Eisenbahnunfall von Meerbusch-Osterath

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Eisenbahnunfall von Meerbusch-Osterath
Streckennummer (DB):2610
Spurweite:1435 mm (Normalspur)
Höchstgeschwindigkeit:140 km/h
Zugsicherungssysteme:FV-DB, PZB 90
Strecke – geradeaus
nach Krefeld
Bahnhof, Station
43,2 Meerbusch-Osterath
Blockstelle, Awanst, Anst etc.
42,4 Esig A
   
42,0 Unfallstelle
Blockstelle, Awanst, Anst etc.
41,4 Evsig a
Blockstelle, Awanst, Anst etc.
39,5 Sbk 201
   
Weißenberg (Abzw)
Blockstelle, Awanst, Anst etc.
37,2 Bksig
Strecke – geradeaus
von Neuss
Bahnhof Meerbusch-Osterath mit Blickrichtung zur Unfallstelle (2007)

Der Eisenbahnunfall von Meerbusch-Osterath ereignete sich am 5. Dezember 2017. Dabei kam es zu einer Zugkollision, als der Rhein-Münsterland-Express RE 7 auf einen vor ihm fahrenden Güterzug auffuhr. Knapp 50 Personen wurden teilweise schwer verletzt.

Ausgangslage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Unfall ereignete sich auf der VzG-Strecke 2610 (Linksniederrheinische Strecke) der DB Netz, einer zweigleisigen elektrifizierten Hauptbahn, zwischen Neuss Hbf und Krefeld Hbf kurz vor Kilometer 42,0. Im Unfallbereich liegt die Strecke in einer Geraden. Hier ist eine Höchstgeschwindigkeit von 140 km/h zulässig. Das Betriebsverfahren ist Zugmeldebetrieb nach Fahrdienstvorschrift (FV-DB). Das Zugbeeinflussungssystem ist PZB 90.

Die beteiligten Stellwerke sind das elektromechanische Stellwerk der Bauform E43 Abzw Weißenberg und das Relaisstellwerk der Bauform SpDr L60 Meerbusch-Osterath Of (Osterath Fahrdienstleiter). Die Strecke zwischen beiden Betriebsstellen ist mit Streckenblock ausgerüstet. Das selbsttätige Blocksignal (Sbk) 201 liegt in der Zuständigkeit des Fahrdienstleiters Weißenberg. Der Abschnitt ist nicht für Gleiswechselbetrieb oder das Fahren auf dem Gegengleis mit Signal Zs 8 ausgerüstet.

Beteiligte Fahrzeuge[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Stelltisch der Blockstrecke vom Abzweig Weißenberg (Neuss) nach Meerbusch-Osterath, 1987

Der Güterzug GM 48714 (Dillingen–Rotterdam) fuhr am 5. Dezember 2017 in nördlicher Richtung auf Krefeld zu, als er vor dem Einfahrsignal A des Bahnhofs Meerbusch-Osterath in Kilometer 42,4 halten musste. Der Güterzug führte leere Schüttgutwagen (Falrrs).

Der nachfolgende Zug DPN 32547 (Rhein-Münsterland-Express RE 7 Rheine–Köln–Krefeld), bestand aus zwei 5-teiligen Triebzügen des Typs Talent 2 (Baureihe 9442/443) des Eisenbahnverkehrsunternehmens National Express. In dem Zug reisten 173 Fahrgäste.[1] Der Fahrdienstleiter ließ die Vorbeifahrt des Regional-Expresses als Zugfahrt mit besonderem Auftrag an dem „Halt“ zeigenden selbsttätigen Blocksignal (Sbk) 201 zu, das den Zugfolgeabschnitt sicherte, in dem der Güterzug stand.[2]

Unfallhergang[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Güterzug war gerade wieder angefahren[3][4], als um 19:27 Uhr der Personenzug auf ihn auffuhr. Drei Wagen des Güterzuges wurden schwer beschädigt, zwei seitlich in das angrenzende Feld geschleudert, und die Bremsleitung zum vorderen Zugteil riss. Der Zug kam kurz danach zum Stehen. Der erste Teil des Triebzuges knickte in der Längsachse, entgleiste und wurde schwer beschädigt. Dessen Führerstand blieb bei der Kollision relativ unversehrt.

Folgen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Unmittelbare Folgen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Knapp 50 Personen wurden bei dem Unfall verletzt, davon acht schwer.

Es wurde ein Alarm mit dem Stichwort Massenanfall von Verletzten ausgelöst. Die Rettung der Passagiere gestaltete sich schwierig, da bei dem Unfall die Oberleitung abgerissen wurde. Auch nach sofortigem Abschalten der Fahrleitung durften die Einsatzkräfte die Gleise nicht betreten, weil die Oberleitung noch nicht bahngeerdet war.[5] Die Strecke bleibt – allerdings auch wegen anderer, geplanter Bauarbeiten – bis zum 16. Dezember geschlossen. Der Triebwagen soll verschrottet werden.[6]

Unfalluntersuchung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Offensichtlich war, dass die Zugfahrt im betroffenen Abschnitt nicht hätte stattfinden dürfen,[7] was auch die Bundesstelle für Eisenbahnunfalluntersuchung (BEU) bekannt gab. Deren Untersuchung der Unfallursache hat mit der Sicherung von Fahrtenschreibern (EFR, PZB-Datenspeicherkassette), Aufzeichnungen vom Funkverkehr usw. begonnen.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Zugunfall in NRW – 173 Menschen betroffen. ZDF, 6. Dezember 2017
  2. Zugunglück in Meerbusch: Lokführer erhielt Fahrauftrag, General-Anzeiger Bonn, 7. Dezember 2017.
  3. Bild von der Unfallstelle (RP online)
  4. Trains collision, 05-12-17, Awst Weißenberg – Meerbusch-Osterath (Germany) European Railway Accident Information Links. Abgerufen am 7. Dezember 2017
  5. Zugunglück bei Neuss: Personenzug fuhr trotz Sperrung. Nordbayern.de, 5. Dezember 2017
  6. Jörg Löbker: Unfall-Zug von Meerbusch wird verschrottet. In: Bild vom 8. Dezember 2017; abgerufen am 10. Dezember 2017.
  7. Zugunglück nahe Neuss – Personenzug auf falschem Gleis ZDF, 6. Dezember 2017

Koordinaten: 51° 15′ 35″ N, 6° 37′ 59″ O