Tschkalowo (Kaliningrad)

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Siedlung
Tschkalowo
Enzuhnen (Rodebach)

Чкалово
Föderationskreis Nordwestrussland
Oblast Kaliningrad
Rajon Nesterow
Frühere Namen Enzuhnen (bis 1938)
Rodebach (1938–1945)
Bevölkerung 184 Einwohner
(Stand: 14. Okt. 2010)[1]
Zeitzone UTC+2
Kfz-Kennzeichen 39, 91
OKATO 27 224 819 005
Geographische Lage
Koordinaten 54° 33′ N, 22° 28′ OKoordinaten: 54° 33′ 1″ N, 22° 28′ 1″ O
Tschkalowo (Kaliningrad) (Europäisches Russland)
Red pog.svg
Lage im Westteil Russlands
Tschkalowo (Kaliningrad) (Oblast Kaliningrad)
Red pog.svg
Lage in der Oblast Kaliningrad‎

Tschkalowo (russisch Чкалово, deutsch Enzuhnen, 1938–1945 Rodebach) ist ein Ort in der russischen Oblast Kaliningrad und gehört zur Landgemeinde Iljuschinskoje im Rajon Nesterow.

Geographische Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Tschkalowo liegt am Flüsschen Rakowka (Rodap) an einer Nebenstraße, die nahe dem Bahnhof Diwnoje Nowoje (früher Trakehnen) von der russischen Fernstraße A 229 (ehemalige deutsche Reichsstraße 1, heute auch Europastraße 28) zwischen Gussew (Gumbinnen) und Nesterow (Stallupönen, 1938–1946 Ebenrode) in südliche Richtung abzweigt und über Jasnaja Poljana (Groß Trakehnen), Iljinskoje (Kassuben), Kalinino (Mehlkehmen, 1938–1946 Birkenmühle) in den Osten der Rominter Heide führt, wo sie sich im russisch-polnischen Grenzgebiet nach Saslonowo (Szittkehmen/Schittkehmen, 1938–1946 Wehrkirchen, polnisch: Żytkiejmy) verliert. Außerdem ist Tschkalowo mit Iljuschino (Milluhnen, 1938–1946 Mühlengarten) und Tschistyje Prudy (Tollmingkehmen, 1938–1946 Tollmingen) durch Straßen verbunden.

Bahnanschluss besteht über die Station Diwnoje Nowoje (ehemals Trakehnen) an der Bahnstrecke Kaliningrad–Nesterow.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bis 1945 war Enzuhnen ein Dorf im Landkreis Stallupönen (1938–1946 Landkreis Ebenrode) im Regierungsbezirk Gumbinnen der preußischen Provinz Ostpreußen. Gut und Gemeinde Enzuhnen zählten im Jahre 1910 zusammen 220 Einwohner[2].

Am 30. September 1928 wurde der Gutsbezirk Enzuhnen in die Landgemeinde Enzuhnen eingegliedert. 1933 lebten hier 229 Menschen, 1939 waren es 261[3]. Zuvor – am 3. Juni 1938 – wurde Enzuhnen aus politischen Gründen umbenannt und erhielt den Namen Rodebach.

Als Folge des Zweiten Weltkrieges kam Rodebach unter sowjetische Administration und erhielt 1947 den russischen Namen Tschkalowo[4] nach dem sowjetischen Piloten Waleri Pawlowitsch Tschkalow. Gleichzeitig wurde der Ort Sitz eines Dorfsowjets. Seit 2008 gehört der Ort zur Landgemeinde Iljuschinskoje.

Amtsbezirk Enzuhnen/Rodebach[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zwischen 1874 und 1945 war Enzuhnen/Rodebach namensgebender Ort und Sitz eines Amtsbezirkes. Er wurde am 24. Juni 1874 aus zehn Landgemeinden und einem Gutsbezirk gebildet[5]:

Name (bis 1938) Name (1938–1946) Russischer Name Bemerkungen
Landgemeinden:
Ackmonienen -- -- 1937 nach Schluidschen
eingemeindet
Bißnen Bißnen --
Enzuhnen Rodebach Tschkalowo
Kubillehlen Freieneck Kusmino
Kurplauken Wildau -- 1937 nach Schluidschen
eingemeindet
Noreitschen -- -- 1937 nach Wirbeln
eingemeindet
Schluidszen,
ab 1936 Schluidschen
Lerchenborn --
Trakehnen Groß Trakehnen Jasnaja Poljana
Wilken Wilken --
Wirbeln Wirbeln --
Gutsbezirk:
Enzuhnen -- -- 1929 in die Gemeinde
Enzuhnen eingegliedert

Nach der Umbenennung der Gemeinde Enzuhnen erhielt auch der Amtsbezirk Enzuhnen den neuen Namen „Amtsbezirk Rodebach“, den er bis 1945 behielt. Am 1. Januar 1945 bildeten folgende sieben Gemeinden diesen Amtsbezirk: Bißnen, Freieneck, Lerchenborn, Rodebach, Trakehnen, Wilken und Wirbeln. Bis auf die nun Tschkalowo und Jasnaja Poljana genannten Orte sind sie heute nicht mehr existent.

Dorfsowjet/Dorfbezirk Tschkalowski 1947–2008[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Dorfsowjet Tschkalowski (ru. Чкаловский сельский Совет, Tschkalowski selski Sowet) wurde im Juni 1947 eingerichtet.[6][7] Der Verwaltungssitz des Dorfsowjets war zunächst der Ort Tschkalowo. Um 1980 wurde der Verwaltungssitz nach Iljuschino verlegt. Dieser Ort war zunächst in den Dorfsowjet Prigorodny eingeordnet gewesen. Nach dem Zerfall der Sowjetunion trug die Verwaltungseinheit den Namen Dorfbezirk Tschkalowski (ru. Чкаловский сельский округ, Tschkalowski selski okrug). Im Jahr 2008 wurden die verbliebenen Orte des Dorfbezirks in die neu gebildete Landgemeinde Iljuschinskoje eingegliedert.

Ortsname Name bis 1947/50 Bemerkungen
Beloje (Белое) Antsodehnen, 1938–1945:"Almen" Der Ort wurde 1950 umbenannt und vor 1976 verlassen.
Bolschaja Dubrowka (Большая Дубровка) Anderskehmen, 1938–1945:"Andersgrund" Der Ort wurde 1947 umbenannt und vor 1976 verlassen.
Chutorskoje (Хуторское) Gurdszen/Gurdschen, 1938–1945:"Schwichowshof" Der Ort wurde vor 1976 umbenannt.
Dalneje (Дальнее) Szirgupönen/Schirgupönen, 1938–1945:"Amtshagen" Der Ort wurde 1950 umbenannt und vermutlich in den 2000er Jahren an den Ort Jasnaja Poljana angeschlossen.
Diwnoje (Дивное) Bahnhof Trakehnen Der Ort wurde 1947 umbenannt.
Iljuschino (Илюшино) Milluhnen, 1938–1945:"Mühlengarten" Der Ort wurde 1947 umbenannt und war zunächst in den Dorfsowjet Prigorodny eingeordnet. Er wurde um 1980 der Verwaltungssitz.
Jasnaja Poljana (Ясная Поляна) (Groß) Trakehnen Der Ort wurde 1947 umbenannt.
Malaja Dubrowka (Малая Дубровка) Bugdszen/Bugdschen, 1938–1945:"Klimmen" Der Ort wurde 1947 umbenannt und vor 1976 verlassen.
Ochtinskoje (Охтинское) Jonasthal Der Ort wurde 1950 umbenannt und vor 1976 verlassen.
Rasdelnoje (Разделное) Taukenischken, 1938–1945:"Belowsruh" Der Ort wurde 1950 umbenannt. Er wurde offenbar an Jasnaja Poljana oder an Chutorskoje angeschlossen.
Sernowoje (Зерновое) Sodehnen, 1938–1945:"Heinsort" Der Ort wurde 1950 umbenannt und vor 1976 verlassen.
Sibirjakowo (Сибиряково) Kiddeln[8], 1938–1945:"Sonnenmoor" und Krausen Der Ort wurde 1950 umbenannt und vor 1976 verlassen.
Smetanino (Сметанино) Karszamupchen/Karschamupchen, 1938–1945:"Grünfließ" Der Ort wurde 1950 umbenannt und vor 1976 verlassen.
Sosnowka (Сосновка) Birkenwalde, Burgsdorfshof und Danzkehmen, 1938–1945:"Oettingen" Die Orte wurden vor 1976 umbenannt.
Sowchosnoje (Совхосное) Mattischkehmen Der Ort wurde 1950 umbenannt.
Surkowo (Сурково) Ackmonienen, 1938–1945:"Schilfbruch", Schluidszen/Schluidszen, 1938–1945:"Lerchenborn und Wirbeln Die Orte wurden 1950 umbenannt und vor 1976 verlassen.
Swirskoje (Свирское) Soginten Der Ort wurde 1950 umbenannt und vor 1976 verlassen.
Tschkalowo (Чкалово) Enzuhnen, 1938–1945:"Rodebach" Der Verwaltungssitz bis etwa 1980.
Wischnjowka (Вишнёвка) Budszedszen/Budschedschen, 1938–1945:"Pfälzerwalde Der Ort wurde 1950 umbenannt und vor 1976 verlassen.
Worobjowo (Воробьёво) Grünhof Der Ort wurde 1950 umbenannt und vor 1976 verlassen.

Der im Jahr 1947 umbenannte Ort Seljonoje (Grünhaus) sowie die beiden 1950 umbenannten Orte Kubanskoje (Eyßeln und Neusorge) und Neschinskoje (Neu Kattenau), die zunächst ebenfalls in den Dorfsowjet Tschkalowski eingeordnet worden waren, kam dann (vor 1976) aber zum Dorfsowjet Sawetinski.

Kirche[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kirchengebäude[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Kirche in Enzuhnen war das vierte Gotteshaus, das nach der Besiedelung der Stallupöner Region im Jahre 1608 errichtet wurde. Durch Kriegseinwirkung war es stark beschädigt und teilweise ausgebrannt. Von der Kirche fehlt heute jede Spur.

Kirchengemeinde[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das evangelische Kirchspiel Enzuhnen wurde im Jahre 1608 von Pillupönen (1938–1946 Schloßbach, heute russisch: Newskoje) abgetrennt. Früher nannte man es auch Groß Rudupehnen, und es gehörte zur Inspektion Insterburg (Tschernjachowsk). Im Jahre 1912 kam die Kirche Soginten (Swirskoje) vom Kirchspiel Kassuben (Iljinskoje) zum Kirchspiel Enzuhnen.

Bis 1945 gehörte Enzuhnen (Rodebach) zum Kirchenkreis Stallupönen (Ebenrode) in der Kirchenprovinz Ostpreußen der Kirche der Altpreußischen Union.

Zur Zeit der Sowjetunion kam das kirchliche Leben im Dorf zum Erliegen. In den 1990er Jahren aber entstand im früher zum Kirchspiel gehörenden Dorf Jasnaja Poljana (Groß Trakehnen) eine neue evangelische Gemeinde. Sie schloss sich der Propstei Kaliningrad in der Evangelisch-Lutherischen Kirche Europäisches Russland (ELKER) an und wird von den Pfarrern der Salzburger Kirche in Gussew (Gumbinnen) betreut.

Pfarrer 1612–1945[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Von der Gründung des Kirchspiels bis zum Kriegsende 1945 amtierten in Enzuhnen (Rodebach) 17 evangelische Geistliche[9]:

  • Christoph Sappuhn, 1612–1657
  • George Steinfeldt, 1656–1673
  • George Petri, 1673–1688
  • Johann Heinrich Arnoldi, 1685–1690
  • N. Voglerus
  • Johann Wilhelm Vorhoff, 1692–1709
  • Johann Behrend, 1709–1711
  • Daniel Reinhold Engellen, 1711–1725
  • George Adam Meisner, 1725–1769
  • Otto Thierbach, 1767–1804
  • Johann Simon Kanning, 1804–1816
  • Friedrich Wilhelm Rauschning, 1817–1856
  • Johann Theodor Bernhard Gamradt, 1856–1872
  • Karl Wilhelm Salomon, 1873–1885
  • Karl Alexander Tiedtke, 1895–1911
  • Max Dörr, 1911–1945

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Itogi Vserossijskoj perepisi naselenija 2010 goda. Kaliningradskaja oblastʹ. (Ergebnisse der allrussischen Volkszählung 2010. Oblast Kaliningrad.) Band 1, Tabelle 4 (Download von der Website des Territorialorgans Oblast Kaliningrad des Föderalen Dienstes für staatliche Statistik der Russischen Föderation)
  2. Uli Schubert, Gemeindeverzeichnis
  3. Michael Rademacher, Deutsch-österreichisches Ortsbuch
  4. Es kam dabei offenbar zu einer Verwechselung mit dem Ort Egglenischken, der dann in Repino umbenannt wurde.
  5. Rolf Jehke, Amtsbezirk Enzuhnen/Rodebach
  6. Durch den Указ Президиума Верховного Совета РСФСР от 17 июня 1947 г.«Об образовании сельских советов, городов и рабочих поселков в Калининградской области» (Erlass des Präsidiums des Obersten Sowjets der RSFSR vom 17. Juni 1947: Über die Bildung von Dorfsowjets, Städten und Arbeitersiedlungen in der Oblast Kaliningrad)
  7. Laut Erlasslage sollte dieser Dorfsowjet eigentlich in Egglenischken eingerichtet werden. Vor Ort kam es aber zu einer Vertauschung mit dem dann dort eingerichteten Dorfsowjet Repinski.
  8. auch Sonntagskehmen
  9. Friedwald Moeller, Altpreußisches evangelisches Pfarrerbuch von der Reformation bis zur Vertreibung im Jahre 1945, Hamburg, 1968