Turm der Sinne

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Mohrenturm von der Feldseite

Der Turm der Sinne (Eigenschreibweise: turmdersinne) ist ein interaktives Mitmach-Museum (Science Center) im Mohrenturm am Westtor der Stadtmauer von Nürnberg. Besucher können an Experimentierstationen Sinnesreize und deren Verarbeitung an sich selbst ausprobieren. Auch Wahrnehmungstäuschungen werden erfahrbar gemacht. Eigentümer der Betriebsgesellschaft ist der Humanistische Verband Bayern.

Konzept[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mit Auge, Ohr, Hand, Nase und Mund kommt man im Turm der Sinne alltäglichen Phänomenen auf die Schliche und kann nach Belieben experimentieren. Diese Erfahrung führt zur Auseinandersetzung mit naturwissenschaftlichen Phänomenen der Wahrnehmung. [1]

Über die bekannten optischen Täuschungen hinaus gibt es eine Vielzahl von Phänomenen, die die Sinne betreffen, sie herausfordern, zu besonderen Leistungen anregen oder auch in die Irre führen. Gerade die Fehlleistungen des Wahrnehmungsapparats führen die Besucher zur Erkenntnis, wie Gehirn und Sinne arbeiten.

Von Anfang an war dem Turm der Sinne der Dialog zwischen Fachleuten und Öffentlichkeit wichtig. So gelang es dem Projektteam, renommierte Forscher von verschiedenen deutschen Hochschulen für den wissenschaftlichen Beirat zu gewinnen. Aus dieser Zusammenarbeit ging das erste Symposium im Jahr 1998 hervor. Seither widmen sich die Symposien einmal jährlich aktuellen Themen der Gehirnforschung.

Das Museum besitzt eine Ausstellungsfläche von 120 Quadratmetern. Von 2006 bis 2010 verzeichnete das Museum nach Betreiberangaben über 30.000 Besucher pro Jahr.[2]

Schule und Museum[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Turm der Sinne bietet verschiedene Möglichkeiten für Schulen, zum Beispiel

  • fertige Angebote, wie auf das Alter der Schülerinnen und Schüler abgestimmte Führungen und Workshops mit diversen Bezügen zu den Lehrplänen einzelner Fächer,
  • Projektvorschläge wie P-Seminare, Projekte mit fachlichen oder didaktischen Schwerpunkten rund um die Wanderausstellung als mobiles Schülerlabor,
  • Unterstützung bei Wahlkursen, auch zum Bau von Exponaten[3],
  • Zusammenarbeit bei verschiedenen Wettbewerben wie Science on Stage, jugend forscht und vielen weiteren erfolgreich durchgeführten Projekten[4][5],
  • Lehrerfortbildungen zu verschiedenen Themen der Wahrnehmung und Gehirnforschung,
  • außerschulische Partnerschaften.

Symposium[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Symposium 2007

Jedes Jahr[6] im Herbst findet in Nürnberg ein populärwissenschaftliches Symposium mit Referenten aus dem deutschsprachigen Raum statt. Das Symposium bot den über 500 Teilnehmern die Gelegenheit, in den Dialog mit Wissenschaftlern einzutreten. Die bisherigen Themen der Symposien waren:

  • 1998: Welt der Wahrnehmung, Wahrnehmung der Welt
  • 1999: Wie kommt die Welt in den Kopf? Wahrnehmung und Hirnforschung
  • 2000: Von der Nervenzelle zum Erleben – Gehirn und Bewusstsein
  • 2001: Die Natur der Idee – Wahrnehmung und Intelligenz
  • 2002: Vom Nürnberger Trichter zum neuronalen Netz – Lernen und Gehirn
  • 2003: Wer denken will, muss fühlen – Gehirn und Emotion
  • 2004: Freier Wille – frommer Wunsch? Gehirn und Willensfreiheit
  • 2005: Von Sinnen. Traum und Trance, Rausch und Rage aus Sicht der Hirnforschung
  • 2006: Neuronen im Gespräch – Kommunikation, Sprache und Gehirn
  • 2007: Nicht wahr?! Sinneskanäle, Hirnwindungen und Grenzen der Wahrnehmung
  • 2008: Künstliche Sinne – gedoptes Gehirn. Neurotechnik und Neuroethik
  • 2009: Geistesblitz und Neuronendonner – Intuition, Kreativität und Phantasie
  • 2010: Mann – Frau – Gehirn: Geschlechterdifferenz und Neurowissenschaft
  • 2011: Verantwortung als Illusion? Moral, Schuld, Strafe und das Menschenbild der Hirnforschung
  • 2012: Das Tier im Menschen - Triebe, Reize, Reaktionen
  • 2013: Bewusstsein – Selbst – Ich: Die Hirnforschung und das Subjektive
  • 2014: Das soziale Gehirn – Neurowissenschaft und menschliche Bindung
  • 2015: Gehirne zwischen Liebe und Krieg – Menschlichkeit im Zeitalter der Neurowissenschaften
  • 2016: Was treibt uns an? Motivation und Frustration aus Sicht der Hirnforschung
  • 2017: Gehirne unter Spannung: Kognition, Emotion und Identität im digitalen Zeitalter

Wanderausstellung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wanderausstellung

Eine Reihe von Exponaten zu den Themen Wahrnehmung und Sinnestäuschungen einschließlich eines Ames-Raums mit der Pausenberger-Rinne[7] stehen im Rahmen einer Wanderausstellung[8] und der „Box der Sinne“[9] bereit.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Idee zu dieser Erlebnis-Ausstellung entstand 1995 im Umfeld des Humanistischen Verbandes Bayern[10] (damals HVD Nürnberg), der den Mohrenturm bereits für die Jugendarbeit nutzte. Ein Arbeitskreis aus Studenten, Lehrern und Wissenschaftlern entwickelte ein Konzept, band wissenschaftliche Berater und Unterstützer ein und knüpfte Kontakte zu potentiellen Sponsoren.

1997 folgte die Gründung der gemeinnützigen „Turm der Sinne GmbH Erlebnisausstellungen“. Gesellschafter ist heute der HVD-Bayern, Geschäftsführer wurde damals Helmut Fink, von Juli 2002 bis April 2016 der promovierte Wahrnehmungspsychologe Rainer Rosenzweig, der den Turm der Sinne inhaltlich maßgeblich prägte. Die beiden genannten Personen waren zusammen mit Rudolf Pausenberger von Anfang an im Gründungs-Arbeitskreis tätig. Derzeit wird die Geschäftsführung von Michael Bauer wahrgenommen, der auch hauptamtlicher Vorstand des HVD Bayern ist.

1998 wurde das „Projekt Turm der Sinne“ mit dem Innovationspreis der Region Nürnberg in der Kategorie „Kultur“ ausgezeichnet. Im „Jahr der Lebenswissenschaften“ 2001 verlieh das Bundesministerium für Bildung und Forschung der Wanderausstellung im Rahmen der „Science Street“ in Köln den 2. Dialogpreis Lebenswissen.

2002 stellte die Zukunftsstiftung der Sparkasse Nürnberg für die Stadt Nürnberg zusammen mit der Firma Hüttinger Exhibition Engineering die nötigen Finanzmittel für die Erstinvestitionen zum Umbau des Turms zum Museum zur Verfügung. Am 15. März 2003 wurde das Experimentalmuseum Turm der Sinne eröffnet.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Eckart Roloff und Karin Henke-Wendt: Ist das, was wir wahrnehmen, immer wahr? (turmdersinne in Nürnberg) In: Besuchen Sie Ihren Arzt oder Apotheker. Eine Tour durch Deutschlands Museen für Medizin und Pharmazie. Band 2, Süddeutschland. Verlag S. Hirzel, Stuttgart 2015, S. 135–137, ISBN 978-3-7776-2511-9.
  2. Besucherzahlen 2006 bis 2010 (PDF; 306 kB)
  3. Eingeladener Beitrag für einen Europäischen Didaktikwettbewerb (PDF; 933 kB)
  4. Wettbewerbsbeitrag einer Schule im Rahmen ihres Wahlkurses (PDF; 1,3 MB)
  5. Schüler bauen eine interaktive Wanderausstellung: 1. Preis in Bayern
  6. Aktuelles Symposium / Übersicht
  7. Pausenberger-Rinne (MPG; 783 kB)
  8. Die große Wanderausstellung
  9. „Box der Sinne“, die Wanderausstellung im Koffer
  10. Homepage des HVD Bayern

Koordinaten: 49° 27′ 8″ N, 11° 4′ 10″ O