Ernst Paul Dörfler

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Ernst Paul Dörfler

Ernst Paul Dörfler (* 15. Mai 1950 in Kemberg) ist ein deutscher Autor und Umweltschützer und war Mitbegründer der Grünen Partei in der DDR.

Werdegang[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ernst Paul Dörfler wuchs in Meuro bei Bad Schmiedeberg auf und absolvierte in Pretzsch an der Elbe das Abitur. Er studierte 1968 bis 1973 Chemie an der Technischen Hochschule „Otto von Guericke“ in Magdeburg, war danach vier Jahre in Forschung und Lehre tätig und promovierte zum Dr. rer. nat. Nach einer Saison als Rettungsschwimmer an der Ostseeküste im Jahr 1977 arbeitete er als Operativtechnologe für Mikroelektronik im Werk für Fernsehelektronik in Berlin-Oberschöneweide. Von 1978 bis 1982 war er Ökochemiker am Institut für Wasserwirtschaft Berlin und Magdeburg beschäftigt.[1] 1979 unterbrach er seine Berufstätigkeit für ein Babyjahr mit seiner Tochter Anne. 1983 verließ er seine Stelle am Institut, um sich als freier Schriftsteller verschiedenen Umweltthemen umfänglich zu widmen. Hatte er bereits zuvor an mehreren Studien zur ökologischen Situation in der DDR (darunter an der Nitrat- und der Pestizidstudie) mitgearbeitet, die vor 1989 unveröffentlicht bleiben mussten[2], so schrieb der auf einem Bauernhof aufgewachsene Dörfler in seinem international Aufsehen erregenden und mehrfach aufgelegten Bestseller "Zurück zur Natur?[3] " über die Zusammenhänge zwischen Natur und menschlichen Aktivitäten in Wald, Acker und Wasser und auch über die Grenzen des Wachstums und die Notwendigkeiten von Technikfolgenabschätzung unter Bedingungen von Komplexität.

So problematisiert er 1986 in "Zurück zur Natur?[3]" nach einer historischen Einordnung des Ackerbaus z. B. die Schwierigkeiten bei den neuartigen Belastungen durch den Einsatz von Düngemitteln. Demzufolge spiegelt sich im Mineraldüngereinsatz ein ökologisches Gesetz von Eilhard Alfred Mitscherlich vom abnehmenden Ertragszuwachs durch den Düngereinsatz bei landwirtschaftlichen Kulturpflanzen wider, da für den dreifachen Anstieg der Ernte von 1910 bis in die 1980er der Aufwand „im gleichen Zeitraum um das Fünf- bis Zehnfache erhöht“ werden musste. Diese Vermutung wurde 2009 im Science Journal[4] bestätigt. Das Lachgas ist dabei schädlicher als FCKW und wirkt sich auch auf den Klimawandel aus[5] und hat auch im Kraftstoffvergleich eine schlechte Bilanz[6]. Dörfler zitiert im Jahr 1986 einen Grenzwert von 45 mg/l als Grenzwert der Weltgesundheitsorganisation. In einer Studie des Umweltbundesamtes aus dem Jahr 2017 zu den Kosten des Trinkwassers durch Überdüngung wird ein Zielwert von 37,5 mg Nitrat pro Liter Trinkwasser und auch die Kosten für das Minimierungsgebot aus §6 der Trinkwasserverordnung für Zielwerte von 25 bzw. 10 mg Nitrat pro Liter berechnet.[7] Als einer der ersten ostdeutschen Natur- und Umweltschützer hielt Ernst Paul Dörfler unzählige Vorträge über Umweltprobleme und wurde deshalb vom Ministerium für Staatssicherheit der DDR mit Abhöranlagen auch im Privatleben überwacht.[8] Das Werk „Zurück zur Natur?“ (1986)[3] - von den öffentlichen DDR-Medien totgeschwiegen - wurde zu einem Kultbuch der ostdeutschen Umweltbewegung[2].

Im November 1989 waren er und seine Frau Marianne Dörfler Mitbegründer der Grünen Partei und bis März 1990 Vertreter der Grünen am Zentralen Runden Tisch (er und seine Frau abwechselnd). Er war Gründungsmitglied der Stiftung Umwelt und Naturschutz und von April bis Oktober 1990 als Abgeordneter der Fraktionsgemeinschaft von Grünen und Bündnis 90 in der Volkskammer Vorsitzender des Ausschusses für Umwelt, Naturschutz, Energie und Reaktorsicherheit. Bis Dezember 1990 war er Abgeordneter des Bundestages. Gemeinsam mit Prof. Arnim Bechmann vom Zukunftstinstitut Barsinghausen/Hannover arbeitete er 1991 eine Studie zu Arbeitsplatzeffekten bei der Umstellung auf Ökologischen Landbau am Beispiel der Länder Brandenburg und Sachsen-Anhalt aus. Ende der 1990er war für den German Marshall Fund zum Studienaufenthalt in den USA und bereiste Afrika und Asien.

Seit Beginn der 1990er Jahre setzt er sich gegen den geplanten Ausbau der Elbe zur Wasserstraße und für den Erhalt der naturnahen Flusslandschaft ein. Für dieses und das Engagement für den Erhalt der natürlichen Lebensgrundlagen wurde Ernst Paul Dörfler am 5. Oktober 2010 mit dem Euronatur-Preis 2010 ausgezeichnet[9].

Ernst Paul Dörfler lebt im UNESCO-Biosphärenreservat Mittelelbe in den bedrohten Rückzugsräumen von bestandsgefährdeten Arten wie Elbe-Biber[10], Fisch- und See-Adler[11][12], Kranich, Weiß- und Schwarzstorch[13] und Wolf[14][15] und beschreibt als Autor die komplexen Beziehungen zwischen Mensch, der bedrohten Artenvielfalt und den Lebensräumen der Natur. Mit Artensterben[16], Selbstversorgung[17], Wildtieren, Stauden, Laub und Kompost, aber auch mit den Themen seiner Bücher[18] wie den Vögeln[19][20], Insekten[21], den Flüssen[22] und Auen[23] ist er ein gefragter Referent und Naturführer der die Nähe zur Natur emotional verstehbar macht und damit einen Trend der natürlichen Wissensvermittlung durch Naturerleben früh gesetzt hat[23].

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Beiträge[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schriften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Zurück zur Natur? Mensch und Umwelt aus ökologischer Sicht. Mit Marianne Dörfler. Leipzig, Frankfurt (Main) 1986, ISBN 3-87144-935-0.
  • Zwischen Flucht und Anpassung. Tiere neben Menschen. Mit Marianne Dörfler. Akzent-Reihe Band 88, Leipzig 1989, ISBN 3-332-00309-7.
  • Neue Lebensräume. Mehr Artenvielfalt in Landschaft und Garten. Leipzig, Frankfurt (Main) 1990, ISBN 3-8171-1175-4.
  • Der Weiher. Berlin 1991, ISBN 3-358-01539-4.
  • Bedroht: Tiere und Pflanzen unserer Heimat. Leipzig 1995.
  • Ökologie und Hochwasserschutz, Herausgeber, Bonn 1998, Verlag Natur und Umwelt
  • Wunder der Elbe. Begegnungen mit einer lebendigen Flußlandschaft. 2000, ISBN 3-89812-025-2.
  • Die Liebe der Vögel. Vom ersten Lustgeträller bis zur Reise in den Süden. 2009, ISBN 978-3-89923-220-2.
  • Was Vögel futtern. Speisekarte und Tischsitten. 2010, ISBN 978-3-89923-263-9.
  • Biber auf Weltreise, Herausgeber, Magdeburg 2010, ISBN 978-3-942401-18-0
  • Liebeslust und Ehefrust der Vögel. 2013, ISBN 978-3-943444-19-3.
  • Reiseführer Biosphärenreservat Mittelelbe. Publicpress, 2014, ISBN 978-3-89920-832-0.
  • Die Elbe. Vom Elbsandsteingebirge bis nach Geesthacht. Trescher Verlag Berlin 2016, ISBN 978-3-89794-326-1

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Ernst Paul Dörfler – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Dr. Ernst Paul Dörfler: Publikationen. Abgerufen am 20. Mai 2018.
  2. a b Zeitzeugenbüro: Detailansicht. Abgerufen am 20. Mai 2018.
  3. a b c Dörfler, Ernst.: Zurück zur Natur? : Mensch u. Umwelt aus ökolog. Sicht. 1. Aufl. Urania-Verlag, Leipzig 1986, ISBN 3-332-00027-6.
  4. A. R. Ravishankara, John S. Daniel, Robert W. Portmann: Nitrous Oxide (N2O): The Dominant Ozone-Depleting Substance Emitted in the 21st Century. In: Science. 27. August 2009, ISSN 0036-8075, doi:10.1126/science.1176985, PMID 19713491 (sciencemag.org [abgerufen am 21. Mai 2018]).
  5. Bedrohte Ozonschicht: Lachgas ist größeres Problem als FCKW. In: Spiegel Online. 28. August 2009 (spiegel.de [abgerufen am 21. Mai 2018]).
  6. Klimatologie: Biotreibstoffe schaden der Ozonschicht. (spektrum.de [abgerufen am 21. Mai 2018]).
  7. Elke Örtl: Quantifizierung der landwirtschaftlich verursachten Kosten zur Sicherung der Trinkwasserbereitstellung. Umweltbundesamt, 24. Mai 2017 (umweltbundesamt.de [abgerufen am 21. Mai 2018]).
  8. Umweltschutz in der DDR: "Meine Überwachung war nahezu perfekt". In: ZEIT ONLINE. (zeit.de [abgerufen am 21. Mai 2018]).
  9. Landesamt für Umweltschutz Sachsen-Anhalt: Naturschutz im Land Sachsen-Anhalt. 47. Auflage. Band 1+2, 2010, ISSN 0940-6638.
  10. Pressemitteilung Nr.: 073/2018. Abgerufen am 21. Mai 2018.
  11. BauernZeitung - Deutscher Bauernverlag: Biosphärenreservat Mittelelbe - Sachsen-Anhalt - Agrarticker Ost - Bauernzeitung.de. Abgerufen am 21. Mai 2018.
  12. Henrik Klemm: Biosphärenreservat „Mittelelbe“: Alles klar bei den Adlern an der Elbe. In: Mitteldeutsche Zeitung. (mz-web.de [abgerufen am 21. Mai 2018]).
  13. juris GmbH: Landesrecht Sachsen-Anhalt NatSGmElbeV ST | Landesnorm Sachsen-Anhalt | Gesamtausgabe | Verordnung über die Festsetzung von Naturschutzgebieten und einem Landschaftsschutzgebiet von zentraler Bedeutung als Biosphärenreservat Mittlere Elbe in der Fassung der Bekanntmachungvom 1. Januar 1997 | gültig ab: 01.01.1997. Abgerufen am 21. Mai 2018.
  14. Antje Weber, Dr. Martin Trost: Wolfsmonitoring SachsenAnhalt. Bericht zum Monitoringjahr 2016/2017. Hrsg.: Landesamt für Umweltschutz SachsenAnhalt. Wolfskompentenzzentrum Iden. November 2017.
  15. Landesverwaltungsamt Sachsen-Anhalt: Wölfe in Sachsen-Anhalt. Informationen für Nutztierhalter.
  16. Der Nachhaltige Monat. Abgerufen am 21. Mai 2018 (deutsch).
  17. Überleben durch Selbstversorgung bei knapper Kasse. In: Stadtmagazin DATEs. 12. Mai 2015 (dates-md.de [abgerufen am 21. Mai 2018]).
  18. Silvia Bürkmann: Umfangreicher Reiseführer: Dessau-Roßlauer führt die gesamte Elbe entlang. In: Mitteldeutsche Zeitung. (mz-web.de [abgerufen am 21. Mai 2018]).
  19. Karina Blüthgen: Naturkunde mit Ernst Paul Dörfler: Vielstimmiges Vogelkonzert. In: Mitteldeutsche Zeitung. (mz-web.de [abgerufen am 21. Mai 2018]).
  20. "Liebeslust und Ehefrust der Vögel" - Eine Plauderei - nicht nur über Vögel mit Dr. Ernst Paul Dörfler Abschlussveranstaltung des 1 . Dresdener Tages der Stadtnatur | Dresden im Wandel. Abgerufen am 21. Mai 2018.
  21. Artensterben bei den Insekten. (otz.de [abgerufen am 21. Mai 2018]).
  22. Die Elbe - die deutsche Loire? In: Stadtmagazin DATEs. 11. August 2016 (dates-md.de [abgerufen am 21. Mai 2018]).
  23. a b Umweltaktivist Ernst Paul Dörfler - Ein Leben für den Naturschutz. In: Deutschlandfunk Kultur. (deutschlandfunkkultur.de [abgerufen am 21. Mai 2018]).
  24. BDV 2015. Abgerufen am 21. Mai 2018.