darmstadt wurde mit Ausführungsverordnung vom 9. Dezember 1803 das Gerichtswesen neu organisiert. Für die Provinz Oberhessen wurde das „Hofgericht Gießen“ als Gericht der zweiten Instanz eingerichtet. Die Rechtsprechung der ersten Instanz wurde durch die Ämter bzw. Standesherren vorgenommen und somit war für Dirlammen ab 1806 das „Patrimonialgericht der Freiherren Riedesel zu Eisenbach“ in Engelrod zuständig. Das Hofgericht war für normale bürgerliche Streitsachen Gericht der zweiten Instanz, für standesherrliche Familienrechtssachen und Kriminalfälle die erste Instanz. Die zweite Instanz für die Patrimonialgerichte waren die standesherrlichen Justizkanzleien. Übergeordnet war das Oberappellationsgericht Darmstadt.

Mit der Gründung des Großherzogtums Hessen 1806 wurde diese Funktion beibehalten, während die Aufgaben der ersten Instanz 1821–1822 im Rahmen der Trennung von Rechtsprechung und Verwaltung auf die neu geschaffenen Land- bzw. Stadtgerichte übergingen. Dafür wurde das standesherrliche „Landgericht Lauterbach“ geschaffen, das auch für Dirlammen zuständig war. Erst infolge der Märzrevolution 1848 wurden mit dem „Gesetz über die Verhältnisse der Standesherren und adeligen Gerichtsherren“ vom 15. April 1848 die standesherrlichen Sonderrechte endgültig aufgehoben.[8] Mit Wirkung zum 1. September 1854 wurden Dirlammen vom Landgerichtsbezirk Lauterbach abgetrennt und dem Landgerichtsbezirk Herbstein zugelegt.[9]

Anlässlich der Einführung des Gerichtsverfassungsgesetzes mit Wirkung vom 1. Oktober 1879, infolgedessen die bisherigen großherzoglich hessischen Landgerichte durch Amtsgerichte an gleicher Stelle ersetzt wurden, während die neu geschaffenen Landgerichte nun als Obergerichte fungierten, kam es zur Umbenennung in „Amtsgericht Herbstein“ und Zuteilung zum Bezirk des Landgerichts Gießen.[10] Gleichzeitig wurde Dirlammen an das nunmehrige Amtsgericht Lauterbach abgegeben.

Am 1. Januar 2005 wurde das Amtsgericht Lauterbach als Vollgericht aufgehoben[11] und zur Zweigstelle des Amtsgericht Alsfeld.[12] Zum 1. Januar 2012 wurde auch diese Zweigstelle geschlossen.[13] Jetzt sind die übergeordneten Instanzen das Landgericht Gießen, das Oberlandesgericht Frankfurt am Main sowie der Bundesgerichtshof als letzte Instanz.

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Belegte Einwohnerzahlen bis 1970 sind:[1]

  • 1961: 401 evangelische und 55 katholische Einwohner
Engelrod: Einwohnerzahlen von 1834 bis 1970
Jahr  Einwohner
1834
  
406
1840
  
382
1846
  
423
1852
  
427
1858
  
402
1864
  
387
1871
  
389
1875
  
381
1885
  
387
1895
  
383
1905
  
397
1910
  
433
1925
  
420
1939
  
434
1946
  
543
1950
  
510
1956
  
421
1961
  
401
1967
  
428
1970
  
432
Datenquelle: Histo­risches Ge­mein­de­ver­zeich­nis für Hessen: Die Be­völ­ke­rung der Ge­mei­nden 1834 bis 1967. Wies­baden: Hes­sisches Statis­tisches Lan­des­amt, 1968.
Weitere Quellen: [1]

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ortsvorsteher ist seit 1981 Manfred Luft.

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Fachwerkkirche in Dirlammen
Die alte Dorfschule

Bauwerke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Fachwerkkirche[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die jetzige Evangelische Kirche ist an der tiefsten Stelle des Dorfes erbaut. Die Grundsteinlegung erfolge 1690 und das Aufsetzen des Turmhahnes im Jahr 1705. Sie löste eine "in Verfall geratene Kirche" auf dem Kirchhof ab, aus der der Taufstein von 1633, zwei Glocken und das Uhrwerk, das bis zur Jahrtausendwende seinen Dienst tat und jetzt restauriert in der Kirche ausgestellt ist, übernommen.

Die Fachwerkkirche ist das älteste erhaltende Gebäude Dirlammens. Sie wurde von den Einwohnern mit Unterstützung der Riedesel zu Eisenbach vorwiegend in Selbsthilfe erbaut, hergerichtet, ausgestattet und erhalten. Fast alle Dirlammer sind hier getauft worden. Die Kirche ist in ihrem ursprünglichen Bauzustand erhalten. Ihr Schmuckstück ist die mit den Evangelistenfiguren gezierte Kanzel.

Alte Schule[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der erste Dirlammer Schulmeister, dessen Name bekannt ist, war Hans Vogt, "Einwohner und Förster". Er war Schulmeister bis 1672. Im Jahre 1904 wurde das Schulhaus in Dirlammen abgerissen und als Bauernhaus in Hörgenau wieder aufgebaut. Zur Einweihung des neuen Schulhauses wurde im Jahr 1906 ein Kastanienbaum im Schulhof gepflanzt, der nun ein mächtiger Baum geworden ist. Die Schule wurde im Wechsel – je nach Schülerzahl – als ein- oder zweiklassige Schule geführt. 1953 wurde sogar der Bau eines zweiten Schulsaals im Schulgarten geplant, aber man begnügte sich dann doch infolge der zurückgehenden Schülerzahl mit einem Umbau (Gruppenraum) und der Renovierung des alten Gebäudes, was im Jahr 1956 geschah. Der Unterricht wurde während des Umbaus im Saal der Gastwirtschaft Seling gehalten.

In den 1960er Jahren wurde die Schüler der Klassen 5 bis 8 an der Mittelpunktschule in Lauterbach unterrichtet. Am 19. Juni 1975 wurde die auch die Grundschule in Dirlammen geschlossen. Die Schüler des 1. bis 4. Schuljahres besuchen seitdem die Mittelpunkt-Grundschule in Engelrod. Der letzte Lehrer war Ernst Kalbfleisch von 1948 bis 1975. Das Schulhaus wurde 1981 als Wohnhaus verkauft.

Regelmäßige Veranstaltungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Maifeuer
  • Traditionskirmes
  • Bachfest
  • Hexennacht mit Baumstellen und Pfadstreuen auf Pfingsten
  • Fasching
  • Haxen- & Salzekuchenbacken im alten Backhaus
  • Backhausfest
  • Rockoktoberfest
  • Dorfrundgang des Nikolauses am Nikolaustag

Vereine[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Kultureller Verein Dirlammen
  • Sportverein Dirlammen 1963 e. V.
  • Burschenschaft Dirlammen e. V.
  • Freiwillige Feuerwehr Dirlammen
  • Frauengemeinschaft Dirlammen/Hopfmannsfeld
  • Gemischter Chor Dirlammen
  • Posaunenchor Dirlammen
  • Bürgerinitiative Erhaltet den Kuhwald
  • Maschinengemeinschaft Dirlammen
  • Jagdgenossenschaft

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Dirlammen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c d e Dirlammen, Vogelsbergkreis. Historisches Ortslexikon für Hessen. (Stand: 23. März 2018). In: Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen (LAGIS).
  2. Ortsteil-Profil Dirlammen. Gemeinde Lautertal (Vogelsberg), abgerufen am 10. Dezember 2017 (PDF; 425 kB).
  3. Michael Rademacher: Deutsche Verwaltungsgeschichte von der Reichseinigung 1871 bis zur Wiedervereinigung 1990. Land Hessen. (Online-Material zur Dissertation, Osnabrück 2006).
  4. Hessen-Darmstädter Staats- und Adresskalender 1791. Im Verlag der Invaliden-Anstalt, Darmstadt 1791, S. 211 (online bei HathiTrust’s digital library).
  5. Wilhelm von der Nahmer: Handbuch des Rheinischen Particular-Rechts: Entwickelung der Territorial- und Verfassungsverhältnisse der deutschen Staaten an beiden Ufern des Rheins : vom ersten Beginnen der französischen Revolution bis in die neueste Zeit. Band 3. Sauerländer, Frankfurt am Main 1832, S. 9 (online bei Google Books).
  6. Neuste Länder und Völkerkunde. Ein geographisches Lesebuch für alle Stände. Kur-Hessen, Hessen-Darmstadt und die freien Städte. Band 22. Weimar 1821, S. 426 (online bei Google Books).
  7. Georg W. Wagner: Statistisch-topographisch-historische Beschreibung des Großherzogthums Hessen: Provinz Oberhessen. Band 3. Carl Wilhelm Leske, Darmstadt 1830, S. 158 ff. (online bei Google Books).
  8. Großherzoglich Hessisches Regierungsblatt 1848, S. 237–241
  9. Bekanntmachung vom 15. April 1853, betreffend:
    1) die Aufhebung der Landgerichte Großkarben und Rödelheim, und die Errichtung neuer Landgerichte zu Darmstadt, Waldmichelbach, Vilbel und Altenstadt, ferner die Verlegung des Landgerichtssitzes von Altenschlirf nach Herbstein;
    2) die künftige Zusammensetzung der Stadt- und Landgerichts-Bezirke in den Provinzen Starkenburg und Oberhessen. (Hess. Reg.Bl. S. 221–230)
  10. Großherzog von Hessen und bei Rhein: Verordnung zur Ausführung des Deutschen Gerichtsverfassungsgesetzes und des Einführungsgesetzes zum Gerichtsverfassungsgesetze vom 14. Mai 1879. In: Großherzoglich Hessisches Regierungsblatt. 1879 Nr. 15, S. 197–211 (Online beim Informationssystem des Hessischen Landtags [PDF; 17,8 MB]).
  11. Der Hessische Minister der Justiz: Änderung des Gerichtsorganisationsgesetzes (GVBl. I S. 507–508) vom 20. Dezember 2004. In: Gesetz- und Verordnungsblatt für das Land Hessen. 2004 Nr. 24, S. 507–508 (Online beim Informationssystem des Hessischen Landtags [PDF; 1,4 MB]).
  12. Der Hessische Minister der Justiz: Vierte Verordnung zur Anpassung gerichtsorganisatorischer Regelungen. Art. 1 §4 Abs. 1 (GVBl. I S. 552) vom 29. Dezember 2004. In: Gesetz- und Verordnungsblatt für das Land Hessen. 2004 Nr. 25, S. 552 (Online beim Informationssystem des Hessischen Landtags [PDF; 1,2 MB]).
  13. Fünfte Verordnung zur Änderung der Gerichtlichen Zuständigkeitsverordnung Justiz vom 9. Dezember 2010 (GVBl. I S. 709–710)