Rajon Nesterow

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Dieser Artikel befasst sich mit dem Rajon in der russischen Oblast Kaliningrad, für Informationen zum zwischen 1951 und 1991 ebenfalls Rajon Nesterow genannten Rajon in der heutigen Ukraine, siehe Rajon Schowkwa.
Rajon
Nesterow
Нестеровский район
Wappen
Wappen
Föderationskreis Nordwestrussland
Oblast Kaliningrad
Verwaltungszentrum Nesterow
(Stadt)
Fläche 1061 km²
Bevölkerung 16.213 Einwohner
(Stand: 14. Okt. 2010)[1]
Bevölkerungsdichte 15 Einwohner/km²
Stadtgemeinden 1
Städte / SsT 1 / 0
Landgemeinden / Dörfer 3 / 53
Oberhaupt des Rajons Wladimir Belinski
Rajon gegründet 7. September 1946
Zeitzone UTC+2
Telefonvorwahl (+7) 40144
Postleitzahlen 238000–238026
Kfz-Kennzeichen 39, 91
OKATO 27 224
OKTMO 27 624
Website www.admnesterov.ru
Geographische Lage des Verwaltungszentrums
Koordinaten 54° 38′ N, 22° 34′ OKoordinaten: 54° 38′ N, 22° 34′ O
Nesterow (Oblast Kaliningrad)
Nesterow
Nesterow
Nesterow: Lage in der Oblast Kaliningrad‎
Lage innerhalb Russlands
Oblast Kaliningrad innerhalb Russlands

Der Rajon Nesterow (russisch Нестеровский район/Nesterowski rajon) ist ein Rajon der russischen Oblast Kaliningrad. Sein Verwaltungszentrum ist die Stadt Nesterow (früher Stallupönen bzw. Ebenrode).

Geografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Rajon Nesterow liegt im äußersten Osten der Oblast Kaliningrad. Er grenzt im Osten an Litauen, im Süden an Polen, im Norden an den Rajon Krasnosnamensk, im Westen an die Rajons Gussew und Osjorsk der Oblast Kaliningrad.

Der Rajon hat 16.219 Einwohner (2010), seine Fläche beträgt 1.061 km². Mit einer Bevölkerungsdichte von 15 Einwohnern pro km² gehört er zu den am dünnsten besiedelten der Oblast. Der Anteil der Stadtbevölkerung beträgt 29 %, der Landbevölkerung 71 %.

Verwaltungszentrum des Rajons ist die Stadt Nesterow (bis 1938 Stallupönen, 1938–1945 Ebenrode).

Der Rajon wird von Pissa und Krasnaja (Rominte), an der Grenze zu Litauen von der Lipowka (Lepone) durchflossen. Im Südosten liegt an der Grenze zu Litauen der Wystiter See, der größte See der Oblast. Im Süden erstreckt sich der russische Anteil der Rominter Heide.

Kommunale Selbstverwaltung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Verwaltungseinteilung des Rajons Nesterow

Auf dem Territorium des Rajons Nesterow besteht die kommunale Selbstverwaltungseinheit Rajon Nesterow, ein sog. "munizipaler" Rajon, mit der Stadtgemeinde Nesterowskoje und drei Landgemeinden mit insgesamt 53 Siedlungen:

Name Verwaltungssitz Name
bis 1938
Name
1938–1945
Zahl
der Siedlungen
Stadtgemeinde:
Nesterowskoje Nesterow Stallupönen Ebenrode 0
Landgemeinden:
Iljuschinskoje Iljuschino Milluhnen Mühlengarten 16
Prigorodnoje Prigorodnoje Petrikatschen Schützenort 18
Tschistoprudnenskoje Tschistyje Prudy Tollmingkehmen Tollmingen 19

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Rajon Nesterow ist land- und forstwirtschaftlich (Rominter Heide) geprägt. Die berühmte Pferdezucht (Trakehner im Hauptgestüt Trakehnen, heute Jasnaja Poljana) kam 1945 zum Erliegen.

Durch den nördlichen Teil des Rajons und dessen Verwaltungszentrum Nesterow führen die Eisenbahnstrecke und Fernstraße KaliningradMoskau (auf dem Territorium der Oblast A229, Teil der Europastraße 28; früher bis zur Grenze Teil der deutschen Reichsstraße 1). In deren Verlauf befinden sich die wichtigsten Eisenbahn- und Straßengrenzübergänge zwischen der Oblast Kaliningrad und Litauen bei Tschernyschewskoje (früher Eydtkuhnen bzw. Eydtkau).

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Rajon wurde am 7. April 1946 als Stallupjonenski rajon gegründet.[2] Sein Gebiet umfasste den Großteil des bis 1945 existierenden Kreis Stallupönen (1938 bis 1945 "Kreis Ebenrode"), einen Teil des nach der neuen Grenzziehung infolge des Zweiten Weltkrieges sich in der Sowjetunion befindlichen nördlichen Teils des Kreises Goldap sowie einen kleinen Teil des Kreises Gumbinnen. Zuständig für den Rajon war ab Ende Mai 1946 zunächst die „Verwaltung für zivile Angelegenheiten des Rajons Stallupönen“ (ru. Управление по гражданским делам Шталлупёненского района, Uprawlenie po graschdanski delam Stallupjonenskowo rajona).

Am 7. September 1946 wurde die Stadt Stallupönen (1938 bis 1945 "Ebenrode") in Nesterow umbenannt und der Rajon in Nesterowski rajon.[3] Im Sommer 1947 wurde zur Verwaltung des Rajons das Exekutivkomitee des Nesterowsker Rajonsowjets der Abgeordneten der Werktätigen ernannt (ru. Исполнительный комитет Нестеровского районного Совета депутатов трудящихся, Ispolnitelny komitet Nesterowskowo rajonowo Soweta deputatow trudjaschtschichsja; kurz: Нестеровский Райисполком, Nesterowski Rajispolkom).

In den Jahren 1963 bis 1965 war während einer kurzzeitigen allgemeinen Verwaltungsreform der Rajon Gussew an den Rajon Nesterow angeschlossen. Im Jahr 1977 wurde der Begriff „der Abgeordneten der Werktätigen“ durch „der Volksabgeordneten“ ersetzt (ru. нарoдных депутатов, narodnych deputatow). Nach dem Zerfall der Sowjetunion wurde im Jahr 1991 die Rajonverwaltung in Administration des Rajons Nesterow (ru. Администрация Нестеровского района, Administrazija Nesterowskowo rajona) umbenannt.

Im Jahr 1998 wurde auf dem Territorium des Rajons Nesterow die kommunale Selbstverwaltungseinheit Rajon Nesterow eingerichtet.[4] Im Jahr 2004 bekam diese Verwaltungseinheit den Status eines Stadtkreises (ru. Нестеровский городской округ, Nesterowski gorodskoi okrug).[5] Der Stadtkreis Nesterow wurde von der Gerichtsbarkeit jedoch verworfen. Daraufhin bekam die Verwaltungseinheit im Jahr 2008 den Status eines "munizipalen" Rajons und wurde mit Munizipaler Rajon Nesterow (ru. Нестеровский муниципальный район, Nesterowski munizipalny rajon) bezeichnet; darin wurde die kommunale Selbstverwaltung auf die lokale Ebene ausgeweitet und die bestehenden sieben Dorfbezirke in drei Landgemeinden umgewandelt.[6] Im Jahr 2013 bekam die Verwaltungseinheit dann (wieder) den Namen Rajon Nesterow.[7]

Dorfsowjets/Dorfbezirke 1947–2008[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Name Verwaltungssitz deutscher
Name
Bemerkungen
Babuschkinski Babuschkino Groß Degesen offenbar seit etwa 1950, vorher Lugowski, bis 1954, dann zu Prigorodny
Kalininski Kalinino Mehlkehmen (Birkenmühle)
Krasnolessenski Krasnolessje Groß Rominten (Hardteck) bis 1954, dann zu Tschistoprudenski
Lugowski Lugowoje Bilderweitschen (Bilderweiten) offenbar bis etwa 1950, dann Babuschkinski
Newski Newskoje Pillupönen (Schloßbach) bis 1954, dann zu Pokryschkinski
Pokryschkinski Pokryschkino
seit etwa 1980: Puschkino
Dopönen (Grünweide)
Göritten
Prigorodny Prigorodnoje Petrikatschen (Schützenort)
Repinski Repino Egglenischken (Tannenmühl) bis 1954, dann zu Kalininski, der Ort Repino existiert nicht mehr
Sawetinski Sawety[8]
seit vor 1967: Watutino
seit etwa 1980: Sadowoje
Kattenau
Tutschen
Jentkutkampen (Burgkampen)
Tschernyschewski Tschernyschewskoje Eydtkuhnen (Eydtkau) war von 1960 bis 1967 aufgelöst und in dieser Zeit vermutlich an Prigorodny angeschlossen
Tschistoprudenski Tschistyje Prudy Tollmingkehmen (Tollmingen)
Tschkalowski Tschkalowo
seit etwa 1980: Iljuschino
Enzuhmen (Rodebach)
Milluhnen (Mühlengarten)
der Ort Iljuschino gehörte zunächst zum Dorfsowjet Prigorodny

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jahr Einwohner[9]
1959 17.491
1970 16.180
1979 15.277
1989 15.181
2002 17.250
2010 16.213

Funktionsträger[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Parteisekretäre der WKP(B)/KPdSU 1947–1991[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 1947–1949: S. L. Galkin (С. Л. Галкин)
  • 1949–1952: Pjotr Iwanowitsch Afanassjew (Пётр Иванович Афанасьев)
  • 1952–1953: S. A. Dolgow (С. А. Долгов)
  • 1953–1962: Konstantin Wassiljewitsch Firsakow (Константин Васильевич Фирсаков)
  • 1962–1965: Andrei Antonowitsch Dowgi (Андрей Антонович Довгий)
  • 1965–1980: Piotr Michailowitsch Bobrow (Пётр Михайлович Бобров)
  • 1980–1989: Iwan Nikolajewitsch Nikitin (Иван Николаевич Никитин)
  • 1989–1991: Waleri Walentinowitsch Klischow (Валерий Валентинович Клишов)

Vorsitzende[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 1946–1947: Wassili Iwanowitsch Maschin (Василий Иванович Машин)
  • 1947–1948: Semjon Nikolajewitsch Alexandrow (Семён Николаевич Александров)
  • 1948–1949: A. I. Stroganow (А. И. Строганов)
  • 1949–1952: M. P. Bardejew (М. П. Бардеев)
  • 1952–1953: Alexandr Kusmitsch Beloglaskin (Александр Кузьмич Белоглазкин)
  • 1953–1958: B. N. Fomin (Б. Н. Фомин)
  • 1958–1961: A. A. Krylow (А. А. Крылов)
  • 1961–1963: W. M. Siwkow (В. М. Сивков)
  • 1963–1971: Serafim Matwejewitsch Pissarew (Серафим Матвеевич Писарев)
  • 1971–1977: R. A. Sarw (Р. А. Сарв)
  • 1977–1987: Witali Iwanowitsch Sofronow (Виталий Иванович Софронов)
  • 1987–1989: Waleri Walentinowitsch Klischow (Валерий Валентинович Клишов)
  • 1989–1996: Iwan Andrejewitsch Swinarenko (Иван Андреевич Свинаренко)
  • 1996–2000: Alexandr Iwanowitsch Akinin (Александр Иванович Акинин)
  • 2000–2003: Nikolai Anatoljewitsch Potschebut (Николай Анатольевич Почебут)
  • 2003–2009: Natalija Wiktorowna Tschawytschalowa (Наталия Викторовна Чавычалова)
  • 2009–2014: Oleg Wiktorowitsch Kutin (Олег Викторович Кутин)
  • 2014–2015: Andrei Alexandrowitsch Michailow (Андрей Александрович Михайлов)
  • seit 2015: Wladimir Alexejewitsch Belinski (Владимир Алексеевич Белинский)

Verwaltungschefs[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

sofern nicht gleichzeitig Vorsitzende

  • seit 2014: Oleg Wiktorowitsch Kutin (Олег Викторович Кутин)

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Itogi Vserossijskoj perepisi naselenija 2010 goda. Kaliningradskaja oblastʹ. (Ergebnisse der allrussischen Volkszählung 2010. Oblast Kaliningrad.) Band 1, Tabelle 4 (Download von der Website des Territorialorgans Oblast Kaliningrad des Föderalen Dienstes für staatliche Statistik der Russischen Föderation)
  2. Durch den Постановление Совета Министров СССР от 7 апреля 1946 г., № 783 «Об административном устройстве г. Кенигсберга и прилегающих к нему районов» (Beschluss des Ministerrats der UdSSR vom 7. April 1946, Nr. 783: Über den administrativen Aufbau der Stadt Königsberg und ihren umliegenden Rajons)
  3. Durch den Указ Президиума Верховного Совета РСФСР от 7 сентября 1946 г. «Об административном устройстве Калининградской области» (Erlass des Präsidiums des Obersten Sowjets der RSFSR vom 7. September 1946: Über den administrativen Aufbau der Oblast Kaliningrad)
  4. Durch den Постановление Калининградской областной Думы от 4 июня 1998 г. № 42 «Об утверждении границы административно - территориального, муниципального образования "Нестеровский район"» (Beschluss der Kaliningrader Oblastduma vom 4. Juni 1998, Nr. 42: Über die Bestätigung der Grenze des administrativ-territorialen und der munizipalen Bildung "Rajon Nesterow")
  5. Durch das Закон Калининградской области от 5 ноября 2004 г. № 439 «О наделении муниципального образования "Нестеровский район" статусом городского округа» (Gesetz der Oblast Kaliningrad vom 5. November 2004, Nr. 439: Über das Ausstatten der munizipalen Bildung "Rajon Nesterow" mit dem Status eines Stadtkreises)
  6. Durch das Закон Калининградской области от 30 июня 2008 г. № 258 «Об организации местного самоуправления на территории муниципального образования "Нестеровский городской округ"» (Gesetz der Oblast Kaliningrad vom 30. Juni 2008, Nr. 258: Über die Organisation der lokalen Selbstverwaltung auf dem Gebiet der munizipalen Bildung "Stadtkreis Nesterow")
  7. Durch die Satzungsänderung vom 29. November 2013 ?
  8. der ehemalige Ort Sawety gehört heute zu Furmanowka
  9. Volkszählungsdaten