Lugowoje (Kaliningrad, Nesterow)

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Siedlung
Lugowoje, Bilderweitschen (Bilderweiten)
Луговое
Föderationskreis Nordwestrussland
Oblast Kaliningrad
Rajon Nesterow
Frühere Namen Bilderweitschen (bis 1938)
Bilderweiten (1938–1946)
Bevölkerung 462 Einwohner
(Stand: 14. Okt. 2010)[1]
Zeitzone UTC+2
Kfz-Kennzeichen 39, 91
OKATO 27 224 810 008
Geographische Lage
Koordinaten 54° 40′ N, 22° 41′ OKoordinaten: 54° 40′ 14″ N, 22° 41′ 13″ O
Lugowoje (Kaliningrad, Nesterow) (Europäisches Russland)
Red pog.svg
Lage im Westteil Russlands
Lugowoje (Kaliningrad, Nesterow) (Oblast Kaliningrad)
Red pog.svg
Lage in der Oblast Kaliningrad‎

Lugowoje (russisch Луговое, deutsch Bilderweitschen, 1938–1946 Bilderweiten) ist ein Ort im Osten der russischen Oblast Kaliningrad (Gebiet Königsberg (Preußen)) und gehört zur Landgemeinde Prigorodnoje (Prigorodnoje selskoje posselenije - Petrikatschen, 1938–1946 Schützenort) im Rajon Nesterow (Kreis Stallupönen, 1938–1946 Ebenrode).

Geographische Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Lugowoje liegt an einer Nebenstraße, die von Prigorodnoje (Petrikatschen, 1938–1946 Schützenort) an der Fernstraße A 229 (ehemalige Reichsstraße 1, heute auch Europastraße 28) nach Tschapajewo (Wabbeln) führt und in Lugowoje auf eine von Tschernyschewskoje (Eydtkuhnen, 1938–1946 Eydtkau) kommende Straßenverbindung trifft. Die nächste Bahnstation ist Nesterow (Stallupönen, 1938–1946 Ebenrode) an der Bahnstrecke von Kaliningrad (Königsberg (Preußen)) nach Nesterow zur Weiterfahrt nach Litauen (Teilstück der ehemaligen Preußischen Ostbahn).

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bilderweitschen zählte im Jahre 1910 243 Einwohner[2]. Am 24. Juni 1874 wurde aus 13 Landgemeinden und zwei Gutsbezirken der Amtsbezirk Bilderweitschen gebildet[3]:

Name (bis 1938) Name (1938–1946) Russischer Name
Landgemeinden:
Antanischken Antonshain --
Bilderweitschen Bilderweiten Lugowoje
Grablauken Grabfelde Nowoje
Groß Degesen Groß Degesen Babuschkino
Jocknen Jocken --
Lauken Lauken --
Mecken Mecken Swobodnoje
Nausseden Weitenruh --
Pimballen Lehmfelde --
Schmilgen Schmilgen --
Szuggern (bis 1936) Schuggern (ab 1936) --
(Klein) Tarpupönen (bis 1928) Sommerkrug (ab 1928) Rasdolnoje
Wagohnen Wagonen --
Gutsbezirke:
Budweitschen Domäne (bis 1928) Bilderweitschen (seit 1928) Lugowoje
Degesen (Gut) (Bis 1928) Groß Degesen (seit 1928) Babuschkino

Am 30. September 1928 wurde der Gutsbezirk Budweitschen Domäne in die Landgemeinde Bilderweitschen eingemeindet. Gehörten 1933 noch 365 Einwohner zu Bilderweitschen, sank die Zahl bis 1939 auf 341[4].

Nach der ideologisch gewollten amtlichen Umbenennung von Bilderweitschen in „Bilderweiten“ am 3. Juni 1938 erhielt auch der Amtsbezirk Bilderweitschen den neuen Namen „Amtsbezirk Bilderweiten“, zu dem nach vorangegangenen Umstrukturierungen bis 1945 noch elf Gemeinden gehörten: Antonshain, Bilderweiten, Groß Degesen, Jocken, Lauken, Mecken, Schmilgen, Schuggern, Wagonen und Weitenruh, alle im Landkreis Stallupönen (1938–1946 Landkreis Ebenrode) im Regierungsbezirk Gumbinnen der preußischen Provinz Ostpreußen.

Ab 1945 gehörte Bilderweiten zur Sowjetunion und erhielt 1946 die Ortsbezeichnung Lugowoje. Das Dorf war bis 2009 eine Siedlung (possjolok) im russischen Prigorodnij Sowjet (Dorfsowjet Prigorodnoje (Petrikatschen, 1938–1946 Schützenort)) und wird seit 2009[5] ebenfalls als Siedlung in der nun Prigorodnoje selskoje pooselenije genannten Landgemeinde Prigorodnoje im Rajon Nesterow in der Oblast Kaliningrad geführt.

Kirche[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Evangelische Kirche[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kirchengebäude[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die evangelische Kirche in Bilderweitschen wurde 1718 erbaut und im Jahre 1730 mit ihrem Dachreiter fertiggestellt. Im Zweiten Weltkrieg wurde das Gebäude beschädigt, dann aber abgerissen.

Kirchengemeinde[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das evangelische Kirchspiel Bilderweitschen wurde 1718 gegründet. Bis 1883 gehörte zu seinem Bereich auch Eydtkuhnen (1938–1946 Eydtkau, heute russisch: Tschernyschewskoje), das dann als Kirchengemeinde verselbständigt wurde. Vor 1945 waren die Geistlichen in Bilderweitschen auch für die nahe gelegene Herrschaft Serrey (litauisch: Seirijai) im vormaligen Großfürstentum Litauen zuständig.

Bis 1945 gehörte Bilderweitschen/Bilderweiten mit all seinen Kirchspieldörfern zum Kirchenkreis Stallupönen (1938–1946 Ebenrode, russisch: Nesterow) in der Kirchenprovinz Ostpreußen der evangelischen Kirche der Altpreußischen Union.

Nach 1945 kam in der Sowjetzeit in Lugowoje das kirchliche Leben zum Erliegen. In den 1990er Jahren bildete sich im benachbarten Babuschkino (Groß Degesen) eine neue evangelische Gemeinde, die sich in die Propstei Kaliningrad in der Evangelisch-Lutherischen Kirche Europäisches Russland eingliederte. Das zuständige Pfarramt ist das der Salzburger Kirche in Gussew (Gumbinnen).

Pfarrer 1718–1945[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zwischen 1718 und 1945 amtierten in Bilderweitschen/Bilderweiten 16 Geistliche[6]:

  • Christian Guleke,1718–1724
  • Johann Jacob Jeckstein, 1725–1743
  • Gottfried Baltzer, 1743–1760
  • Daniel Krüger, 1760–1792
  • Gottfried Daniel Krüger, 1785–1817
  • C. L. Th. Kalau vom Hofe, 1816–1818
  • Christian E. Grigoleit, 1818–1827
  • Gottfried L. Ostermeyer, 1827–1855
  • Johann Eduard Fuchs, 1855–1884
  • Heinrich Gotthard Borowski, 1885–1894
  • Friedrich Karl Wriedt, 1893–1896
  • Theodor J. H. Schmökel, 1896–1918
  • Ludwig Reimer, 1918–1919
  • Fritrz Schiweck, 1920–1927
  • Gerhard Marg, 1929–1934
  • Hellmut Graemer, 1936–1945

Kirchenbücher[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zahlreiche Kirchenbücher haben den Zweiten Weltkrieg überstanden und lagern heute im Evangelischen Zentralarchiv in Berlin-Kreuzberg: Taufen (zwischen 1819 und 1857), Trauungen (zwischen 1819 und 1874), Bestattungen (zwischen 1819 und 1874), Konfirmationen (zwischen 1755 und 1849), Kommunikanten (zwischen 1730 und 1856)[7]

Katholische Kirche[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kirchengebäude[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die kleine katholische Kirche in Bilderweitschen/Bilderweiten wurde 1860 erbaut. Auch sie überstand den Zweiten Weltkrieg mit geringen Schäden. Jedoch wurde sie als Lager und Kühlraum zweckentfremdet, ist aber noch vorhanden. Die Fenster sind zugemauert, die Chorwand wurde zwecks Zugang für Fahrzeuge aufgebrochen.

Kirchengemeinde[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Pfarrgemeinde Bilderweitschen/Bilderweiten war vor 1945 das Zentrum für eine weitgestreute Pfarrei, die bis nach Litauen reichte. Die Pfarrei gehörte zum katholischen Bistum Ermland.

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Eduard Korallus (1861–1945), Pfarrer in Königsberg, in Bilderweitschen geboren
  • George Turner (* 1935), deutscher Jurist, Wissenschaftspolitiker, verlebte seine frühe Kindheit in Bilderweitschen

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • George Turner: Die Heimat nehmen wir mit. Ein Beitrag zur Auswanderung Salzburger Protestanten im Jahr 1732, ihrer Ansiedlung in Ostpreußen und der Vertreibung 1944/45. Berlin 2008 (4. überarbeitete und erweiterte Auflage 2014) ISBN 978-3-8305-1900-3

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Itogi Vserossijskoj perepisi naselenija 2010 goda. Kaliningradskaja oblastʹ. (Ergebnisse der allrussischen Volkszählung 2010. Oblast Kaliningrad.) Band 1, Tabelle 4 (Download von der Website des Territorialorgans Oblast Kaliningrad des Föderalen Dienstes für staatliche Statistik der Russischen Föderation)
  2. Uli Schubert, Gemeindeverzeichnis
  3. Rolf Jehke, Amtsbezirk Bilderweitschen
  4. Michael Rademacher, Deutsch-österreichisches Ortsbuch
  5. Gesetz über die Zusammensetzung und Territorien der munizipalen Gebilde der Oblast Kaliningrad vom 25. Juni/1. Juli 2009 und Anlage dazu, ebenso Gesetz Nr. 258 der Oblast Kaliningrad vom 30. Juni 2008, präzisiert durch Gesetz Nr. 370 der Oblast Kaliningrad vom 1. Juli 2009
  6. Friedwald Moeller: Altpreußisches evangelisches Pfarrerbuch von der Reformation bis zur Vertreibung im Jahre 1945. Hamburg, 1968, S. 23.
  7. Christa Stache: Verzeichnis der Kirchenbücher im Evangelischen Zentralarchiv in Berlin. Teil 1: Die östlichen Kirchenprovinzen der Evangelischen Kirche der altpreußischen Union. Berlin, 1992³, S. 27.