Dokumentationszentrum Reichsparteitagsgelände

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Dokumentationszentrum Reichsparteitagsgelände
Logo Dokumentationszentrum Reichsparteitagsgelände.jpg
Logo an der Kongresshalle
Daten
Ort Nürnberg Welt-IconKoordinaten: 49° 26′ 2″ N, 11° 6′ 46″ O
Art
Ausstellungen, Vorträge, Workshops
Architekt Günther Domenig
Eröffnung 4. November 2001
Besucheranzahl (jährlich) 311.588 (2019)[1]
Betreiber
Stadt Nürnberg
Leitung
Florian Dierl
Website
ISIL DE-MUS-915115
Eingang des Dokumentationszentrums
Die Kongresshalle am Dutzendteich. Der Eingang des Dokumentationszentrums befindet sich links im Bild; der Nürnberger Volksfestplatz grenzt unmittelbar an das Gebäude an.
Karte des Geländes
Der Wandelgang um das Gebäude ist gut erhalten
Die neue Architektur des Dokuzentrums durchschneidet die Kongresshalle diagonal vom Eingang aus

Das Dokumentationszentrum Reichsparteitagsgelände ist ein Museum in Nürnberg. Es gehört zum Verbund der Museen der Stadt Nürnberg und befindet sich im Nordflügel der von den Nationalsozialisten konzipierten, unvollendet gebliebenen Kongresshalle des ehemaligen Reichsparteitagsgeländes. Verschiedene Dauerausstellungen befassen sich mit den Ursachen, Zusammenhängen und Folgen der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft. Themen, die einen direkten Bezug zu Nürnberg haben, werden dabei besonders berücksichtigt. Dem Museum ist ein Studienforum angeschlossen.

Entstehung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1994 beschloss der Stadtrat von Nürnberg die Einrichtung des Dokumentationszentrums. Der österreichische Architekt Günther Domenig gewann 1998 den internationalen Wettbewerb mit seinem Vorschlag, den nördlichen Kopfbau durch einen begehbaren „Pfahl“ aus Glas und Stahl diagonal zu durchbohren. Am 4. November 2001 wurde es durch den damaligen Bundespräsidenten Johannes Rau eröffnet.

Ausstellung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zwischen 2001 und 2020 befasste sich die Dauerausstellung Faszination und Gewalt mit den Ursachen, Zusammenhängen und Folgen des Nationalsozialismus. Aspekte, die einen deutlichen Bezug zu Nürnberg haben, wurden dabei hervorgehoben. Nürnberg war in der Zeit des Nationalsozialismus die Stadt der Reichsparteitage und wurde vielfach für Propagandazwecke genutzt. Zu den Themen mit lokalem Bezug gehörten die Geschichte der Reichsparteitage, die Bauten des Reichsparteitagsgeländes, die Nürnberger Gesetze, der Nürnberger Prozess gegen Hauptverantwortliche der NS-Verbrechen 1945/46 und seine zwölf Nachfolgeprozesse sowie der Umgang mit dem nationalsozialistischen Architekturerbe nach 1945.

Seit 2021 wird das Dokumentationszentrum umgebaut, die bisherige Dauerausstellung ist geschlossen. Während der Zeit des mehrjährigen Umbaus erzählt jedoch die eigens konzipierte Interimsausstellung Nürnberg – Ort der Reichsparteitage. Inszenierung, Erlebnis und Gewalt[2] in Deutsch und Englisch erstmals aus lokalgeschichtlicher Perspektive die Geschichte rund um das Reichsparteitagsgelände von 1918 bis 2020. Eine großflächige Medieninstallation gibt einen Überblick über das Areal. In vier Zeiträumen entwickeln sich die Ereignisse in der Stadt und auf dem Gelände. Eine Vielzahl von Objekten, zahlreiche Aufnahmen von Privatleuten sowie eindrückliche Biografien öffnen neue Blicke auf das Thema. Der neue Eingang zur Ausstellungshalle ist ausgeschildert.

Seit Mai 2006 wird die Ausstellung im Dokumentationszentrum durch ein zweisprachiges Informationssystem mit 23 Stelen im historischen Areal ergänzt, die einen individuellen Rundgang über das ehemalige Reichsparteitagsgelände ermöglichen. Außerdem bietet der Verein Geschichte Für Alle e. V. Führungen über das ehemalige Reichsparteitagsgelände an.[3]

Seit 2020 ist das Dokumentationszentrum auch auf Google Arts & Culture vertreten. Es gibt zwei Ausstellungen zum Reichsparteitagsgelände und zur Entstehungsgeschichte der Einrichtung.

Kuratorium[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Georg Eisenreich, Bayerischer Staatsminister der Justiz
  • Albert Füracker, Bayerischer Staatsminister der Finanzen, für Landesentwicklung und Heimat
  • Jo-Achim Hamburger, Israelitische Kultusgemeinde Nürnberg
  • Elisabeth Hann von Weyhern, Ev.-luth. Kirche in Bayern
  • Charlotte Knobloch, Israelitische Kultusgemeinde München/ Oberbayern
  • Marcus König, Oberbürgermeister der Stadt Nürnberg
  • Armin Kroder, Präsident des Bezirkstags von Mittelfranken
  • Prof. Dr. Michael Piazolo, Bayerischer Staatsminister für Unterricht und Kultus
  • Claudia Roth, Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien
  • Prof. Dr. Ludwig Schick, Erzbischof von Bamberg
  • Sabine Schnell-Pleyer, Stiftung zur Unterstützung des Dokumentationszentrums Reichsparteitagsgelände
  • Dr. Oscar Schneider, Bundesminister a. D.

(Stand Dezember 2021)[4]

Studienforum[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Studienforum befindet sich in dem modernen gläsernen Aufbau auf dem Dach des Kopfbaus. Ein Zusammenschluss von sieben Nürnberger Bildungseinrichtungen ermöglicht unter der Leitung der Museen der Stadt Nürnberg ein umfangreiches und zielgruppenorientiertes Programm. Das Angebot reicht von 90-minütigen moderierten Programmen über Rundgänge bis hin zu Studientagen und zielt auf Schulklassen, Jugend- und Erwachsenengruppen. Das inhaltliche Spektrum bedient historische Themen mit Bezug zum Gelände und den Reichsparteitagen sowie der Lagergeschichte im Krieg, widmet sich jedoch auch aktuellen Phänomen wie Rassismus und Rechtsextremismus. Während der Umbauphase wird das Bildungsangebot auf die Inhalte der Interimsausstellung zugeschnitten.

Die Partner im Studienforum sind:

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Verband der Britischen Reiseschriftsteller wählte 2002 das Dokumentationszentrum zum weltweit besten Tourismusprojekt außerhalb Großbritanniens. Im Jahr 2001 wurde der Innovationspreis der Region Nürnberg an die Partner im Studienforum des Dokumentationszentrum Reichsparteitagsgelände verliehen.

Andere Orte des Gedenkens an die Judenverfolgung in Nürnberg[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der Stadt gibt es keinen würdigen Gedenkort an die von der NS-Partei als Juden verfolgten über 1500 Personen aus der Stadt und Hunderten aus dem Umland und an die dazu benutzten Deportationszüge vom ehemaligen Bahnhof Nürnberg-Langwasser / Bf N-Märzfeld. Im Herbst 1942 meldete der Parteileiter nach Berlin, dass Nürnberg „judenrein“ sei.

Die Liste der Stolpersteine in Nürnberg nennt die letzten Wohnorte der Verfolgten im Stadtgebiet, soweit bisher solche Kleindenkmale in den Straßen verlegt worden sind.

Das allgemeine Mahnmal in Nürnberg an Kriegsopfer, Kriegsverbrechen und die Shoah/den Holocaust und die Verfolgung anderer Personengruppen befindet sich auf dem Südfriedhof. Dort wird auch den sowjetischen Kriegsgefangenen gedacht, die in Nürnberg um ihr Leben gebracht wurden.

Am Platz der Opfer des Faschismus in der Nähe der Universität mit einem übermannshohen Findling als Gedenkstein gab es bis zu einer Umgestaltung 2021 kaum etwas, das Bezüge zu den dahinter stehenden Verbrechen ausdrücken konnte und einlud, an dem Ort darüber nachzudenken. Damals wurde die Bodenbelagsfläche rund um den Gedenkstein vergrößert und eine Steinbank als Sitzgelegenheit installiert. Georg Neubauer sagte es so: Er kenne den Platz nunmehr seit fast 40 Jahren, „aber es ist jetzt das erste Mal, dass ich mir vorstellen kann, dass Menschen sich vielleicht auch mal hinsetzen und den Gedenkstein etwas bewusster wahrnehmen.“[5] Hinter dem Gedenkstein sollen künftig weiße Rosen in Erinnerung an die gleichnamige Widerstandsgruppe blühen.

Das Zwangsarbeiter-Mahnmal „Transit“ befindet sich am Plärrer.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Franz Sonnenberger (Hrsg.): Die Zukunft der Vergangenheit. The Future of the Past. Wie soll Geschichte des Nationalsozialismus in Museen und Gedenkstätten im 21. Jahrhundert vermittelt werden. Verlag Nürnberger Presse, Nürnberg 2000, ISBN 3-9807488-0-4 (Schriftenreihe des Dokumentationszentrums Reichsparteitagsgelände, Band 1).
  • Faszination und Gewalt. Dokumentationszentrum Reichsparteitagsgelände Nürnberg. Museen der Stadt Nürnberg, Nürnberg 2006 (Ausstellungskatalog).
  • Nürnberg – Ort der Reichsparteitage. Inszenierung, Erlebnis und Gewalt. Museen der Stadt Nürnberg, Petersberg 2021 (Ausstellungskatalog).

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Reichsparteitagsgelände – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Besucherstatistik 2009 bis 2019. Abgerufen am 11. September 2022.
  2. Museen: Interimsausstellung "Nürnberg – Ort der Reichsparteitage" | Dokumentationszentrum Reichsparteitagsgelände. Abgerufen am 11. September 2022.
  3. Museen: Geländebegehung. Abgerufen am 11. September 2022.
  4. Hintergründe zum Haus. Dokumentationszentrum Reichsparteitagsgelände, abgerufen am 16. Februar 2022.
  5. Marco Puschner: Platz der Opfer des Faschismus umgestaltet - so sieht er nun aus. VNP vom 1. Juli 2021. Mit Foto.