Pretzsch (Elbe)

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51.71611111111112.80777777777877Koordinaten: 51° 42′ 58″ N, 12° 48′ 28″ O

Pretzsch (Elbe)
Höhe: 77 m
Fläche: 20,92 km²
Einwohner: 1595 (31. Dez. 2007)
Bevölkerungsdichte: 76 Einwohner je km²
Eingemeindung: 1. Juli 2009
Postleitzahl: 06905
Vorwahl: 034926
Pretzsch von Südwesten

Pretzsch (Elbe) war bis zum 30. Juni 2009 eine selbständige Stadt und ist seit dem 1. Juli ein Ortsteil der Stadt Bad Schmiedeberg[1] im Landkreis Wittenberg in Sachsen-Anhalt.

Geografie[Bearbeiten]

Pretzsch (westlich von Annaburg) versank 2002 in den Elbfluten

Pretzsch liegt inmitten der Elbauen am westlichen Elbufer und am nordwestlichen Rand des Naturparkes Dübener Heide im Bundesland Sachsen-Anhalt. Naheliegende Städte sind Bad Schmiedeberg, Kemberg, Torgau und Lutherstadt Wittenberg. In größerer Umgebung liegen Jessen und Bad Düben.

Geschichte[Bearbeiten]

Elbschifferkirche in Priesitz mit metallener Hochwassersäule davor

Der Ort Pretzsch kann auf eine über 1000-jährige Geschichte zurückblicken. Pretzsch wurde erstmals am 21. Juli 981 in einer Urkunde von Otto II. erwähnt. Damals lag der Ort im Gau Nizizi in der Grafschaft Diemars und gelangte als Schenkung an das Kloster Memleben.[2] Der Beginn der ständigen Besiedlung des Pretzscher Ortsgebietes ist schriftlich aus der ausgehenden Zeit der Slawen belegt. Die slawischen Wallanlagen wurden durch Burgwarde abgelöst. Die Urkunde aus dem Jahr 981 weist auch für den Ort Pretzsch (Pretokine) eine solche Schutzburg zur Überwachung des Verwaltungsbezirkes und der Elbbeschiffung aus. Kurze Zeit später – im Jahr 1004 – erfolgt eine zweite nachweisliche Erwähnung des Ortes. Zu dieser Zeit wurde bereits eine beachtliche Anzahl an Burgwarden und Ortschaften in der Pretzscher Nachbarschaft aufgezählt, was die stark zunehmende Besiedlungstätigkeit im Rahmen der Christianisierung dieser Gegend unterstreicht. Mit der kurz darauf einsetzenden Kolonisierung kamen vor allem Siedler aus Flandern hierher, die viel Erfahrung im Entwässern der Sümpfe und Eindeichen der Flüsse mitbrachten, was die Urbanisierung der Gegend deutlich voran trieb. Zu dieser Zeit gab es auch erste Ansätze einer Unterteilung zwischen Bauern, die das Land bearbeiteten und so genannten Häuslern, die nur wenig Grund für die Bearbeitung besaßen und im eigenen Haus einem Handwerk nachgingen (Töpfer, Tuchmacher, Schmied). Mit den Siedlern aus Flandern gewann auch die Wasserkraft als Antrieb für Mühlen verschiedenster Art in den kommenden Jahrhunderten an Bedeutung. Ab dem 12. Jahrhundert gewann mit der beinahe abgeschlossenen Vertreibung der Slawen auch mehr und mehr die Kirche und das Christentum an Einfluss in der Pretzscher Gegend. Dies wurde auch deutlich in der Errichtung von Kirchenbauten in nahezu jeder Ortschaft. Mit der Schifferkapelle in Priesitz und der Kirche in Ogkeln stehen noch heute zwei der ältesten Zeugen dieser Besiedlungsphase aus dem frühen 13. Jahrhundert.

Schloss
Kirche und Stadtmühle
Badegasse und Kirche

Ebenfalls zu dieser Zeit begann die Herrschaft der Familie Löser in Pretzsch und weiteren 35 umliegenden Dörfern. Ihren Sitz legten die Lösers, von deren Familie viele sehr gebildet waren und einflussreiche Positionen bei Hofe innehatten, auf die Burg nach Pretzsch. Die Lösers wurden sehr bald in den Stand der Erbmarschalle erhoben, was natürlich auch den Umbau der bisherigen Burg an der Elbe in einen repräsentativen Bau erforderlich machte. Pretzsch war, unter dem Einfluss der mit Martin Luther eng befreundeten Familie Löser, eine der ersten Gegenden, die der Reformation folgten. Luther selbst traute den Erbmarschall auf der Residenz in Pretzsch und war hier nicht nur, um in der Kirche zu predigen, sondern auch gern gesehener Jagdgast des Hauses Löser. Freilich änderte sich am schweren Leben der Bauern nur wenig. Mit dem in den Umbaumaßnahmen wachsenden Schloss erforderte dessen Unterhalt auch Frondienste der einheimischen Bevölkerung.

Das Schloss gewann nicht nur als Residenz der Lösers an Bedeutung, sondern auch als Gerichtsgebäude in dessen Kellergewölben Straftäter oft gefoltert oder Gericht über sie gehalten wurde. In der Schlosschronik wird ein starker Anstieg der Verbrechen im 16. Jahrhundert dokumentiert. Verurteilte Straftäter wurden entweder gehängt oder enthauptet. Wer es sich leisten konnte, hatte die Möglichkeit sich in einer Art Vertrag von seiner Straftat frei zu kaufen. Bestandteil eines solchen Sühnevertrages war auch das Aufstellen eines Kreuzes an der Stelle des Verbrechens, meist eines Mordes. In Pretzsch gibt es im Schlosspark gleich drei solcher Sühnekreuze. Allerdings standen sie nicht immer alle an diesem Ort sondern wurden von außerhalb der Ortschaft teilweise ins Ortsgebiet versetzt. Wie überall im deutschen Einzugsgebiet waren Fachwerkbauten charakteristisch für das Ortschaftsbild des 16. Jahrhunderts. Ziegeleien und Zimmermänner erlebten einen regen Aufschwung in den wachsenden Ortschaften des Spätmittelalters. 1584 wütete die Pest auch in Pretzsch.

Pretzsch war 1615 bis 1630 von Hexenverfolgung betroffen. Mindestens vier Menschen gerieten in einen Hexenprozess, eine Frau wurde um 1615 verbrannt.[3]

Im Dreißigjährigen Krieg brach das Unheil auch über Pretzsch herein. Der Ort wurde fast völlig zerstört. Die Schweden wollten den Ort dem Erdboden gleichmachen. Eingemauerte Kanonenkugeln in der Schlossmauer künden noch heute davon. Von vor 1634 vorhandenen 146 Bauernhöfen existierten nach der Belagerung durch die Schweden noch ganze 12. Die umliegenden Orte hatten ähnliches Leid zu ertragen. Merschwitz wurde zum Beispiel völlig ausgelöscht. Zu alledem brach um 1637 infolge der Zustände erneut die Pest aus. Zum Ende des Krieges war die Familie Löser hoch verschuldet. Sie beschlossen das über ihre Verhältnisse stehende Schloss und die Gemarkung Pretzsch für 70.000 Reichstaler an den Marschall Wolf Christoph von Arnim zu verkaufen, der als Befreier des Ortes bei Mauken über die Elbe kam und die Schweden vertrieben hatte. Mit dem Verkauf endete die über 300jährige Regentschaft der Familie Löser über die Pretzscher Gegend. Sie zogen sich auf das zum Schloss Pretzsch gehörende Vorwerk Reinharz zurück und errichteten dort von dem Verkaufserlös einen zwar kleineren aber nicht weniger ansehnlichen Herrschaftssitz – das Wasserschloss Reinharz.

Kurioserweise wurde um 1651 dem Ort Pretzsch zum zweiten Male das Stadtrecht verliehen. Strittig unter Historikern ist die Rechtmäßigkeit dieses Vorgangs, denn der Ort hatte bereits 1206 die Stadtrechte erhalten. Dies ist in einer Meißner Urkunde schriftlich belegt. Der Ort kam unter dem Ritter Arnim wieder überraschend schnell zu einem kleinen Aufschwung und erholte sich zusehends von den Kriegsschäden. Kirche und Schloss waren bereits 1652 wieder hergerichtet. Zahlreiche Handwerker hatten bei den Aufbauarbeiten in der Umgebung ein erträgliches Einkommen. Nach dem Tod Arnims († 1668) wurde der Besitz unter seinen vier Söhnen aufgeteilt und später gegen vier Rittergüter eingetauscht. So gelangte Pretzsch in den Besitz der sächsischen Kurfürsten. Unter den sächsischen Kurfürsten, die das Schloss als Witwensitz nutzten, erlebte der Ort eine enorme Blütezeit und wuchs alsbald von der eigenen Amtswürde zu einer Residenzstadt heran. Bemerkenswert am Rande ist die in dieser Zeit um 1692 entstandene Glashütte in Körbin, in der hochwertiges Weißglas und Trinkgeschirr für den Dresdener und Warschauer Hof gefertigt wurde. Später entstanden unter Kammerrat Tschirnhaus hier die ersten Brennspiegel. Die Glashütte wurde 1707 wegen Holzmangel in der Pretzscher Umgebung nach Senftenberg verlegt. Schon die Beheizung des Schlosses verschlang Unmengen an Holz.

1693 wütete in Pretzsch ein schweres Feuer und vernichtete nahezu die Hälfte aller Häuser. Nachdem die erste Kurfürstenwitwe auf Schloss Pretzsch verstarb und in Freiberg bestattet wurde, bekam die Gemahlin August des Starken, Christiane Eberhardine von Brandenburg-Bayreuth, das Pretzscher Schloss zur Geburt des ersten gemeinsamen Kindes von ihrem Gatten auf Lebenszeit geschenkt. Die Beziehung der beiden wurde jedoch durch zwei kurz aufeinander folgende Ereignisse belastet. Zum einen wurde dem Kurfürsten fast zeitgleich zum Sohn auch ein Kind von einer seiner Mätressen geboren. 1697 dann trat August der Starke zum Katholizismus über, um auf diese Weise König von Polen werden zu können, als der er noch im selben Jahr in Krakau gekrönt wurde.

Unter dem sächsischen Landesbaumeister Pöppelmann, mit dem die Kurfürstin sehr gut befreundet war, entstanden in dieser Zeit auch die zahlreichen umfangreichen Nebengebäude des Schlossbezirkes, die so genannten Kavaliershäuser. Pöppelmann gestaltete auch die Kirche samt Turmaufsatz um und erneuerte die Werkstätten und Lagerhäuser in der Nachbarschaft des Schlosses, um ein in sich schlüssiges Ensemble zu erlangen. Selbst im Ort wurde der Landesbaumeister tätig und gestaltete das Gesicht der Stadt nachhaltig um. Da die Kurfürstin in protestantischen Ländern hohes Ansehen genoss, waren hier häufig hochrangige Gäste aus verschiedenen Ländern zu Besuch. Unter anderem fand 1721 auf dem Schloss die Hochzeit des Kronprinzen Christian von Dänemark statt. Pretzsch war zu dieser Zeit neben Dresden, Leipzig und Torgau einer der bedeutendsten Orte Sachsens. Die Kurfürstin ist auch wegen ihrer Unterstützung für das kleine Elbestädtchen heute noch sehr beliebt bei den Einwohnern von Pretzsch. Sollten beim Flachsmarkt Waren unverkauft geblieben sein, kaufte sie den Bestand auf und ließ es an bedürftige Einwohner verteilen. Ebenso beim Töpfermarkt, wo ihr tölpelhafter Hofnarr nach zeitgenössischen Berichten einmal im Jahr mit einem Ritt auf dem Pferd das unverkaufte Geschirr zertrampelte, was auch sehr lustig gewesen sein muss, denn der Hofnarr war ein Zwerg und hatte seine liebe Mühe sich auf dem Ross zu halten.

Diese Blütezeit hatte Anfang September 1727 ein jähes Ende, als die Kurfürstin schlagartig erkrankte. Zwar hielten sich auch 100 Jahre später noch Gerüchte, dass ein katholischer Pater die Kurfürstin mit einer Melone vergiftet haben soll, jedoch gilt heute als ziemlich sicher, das Christiane Eberhardine an einer zu spät erkannten Blinddarmentzündung verstarb. Nach ihrem Tod veranlasste August der Starke eine sechswöchige Staatstrauer, wobei täglich zur Mittagsstunde die Glocken im ganzen Land zu Ehren der verstorbenen Gemahlin geläutet werden sollten. Die Kurfürstin bestimmte die Pretzscher Kirche als ihre letzte Ruhestätte, wo sie auch heute noch in einer vergleichsweise schlichten Gruft gebettet liegt. Christiane Eberhardine wurde nur 55 Jahre alt. 1756 drohte Pretzsch mit dem Siebenjährigen Krieg neues Unheil. In der nördlichen Grenzregion der Kriegsparteien Sachsen und Preußen, fand hier 1759 ein entscheidendes Gefecht am Golmer Berg statt. Als Vergeltungsmaßnahmen waren hernach Plünderungen in Pretzsch und der Umgebung an der Tagesordnung. Das Schloss wurde zu einem Lazarett für den andauernden Krieg umgewandelt. Nach Kriegsende wurde 1764 das Amt Pretzsch samt Schloss und aller Vorwerke von den sächsischen Kurfürsten verpachtet, da Entschädigungszahlungen an Preußen keine Mittel für den Unterhalt des Schlosses und seiner Ämter ermöglichten. Der Schlosspark wurde in einen damals zeitgemäßen englischen Garten umgewandelt und das Schloss wurde Amts- und Wohnsitz des Oberforst- und Wildmeisters. Ende des 18. Jahrhunderts hielten rationellere Maßnahmen in Landwirtschaft und Handwerk Einzug. Durch schnellere Prozesse musste auch die Verarbeitung der Rohstoffe umorganisiert werden. So entstanden eine Vielzahl von Mühlen und neuer Handwerkszweige, z. B. Brauereien.

Es folgte die napoleonische Zeit, in der um 1806 nach der Schlacht bei Jena und Auerstädt sehr bald auch die ersten Franzosen in Pretzsch eintrafen, den Einwohnern mit Gewalt ihre Habseligkeiten nahmen und den Ort plünderten. Nachdem in der Schlacht bei Wartenburg die Franzosen wieder zurückgedrängt wurden, kam es auch in Pretzsch zu kleineren Kampfhandlungen. Kanonenkugeln aus der Zeit finden sich in der Mauer des Hauses in der Elbstraße 6. Durch den Wiener Kongress war Sachsen, das auf der Seite Napoleons gekämpft hatte, zu Reparationen an Preußen verurteilt worden. So kam Nordsachsen und damit auch Pretzsch 1815 nun endgültig an Preußen. Nach einem Besuch des preußischen Königs 1817 in Pretzsch wurde das Schloss Bestandteil des Großen Potsdamschen Militärwaisenhauses. Nach Umbauten am Schloss und der Trennung des Vorwerks Domäne vom Schloss-Amt kamen 1829 die ersten Mädchen nach Pretzsch. Die Kavaliershäuser wurden zu Lehrerwohnungen umgebaut. Bereits Ende 1829 waren etwa 220 Kinder im Pretzscher Waisenhaus untergebracht.

Ebenfalls zu Beginn des 19. Jahrhunderts wurden zwei Pretzscher Röhrwasseranlagen gelegt, die den Ort mit Frischwasser versorgten. 1871 wurde das Deutsche Reich gegründet und auch hieran hatten Pretzscher Einwohner Anteil. Denn im vorangegangenen Deutsch-Französischen Krieg, der mit der Niederlage Frankreichs endete, hatten auch Bürger dieser Stadt an Bismarcks Seite gekämpft und ihr Leben gelassen. Ein Denkmal auf dem Marktplatz erinnert noch heute daran. Die Friedenseiche auf dem Marktplatz erinnert ebenso an die Reichsgründung.

1890 wurde der Ort an das Eisenbahnnetz angebunden. Die Bahnstrecke führte zunächst von Wittenberg über Pretzsch nach Torgau. Später kam ein Abzweig nach Eilenburg hinzu, was dem Ort zu einiger wirtschaftlicher Bedeutung verhalf. Auch heute noch kann man dies an dem errichteten und inzwischen stillgelegten Bahnbetriebswerk erkennen. Zeitweise verkehrten auf dieser Strecke auch Verbindungen von Wittenberg nach Leipzig. In der Nähe des Bahnhofs entstand sehr bald ein lebhaftes Gewerbe, das die günstige Gleisanbindung zu nutzen wusste. Auf dem Schlossgelände entstand um 1900 eine Mädchenschule in der Kinder gehobener preußischer Familien auf ihre Zukunft vorbereitet wurden.

Kinder- und Jugendheim

Auch im Ersten Weltkrieg war das Schloss wieder als Lazarett genutzt worden. Nach dem Krieg wurde das Schloss erneut seiner Bestimmung als Waisenhaus zugeführt. Auch eine Orgel-Bauwerkstatt war hier untergebracht. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das Schloss erneut ein staatliches Kinderheim. Jetzt ist das Kinder- und Jugendheim „Adolf Reichwein“ Schloss Pretzsch in der Trägerschaft der Salus gGmbH.

Seit 1952 gehörte der Ort Pretzsch zum Bezirk Halle. Seit 1990 liegt die Stadt im Bundesland Sachsen-Anhalt.

Grenzpolizeischule Pretzsch[Bearbeiten]

Die „Grenzpolizeischule Pretzsch/Elbe“, die im Schloss von Pretzsch untergebracht war, diente 1937/38 als Schulungsort für die Eingliederung der SS-Grenz- und Wacheinheiten in die reguläre Grenzpolizei der Gestapo. Die SS-Grenz- und Wacheinheiten bestanden aus Mitgliedern der Hilfsgrenzangestellten (Higa) der SS bei der Zollverwaltung und aus der bayrischen SS-Grenzüberwachung (SSG).[4] In der „Grenzpolizeischule Pretzsch/Elbe“ sammelten sich im Mai/Juni 1941 die zu den Einsatzgruppen der Sicherheitspolizei und des SD abgeordneten Soldaten, wurden zu Einsatzgruppen und Einsatzkommandos geformt, und bereiteten sich auf ihren Einsatz im Osten vor. Die Teilnehmer des Lehrgangs stammten aus dem Reichssicherheitshauptamt (RSHA), insbesondere dem Sicherheitsdienst des Reichsführers SS (SD), der Ordnungspolizei und der Waffen-SS. Einige Teilnehmer waren auch im benachbarten Düben und Bad Schmiedeberg untergebracht. Bevor die Einsatzgruppen vor Beginn des Überfalls auf die Sowjetunion nach Osten ausrückten, hielt Reinhard Heydrich bei einem Abschlussappell in Pretzsch eine Ansprache über die Ziele und Inhalte des Einsatzauftrages.[5] Der Auftrag lautete, Funktionäre und die „jüdische Intelligenz“ der Sowjetunion zu ermorden. Im Laufe der ersten drei Monate des Krieges gegen die Sowjetunion eskalierte dann die Mordtätigkeit der Einsatzgruppen im Osten, so dass spätestens ab Anfang Oktober 1941 unterschiedslos jüdische Männer, Frauen, Kinder und Greise erschossen wurde. Auch versprengte Kriegsgefangene, „Zigeuner“, Psychiatriepatienten und Geiseln aus der Zivilbevölkerung gehörten zu den Opfern der Einsatzgruppen.[6] Im Sommer 1941 wurde die Grenzpolizeischule Pretzsch aufgelöst und samt Personal in die neue Sicherheitspolizeischule Drögen in Fürstenberg/Havel integriert.[4]

Politik[Bearbeiten]

Wappen von Pretzsch

Bürgermeister[Bearbeiten]

Der letzte Bürgermeister war seit 2007 der parteilose Harry Deike. Er erhielt bei der Wahl am 22. April 2007 100 Prozent der Stimmen. Sein Amtsvorgänger Karlheinz Horn hatte nicht mehr kandidiert. Mit der Eingemeindung nach Bad Schmiedeberg werden die Interessen von einem 5köpfigen Ortschaftsrat vertreten, denen der Ortsbürgermeister Harry Deike vorsteht. Die Verwaltung des Ortes erfolgt überwiegend von Bad Schmiedeberg aus.

Wappen[Bearbeiten]

Das Wappen wurde am 11. Mai 1995 durch das Regierungspräsidium Dessau genehmigt und im Landeshauptarchiv Magdeburg unter der Wappenrollennummer 33/1995 registriert.

Blasonierung: „In Silber auf blauem Dreiberg eine grüne Eiche mit vier Blättern und drei goldenen Eicheln.“

Die Bedeutung des Wappenbildes ist unbekannt; denn von den zahlreichen Besitzern des Schlosses Pretzsch führte keiner ein Wappenzeichen, das mit dem der Stadt Ähnlichkeit hatte.

Flagge[Bearbeiten]

Die Flagge ist Grün-Weiß längsgestreift.

Partnerschaften[Bearbeiten]

Pretzsch (Elbe) unterhält eine Partnerschaft mit dem hessischen Heuchelheim.

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

Verkehr[Bearbeiten]

Fähre Pretzsch
Bahnhof Pretzsch

In Pretzsch kreuzen sich die B 182 (Torgau – Wittenberg) und die Landesstraße 128 (Bad Schmiedeberg – Jessen). Zum Überqueren der Elbe in Richtung Mauken dient eine Gierseilfähre.

Im Öffentlichen Personennahverkehr gibt es Busverbindungen nach Lutherstadt Wittenberg und nach Bad Schmiedeberg. Der Schienenpersonennahverkehr auf der eingleisigen Bahnstrecke Pratau–Torgau und der hier abzweigende Strecke nach Bad Schmiedeberg wurde Ende 2014 abbestellt und daraufhin bereits Mitte Dezember eingestellt.[7]

Der Ort mit seinen Sehenswürdigkeiten liegt am Elberadweg, der zu den bekanntesten Routen des Radtourismus in Europa zählt.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Heimatmuseum

Regelmäßige Veranstaltungen[Bearbeiten]

Alljährlich im Februar findet ein mehrtägiger Karneval statt, dessen Höhepunkt ein großer Umzug mit Straßenkarneval am Sonntag vor dem Rosenmontag bildet.

Auch die Landesmeisterschaften der Diensthundeführer werden in Pretzsch regelmäßig durchgeführt.

Über 150 Jahre feierten die Stadt und ihre Einwohner am ersten Juniwochenende ihr traditionelles Heimatfest. Diese Tradition soll demnächst, nach mehrjähriger Pause, wiederbelebt werden.

Ebenfalls jeweils im Juni findet seit 2005 das Mitsubishi-Elbetreffen auf dem Sportplatz statt. Es gilt mit 350–400 Fahrzeugen als das größte Treffen der japanischen Automarke in Europa.

Am Tag der deutschen Einheit wird alljährlich der Elbepokal der Feuerwehren der näheren und auch ferneren Umgebung auf dem Gelände des Sportplatzes ausgetragen.

Ein kleiner Weihnachtsmarkt in der Adventszeit am Bürgerhaus beschließt das Veranstaltungsjahr des Ortes.

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Trivia[Bearbeiten]

Mitte Mai 2008 bildete der Bahnhof Pretzsch die Kulisse für den Kinofilm Ein russischer Sommer, der die letzten Lebenswochen des lungenkranken russischen Schriftstellers Leo Tolstoi (1828–1910) behandelt.[8]

Literatur[Bearbeiten]

  • Walter Dietrich: Pretzsch an der Elbe. Bilder im Wandel der Zeit. Geiger-Verlag, Horb am Neckar, 1993. ISBN 3-89264-786-0
  • Erhard Dubrau: Pretzsch / Elbe. Geschichte - Menschen - Bilder. Geiger-Verlag, Horb am Neckar, 2006. ISBN 3-86595-102-3

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Pretzsch (Elbe) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wikivoyage: Pretzsch – Reiseführer

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. StBA: Änderungen bei den Gemeinden Deutschlands siehe 2009, 2. Liste
  2. Schenkungsurkunde Otto II. 195. Kloster Memleben MGH Digitalisat
  3. Manfred Wilde: Die Zauberei- und Hexenprozesse in Kursachsen. Köln, Weimar, Wien 2003, S. 639.
  4. a b Jens Banach: Die Rolle der Schulen der Sicherheitspolizei und des SD. In: Florian von Buttlar (Hrsg.): Fürstenberg-Drögen: Schichten eines verlassenen Ortes. Edition Hentrich, Berlin 1994, ISBN 3-89468-116-0, S. 88–96.
  5. Christopher R. Browning und Jürgen Matthäus: The Origins of the Final Solution: The Evolution of Nazi Jewish Policy, September 1939-March 1942. University of Nebraska Press, Lincoln 2007, ISBN 0-8032-5979-4, S. 226–227.
  6. Johannes Hürter: Hitlers Heerführer: Die deutschen Oberbefehlshaber im Krieg gegen die Sowjetunion 1941/42. 2. Auflage. Oldenbourg, München 2007, ISBN 3-486-58341-7, S. 520–521.
  7.  Marcel Duclaud: Heidebahn am Freitag auf letzter Fahrt. In: Mitteldeutsche Zeitung. 17. Dezember 2014 (online, abgerufen am 20. Dezember 2014).
  8. Siehe Katrin Löwe, Tolstois letzte Station in Pretzsch. Tag mit Hollywood-Stars Helen Mirren und Christopher Plummer – Komparsen brauchen Geduld, in: Mitteldeutsche Zeitung, Halle vom 14. Mai 2008. Abgerufen am 31. Januar 2011.