PD – Berater der öffentlichen Hand

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PD – Berater der öffentlichen Hand GmbH

Rechtsform Gesellschaft mit beschränkter Haftung
Gründung 2008
Sitz Berlin
Leitung Stéphane Beemelmans und Claus Wechselmann, Geschäftsführer[1]
Mitarbeiterzahl 400 Berater
Umsatz 11,4 Mio. Euro[2]
Branche Beratungsunternehmen
Website www.pd-g.de

Die PD – Berater der öffentlichen Hand GmbH ist ein Beratungsunternehmen für Bund, Länder, Kommunen sowie andere öffentliche Körperschaften und Einrichtungen. Die Gesellschaft ist zu 100 Prozent in öffentlicher Hand; der Bund hält 74,97 Prozent der Anteile.[3] Es ist durch formwechselnde Umwandlung aus der ÖPP Deutschland AG hervorgegangen. Die Gesellschaft mit beschränkter Haftung bietet für öffentliche Auftraggeber Beratungsleistungen für öffentlich-private Partnerschaften in den Bereichen Verwaltung und Investitionsvorhaben an. Das Unternehmen wird auch als Partnerschaft Deutschland bezeichnet.[4][5]

Unternehmenssitz ist Berlin. Es gibt Niederlassungen in Berlin, Düsseldorf, Frankfurt am Main und Hamburg.[6] Gesellschafter sind juristische Personen der öffentlichen Hand oder deren Einrichtungen.[7] Die bisherigen Aktionäre aus der Privatwirtschaft sind 2016 aus der Gesellschaft ausgeschieden. Die Gesellschaft gliedert sich in die beiden Geschäftsbereiche Strategische Verwaltungsmodernisierung und Bau, Infrastruktur, Kommunalberatung.

Unternehmenszweck[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ziel des Unternehmens ist es, bessere Verwaltungsarbeit und mehr Infrastrukturprojekte zu ermöglichen. Dazu berät die Gesellschaft öffentliche Auftraggeber. Öffentliche Auftraggeber, die an der Gesellschaft beteiligt sind, können das Unternehmen im Wege der In-House-Vergabe ohne weitere Ausschreibung beauftragen (§ 108 Absatz 4 GWB). Damit kommt PD „einer Pool-Organisation oder eines Shared Services“ gleich.[8]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die ÖPP Deutschland AG wurde im November 2008 als Aktiengesellschaft unter der Federführung des Bundesministeriums der Finanzen sowie des damaligen Bundesministeriums für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung unter Beteiligung Privater gegründet.

Die Bundesregierung beschloss die Stärkung der „Partnerschaft Deutschland“ (PD), nachdem sie 2014 eine Expertenkommission für die Lösung des Problems von Investitionsstaus eingesetzt hatte, deren Vorschläge aber kaum umgesetzt wurden.[4] Anfang 2020 hielt die Gesellschaft Rahmenverträge mit McKinsey, Roland Berger und der Boston Consulting Group (BCG).[9]

Die Gesellschaft ist wiederkehrender Partner des Creative Bureaucracy Festivals, das in Anlehnung an den von Charles Landry geprägten[10] Begriff „Experimentierfreude und Tatendrang im öffentlichen Sektor kultivieren“ möchte.[11] Gemeinsam mit dem Stifterverband finanziert sie die Stiftungsprofessur von Thurid Hustedt an der Hertie School.[12] Zum Wissenstransfer besteht ein Kooperationsvertrag mit der NRW School of Governance.[13]

Gesellschafter[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zum Stichtag 14. April 2021 hielten 124 Gesellschafter Anteile an dem Unternehmen. Von den 10.020 Gesellschafteranteilen hält der Bund 7512 Anteile (74,97 Prozent), zehn Länder (Baden-Württemberg, Brandenburg, Bremen, Hamburg, Hessen, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Sachsen-Anhalt, Schleswig-Holstein) insgesamt 1000 Anteile (9,98 Prozent), Gemeinden und Gemeindeverbände insgesamt 748 Anteile (7,47 Prozent), Stiftungen, Anstalten und Körperschaften des öffentlichen Rechts insgesamt 420 Anteile (4,19 Prozent) und sonstige (darunter auch Zypern) 340 Anteile (3,39 Prozent).[14]

Aufsichtsrat[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Aufsichtsrat des Unternehmens wird von der Gesellschafterversammlung gewählt. Mitglieder des Aufsichtsrates sind:[15]

Beirat[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Beirat und dessen Fachausschüsse beraten die Geschäftsführung und den Aufsichtsrat des Unternehmens. Mitglieder des Beirates sind:[16]

Kritik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die ÖPP Deutschland AG in ihrer früheren Konzeption wurde 2012 in den Medien kritisiert, da Banken, Berater und Baukonzerne Anteile an der Gesellschaft hielten und gleichzeitig von öffentlich-privaten Partnerschaften profitierten. Ulrich Müller, Vorsitzender der Organisation Lobbycontrol, forderte eine Auflösung der ÖPP Deutschland AG, da sie eine Einladung zu Lobbyismus zu Lasten der Bürger sei. Die Vorsitzende von Transparency International Deutschland, Edda Müller, äußerte, dass „klare Auftraggeber- und Auftragnehmerbeziehungen öffentlich-privater Partnerschaften aus Sicht der Korruptionsprävention eindeutig vorzuziehen“ seien.[17]

Laut Kritik von 2015 in den Medien habe die ÖPP schon zu Beginn privaten Interessen dienen sollen: Es seien „keine unabhängigen Beamten [gewesen], die das Konzept für die Firma erstellten, sondern Lobbyisten der Initiative Finanzstandort Deutschland (IFD)“.[18] Grünen-Bundestagsabgeordneten Sven-Christian Kindler sah in der ÖPP einen „Treiber für den Ausverkauf von öffentlicher Infrastruktur“.[18]

Anfang 2020 berichteten Medien, dass die Möglichkeit von Kommunen, bei Bauvorhaben eine Beratung durch die PD zu erhalten, dort laut Beamten, Ökonomen und Kommunalvertretern kaum bekannt war.[4] Ebenso wurde Anfang 2020 über das spezielle vergaberechtliche Konstrukt der PD berichtet, bei dem öffentliche Auftraggeber sehr einfach die PD beauftragen können, die PD dann aber wiederum an private Subunternehmer Aufträge vergibt.[9]

2021 kritisierte der Bundesverband Deutscher Unternehmensberater (BDU) den personellen Aufwuchs des „Staats-McKinsey“ als mögliche Wettbewerbsverzerrung.[19] Entsprechenden Vorwürfen entgegnete die Gesellschaft mehrfach mit Rechtsgutachten und legte ihrerseits überhöhte Abrechnungen privater Beratungsfirmen nahe.[20] Ziel sei es, die „Auftraggeberfähigkeit“ der öffentlichen Hand zu stärken.[19]

Thomas Deelmann sieht PD „in einer guten Ausgangsposition“, um dem im Koalitionsvertrag 2021 vereinbarten Ausbau zur „Beschleunigungsagentur“ zu entsprechen.[8]

Das Ranking Hidden Champions of Consulting (Capital/WGMB) bezeichnete PD im Jahrgang 2022/2023 vor PwC, Accenture, Deloitte und KPMG als bestes Beratungsunternehmen der Kategorie „Public Sector“.[21]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. https://www.pd-g.de/ueber-uns/management-und-gremien/management/
  2. https://www.pd-g.de/ueber-uns/verantwortung-und-netzwerk/corporate-governance
  3. Die Gesellschafter der PD. In: pd-g.de. 13. April 2021, abgerufen am 21. Mai 2021.
  4. a b c Martin Greive, Donata Riedel: Staat sitzt auf mehr als 30 Milliarden Euro – und kann das Geld nicht ausgeben. In: handelsblatt.com. 7. Januar 2020, abgerufen am 11. Januar 2020.
  5. PD – Berater der öffentlichen Hand GmbH (Partnerschaft Deutschland). bundesfinanzministerium.de, abgerufen am 11. Januar 2020.
  6. https://www.pd-g.de/kontakt/
  7. Website der Gesellschaft. Abgerufen am 22. Dezember 2016.
  8. a b Thomas Deelmann: Die Consultingbranche und der Koalitionsvertrag. Konjunkturspritze? In: Consulting.de. 2. Dezember 2021, abgerufen am 11. Januar 2022 (amerikanisches Englisch).
  9. a b https://www.capital.de/wirtschaft-politik/wehrressort-verschweigt-bundestag-heikle-beraterauftraege?article_onepage=true
  10. Charles Landry: The creative bureaucracy & its radical common sense. Bournes Green Near Stroud, UK 2017, ISBN 1-908777-08-7.
  11. Über Uns. In: The Creative Bureaucracy Festival. Abgerufen am 22. Dezember 2021 (deutsch).
  12. „Wenn man verstehen will, wie Politik funktioniert, muss man verstehen, wie Verwaltung funktioniert.“ In: Merton Magazin. Online-Magazin des Stifterverbandes. Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft, 8. Dezember 2020, abgerufen am 22. Dezember 2021.
  13. Ulrike Bohnsack: Meldungen aus der UDE. Führungskräfte von morgen. NRW School of Governance stärkt Praxisbezug. In: Universität Duisburg-Essen. 18. Juni 2020, abgerufen am 12. Januar 2022.
  14. Vorstellung der PD Vorstellung. (PDF) In: pd-g.de. 12. Mai 2021, abgerufen am 21. Mai 2021.
  15. Die Mitglieder des Aufsichtsrates der PD. In: pd-g.de. Abgerufen am 21. Mai 2021.
  16. Die Mitglieder des Beirats der PD. In: pd-g.de. Abgerufen am 21. Mai 2021.
  17. Kai Schlieter: Satzungsgemäßes Schmarotzertum. taz.de vom 1. Februar 2012, abgerufen am 1. Februar 2012.
  18. a b Sven Becker: Ärger um Privatisierung: Die fragwürdigen Berater des Bundes. In: spiegel.de. 6. April 2015, abgerufen am 11. Januar 2020.
  19. a b Jan C. Wehmeyer: Bund, Länder und Kommunen bauen Staats-McKinsey mit fast 1000 Mitarbeitern auf. Die private Konkurrenz warnt vor Wettbewerbsverzerrung. In: Business Insider. 11. April 2021, abgerufen am 14. Juli 2021.
  20. Lars Petersen: Interner Bericht. McKinsey-Berater bekamen lukrative Sonderbehandlung im Innenministerium. In: Business Insider. 10. Mai 2021, abgerufen am 14. Juli 2021.
  21. Die Hidden Champions 2022/23. In: Hidden Champions of Consulting. WGMB Wissenschaftliche Gesellschaft für Management und Beratung mbH, abgerufen am 16. Dezember 2021 (deutsch).