Donut-Ökonomie

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Die Donut-Ökonomie

Der Begriff Donut-Ökonomie (britisches Englisch doughnut economics) bezeichnet eine wirtschaftswissenschaftliche Theorie. Die Theorie geht von planetaren Grenzen und sozialen Grenzen aus und verortet darin den sicheren und gerechten Handlungsraum für die menschliche Zivilisation.

Kernaussage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Donut-Ökonomie geht von einer Reihe planetarer und sozialer Grenzen aus. Zu den planetaren Grenzen zählen hierbei der Klimawandel und der Verlust der Artenvielfalt. Diese Grenzen dürfen nicht überschritten werden. Zu den sozialen Grenzen zählen Bereiche wie Gesundheit und Bildung. Bei diesen Grenzen darf es kein Defizit geben. Der in Form eines Donut visualisierte Handlungsspielraum für wirtschaftliches Handeln ergibt sich durch diese Grenzen. Raworth stellt in ihrem Buch die Einhaltung des durch den Donut definierten Bereich in der Donut-Ökonomie als alternative Zielvorgabe der bisherigen Zielvorgabe eines Wachstums des Bruttoinlandsproduktes in der traditionellen Wirtschaft gegenüber.

Begriffsgeschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Theorie der Donut-Ökonomie wurde erstmals am 13. Februar 2012 in einem Beitrag mit dem Titel A Safe and Just Space for Humanity von Kate Raworth vorgestellt.[1] Die Theorie wurde im Jahr 2017 in Raworths Buch Doughnut Economics: Seven Ways to Think Like a 21st-Century Economist vertieft.[2] Das Buch erschien 2018 auch auf Deutsch.[3]

Rezeption[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Raworths Theorie wird seit ihrem Erscheinen viel diskutiert und gelobt. So schrieb George Monbiot 2017 im Guardian über Raworth: „Ich sehe sie als John Maynard Keynes des 21. Jahrhunderts: Durch die Neuauslegung der Wirtschaft ermöglicht sie uns, unsere Sicht darauf zu ändern, wer wir sind, wo wir stehen und was wir sein wollen.“[4]

Praktische Umsetzung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Als erster Wirtschaftsraum hat die Stadt Amsterdam zusammen mit Raworth ein Konzept für den Umbau der Stadt- und Wirtschaftsentwicklung gemäß den Prinzipien der Donut-Ökonomie entwickelt. Ziele des Vorhabens, das im April 2020 gestartet wurde, sind der schonende, auf Nachhaltigkeit angelegte Umgang mit Ressourcen bei gleichzeitiger Sicherung der Grundbedürfnisse der Menschen. Die Stadt verspricht: Um Umwelt und Klima zu schonen, soll die Energiegewinnung auf Solarstrom und Windkraft umgestellt und der CO2-Ausstoß entscheidend gesenkt werden. Möglichst sollen nur noch recycelte Rohstoffe zum Einsatz kommen, und zwar ab 2030 zu 50 und ab 2050 sogar zu 100 Prozent[5]. In der Bevölkerung scheint Optimismus vorzuherrschen, dass die Einführung der Kreislaufwirtschaft gelingen kann. Jedenfalls sind dort bereits eine Reihe von Initiativen zu dem Vorhaben gestartet: Zum Beispiel treibt ein Chemiker ein Verfahren zur Wiederverwertung von Zement voran, eine Wohnungseigentümergemeinschaft baut klimaneutrale Häuser auf dem Wasser und eine Wissenschaftlerin probt den platzsparenden Nahrungsmittelanbau mitten in der Stadt[6]. Es gibt in Amsterdam noch viele weitere Projekte zu dem Thema[7]. Auch die Städte Kopenhagen, Philadelphia und Portland (Oregon) planen die Einführung einer am Donut-Prinzip orientierten Ökonomie[8].

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Raworth, K. (2012). A Safe and Just Space for Humanity: Can We Live within the Doughnut? Oxfam Discussion Papers.
  2. Raworth, K. (2017). Doughnut Economics: Seven Ways to Think Like a 21st Century Economist. ISBN 9781603586740
  3. Raworth, K. (2018). Die Donut-Ökonomie: Endlich ein Wirtschaftsmodell, das den Planeten nicht zerstört. ISBN 3446258450
  4. George Monbiot: Finally, a breakthrough alternative to growth economics – the doughnut – George Monbiot. In: theguardian.com. 28. November 2017, abgerufen am 2. Februar 2021 (englisch).
  5. 488901 Amsterdam Circular Strategy 2020-2025
  6. Süße Idee – oder Revolution?
  7. Amsterdam Donut Koalition - Projekte
  8. Süße Idee – oder Revolution?