Ermreuth

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Ermreuth
Koordinaten: 49° 38′ 25″ N, 11° 11′ 26″ O
Höhe: 369 m ü. NHN
Einwohner: 869 (31. Dez. 2019)[1]
Eingemeindung: 1. Januar 1972
Postleitzahl: 91077
Vorwahl: 09192
Oberes Schwabachtal; Blick von Kasberg aus auf Ermreuth und Rödlas

Ermreuth ist ein Pfarrdorf des Marktes Neunkirchen am Brand im Landkreis Forchheim. Der Ort liegt im oberen Schwabachtal, sechs Kilometer nordöstlich von Neunkirchen am Brand und vier Kilometer westlich von Gräfenberg.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Ort (früher Erporuit, Ermbreuth) wurde von Mitgliedern des Geschlechts von Egloffstein vermutlich im 11. Jahrhundert gegründet. Die erste urkundliche Erwähnung erfolgte im Jahr 1128. Von den Herren von Egloffstein ging die Hälfte von Ermreuth 1400 an Barbara Muffel, Gemahlin des Eschenauer Gutsherrn Niklas I., Muffel von Eschenau, die andere Hälfte 1422 an den Nürnberger Lorenz Pirckheimer und von diesem 1453 an seinen Schwager Peter von Watt über. 1464 erwarb Niklas III. von Muffel auch die zweite Hälfte von Ermreuth, das bis 1549 ganz im Besitz der Nürnberger Patrizierfamilie von Muffel war.

Nach schweren Verwüstungen im Ersten Markgrafenkrieg 1449 und wechselnden Besitzern wurde der Ort 1796 von Preußen okkupiert und zwei Jahre von preußischen Truppen besetzt. 1800 verzichtete Preußen auf die Landeshoheit über Ermreuth. Sie ging am 1. Januar 1806 auf Bayern über.

Ermreuth war im Wesentlichen kleinlandwirtschaftlich strukturiert. Der Obstbau spielte eine bedeutende Rolle. Seit Beginn der 1950er Jahre konnten sich viele Landwirte von den Erträgen der kleinen Güter nicht mehr ernähren, sie suchten sich als Pendler Arbeit in den nahen Städten. Die Landwirtschaft wird überwiegend nur noch als Nebenerwerb betrieben.

Am 1. Januar 1972 verlor die Gemeinde ihre Selbstständigkeit und wurde in den Markt Neunkirchen am Brand eingegliedert.[2] Sie bestand aus den Gemeindeteilen Ermreuth, Gleisenhof und Saarmühle und hatte eine Fläche von etwa 478 Hektar.[3]

Im Gegensatz zu Neunkirchen sind die Bewohner Ermreuths mehrheitlich evangelisch. Ab etwa 1500 siedelten sich viele Juden in Ermreuth an, die vermutlich aus Nürnberg vertrieben worden waren. 1711 wurde ein jüdischer Friedhof angelegt. 1811 lebten 44 jüdische Familien im Ort. 1822 wurde eine neue Synagoge eingeweiht, eine der größten Dorfsynagogen Oberfrankens. Gegen 1840 waren 220 der etwa 600 Ermreuther Bürger Juden. Seit 1871 durften sie nach dem Gesetz zur Gleichberechtigung aktiv am Gemeindeleben teilnehmen und beteiligten sich beispielsweise an der Gründung der Freiwilligen Feuerwehr[4]. 1933 begann die Diskriminierung der jüdischen Mitbürger. In der Reichspogromnacht vom 9. auf 10. November 1938 wurden sie misshandelt, ihre Wohnungseinrichtungen und die Inneneinrichtung der Synagoge zerstört; am Friedhof wurden Grabsteine umgeworfen. 15 der 19 noch ansässigen Juden wurden 1939 deportiert und ermordet. Nur vier konnten rechtzeitig nach Amerika auswandern.

Das Schloss Ermreuth fand im Dritten Reich als NSDAP-Gauführerschule Verwendung. Anfang der 1980er diente es als Hauptquartier der Wehrsportgruppe Hoffmann.[5] Deren Gründer Karl-Heinz Hoffmann hatte dort im Jahr 2020 nach wie vor seinen Wohnsitz.[6]

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Ermreuth wurde die ehemalige Synagoge als Veranstaltungsort restauriert. Sehenswert sind auch das Schloss und die Kirche.

Söhne und Töchter des Ortes[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Gerhard Philipp Wolff: Ermreuth. In: Jüdisches Leben in der Fränkischen Schweiz. Schriftenreihe des Fränkische Schweiz Vereins. Band 11. Erlangen/Jena 1997, S. 221–278.
  • Rajaa Nadler: Der jüdische Friedhof Ermreuth. In: Jüdisches Leben in der Fränkischen Schweiz. Schriftenreihe des Fränkische Schweiz Vereins. Band 11. Erlangen/Jena 1997, S. 279–296.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Ermreuth – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Einwohnerstatistik ab 2012. Marktgemeinde Neunkirchen am Brand, abgerufen am 12. Oktober 2020.
  2. Wilhelm Volkert (Hrsg.): Handbuch der bayerischen Ämter, Gemeinden und Gerichte 1799–1980. C. H. Beck, München 1983, ISBN 3-406-09669-7, S. 462.
  3. Bayerisches Statistisches Landesamt (Hrsg.): Amtliches Ortsverzeichnis für Bayern, Gebietsstand am 1. Oktober 1964 mit statistischen Angaben aus der Volkszählung 1961. Heft 260 der Beiträge zur Statistik Bayerns. München 1964, DNB 453660959, Abschnitt II, Sp. 673 (Digitalisat).
  4. Archivlink (Memento des Originals vom 12. März 2016 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.neunkirchen-am-brand.de
  5. Neonazis. Nicht nur Pinsel. In: Der Spiegel, Nr. 6/1980, S. 57–58.
  6. Hartnäckige Recherche – und viele Fragen. In: Nordbayerischer Kurier vom 26./27. September 2020, S. 6.