Adil Yiğit

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
(Weitergeleitet von Ertugrul Yigit)
Zur Navigation springen Zur Suche springen

Ertuğrul „Adil“ Yiğit (geboren am 24. April 1958 in Malatya, Türkei) ist ein türkischer Journalist, der seit den frühen 1980er-Jahren in Hamburg lebt. Er gilt als entschiedener Kritiker autoritärer Regime, insbesondere des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdoğan.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Leben in und Flucht aus der Türkei[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ertuğrul Yiğit schloss sich in den späten 1970er-Jahren der Linken an. 1978 musste er mitansehen, wie zwei Nationalisten einem Freund von ihm in den Kopf schossen. Seine Aussage brachte die Mörder vor Gericht. Doch er lebte in Angst und entschloss sich, nach Istanbul zu ziehen, weil er sich dort sicherer fühlte. Er wurde Mitglied der militanten marxistischen Organisation Devrimci Sol, der Revolutionären Linken, und beteiligte sich an Hausbesetzungen. Er überlebte nur knapp einen Bombenanschlag der Grauen Wölfe und entschloss sich zur Flucht.

In Hamburg erlebte er 1983, wie sein Freund Kemal Altun nach Ablehnung des Asylantrages aus dem Fenster sprang. Daraufhin entschloss er sich, in Frankreich um Asyl anzusuchen, welches binnen sechs Tagen gewährt wurde. Nach der Heirat mit der Journalistin Anita Friedetzky zog er mit ihr nach Hamburg, weil sie dort mit dem Aufbau des taz-Büros beauftragt worden war.[1]

Familie und Soziales[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Anfang 1999 wurde Yiğit in Hamburg zu einer Gefängnisstrafe von zwei Jahren und acht Monaten verurteilt. Nach seiner Haftentlassung verwendete den Vornamen „Adil“, nicht mehr Ertuğrul. Er lebt getrennt von seiner mit den Töchtern in die Türkei zurückgezogenen zweiten Frau, die Deutsche ist, und ist auf Sozialleistungen angewiesen.[2]

Verhältnis zur Türkei[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit November 2017 droht Yiğit die Auslieferung in die Türkei, nachdem das Bezirksamt Hamburg-Mitte ihm mitgeteilt hat, seine Aufenthaltserlaubnis nicht zu verlängern.[2]

Arbeit als Journalist[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Yiğit arbeitet als freier Journalist für die Tageszeitung (taz), Die Zeit und mehrere türkische Oppositionsblätter. Außerdem betreibt er die türkischsprachige Internetplattform Avrupa Postası (Europa Post).[2]

Protest bei einer Pressekonferenz in Berlin[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bei der Pressekonferenz von Recep Erdoğan und Bundeskanzlerin Angela Merkel am 28. September 2018 in Berlin trat der Journalist mit einem T-Shirt auf, auf welchem in türkischer und deutscher Sprache „Pressefreiheit für Journalisten in der Türkei“ geschrieben stand. Er wurde von Sicherheitsleuten abgeführt[3][4], was als Kniefall vor dem türkischen „Diktator“ (Holger Douglas) kritisiert wurde.[5][6]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Ali Çelikkan: Ertuğrul „Adil“ Yiğit, nach 30 Jahren in Deutschland vor der Abschiebung, taz, 12. Januar 2018.
  2. a b c Hubert Gude: Hamburg will Erdogan-Kritiker in die Türkei abschieben, Der Spiegel, 10. Januar 2018.
  3. Journalist wird vor laufenden Kameras abgeführt, Hannoversche Allgemeine Zeitung, 28. September 2018.
  4. Sicherheitsbeamte führen Fotografen bei Erdogan-Pressekonferenz ab, FAZ, 28. September 2018.
  5. Markus Decker: Erdogan-Besuch: Deutschland gibt zu viel preis. In: Frankfurter Rundschau. 29. September 2018 (fr.de [abgerufen am 3. Oktober 2018]).
  6. Holger Douglas: Offenbarungseid von Journalisten. In: Tichys Einblick. 29. September 2018 (tichyseinblick.de [abgerufen am 3. Oktober 2018]).