Pendler

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Dieser Artikel beschreibt Pendler als regelmäßig Reisende; man bezeichnet mit diesem Ausdruck gelegentlich auch Personen, die ein esoterisches Pendel bedienen.

Als Pendler werden Personen bezeichnet, die einen periodisch wiederkehrenden Wechsel zwischen Wohnort und Arbeits- bzw. Ausbildungsplatz vornehmen und dabei die Grenze ihrer Wohngemeinde überschreiten.

Unterschieden wird zwischen Pendlern, die täglich oder wöchentlich von Wohn- zum Arbeitsort pendeln und daher als Nah- oder Fernpendler gelten. Die Gesamtzahl der Arbeitspendler wird unterschieden in Ein- und Auspendler; bezogen auf den Ort haben Auspendler dabei ihren Arbeitsplatz nicht in ihrer Wohngemeinde. Der Pendlersaldo ist dabei die Differenz zwischen Ein- und Auspendlern. Wochenendpendler verbringen das arbeitsfreie Wochenende an ihrem Hauptwohnsitz, ihre Arbeitstage hingegen weitgehend am Ort ihres Arbeitsplatzes.
Das Verhältnis der Pendler zu den Erwerbstätigen einer Gemeinde wird als Pendlerquote bezeichnet.

Binnenpendler oder Innergemeindliche Pendler fahren innerhalb der Gemeinde. Außerhalb arbeitenden Pendlern (Pendler im allgemeinen Sinne) können auch als Wegpendler bezeichnet werden. Dieser Sprachgebrauch findet sich in den Statistiken zur Wirtschaft und den Untersuchungen der Verkehrsströme.

Der Begriff Pendler nimmt auf das Wort Pendel Bezug, da sich ein Pendler regelmäßig zwischen Wohnort und Arbeitsstätte hin- und herbewegt.

Berufspendler im Feierabendstau
Chinesische Landbewohner bilden für den Weg zur Arbeit nach Pingyao eine Fahrgemeinschaft

Pendler in verschiedenen Staaten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Deutschland

Die Zahl der Berufspendler legte laut dem Statistischen Bundesamt zwischen 2004 und 2012 um elf Prozent zu. Viele Pendler haben im Bezug zu den Einwohnern große Städte wie Düsseldorf, Frankfurt und Stuttgart, wenige hingegen Berlin, Hamburg, Leipzig und Dresden.

Österreich

In Österreich sind mehr als die Hälfte der arbeitstätigen Bevölkerung (2011: 53,8 %) Pendler, der Anteil ist tendenziell leicht steigend.[1][2]

Schweiz

In der Schweiz ist die Auspendlerquote langjährig stark steigend, von 1980 41 % über 1990 50 % zu 2000 58 %.[3]

Soziologie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Pendler sind eine Begleiterscheinung der zunehmenden Mobilität der Bevölkerung. Diese erlaubt es z. B., dass Stadtbewohner im städtischen Umland billigere Baugründe in Anspruch nehmen, was als Zersiedelung bezeichnet wird. Demgegenüber steht der Trend, dass neue Arbeitsstätten vermehrt in der Nähe von Ballungszentren entstehen – die wiederum Bewohner des ländlichen Raumes anziehen. Ein Sonderfall sind Pendler, die zwischen den Städten eines Ballungsraumes (wie z. B. Rhein-Ruhr) oder einer Metropolregion hin- und herfahren.

Studien des Soziologen Norbert F. Schneider zeigten auf, dass Pendler häufiger unter psychosomatischen Erkrankungen wie Kopf- und Rückenschmerzen leiden, seltener Sport treiben oder zu Vorsorgeuntersuchungen gehen und insgesamt unter Zeitdruck stehen. Diese Belastung wirkt sich umso stärker aus, umso mehr die Person die Entscheidung zum Pendeln als fremdbestimmt und nicht als eigene Entscheidung ansieht.[4]

Pendler: Verkehrsmittel und Verkehrswege[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

2004 gab es rund 30 Millionen Pendler (Binnen- sowie Ein- und Auspendler) in Deutschland, davon ca. 360.000 berufstätige „Wochenendpendler“ (Schüler, Studenten, Selbständige nicht mitgerechnet). 1,5 Millionen von ihnen legten mehr als 50 Kilometer Fahrstrecke zu ihrem Arbeitsplatz zurück und gelten deshalb als Fernpendler. Die Zahl der Berufspendler legte zwischen 2004 und 2012 um 11 % zu. Laut dem Statistischen Bundesamt nutzen „31 % der Berufspendler in Ballungszentren […] Bus und Bahn.“ Außerhalb der Zentren werden öffentliche Verkehrsmittel dagegen weniger genutzt.[5]

In Österreich weist die Statistik von 2011 für 2009 die Pendler geordnet nach den neun Bundesländern aus. Danach gab es bei 3.793.441 Erwerbstätige am Wohnort 981.085 Ein- und Auspendler, davon 479.219 Einpendler (12,7 %) und 500.866 (13,2 %) Auspendler.[6]

Das am häufigsten genutzte Fortbewegungsmittel der Pendler war 2012 in den deutschen Flächenländern der motorisierte Individualverkehr mit um 60 bis um 70 % und in den Stadtstaaten Berlin, Bremen und Hamburg mit um 35 bis 45 %. Berufspendler mit höheren Einkommen bevorzugen den Pkw. Das Statistische Bundesamt stellte 2000 fest: „Während 78% der Pendler mit über 6.000 DM monatlichem Nettoeinkommen mit dem eigenen Pkw zur Arbeit kamen, fuhren nur rund 52 % der Pendler mit einem Monatseinkommen zwischen 1.000 und 1.800 DM mit dem Pkw“.[7]

Das Statistische Bundesamt stellt für den Zeitraum 2005 bis 2012 weiterhin fest: „Wenig Veränderungen bei Entfernung, Zeit und Verkehrsmittelwahl“, wobei „gut 70 % der Erwerbstätigen in Deutschland weniger als 30 Minuten auf ihrem Weg zur Arbeit“ verbringen. Zudem: „Öffentliche Verkehrsmittel werden außerhalb der Städte und Ballungsräume kaum genutzt“. „Längere Pendlerstrecken begünstigen die Nutzung des Pkw“.[8]

Im Öffentlichen Personennahverkehr werden auch für Pendler ermäßigte Monats- und Jahreskarten angeboten. Ebenso werden von den Verkehrsbetrieben auf stark belasteten Strecken zusätzliche Fahrzeuge zu den Spitzenzeiten für den Weg zur Arbeit und nachmittags für den Weg nach Hause eingesetzt.

Manche Unternehmen organisieren für ihre weit verstreut wohnende Belegschaft ein firmeneigenes Pendlernetz, das sie entweder durch Werksbusse abdecken oder über Mitfahrzentralen Pendler zusammenführen wie z. B. die E.ON AG[9], BMW AG oder die Ford-Werke GmbH für ihre deutschen Standorte. Einzelne Unternehmen bieten auch Jobtickets für den öffentlichen Personennahverkehr statt Firmenparkplätzen an.

Pendler in Metropolregionen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Als Pendler gelten alle Personen, deren Arbeits- bzw. betrieblicher Ausbildungsplatz in einer anderen Gemeinde als der Wohnsitzgemeinde liegt. Je nach Richtung der Pendelwanderung wird zwischen Ein- und Auspendlern unterschieden. Einpendler sind danach alle sozialversicherungspflichtig Beschäftigten, die ihren Wohnort außerhalb der Stadt und ihren Arbeitsort in der Stadt haben.

Tabelle der Städte über 500.00 Einwohner im deutschsprachigen Raum in der Reihenfolge der Anzahl der Pendler: Einwohnerzahl von 2014; %-Zahlen in Bezug zu den Einwohnern. Bemerkenswert viele Einpendler haben im Bezug zu den Einwohnern die Städte Düsseldorf und Frankfurt, wenige hingegen Berlin, Wien, Leipzig, Dresden und Hamburg. Die Zahl der Auspendler ist bei den drei größten Städte Wien, Berlin und Hamburg sehr gering, sehr hoch jedoch bei Dortmund, Essen und Düsseldorf. Der Pendlersaldo der Pendlerbewegungen wirkt sich bei den drei Stadtstaaten Berlin, Hamburg und Bremen im Staatshaushalt negativ aus, da die Beschäftigten ihre Einkommenssteuer am Wohnort entrichten. Besonders stark wirkt sich das bei Bremen aus, mit einem Saldo von 83.640 Pendlern (= 15 % der Einwohner).

Stadt Einwohner Pendler  % Einpendler  % Auspendler  % Saldo  %
Berlin (2013)[10] 3.469.849 462.100 13 293.800 9 168.300 5 125.500 4
München (2011)[11] 1.429.584 460.495 32 325.204 23 135.291 9 189.913 13
Köln (2013)[12] 1.046.680 443.513 42 304.608 29 138.905 13 165.703 16
Hamburg (2012)[13] 1.762.791 423.349 24 321.000 18 102.349 6 218.651 12
Frankfurt a. M. (2013)[14] 717.624 413.102 57 336.050 47 77.052 11 258.998 36
Düsseldorf (2013)[15] 604.527 378.728 63 287.462 48 91.266 15 196.196 33
Wien (2011)[16] 1.794.770 326.284 18 246.922 14 79.362 4 167.560 9
Stuttgart (2014)[17] 604.297 306.698 51 228.562 38 78.136 13 150.426 25
Essen (2013)[18] 573.784 231.081 40 139.370 24 91 711 16 47 659 8
Dortmund (2013)[19] 580.511 218.549 38 130.582 23 87.967 16 42.615 7
Nürnberg (2007)[20] 501.072 191.000 38 140.000 28 51.000 10 89.000 18
Bremen (2013)[21] 551.767 168.360 31 126.000 23 42.360 8 83.640 15
Leipzig (2012)[22] 544.479 136.865 25 86.849 16 50.016 9 36.833 7
Dresden (2013)[23] 536.308 134.466 25 86.064 16 48.402 9 37.662 7

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Wiktionary: pendeln – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
 Commons: Pendeln – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Statistik Austria: Statistiken → Bevölkerung → Pendlerinnen und Pendler (aktualisierte Inhalte, abgerufen 26. Januar 2015 im Stand der Registerzählung 2011).
  2. Statistik Austria: Mehr als 500.000 Erwerbstätige verlassen zur Arbeit ihr Wohnbundesland, Pressemitteilung 10.124-270/11, Wien 6. Dezember 2011.
  3. Martin Schuler, Dominique Joye: Typologie der Gemeinden der Schweiz, S. 7 (pdf, s.o.).
  4. Tatjana Kimmel-Fichtner: „Pendler leiden an psychosomatischen Erkrankungen“: Warum dauerhaftes Reisen zwischen Arbeitsplatz und Wohnort belastend ist und wie Pendler entlastet würden, erklärt der Mobilitätsexperte Norbert F. Schneider im Interview. Zeit online, 26. November 2010, abgerufen am 6. Februar 2011.
  5. Statistisches Bundesamt zu Pendler
  6. Statistik Austria: Tabelle 1
  7. Statistisches Bundesamt in Statis: Zahl der Pendler legt um 11 % zu und Beim Pendeln große Unterschiede zwischen den Bundesländern. 6. Mai 2014
  8. dito
  9. Die E.ON Mitfahrplattform für Privat- und Dienstfahrten. E.ON Firmenmitfahrzentrale, 13. Juni 2011, abgerufen am 13. Juni 2011.
  10. Amt für Statistik Berlin-Brandenburg: Pressemitteilung Nr. 93 vom 3. April 2014.
  11. Statistisches Amt der Landeshauptstadt München: Pendlerverflechtungen der Stadt München in: Münchner Statistik, 4. Quartalsheft, Jahrgang 2012.
  12. NRW: Pendler in NRW
  13. Weltwirtschaftsinstitut (HWWI): Pendlerstudie
  14. IHK: Mobile Arbeitnehmer
  15. wie Köln
  16. Statistik Austria: Tabelle 1
  17. Bürgerservice Stuttgart: Berufspendler
  18. wie Köln
  19. wie Köln
  20. Der Nürnberger Arbeitsmarkt, nürnberg.de
  21. Zahl der Pendler steigt. Aus einer Studie der Arbeitnehmerkammer Bremen, Weser-Kurier vom 6. Oktober 2014
  22. Stadt Leipzig: Statistischer Quartalsbericht II/2013: Berufspendler 2012
  23. Pendler in Dresden, dresden.de (Memento vom 18. April 2015 im Internet Archive)