Dokutschajewo (Kaliningrad)

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Siedlung
Dokutschajewo
Samonienen (Reiterhof)

Докучаево
Föderationskreis Nordwestrussland
Oblast Kaliningrad
Rajon Nesterow
Erste Erwähnung 1557
Frühere Namen Samonienen (bis 1938)
Reiterhof (1938–1946)
Bevölkerung 41 Einwohner
(Stand: 14. Okt. 2010)[1]
Zeitzone UTC+2
Kfz-Kennzeichen 39, 91
OKATO 27 224 816 003
Geographische Lage
Koordinaten 54° 27′ N, 22° 25′ OKoordinaten: 54° 27′ 0″ N, 22° 25′ 0″ O
Dokutschajewo (Kaliningrad) (Europäisches Russland)
Red pog.svg
Lage im Westteil Russlands
Dokutschajewo (Kaliningrad) (Oblast Kaliningrad)
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Lage in der Oblast Kaliningrad‎

Dokutschajewo (russisch Докучаево, deutsch Samonienen, 1938–1946 Reiterhof) ist eine kleine Siedlung innerhalb der russischen Oblast Kaliningrad (Gebiet Königsberg (Preußen)) und gehört zur Tschistoprudnenskoje selskoje posselenije (Landgemeinde Tschistyje Prudy (Tollmingkehmen, 1938–1946 Tollmingen)) im Rajon Nesterow (Kreis Stallupönen, 1938–1946 Ebenrode).

Geographische Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Dokutschajewo liegt zwei Kilometer westlich von Tschistyje Prudy (Tollmingkehmen, 1938–1946 Tollmingen) an der Straße nach Sadowoje (Elluschönen, 1938–1946 Ellern). Die nächste Bahnstation ist Tschistyje Prudy an der Strecke von Nesterow (Stallupönen, 1938–1946 Ebenrode) nach Krasnolessje (Groß Rominten, 1938–1946 Hardteck), die vor 1945 in das heute polnische Goldap (polnisch: Gołdap) führte.

Ortsname[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die deutsche Ortsbezeichnung Samonienen leitet sich von Samanynai bzw. Samynynas her, was so viel wie „Moosboden“ bedeutet und damit wohl auf das Moor in der Gegend anspielt. Einen zweiten Ort gleichen Namens im Landkreis Goldap gibt es 20 Kilometer weiter südlich im heutigen Polen, der heute den Namen „Samoniny“ trägt.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das vormalige Samonienen wurde 1557 zum ersten Mal urkundlich erwähnt[2].

Die große Pest 1708–1710 hat im Ort wohl niemand überstanden, denn 1719 stellte eine Kommission fest, dass hier niemand mehr lebe. Deshalb wurde in Samonienen ein etwa 200 Hektar großes gut als königliches Vorwerk errichtet, das dem Domänenvorwerk im benachbarten Tollmingkehmen (Tschistyje Prudy) zugeordnet war.

Im Jahre 1812 wurden Tollmingkehmen und Samonienen zur Versteigerung ausgeschrieben. Johann Kaeswurm erwarb so 1817 das Gut Samonienen und 1821 das Gut Tollmingkehmen. Die Familie Kaeswurm verkauft den Besitz an Otto Rothe, der auch schon Tollmingkehmen erworben hatte und nun beide Güter vereinigte. Bis 1945 blieb Samonienen im Besitz der Familie Rothe.

Im Jahre 1910 wurden in Samonienen 100 Einwohner gezählt[3]. Nach dem Ersten Weltkrieg begann Karl Rothe mit einer erfolgreichen Trakehner Pferdezucht, die auf einer Gründung im Jahre 11828 aufbauen konnte. Aus ihr gingen u.a. die Olympiapferde Kronos und Absinth 1936 als Siegerpferde hervor. Die Pferdeleidenschaft des Gutsbesitzers dürfte wohl auch der Hintergrund dafür gewesen zu sein, 1938 den Namen Samonienen durch die Bezeichnung „Reiterhof“ zu ersetzen.

Am 18. März 1874 war der Gutsbezirk Samonienen einer von 14 Gemeinden und Gutsbezirken, die den neuerrichteten Amtsbezirk Tollmingkehmen (1939–1946 Amtsbezirk Tollmingen) bildeten[4]. Am 30. September 1928 wurde der Gutsbezirk Samonienen mit dem Gutsbezirk Tollmingkehmen und der Landgemeinde Tollmingkehmen zur neuen Landgemeinde Tollmingkehmen zusammengeschlossen. Bis 1945 blieb so die Zugehörigkeit zum Landkreis Goldap im Regierungsbezirk Gumbinnen der preußischen Provinz Ostpreußen.

Infolge des Zweiten Weltkrieges kam das Gutsdorf zur Sowjetunion und erhielt 1946 den russischen Namen Dokutschajewo. Das 1863 errichtete Gutshaus, das den Krieg relativ unbeschadet überstanden hatte, wurde Krankenhaus, später Kindergarten. In den 1970er Jahren diente es als Wohnraum für Zuwanderer aus Kirgistan. Die 1830 gebauten Ställe und Scheunen wurden in den 1990er Jahren abgerissen, um an die begehrten Ziegel zu kommen.

Bis 2009 war Dokutschajewo in den Tschistoprudnenski sowjet (Dorfsowjet Tschistyje Prudy) eingegliedert und ist seither Teil der Tschistoprudnenskoje selskoje posselenije (Landgemeinde Tschistyje Prudy) im Rajon Nesterow in der russischen Oblast Kaliningrad[5].

Kirche[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kirchlich war Samonienen bzw. Reiterhof mit seiner vor 1945 überwiegend evangelischen Bevölkerung in das Kirchspiel Tollmingkehmen (1938–1946 Tollmingen, heute russisch: Tschistyje Prudy) im Kirchenkreis Goldap in der Kirchenprovinz Ostpreußen der Kirche der Altpreußischen Union eingepfarrt. Letzter deutscher Geistlicher war Pfarrer Emil Moysich.

Nach dem Verbot aller kirchlichen Aktivitäten in der Zeit der Sowjetunion entstand in Tschistyje Prudy in den 1990er Jahren wieder eine evangelische Gemeinde, die sich der Propstei Kaliningrad der Evangelisch-Lutherischen Kirche Europäisches Russland (ELKER) zuordnete. Das zuständige Pfarramt ist das der Salzburger Kirche in Gussew (Gumbinnen)[6].

Persönlichkeit des Ortes[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Otto Rothe (* 16. November 1924 in Samonienen), deutscher Military-Reiter, Olympiasieger

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Itogi Vserossijskoj perepisi naselenija 2010 goda. Kaliningradskaja oblastʹ. (Ergebnisse der allrussischen Volkszählung 2010. Oblast Kaliningrad.) Band 1, Tabelle 4 (Download von der Website des Territorialorgans Oblast Kaliningrad des Föderalen Dienstes für staatliche Statistik der Russischen Föderation)
  2. Webseite Ostpreussen.net (auch zum Folgenden)
  3. Uli Schubert, Gemeindeverzeichnis
  4. Rolf Jehke, Amtsbezirk Tollmingen
  5. Nach dem Gesetz über die Zusammensetzung und Territorien der munizipalen Gebilde der Oblast Kaliningrad vom 25. Juni/1. Juli 2009 nebst Gesetz Nr. 258 vom 30. Juni 2008, präzisiert durch Gesetz Nr. 370 vom 1. Juli 2009
  6. Webseite der Ev.-luth. Propstei Kaliningrad