Ermreuth

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Ermreuth
Koordinaten: 49° 38′ 25″ N, 11° 11′ 26″ O
Höhe: 369 m ü. NN
Einwohner: 918 (31. Dez. 2017)
Eingemeindung: 1. Januar 1972
Postleitzahl: 91077
Vorwahl: 09192
Oberes Schwabachtal; Blick von Kasberg aus auf Ermreuth und Rödlas

Ermreuth ist ein Dorf des Marktes Neunkirchen am Brand im Landkreis Forchheim. Der Ort liegt im oberen Schwabachtal, sechs Kilometer nordöstlich von Neunkirchen am Brand und vier Kilometer westlich von Gräfenberg.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Ort (früher Erporuit, Ermbreuth) wurde von Mitgliedern des Geschlechts von Egloffstein vermutlich im 11. Jahrhundert gegründet. Die erste urkundliche Erwähnung erfolgte im Jahr 1128. Von den Herren von Egloffstein ging die Hälfte von Ermreuth 1400 an Barbara Muffel, Gemahlin des Eschenauer Gutsherrn Niklas I., Muffel von Eschenau, die andere Hälfte 1422 an den Nürnberger Lorenz Pirkheimer und von diesem 1453 an seinen Schwager Peter von Watt über. 1464 erwarb Niklas III. von Muffel auch die zweite Hälfte von Ermreuth, das bis 1549 ganz im Besitz der Nürnberger Patrizierfamilie von Muffel war.

Nach schweren Verwüstungen im Ersten Markgrafenkrieg 1449 und wechselnden Besitzern wurde der Ort 1796 von Preußen okkupiert und für zwei Jahre von preußischen Truppen besetzt. 1800 verzichtete Preußen auf die Landeshoheit über Ermreuth. Sie ging am 1. Januar 1806 auf Bayern über.

Ermreuth war im Wesentlichen kleinlandwirtschaftlich strukturiert. Der Obstbau spielte eine bedeutende Rolle. Seit Beginn der 1950er Jahre konnten sich viele Landwirte von den Erträgen der kleinen Güter nicht mehr ernähren, sie suchten sich als Pendler Arbeit in den nahen Städten. Die Landwirtschaft wird überwiegend nur noch als Nebenerwerb betrieben.

Am 1. Januar 1972 verlor die Gemeinde ihre Selbstständigkeit und wurde in den Markt Neunkirchen am Brand eingegliedert.[1]

Im Gegensatz zu Neunkirchen ist Ermreuth mehrheitlich evangelisch. Ab etwa 1500 siedelten sich viele Juden in Ermreuth an, die vermutlich aus Nürnberg vertrieben worden waren. 1711 wurde ein jüdischer Friedhof angelegt. 1811 lebten 44 jüdische Familien im Ort. 1822 wurde eine neue Synagoge eingeweiht, eine der größten Dorfsynagogen Oberfrankens. Gegen 1840 bekannten sich 220 der etwa 600 Ermreuther Bürger zum jüdischen Glauben. Seit 1871 durften sie nach dem Gesetz zur Gleichberechtigung aktiv am Gemeindeleben teilnehmen und beteiligten sich beispielsweise an der Gründung der Freiwilligen Feuerwehr[2]. 1933 begann die Diskriminierung der jüdischen Mitbürger. In der Reichspogromnacht vom 9. auf 10. November 1938 wurden sie misshandelt, ihre Wohnungseinrichtungen und die Inneneinrichtung der Synagoge zerstört; am Friedhof wurden Grabsteine umgeworfen. 15 der 19 noch ansässigen Juden wurden 1939 deportiert und ermordet. Nur vier konnten rechtzeitig nach Amerika auswandern.

Das Schloss Ermreuth fand im Dritten Reich als NSDAP-Gauführerschule Verwendung. Anfang der 1980er diente es als Hauptquartier der Wehrsportgruppe Hoffmann.[3]

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Ermreuth wurde die ehemalige Synagoge als Veranstaltungsort restauriert. Sehenswert sind auch das Schloss und die Kirche.

Söhne und Töchter des Ortes[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Gerhard Philipp Wolff: Ermreuth. In: Jüdisches Leben in der Fränkischen Schweiz. Schriftenreihe des Fränkische Schweiz Vereins. Band 11. Erlangen/Jena 1997, S. 221–278.
  • Rajaa Nadler: Der jüdische Friedhof Ermreuth. In: Jüdisches Leben in der Fränkischen Schweiz. Schriftenreihe des Fränkische Schweiz Vereins. Band 11. Erlangen/Jena 1997, S. 279–296.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Ermreuth – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

http://www.ermreuth.de/ Informationen zum Ortsteil Ermreuth

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Wilhelm Volkert (Hrsg.): Handbuch der bayerischen Ämter, Gemeinden und Gerichte 1799–1980. C. H. Beck, München 1983, ISBN 3-406-09669-7, S. 462.
  2. Archivlink (Memento des Originals vom 12. März 2016 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.neunkirchen-am-brand.de
  3. Neonazis. Nicht nur Pinsel, in: Der Spiegel, Nr. 6/1980, S. 57–58.