Edgar Berger

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Edgar Berger (2014)

Edgar Berger (* 19. Oktober 1966 in Wolfsburg) ist ein deutscher Musikmanager und Journalist. Seit 2011 verantwortet er als Chairman & CEO International von Sony Music Entertainment die Geschäfte außerhalb der Vereinigten Staaten.[1] Zuvor hat Berger für Bertelsmann, RTL und Roland Berger Strategy Consultants gearbeitet.[2] Er war Vorstand des Bundesverbands Musikindustrie.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Edgar Berger studierte Maschinenbau, Wirtschaftswissenschaften und Philosophie in Braunschweig, Paris und Berlin. Er beendete sein Studium mit einem Diplom in Maschinenbau und nahm eine Tätigkeit als Berater bei Roland Berger Strategy Consultants auf.[3] 1994 wechselte er zu IA Fernsehen und später zu RTL Television[4], wo er zunächst für die RTL II-Sendung Die Redaktion arbeitete.[5] Von 1998 bis 2000 berichtete Berger als politischer Korrespondent für RTL aktuell aus Bonn und Berlin.[6] 2000 nahm er eine Tätigkeit bei Bertelsmann auf, zunächst als Direktor für das sogenannte Bertelsmann Content Network in Hamburg und New York sowie ab 2001 als dessen Chief Operating Officer.[7] Berger war damit unter Rolf Schmidt-Holtz für die Vernetzung verschiedener Konzernbereiche zuständig,[8] später auch für das weltweite Business Development.[9]

Im Juni 2005 gab Bertelsmann bekannt, Edgar Berger werde Chef der deutschen Niederlassung von Sony BMG. Die Joint Venture mit Sony wurde erst kurz zuvor ins Leben gerufen, Berger berief man zunächst als Mitglied der Geschäftsführung und ab Frühjahr 2006 als alleinigen Geschäftsführer.[10] Er wurde damit Nachfolger von Maarten Steinkamp.[11] Größere Aufmerksamkeit erhielt der Manager für seine Entscheidungen, neben Berlin den Standort von Sony BMG in München zu stärken und vermehrt auf deutsche Künstler zu setzen.[12][13] Man erwarb die verbleibenden Anteile an Four Music sowie die Rechte an TKKG.[14][15] Außerdem stieg Sony BMG in Deutschland unter der Leitung von Berger in das Geschäft mit Konzerten sowie dem elektronischen Vertrieb von Musik ein.[16] Ab 2006 war Berger Mitglied des Vorstands der deutschen Phonoverbände.[17]

Anfang 2009 übernahm Edgar Berger neben Deutschland auch die Geschäftsführung für Sony BMG in Österreich und der Schweiz.[18] 2011 wechselte er schließlich von München nach London, wo er von Doug Morris zum President & CEO International ernannt wurde.[19] Seitdem verantwortet er das weltweite Geschäft des Plattenlabels außerhalb der Vereinigten Staaten.[20] Später übernahm er auch die Position des Chairman of the Board, Beobachter nahmen Bezug auf die Nachfolge von Konzernchef Doug Morris.[21][22] Berger war Vorstand des Bundesverband Musikindustrie[23], bis heute ist er Vorstand des Kulturkreises der deutschen Wirtschaft.[24] Zudem ist Berger Mitglied des sogenannten Main Board der IFPI.[25]

Positionen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Berger sprach sich 2006 für den einen besseren Schutz von „geistigem Eigentum“ aus. Im Zuge dessen forderte er auch die Einschränkung des Rechts auf Privatkopien sowie ein Verbot „intelligenter Aufnahme-Programme“ im Internet. Kopien sollten nur noch vom eigenen Original und nicht mehr von Dritten hergestellt werden dürfen.[26]
  • Nachdem der Rapper Bushido bei Sony BMG unter Vertrag genommen wurde, unterstellten Beobachter dem Unternehmen eine Doppelmoral. Berger argumentierte im Jahr 2007, gewaltverherrlichende Titel seien auf früheren Platten erschienen, für die sein Label nicht verantwortlich wäre. Bushido sei ein populäres Jugendidol, mache einen Wandel durch. Sony BMG sei gegen Diffamierung und Gewalt und vereinbare mit allen Künstlern, den Jugendschutz zu achten.[27]
  • Im Jahr 2010 forderte Berger, Internet Service Provider stärker zum Schutz „geistigen Eigentums“ zu verpflichten. Bisher würden auch solche Kunden angenommen, die Urheberrechte verletzen. Die Unternehmen seien „so etwas wie die neue Post“, die auch nichts befördern dürfe, was offensichtlich illegal sei.[28]
  • 2012 sprach sich Berger erneut für schärfere Gesetze gegen „Raubkopien“ aus. Seine Forderung begründete er damit, dass 2011 etwa 3,6 Milliarden Stücke verkauft wurden, während 40 Milliarden Stücke illegal heruntergeladen worden seien. Es sei bislang nicht gelungen, die Musikindustrie in ein „digitales Geschäft“ zu transformieren. Berger begrüßte die Debatte um „kreative Leistung im digitalen Zeitalter“, die im Zuge des Gesetzentwurfs Stop Online Piracy Act entstand.[29]
  • Berger bezeichnete Deutschland als „digitales Entwicklungsland“, nachdem die GEMA die Bereitstellung von Musikvideos auf YouTube verhindert hatte. Er sprach sich dafür aus, Dienste wie zum Beispiel Spotify oder Vevo auch in Deutschland stärker zu fördern.[30] 2013 gestand Berger ein, dass die Musikindustrie entsprechende Angebote hätte schneller bereitstellen sollen. Den Rückgang des Markts um etwa die Hälfte seines Volumens hätten die großen Anbieter auch selbst zu verantworten.[31] Nachdem die Verkaufszahlen wieder anstiegen, urteilte er, der digitale Vertrieb sei keine Gefahr für Musik, sondern würde sie „retten“.[32]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Profil und Lebenslauf von MusikWoche
  • Website von Sony Music International

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Renzo Wellinger: Sony Music befördert Deutschland-Chef Edgar Berger. (Memento vom 11. August 2014 im Internet Archive) In: Musikmarkt. 9. August 2011, abgerufen am 1. Juli 2014.
  2. Wolfgang Spahr: Edgar Berger Named Sony Music's Head of International.. In: Billboard. 9. August 2011, abgerufen am 1. Juli 2014 (englisch).
  3. Edgar Berger. (Memento vom 26. Juli 2014 im Internet Archive) In: Internationaler Medienkongress 2013, abgerufen am 1. Juli 2014.
  4. Edgar Berger. In: mediabiz, abgerufen am 1. Juli 2014
  5. IA-Abgaenge. In: Der Tagesspiegel, 23. November 1995.
  6. Edgar Berger. In: mediabiz, abgerufen am 1. Juli 2014.
  7. Kommissarischer COO für Bertelsmann Content Network. (Memento des Originals vom 11. Oktober 2014 im Internet Archive) i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.horizont.at In: Horizont Online. 9. Januar 2001, abgerufen am 1. Juli 2014.
  8. Bertelsmann Content Network positioniert sich als Ideenschmiede. In: Horizont. 17. Mai 2001, abgerufen am 1. Juli 2014.
  9. Sony Music-Chef Berger steigt auf. In: N24. 9. August 2011, abgerufen am 1. Juli 2014.
  10. Edgar Berger wird neuer Deutschland-Chef von Sony BMG. In: Handelsblatt. 2. Juni 2005, abgerufen am 1. Juli 2014.
  11. Neuer Deutschland-Chef für Sony BMG. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 4. Juni 2005, S. 16.
  12. Sony Music baut auf München. In: Der Tagesspiegel, 19. Oktober 2005, S. 24.
  13. Neue Struktur in Berlin. In: Berliner Morgenpost, 21. November 2005, S. 7.
  14. Tanja Kurz, Michael Beck: Sony BMG kauft Four Music. In: Stuttgarter Zeitung, 18. Juli 2006, S. 16.
  15. Arndt Ohler: Sony BMG weicht in Nebengeschäfte aus. In: Financial Times Deutschland, 21. September 2006, S. 5.
  16. Wir werden uns nicht länger auf den Verkauf von Musik beschränken. In: Die Welt, 19. September 2007, S. 14 (welt.de, abgerufen am 1. Juli 2014).
  17. Deutsche Phonoverbände stellen sich neu auf. In: news aktuell, 11. Dezember 2006.
  18. Sony Music. In: Financial Times Deutschland, 28. Januar 2009, S. 2.
  19. Edgar Berger Named President & CEO, International, Sony Music Entertainment. In: Bloomberg, 9. August 2011, abgerufen am 14. Oktober 2014.
  20. Musik vom Maschinenbauer. In: WirtschaftsWoche, 15. August 2011, S. 14.
  21. Sony Music installiert deutschen Kronprinzen. In: Financial Times Deutschland, 10. August 2011, S. 2.
  22. Kampf gegen die Wolken. In: Süddeutsche Zeitung, 11. August 2011, S. 16.
  23. Gorny übernimmt Vorstandsvorsitz. (Memento vom 3. Januar 2011 im Internet Archive) 5. Oktober 2007, 1. Juli 2014 (PDF, 30 KB).
  24. Kulturkreis der deutschen Wirtschaft: Vorstand (Memento vom 8. August 2014 im Internet Archive), abgerufen am 1. Juli 2014.
  25. Our Boards. IFPI, abgerufen am 14. Oktober 2014 (englisch).
  26. Hans-Jürgen Jacobs: Lieber wenig, aber richtig. In: Süddeutsche Zeitung. 10. Juli 2006, S. 15 (sueddeutsche.de, abgerufen am 1. Juli 2014).
  27. Bushido ist ein Idol. In: Der Spiegel, 25. Juni 2007, S. 93.
  28. Christina M. Berr und Hans-Jürgen Jakobs: TV-Show als Karrierehindernis. In: Süddeutsche Zeitung. 4. März 2010, abgerufen am 1. Juli 2014.
  29. Thomas Heuzeroth: Das Internet muss frei sein, nicht umsonst. In: Die Welt. 22. Februar 2012, abgerufen am 1. Juli 2014.
  30. Ole Reißmann, Konrad Lischka: Streit mit der Gema: Plattenbosse rebellieren gegen YouTube-Blockade. In: Spiegel Online. 16. Juni 2011, abgerufen am 1. Juli 2014.
  31. Klaus Boldt: Das Öl des digitalen Zeitalters. In: Manager Magazin. 19. April 2013, abgerufen am 1. Juli 2014.
  32. Eric Pfanner: Music Industry Sales Rise, and Digital Revenue Gets the Credit. In: The New York Times. 26. Februar 2013, abgerufen am 14. Juli 2014 (englisch).