Eva Mozes Kor

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Miriam und Eva Mozes (rechts) bei der Befreiung von Auschwitz am 27. Januar 1945
Eva Mozes Kor im Jahr 2011

Eva Mozes Kor (geborene Eva Mozes; * 31. Januar 1934 in Portz, heute: Porț, Gemeinde Marca, Kreis Sălaj, Rumänien) ist eine Überlebende des Holocaust und wurde zusammen mit ihrer Zwillingsschwester Miriam von Josef Mengele für Experimente in der Zwillingsforschung missbraucht.

Sie löste mehrfach kritische Reaktionen bei anderen Holocaust-Überlebenden aus, u.a. als sie am 50. Jahrestag der Befreiung von Auschwitz persönlich allen Nationalsozialisten ihre Taten vergab.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kor wurde 1944 mit ihren drei Schwestern und ihren Eltern nach Auschwitz deportiert. Die SS schickte ihre Eltern und die zwei älteren Schwestern in die Auschwitzer Gaskammern, die beiden Zwillinge wurden zu Mengele geschickt.

Sie und ihre Zwillingsschwester überlebten Mengeles grausame Zwillings-Experimente und kehrten nach dem Krieg nach Rumänien zurück. 1950 siedelten beide nach Israel über und traten später der israelischen Armee bei. Den Amerikaner Michael Kor, ebenfalls ein Überlebender der Konzentrationslager, heiratete Eva Mozes im Jahr 1960 und zog nach Terre Haute in Indiana, wo sie noch heute lebt.

Organisation CANDLES[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kor gründete die Children of Auschwitz-Nazi’s Deadly Lab Experiments Survivors (C.A.N.D.L.E.S.) und konnte bisher 122 Überlebende der Zwillingsexperimente ausfindig machen. Sie kämpft bis heute darum, die medizinischen Folgen und Hintergründe der Versuche in Erfahrung zu bringen – nur so können die Opfer hinreichend behandelt werden. Die Filmemacher Bob Hercules und Cheri Pugh begleiteten Kor über Jahre hinweg mit der Kamera, woraus der Film Forgiving Dr. Mengele entstand.

Haltung gegenüber NS-Tätern und Nachfahren[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eva Kor nahm in späteren Jahren eine zur Versöhnung aufgeschlossene Haltung ein. So zeigte sie beispielsweise die Bereitschaft, sich mit Rainer Höß zu treffen, dem Enkel des Auschwitz-Kommandanten Rudolf Höß. Hierfür wurde sie von anderen Juden stark kritisiert, da Rainer Höß im Jahr 2009 versucht hatte, aus Hinterlassenschaften seines Großvaters Profit zu schlagen indem er Yad Vashem diese zum Kauf anbot, statt sie unentgeltlich zur Verfügung zu stellen.[1] Im Jahr 2014 trat sie mit Rainer Höß auf mehreren Veranstaltungen gegen Rechtsextremismus auf.

Im Jahr 2015 wohnte Kor als Nebenklägerin dem Auschwitz-Prozess gegen Oskar Gröning bei. Gröning hatte – anders als die meisten Angeklagten in NS-Prozessen[2] – am ersten Verhandlungstag moralische Mitschuld eingestanden, zeigte Reue und bat um Vergebung. Eva Kor reichte dem Anklagten später die Hand, als Geste der Versöhnungsbereitschaft. Sie dankte ihm ausdrücklich, da er seine Aussage nicht verweigerte und den Holocaust nicht leugnete, sondern schilderte. Eine Haftstrafe für den 93-Jährigen hielt sie als Nebenklägerin für nicht anstrebenswert, ihr ginge es vielmehr um Aufklärung zu den Taten in Vernichtungslagern und um die Bekämpfung von Rechtsextremismus. Der Richter solle ihn dazu verurteilen, vor jungen Deutschen den organisierten Massenmord zu bezeugen.[3]

In einer Erklärung wurde sie von 49 Nebenklägern kritisiert: Sie habe die große Öffentlichkeit – die sie als Nebenklägerin im Hinblick auf 300.000 ermordete ungarische Juden erhielt – für eine persönliche Verzeihungsgeste genutzt, die ihrer Rolle als Nebenklägerin völlig widerspreche.

Kor erwiderte, es sei eine ungeplante Geste gewesen. Ihr Verhalten spreche den Täter nicht davon frei, Verantwortung für sein Handeln zu übernehmen. Der Presse begründete sie ihr versöhnliches Verhalten gegenüber NS-Tätern mit Eigennutz, sie habe den Tätern verziehen, „nicht weil sie es verdienen, sondern weil ich es verdiene“. Ein Opfer habe das Recht irgendwann frei zu sein, und man könne nicht frei sein von dem, was einem angetan wurde, wenn man diese „tägliche Last aus Schmerz und Wut“ nicht abschüttelt.[4] Éva Fahidi erklärte auf ähnliche Weise: Sie könne nicht im Namen aller Ermordeten verzeihen, unter denen 49 ihrer Familienangehörigen waren, jedoch wolle sie nicht weiter hassen.[5]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Eva Mozes Kor, Mary Wright: Echoes from Auschwitz. Dr. Mengele’s Twins. The Story of Eva & Miriam Mozes, Terre Haute 1995, ISBN 0964380757
  • Eva Mozes Kor und Lisa Rojany Buccieri: Ich habe den Todesengel überlebt : ein Mengele-Opfer erzählt, München : cbj 2012, ISBN 978-3-570-40109-5.
  • Eva Mozes Kor, Guido Eckert: Die Macht des Vergebens, Benevento 2016, ISBN 978-3710900112

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Eva Mozes Kor – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Die Geschäfte des Rainer Höß auf welt.de vom 5. Mai 2012
  2. Siehe auch: Die Verhandlungsbeobachterin Beate Klarsfeld bezeichnete seine Bitte um Vergebung als außergewöhnlich für einen NS-Prozess: Beate Klarsfeld über das Geständnis von Gröning auf wdr.de
  3. Verena Mayer: Warum eine Auschwitz-Überlebende den Tätern von einst vergibt. In: sueddeutsche.de. 3. Dezember 2016, abgerufen am 20. Juli 2017.
  4. Ein Opfer hat das Recht, frei zu sein, Artikel auf faz.net vom 24. April 2015
  5. Artikel auf focus.de