Iljinskoje (Kaliningrad)

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Siedlung
Iljinskoje
Kassuben

Ильинское
Föderationskreis Nordwestrussland
Oblast Kaliningrad
Rajon Nesterow
Frühere Namen Kassuben (bis 1946)
Bevölkerung 161 Einwohner
(Stand: 14. Okt. 2010)[1]
Zeitzone UTC+2
Kfz-Kennzeichen 39, 91
OKATO 27 224 804 004
Geographische Lage
Koordinaten 54° 30′ N, 22° 31′ OKoordinaten: 54° 30′ 0″ N, 22° 31′ 0″ O
Iljinskoje (Kaliningrad) (Europäisches Russland)
(54° 30′ 0″ N, 22° 31′ 0″O)
Lage im Westteil Russlands
Iljinskoje (Kaliningrad) (Oblast Kaliningrad)
(54° 30′ 0″ N, 22° 31′ 0″O)
Lage in der Oblast Kaliningrad

Iljinskoje (russisch Ильинское, deutsch Kassuben) ist eine Siedlung in der Oblast Kaliningrad. Sie gehört zur kommunalen Selbstverwaltungseinheit Stadtkreis Nesterow im Rajon Nesterow.

Geographische Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Iljinskoje liegt 14 Kilometer südwestlich der Rajonstadt Nesterow (Stallupönen/Ebenrode) an der Kommunalstraße 27K-058 von Nesterow nach Tschistyje Prudy (Tollmingkehmen/Tollmingen). Bis in die 1970er Jahre war Iljinskoje-Nowoje Bahnstation an der Bahnstrecke Gołdap–Nesterow, die nach 1945 nur noch im russischen Abschnitt betrieben wurde und dann eingestellt wurde.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bis 1945 gehörte der Gutsbezirk (ab 1928 Landgemeinde) Kassuben zum Kreis Stallupönen (1938–1945 Kreis Ebenrode) im Regierungsbezirk Gumbinnen in der preußischen Provinz Ostpreußen.

1945 kam Kassuben in Folge des Zweiten Weltkriegs zur Sowjetunion. 1947 erhielt der Ort die russische Bezeichnung Iljinskoje und wurde gleichzeitig dem Dorfsowjet Repinski selski Sowet (Egglenischken/Tannenmühl) im Rajon Nesterow zugeordnet.[2] 1954 gelangte der Ort in den Kalininski selski Sowet. Von 2008 bis 2018 gehörte Iljinskoje zur Landgemeinde Tschistoprudnenskoje selskoe posselenije und seither zum Stadtkreis Nesterow.

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jahr Einwohner[3]
1910 225
1933 241
1939 243
2002 174
2010 161

Amtsbezirk Kassuben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 24. Juni 1874 wurde der Amtsbezirk Kassuben (anfangs Cassuben) aus elf Landgemeinden und einem Gutsbezirk gebildet:[4]

Name (bis 1938) Name (1938–1945) Bemerkungen
Landgemeinden:
Antsodehnen Almen
Augusten 1928 nach Disselwethen (1938–1946
Disselberg) eingemeindet
Baubeln Windberge
Groß Lengmeschken Lengen
Karklienen Hügeldorf
Kickwieden Kickwieden
Kinderlauken Kinderfelde
Leegen Leegen russisch: Snamenka
Paadern 1928 in die neue Landgemeinde
Kassuben eingemeindet
Swainen 1928 in die neue Landgemeinde
Kassuben eingemeindet
Wohren Wohren
Gutsbezirk:
Kassuben 1928 in die neue Landgemeinde
Kassuben, russisch: Iljinskoje, eingemeindet

Am 30. September 1928 wurde die neugebildete Landgemeinde Disselwethen (1938–1945 Disselberg) in den Amtsbezirk Kassuben eingegliedert, jedoch nur bis zum 5. Mai 1932, als sie in den Amtsbezirk Schakummen umgegliedert wurde. Am 3. Juni 1938 erfolgte die germanisierende Umbenennung von fünf Amtsbezirksgemeinden. Bis 1945 dann gehörten dann noch sieben verbleibende Gemeinden zum Amtsbezirk, von denen lediglich noch zwei als Siedlungen existieren.

Kirche[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kirchengebäude[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Kassubener Kirche war eine Stiftung der Kaiserin Auguste Viktoria aus dem Jahre 1901 anlässlich der Feierlichkeiten zum 200-jährigen Krönungsjubiläum der preußischen Könige. Die Kirche wurde zusammen mit dem Pfarrhaus für einen Baupreis von 106.000 Mark von Regierungsbaumeister Drabitius errichtet.[5] 1908 wurde das Gotteshaus eingeweiht.

Von 1945 bis hinein in die 1970er Jahre diente die Kirche als Kulturhaus. Weil sein Sohn an diesem Ort verunglückte, ließ der damalige KPdSU-Parteisekretär die Kirche zerstören. Sie ist nur noch eine Ruine und dient weitgehend als Schutthalde.

An der Außenwand der Kirche war eine Stiftungstafel angebracht: Unter der Regierung Kaiser Wilhelms II. und dem Protektorate der Kaiserin Auguste Viktoris erbaut in dankbarer Erinnerung an die zweihundertjährige Jubelfeier des Königtums in Preußen mit Hilfe freiwilliger Beiträge aus allen Teilen der Provinz. 1701 / 1901. Im Einvernehmen mit der russischen Verwaltung wurde die Tafel abgenommen und zunächst in der Schule in Puschkino (Göritten) deponiert. Sie soll später einen Platz in einem noch zu gründenden Museum in Nesterow finden.

Das ehemalige Pfarrhaus in Iljinskoje (Kassuben) im Jahre 1993

Das der Kirche benachbarte Pfarrhaus befand sich bis 1998 äußerlich in einem akzeptablen Zustand und beherbergte die Post. Inzwischen macht das Gebäude einen recht verfallenen Eindruck.

Kirchengemeinde[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bei überwiegend evangelischer Bevölkerung wurde 1895 das Kirchspiel Kassuben-Soginten errichtet. Es wurde bis 1903 von Mehlkehmen (1938–1945 Birkenmühle, russisch: Kalinino) versorgt. Danach war Kassuben Pfarramtssitz, dessen Tätigkeitsfeld sich derart vergrößerte, dass man 1912 Soginten in das Kirchspiel Enzuhnen (1938–1945 Rodebach, russisch: Tschkalowo) umgliederte. Kassuben war bis 1945 in den Kirchenkreis Stallupönen (1938–1945 Ebenrode, russisch: Nesterow) in der Kirchenprovinz Ostpreußen der Kirche der Altpreußischen Union eingegliedert.

Ab 1945 kam das kirchliche Leben in Ilinskoje völlig zum Erliegen. In den 1990er Jahren entstanden neue evangelische Gemeinden in den Nachbarorten Tschistyje Prudy und Kalinino, die zur Propstei Kaliningrad in der Evangelisch-Lutherischen Kirche Europäisches Russland gehören. Pfarrsitz ist jetzt Gussew.

Pfarrer 1895–1945[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit der Gründung des Kirchspiels Kassuben bis zur Vertreibung 1945 amtierten in Kassuben sechs Geistliche, die ab 1903 im neu errichteten Pfarrhaus wohnten:

  • Martin E.J.G. Steinwender, 1895–1903
  • Hermann Pilzecker, 1903–1924
  • Eugen Bauer, 1925–1929
  • Johannes Brandtner, 1930–1935
  • Werner Robinski, 1937–1942
  • Gerhard Salz, 1943–1945.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Friedwald Moeller: Altpreußisches evangelisches Pfarrerbuch von der Reformation bis zur Vertreibung im Jahre 1945. Hamburg 1968.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Itogi Vserossijskoj perepisi naselenija 2010 goda. Kaliningradskaja oblastʹ. (Ergebnisse der allrussischen Volkszählung 2010. Oblast Kaliningrad.) Band 1, Tabelle 4 (Download von der Website des Territorialorgans Oblast Kaliningrad des Föderalen Dienstes für staatliche Statistik der Russischen Föderation)
  2. Durch den Указ Президиума Верховного Совета РСФСР от 17 ноября 1947 г. «О переименовании населённых пунктов Калининградской области» (Verordnung des Präsidiums des Obersten Rats der RSFSR "Über die Umbenennung der Orte der Oblast Kaliningrad" vom 17. November 1947)
  3. Volkszählungsdaten
  4. Rolf Jehke, Amtsbezirk Kassuben
  5. Stadt- und Landkirchen. In: Zentralblatt der Bauverwaltung, Jg. XXVIII, Nr. 25 (28. März 1908), urn:nbn:de:kobv:109-opus-41589, S. 177–180.