Eppenhain

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

50.1691666666678.3930555555556423Koordinaten: 50° 10′ 9″ N, 8° 23′ 35″ O

Eppenhain
Wappen von Eppenhain
Höhe: 423 m
Fläche: 3,71 km²
Einwohner: 1112 (1993)
Eingemeindung: 31. Dezember 1971
Eingemeindet nach: Rossert
Postleitzahl: 65779
Vorwahl: 06198

Eppenhain ist der kleinste Stadtteil der Stadt Kelkheim (Taunus) und mit 423 Meter der höchstgelegene Ort des Main-Taunus-Kreises im Land Hessen.

Geographische Lage[Bearbeiten]

Eppenhain, Ortskern und Fernmeldeturm

Eppenhain liegt im Hohen Taunus auf einem waldreichen Plateau rund vier Kilometer südlich des Taunushauptkamms. Der staatlich anerkannte Erholungsort ist verkehrlich nur über eine Zugangsstraße erreichbar, die auch dort endet. Daher hat Eppenhain keinen Durchgangsverkehr. Auf dem Atzelberg (507 Meter ü. NN) nördlich des Ortes befindet sich ein ungefähr 100 Meter hoher stillgelegter Fernmeldeturm. Unweit davon steht der nach einem Brand 2008 wieder errichtete Atzelbergturm, ein 31 Meter hoher Aussichtsturm.

Höchster Berg der Gemarkung ist der Rossert (516 Meter ü. NN), der Hausberg Eppenhains. Eppenhain liegt am Westhang des bewaldeten Bergrückens zwischen dem Atzelberg im Norden und dem Rossert im Süden. Der Ort ist in zwei Teile gegliedert, den alten Ortskern und ein vorwiegend zwischen 1950 und 1990 angelegtes Neubaugebiet. Beide Teile sind durch ein bewaldetes Gebiet getrennt und nur durch zwei Straßen miteinander verbunden.

Hangabwärts der Ortslage von Eppenhain öffnen sich Weiden und Streuobstwiesen bis in das Jossgrund genannte Tal zwischen Vockenhausen und Ehlhalten. Um Eppenhain steht ein umfassendes Angebot an gut beschilderten Wanderwegen zur Verfügung.

Geschichte[Bearbeiten]

Rathaus

Erstmals wurde Eppenhain etwa gegen Ende des 12. Jahrhunderts urkundlich erwähnt. Die bisherige angebliche urkundliche Ersterwähnung von 1285 beruht auf einer fehlerhaften Auskunft des Hessischen Hauptstaatsarchivs. Es war Teil des 24 Ortschaften umfassenden alten Kirchsprengels von Schloßborn. Vermutlich handelte es sich schon damals um ein Eisenerzabbaugebiet, als welches Eppenhain vom frühen Mittelalter bis zum 19. Jahrhundert auch bekannt gewesen war. Alte Stollen finden sich heute noch in der gesamten Gemarkung von Eppenhain. Ein Eingang in einen alten Stollen ist noch von der 1701 erbauten alten Fränkischen Hofreite möglich.

Bis ins 19. Jahrhundert hinein fristeten die Eppenhainer ein karges und entbehrungsreiches Leben. Eine Besserung stellte sich erst ein, als der ehemalige Eppenhainer Lehrer August Gasser (1834-1914), der von 1864 bis 1867 Direktor der örtlichen Schule war, 1895 als Pensionär in den Ort zurückkehrte und sich bald um eine Belebung der örtlichen Wirtschaft, insbesondere des Fremdenverkehrs, bemühte. Er engagierte sich für die Anerkennung Eppenhains als Luftkurort und lockte reiche Frankfurter Familien zur Sommerfrische in den Taunusort. Zudem setzte er sich für die Errichtung eines Landschulheims, dem Haus Tanneck in der Rossertstraße ein, das von dem damaligen Viktoria-Gymnasium, dem heutigen Bettina-Gymnasium in Frankfurt genutzt wurde. Gasser unterstützte mit seiner Aktivität auch den Aufbau eines örtlichen Hotelbetriebs, der als Fremdenpension Haus Montesita gegründet wurde. Aus ihm ging das heutige IB Hotel- und Tagungszentrum Georg-Leber-Haus hervor. Des Weiteren regte er auch den Betrieb eines Frei-Schwimmbads ein, welches in den 1920er Jahren errichtet wurde und bis in die 1950er im Betrieb war. Im Zuge der Belebung des Fremdenverkehrs in Eppenhain wurde auch 1913 der Luisenturm auf dem Atzelberg errichtet.

Am 31. Dezember 1971 fusionierte Eppenhain mit dem Nachbarort Ruppertshain zur Gemeinde Rossert, um der Eingemeindung durch die Stadt Kelkheim zu entgehen. Dieser Ort bestand allerdings nur bis 1977. Im Zuge der hessischen Gebietsreform wurde die Gemeinde Rossert zusammen mit Fischbach doch am 1. Januar 1977 nach Kelkheim eingemeindet, obwohl traditionell eine enge Bindung zum Nachbarort Eppstein bestand, wo sich die nächste Bahnstation befand.[1]

Wappen[Bearbeiten]

Am 28. Oktober 1968 wurde der Gemeinde Eppenhain ein Wappen mit folgender Blasonierung verliehen: In mit grünen Eichenblättern bestreutem silbernen Feld ein roter Schräglinksbalken, belegt mit zwei silbernen Leisten.[2]

Wirtschaft, Infrastruktur und Kultur[Bearbeiten]

Eppenhain ist durch die Buslinien 804 und 805 des RMV mit Königstein im Taunus, den übrigen Kelkheimer Stadtteilen, sowie mit Schloßborn, Eppstein und dem Main-Taunus-Zentrum verbunden.

Die einzigen Gewerbebetriebe in Eppenhain sind das IB Hotel- und Tagungszentrum Georg-Leber-Haus, ein Hotel und eine Zimmerei. Einkaufsmöglichkeiten und Gaststätten sind im Ort nicht mehr vorhanden.

Im Ort gibt es einen Kindergarten und die Rossert-Grundschule mit je einem Standort in Eppenhain und in Ruppertshain. Weiterhin befindet sich in Eppenhain ein Therapiezentrum des Suchthilfeverbundes Jugendberatung und Jugendhilfe e. V. aus Frankfurt. In dieser Einrichtung werden bis zu 30 drogen- und mehrfachabhängige Jugendliche zwischen 14 und 20 Jahren stationär behandelt.

In der Ortschaft besteht die Freiwillige Feuerwehr Eppenhain. Auf dem Atzelberg findet alljährlich das Atzelbergfest statt. Dort befindet sich auch das Sportgelände der Turn- und Sportgemeinde Rossert e. V.

An die Gefallenen beider Weltkriege erinnert die Friedenslinde. Auf einem Gedenkstein vor der Linde sind die Toten aus Eppenhain genannt.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Stillgelegter Fernmeldeturm auf dem Atzelberg
Kirche

Katholische Pfarrkirche St. Joseph[Bearbeiten]

Diese Kirche wurde an der Grenze des damaligen Ortes wurde 1907/1908 nach einem Entwurf des Wiesbadener Regierungsbaurates Richard Saran errichtet. Das verwendete Gestein stammt vorwiegend aus den Steinbrüchen rund um Eppenhain, allerdings wurden auch Basaltsteine aus dem Westerwald verbaut. Als Besonderheit weist die Kirche einen überdachten Torvorbau auf. Im Inneren befinden sich drei neugotische Altäre.

August-Gasser-Brunnen[Bearbeiten]

Vor dem alten Eppenhainer Rathaus hat die Stadt Kelkheim im Jahre 1993 in Erinnerung an August Gasser diesen als Laufbrunnen konzipierten Brunnen aus Sandstein errichten lassen. Der Brunnenpfeiler zeigt das Wappen der ehemaligen Gemeinde Eppenhain, die Front des achteckigen Brunnenbeckens den Schriftzug „August Gasser 1834–1914“.

Rathaus[Bearbeiten]

Das Rathaus wurde 1823/24 als Schulhaus mit einem Meßaltar für den katholischen Gottesdienst erbaut. Seit dem Kirchenbau 1908 wurde es allein als Schule genutzt. 1932 bis 1972 diente es als Rathaus. Seitdem wird es als Vereinshaus genutzt.

Atzelbergturm[Bearbeiten]

Der Atzelbergturm ist ein bekannter Aussichtsturm auf dem 507 Meter hohen Atzelberg. Durch seinen Standort auf einer Kammlinie des Vordertaunus bietet er einen freien Blick in alle Himmelsrichtungen. Der 1980 von der Stadt Kelkheim errichtete Turm brannte am Morgen des 5. August 2008 vermutlich durch Brandstiftung ab. 2012 wurde ein knapp 31 Meter hoher Aussichtsholzturm neu errichtet und im Oktober 2012 eröffnet.

Felsgruppe Rossert[Bearbeiten]

Die Felsgruppe auf dem Gipfel des Rosserts ist der höchste Punkt des 119 Hektar großen Naturschutzgebietes Rossert-Hainkopf-Dachsbau, das 1977 ausgewiesen wurde. Die Felsformation ist nach einer mittelalterlichen Sage das Teufelsschloss auf dem Rossert.

Literatur[Bearbeiten]

  • Franz Caspar Fischer: Eppenhain im Taunus, Beiträge zu seiner Geschichte. Frankfurt am Main 1985

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1.  Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27. 5. 1970 bis 31. 12. 1982. W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart und Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 370 und 371.
  2. Genehmigung eines Wappens durch den Hessischen Minister des Innern vom 28. Oktober 1968 (StAnz. S. 1696) Seite 4 der tif-Datei 3,66 MB

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Eppenhain – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien