Energiewaffe

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Als Energiewaffen (engl. Directed-Energy Weapons oder DEW) bezeichnet man eine neue Generation von Waffensystemen, die mit gebündelter Energie militärische Ziele vertreiben, außer Funktion setzen, schädigen oder vernichten sollen.

Technik[Bearbeiten]

Die Energie dieser Waffen kann in unterschiedlichen Formen übertragen werden: durch elektromagnetische Strahlung (meist (Hochenergie)-Laser oder Maser, aber auch als Blendwaffe), durch Partikel, die Masse besitzen (Partikelstrom-Waffen), oder durch Schallwellen (Ultraschall-Waffen).

Zudem werden (Hochenergie-)Laser und Plasmakanonen, die als Weltraumwaffen eingesetzt werden, aber auch fokussierte Mikro- und Schallwellen zu den Energiewaffen gezählt.

Forschung und Entwicklung wurden bisher, soweit bekannt, hauptsächlich in den USA vorangetrieben, woher auch so gut wie alle bekannten Systeme stammen. Wesentlicher Impuls für diese Forschung war die 1983 von US-Präsident Ronald Reagan verkündete Strategic Defense Initiative. Ab 1993 wurde sie unter Präsident Bill Clinton auf die bodengestützte Abwehr von Interkontinentalraketen durch Anti-Raketen-Raketen reduziert und bis heute weitergeführt.

Energiewaffen werden neben dem militärischen Einsatz auch für den Bereich der nicht-tödlichen Waffen propagiert. Obwohl es Überschneidungen gibt, können die beiden Begriffe nicht einfach gleichgesetzt werden, da Directed Energy Weapons oft nur aufgrund einer bewusst kurzen Impulszeit oder reduzierter Strahlung eine nicht-tödliche Wirkung haben. Gezielt und von ihrer eigentlichen Einsatzdoktrin abweichend gegen Menschen oder Fahrzeuge eingesetzt, können sie zu Verletzungen oder zum Tod führen.

Hochenergie-Laser[Bearbeiten]

Bodengestützte Laser[Bearbeiten]

Stationäre Systeme[Bearbeiten]

Drei Laser der Starfire Optical Range strahlen in die gleiche Richtung.

Zu den Energiewaffen gehören bodengestützte Hochenergie-Laserwaffen. In solche Waffensysteme werden vor allem von den USA beträchtliche Summen investiert. Bekannt ist unter anderem das Starfire-Optical-Range-Observatorium des Directed Energy Directorate auf der Kirtland Air Force Base, New Mexico.[1]

Am 6. September 1985 wurde im Rahmen des LTH-l-Tests (Lethality and Target Hardening, etwa: Tödlichkeit und Zielhärtung) für die Strategic Defense Initiative Organization (SDIO) das High Energy Laser Systems Test Facility in Betrieb genommen. Es ist auf dem White-Sands-Raketentestgelände aufgebaut und beherbergt u. a. den Mid-Infrared Advanced Chemical Laser (MIRACL) auf Deuteriumfluorid-Basis. Mit einer Wellenlänge von 3,8 Mikrometer und Leistungen im Multi-Megawatt-Bereich war er zeitweise angeblich der stärkste in den USA betriebene Laser.[2] Gesteuert wird der MIRACL unter anderem mit dem für die US-Marine entwickelten SEALITE Beam Director. Dieser soll das Laserlicht präzise auf definierte Bereiche etwa eines fliegenden Ziels bündeln können. Das Pulsed Laser Vulnerability Test System in White Sands dient dazu, taktische US-Systeme auf deren Verwundbarkeit und Anfälligkeit durch gerichtete Energie zu untersuchen. Die Large Vacuum Chamber (LVC, 16,5 Meter Durchmesser) schließlich kann ein Vakuum herstellen, wie es in 100 Kilometern Höhe herrscht.

Mobile Systeme[Bearbeiten]

  • USA

Der Tactical High Energy Laser, kurz THEL (dt. Taktischer Hochenergie-Laser), war ein Projekt zur Entwicklung eines hochenergetischen Laser-Waffensystems, welches Komponenten der Laserstrahl-Technologie mit Sensorik und Ausrichtungstechnologie zu einem aktiven Verteidigungssystem gegen Beschuss durch Artilleriewaffen verbinden sollte. Die Entwicklung wurde nach zehn Jahren eingestellt. Die offizielle Begründung lautete, dass die Kosten zu hoch gewesen seien. Auch waren die Abschussquoten minimal und die Geräte zu groß und unbeweglich. Im März 2015 erprobte der amerikanische Rüstungskonzern Lockheed Martin das Advanced Test High Energy Asset (Athena), welches mehrere Einzellaser zu einem 30-kW-System bündelt. Dabei gelang es auf eine Entfernung von 1600 m den Motorblock eines aufgebockten Fahrzeugs zu zerstören. Nach Angaben von Lockheed Martin soll es sich um den leistungsstärksten Laser seiner Art handeln.

  • Deutschland

Im Jahr 2010 testeten sowohl MBDA Germany als auch Rheinmetall Defence unabhängig voneinander 10-kW-Laser-Systeme. Diese sollen zur Flugabwehr und als C-RAM-Systeme (= Counter Rocket, Artillery, Mortar) verwendet werden können. Das System von Rheinmetall konnte dabei erfolgreich gegen nicht-gehärtete Ziele - eine Drohne im Flug und ein Schlauchboot - testweise eingesetzt werden. Der Konzern gab an, dass ein 100-kW-System in drei bis fünf Jahren einsatzbereit sein könnte. Über die Art der eingesetzten Laser wurde nichts bekannt gegeben. Im November 2012 gab die Firma Rheinmetall an, erfolgreich ein 50-kW-System getestet zu haben. Dabei handelte es sich um ein Verbundsystem aus zwei – mit einem Feuerleitgerät verbundenen – Waffen: einer 30-kW-Laserwaffe und einer 20-kW-Laserwaffe, die per Beam Superimposing Technology (BST) zusammen geschaltet wurden. Technisch könnte somit auch eine 100-kW-Laserwaffe realisiert werden. Auf eine Entfernung von 1000 m soll bei dem Waffentest ein 15 mm starker Stahlträger zerteilt und eine Drohne aus zwei Kilometern Entfernung zerstört worden sein.[3] Im September 2012 gab die Firma MBDA an, dass „unter realen Umweltbedingungen das Tracking dynamischer Ziele sowie die Wirkung im Ziel auf eine Entfernung über 2300 m und einem Höhenunterschied von 1000 m erfolgreich gezeigt wurde.“[4]

Seegestützte Laser[Bearbeiten]

Im April 2013 kündigte die US Navy auf ihrer Homepage an, auf der USS Ponce - sie operiert in der Straße von Hormus - einen Prototyp einer Laserkanone zu installieren. Das System kann Patrouillenboote und Drohnen ausschalten und soll später auch angreifende Raketen und Kampfflugzeuge zerstören können.[5][6] Dies kann als Warnung an den Iran gesehen werden, der nach US-Angaben seine militärischen Aktivitäten in der Region in aggressiver Weise ausweitet.[7]

Seit dem November 2014 führt die US Navy mit dem durch das Office of Naval Research entwickelte LaWS (Laser Weapon System) Versuche und eine „operationelle Demonstration“ durch. Das LaWS wurde an Bord der USS Ponce (ASB(I) 15) installiert.[8][9] [10]

Der Abschuss einer derzeitig existierenden Boden-Luft-Waffe kostet pro „Schuss“ 400.000 US Dollar. Ein LaWS-„Schuss“ soll 59 US Cent kosten.

Weltraumgestützte Laser[Bearbeiten]

Grafik eines Airborne Laser (Boeing YAL-1 ABL) im Flug, wie er mit einem Megawatt-Laser eine hunderte Kilometer entfernte ballistische Rakete zerstört.

Auch weltraumgestützte Laser (Space Based Laser, SBL) befinden sich in der Entwicklung. Führend ist hier unter anderem der US-Rüstungs- und Luftfahrtkonzern Lockheed Martin[11]. Nach derzeitigem Stand ist ihre praktische Anwendbarkeit allerdings noch begrenzt. Das Hauptproblem ist die Bereitstellung der gewaltigen Mengen an Energie für einen wirksamen Einsatz. Aktuell werden chemische Laser für luft- und bodengestützte Systeme erprobt.

Luftgestützte Laser[Bearbeiten]

Die Entwicklung luftgestützter, aus Flugzeugen abgefeuerter Laser (Airborne Laser ABL), befindet sich in einem weit fortgeschrittenen Stadium; Hauptauftragsnehmer des US-Militärs auf diesem Feld ist der Konzern Northrop Grumman,[12] der auch für den MIRACL in White Sands verantwortlich zeichnet. Sie sollen einen der Stützpfeiler der Nationalen Raketenwehr der USA bilden. Auch für sie werden überwiegend vom Directed Energy Directorate[13] entwickelte Technologien verwendet.

Die ersten Experimente mit einem luftgestützten Hochenergie-Laser (High Energy Laser, HEL) wurden von der US-Luftwaffe zwischen 1975 und 1984 durchgeführt, wobei eine modifizierte Maschine vom Typ NKC-135A mit einem Kohlendioxid-Laser (Carbon Dioxide Gas Dynamic Laser, GDL) verwendet wurde. Trotz seiner technischen Begrenzungen soll das System des damaligen Airborne Laser Laboratory der USAF mehrere, üblicherweise sehr schnell fliegende AIM-9 Sidewinder und eine Drohne vom Typ BMQ-34A zerstört haben.[14]

Ende Oktober 2006 wurde angekündigt, dass 2007 eine Boeing 747, genannt Big Crow („Große Krähe“), mit einem Lasersystem zur Raketenabwehr ausgestattet werden soll (Boeing YAL-1). Die ersten Tests des Lasersystems unter Luftkampfbedingungen waren für 2008 geplant. Die Weiterführung des Projektes wurde unter Verteidigungsminister Gates gestoppt.

Weitere Beispiele[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Fotos eines Tests im Frühjahr 2006
  2. High Energy Laser Systems – Übersicht dazu auf der Website der White Sands Missile Range (Memento vom 29. Juni 2004 im Internet Archive)
  3. Florian Rötzer: Rheinmetall will 50 kW-Laserwaffe erfolgreich getestet haben. In: heise.de. 9. Januar 2013, abgerufen am 26. Februar 2015.
  4. MBDA Deutschland testet Hochenergie-Laserwaffensystem
  5. This story was written by Office of Naval Resear: Navy Leaders Announce Plans for Deploying Cost-Saving Laser Technology. In: navy.mil. 30. Juli 2012, abgerufen am 26. Februar 2015 (englisch).
  6. Neues Waffensystem: U.S. Navy will Laserkanone im Persischen Golf testen. In: Spiegel Online. 9. April 2013, abgerufen am 26. Februar 2015.
  7. New York Times
  8. Ein Artikel mit Photos und einem Video auf engadget (Englisch). Abgerufen am 5. März 2015.
  9. öffentliche Photos des LaWS Systems an Bord der USS Ponce im flickr Stream des Office of Naval Research (Englisch). Abgerufen am 5. März 2015.
  10. Artikel in den NAVY Times vom 11 Dezember 2014 (Englisch). Abgerufen am 5. März 2015.
  11. Space Based Laser [SBL.] In: fas.org. Abgerufen am 26. Februar 2015.
  12. Airborne Laser (Northrop Grumman)
  13. Offizielle Website des Directed Energy Directorate
  14. Infos auf Ausairpower.net
  15. Georg Schöfbänker: Computer-Netzwerk-Attacken und Mikrowellenkanonen. In: heise.de. 24. August 2001, abgerufen am 26. Februar 2015.
  16. Larry Altgilbers: Flux Compressor Contribution. In: pulsed-power.de. Archiviert vom Original am 5. Januar 2004, abgerufen am 26. Februar 2015.

Literatur[Bearbeiten]

  • Olaf Arndt: Demonen - Zur Mythologie der Inneren Sicherheit. Edition Nautilus, Hamburg 2005, ISBN 3-89401-468-7 (Rezension (PDF; 83 kB) von I. Küpeli)

Weblinks[Bearbeiten]