Evangelische Kirche (Mülheim an der Mosel)

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Kirche von Norden
Innenraum der Kirche

Die Evangelische Kirche in Mülheim an der Mosel ist eine barocke Saalkirche mit einem älteren romanischen Turm, die von 1669 bis 1675 erbaut wurde. Sie ist eine von drei Kirchen der heutigen Evangelischen Kirchengemeinde Mülheim an der Mosel. Die Kirche zählt zu den ältesten protestantischen Kirchenbauten der Region. Hauptsehenswürdigkeiten der Kirche sind die zwischen 1700 und 1740 entstandenen Tafelbilder an der Empore von Johann Georg Engisch und die Stumm-Orgel von 1890.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mülheim gehört zu den ältesten evangelischen Kirchengemeinden des Rheinlands und war ein Teil der Grafschaft Veldenz. Die Veldenzer Grafen förderten im 16. Jahrhundert die Reformation in ihren Territorien. Nach 1815 kamen die zugewanderten evangelischen Christen in den bis heute überwiegend katholisch geprägten Ortschaften der näheren Umgebung hinzu. Heute hat die lutherisch geprägte Kirchengemeinde Mülheim 1400 Gemeindeglieder, davon 450 in den katholischen Ortschaften.[1]

Orgel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Orgel und Empore mit Tafelbildern

Die Orgel wurde 1890 von der Sulzbacher Orgelbauerfamilie Stumm[2] als eine der letzten Orgeln aus der Werkstatt Gebrüder Friedrich und Karl Stumm in Rhaunen-Sulzbach gebaut. Bis auf die Prospektpfeifen, die im Ersten Weltkrieg abgeliefert werden mussten, ist die Orgel original erhalten. Die Orgel wurde zuletzt 1961 und 1995 durch Orgelbaumeister Heinrich Jud generalüberholt.[3]

Disposition[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

I Manual C–f3
01. Principal 8′
02. Salizional 8′
03. Viola da Gamba 8′
04. Gedackt 8′
05. Octave 4′
06. Flöte 4′
07. Mixtur III 2′
Pedalwerk C–c1
8. Subbass 16′ S
9. Violinbass 8′ S

Technische Daten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 9 Register
  • 2-facher mechanischer Kastenbalg (funktionsfähig)
  • elektrischer Windmotor (1955/1995)
  • Traktur:
    • vollmechanische Kegelladen
    • mechanische Registertraktur
  • 980 Pfeifen
  • Stimmung:
    • Höhe a1= 436 Hz und 74 mm/Ws
    • Bach-Kellner
Johann Georg Engisch, das Passahmahl

Die Tafelbilder[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auferweckung des Lazarus

An den Brüstungen der dreiflügligen Empore sind 26 Gemälde aus der biblischen Geschichte angeordnet. Anfang des 18. Jahrhunderts schuf der Birkenfelder Hofmaler Johann Georg Engisch aus Kirn mit einem Schüler die wertvollen Tafelbilder.

Bei den von Engisch selbst gemalten Bildern handelt es sich um Verkündigungsbilder, über denen jeweils ein Sinnspruch geschrieben steht. Sie weisen den Maler als profunden Kenner der Bibel und der Theologie Martin Luthers aus. Die Bilder sind so angeordnet, dass die alttestamentliche Heilsgeschichte spiegelbildlich auf die neutestamentliche bezogen ist. Beide Bilderreihen laufen von zwei Seiten auf das Pfingstbild an der Chorbrüstung zu.

Den Abschluss an der linken Seite bilden zwei neutestamentliche Bilder zu Lazarus und vier Bilder aus der Johannes-Offenbarung an der Südseite. Diese besitzen nicht die klaren Konturen der anderen Bilder und es dominieren Pastellfarben. Wahrscheinlich wurden die Bilder von einem namentlich nicht überlieferten Schüler Engischs gemalt. Stilistisch ähnlich sind die Bilder über dem Zensorengestühl links vom Altarraum und die Bilder, die sich früher vor den Bänken der Obrigkeit befanden und sich jetzt an der rechten Seite des Chors befinden. Sie beschreiben den Dienst der Gemeindeleitung und der Obrigkeit als Dienst „unter dem Wort“.[4]

Weitere Innenausstattung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Buntglasfenster Auferstehung Christi

An der Südseite der Kirche befindet sich ein Grabmal für Pfarrer Happel von 1680, der den Bau der Kirche leitete, und seine Frau Anna Apollonia.[5]

Ein Buntglasfenster an der Südseite zeigt das Motiv „Auferstehung Jesu Christi“. Es wurde 1929 von der Mülheimer Familie Conrad, die ihren einzigen Sohn im Ersten Weltkrieg verloren hatte, gestiftet.[6]

Glocken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Läuten: Eine halbe Stunde vor dem Gottesdienst mit der mittleren und der kleinen Glocke
Glockenplenum: Läuten vor dem Gottesdienst
Glockenturm bei Nacht

Die Kirche besitzt 3 Glocken, die alle beim Bochumer Verein gegossen wurden. Die große Friedensglocke von 1951, die Luther-Glocke und die Melanchton-Glocke von 1950.

Die große Friedensglocke trägt die Inschrift: Meine Schwester im Weltkrieg zum Opfer genommen, / bin ich durch Opfer wiedergekommen,/ eine Mutter liess neu mich erstehen,/ zu klagen euch, ihr Gefallenen Söhne und Brüder /Gott gebe euch uns ewig wieder.

Die mittlere Lutherglocke trägt folgende Inschrift: Die Luterglocke heiss ich,/ zu Gottes Ehre kling ich / zu seinem Worte ruf ich.

Die Inschrift der kleinen Melanchtonglocke lautet: Melanchtonglocke heiss ich / der Lutherglocke helf ich / zu Fried und Eintracht mahn ich.[7]

Nutzung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der Kirche findet nahezu jeden Sonn- und Feiertag ein Gottesdienst der lutherisch geprägten Evangelischen Kirchengemeinde Mülheim statt. Weitere Kirchen der Gemeinde stehen in Brauneberg und Andel (Evangelische Kirche (Andel)). Gottesdienste sind typischerweise um 10:30 Uhr, manchmal auch zu einer anderen Uhrzeit. Die Kirche ist im Rahmen des Projekts offene Kirche im Sommerhalbjahr Dienstags ab 11 Uhr geöffnet. Um 11 Uhr und um 17 Uhr ist an diesen Tagen oft Orgelmusik.[8] Seit 2011 ist die Kirchengemeinde Mülheim mit der Kirchengemeinde Veldenz pfarramtlich verbunden.[9]

Pfarrer der Evangelischen Kirchengemeinde zu Mülheim an der Mosel[10]
Name Amtszeit Anmerkung
unbekannt 1523–1553 Pfarrhaus in Brauneberg
Peter Dusemond 1538–1558 Pfarrhaus in Brauneberg
unbekannt 1559–1632 Pfarrhaus in Brauneberg
Konrad Tilmann Liernur (Lerner) 1633–1643 1637–1643 als Kriegsvertriebener in Litzig
Pfarrstelle kriegsbedingt vakant 1643–1649 Besetzung durch Kurtrier im Dreißigjährigen Krieg
Johann Konrad Happel 1649–1675
Johann Albert Liernur 1675–1676
Johann Peter Debus 1676–1703
Johann Nikolaus Faust 1703–1724
Johann Philipp Faust 1724–1730 Sohn seines Amtsvorgängers
Johann Jakob Herrmann 1730–1774
Friedrich Christian Herrmann 1774–1790 Sohn seines Amtsvorgängers
Johann Philipp Moritz Wittmann 1790–1797
Karl Heinrich Bartz 1806
Wilhelm Heinrich Theodor Ludovici 1806–1851
Karl Ludwig Eberhard Schultz 1851–1872
Gottlieb Wilhelm Spies 1872–1913
Johann Heinrich Otten 1913–1916
Karl Gerhard Wilhelm Büren 1917–1937
Heinrich Adolf Gerhard Kutscher 1937–1950
Dr. Wilhelm Johannes Lotz 1951–1955
Ernst Volk 1956–1992
Thomas Berke 1992–

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Hans Vogts: Die Kunstdenkmäler des Kreises Bernkastel (= Die Kunstdenkmäler der Rheinprovinz Band 15, 1). L. Schwann, Düsseldorf 1935, S. 264–269.
  • Anette Schommers, Reinhold Schommers: Saalkirchen der Hinteren Grafschaft Sponheim (Hunsrück) (= Rheinische Kunststätten Heft 342). Neusser Druckerei und Verlag, Neuss 1989, ISBN 3-88094-613-2.
  • Ernst Volk: Die Evangelische Kirche Mülheim/Mosel und ihre Tafelbilder. Schnell & Steiner, München u. a. 1993.
  • Thomas Berke: Gemaltes Evangelium – 300 Jahre Tafelbilder des Birkenfelder Hofmalers Johann Georg Engisch in der Ev. Kirche Mülheim an der Mosel. Evangelische Kirchengemeinde Mülheim an der Mosel, Mülheim an der Mosel 2014.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Evangelische Kirche (Mülheim an der Mosel) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Die Evangelische Kirche zu Mülheim (erbaut 1672). Abgerufen am 12. Dezember 2014 (Website des Evangelischen Kirchenkreises Trier).
  2. Die Evangelische Kirche zu Mülheim (erbaut 1672). Abgerufen am 12. Dezember 2014 (Website des Evangelischen Kirchenkreises Trier).
  3. Thomas Berke: Gemaltes Evangelium – 300 Jahre Tafelbilder des Birkenfelder Hofmalers Johann Georg Engisch in der Ev. Kirche Mülheim an der Mosel. Evangelische Kirchengemeinde Mülheim an der Mosel, Mülheim an der Mosel 2014, S. 47.
  4. Die Evangelische Kirche zu Mülheim (erbaut 1672). Abgerufen am 12. Dezember 2014 (Website des Evangelischen Kirchenkreises Trier).
  5. Geord Dehio: Handbuch der Deutschen Kunstdenkmäler Rheinland-Pfalz, Saarland. Deutscher Kunstverlag, München 1984, S. 697.
  6. Thomas Berke: Gemaltes Evangelium – 300 Jahre Tafelbilder des Birkenfelder Hofmalers Johann Georg Engisch in der Ev. Kirche Mülheim an der Mosel. Evangelische Kirchengemeinde Mülheim an der Mosel, Mülheim an der Mosel 2014, S. 42–44.
  7. Thomas Berke: Gemaltes Evangelium – 300 Jahre Tafelbilder des Birkenfelder Hofmalers Johann Georg Engisch in der Ev. Kirche Mülheim an der Mosel. Evangelische Kirchengemeinde Mülheim an der Mosel, Mülheim an der Mosel 2014, S. 47–48.
  8. Archivierte Kopie (Memento des Originals vom 18. Mai 2015 im Internet Archive) i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.bernkastel-kues.de Informationen der Verbandsgemeinde Bernkaster-Kues
  9. http://www.kirchenrecht-ekir.de/kabl/19333.pdf Mitteilung im Kirchlichen Amtsblatt der Evangelischen Kirche im Rheinland, 16. Mai 2011; S. 283
  10. Thomas Berke: Gemaltes Evangelium – 300 Jahre Tafelbilder des Birkenfelder Hofmalers Johann Georg Engisch in der Ev. Kirche Mülheim an der Mosel. Evangelische Kirchengemeinde Mülheim an der Mosel, Mülheim an der Mosel 2014, S. 49–51.

Koordinaten: 49° 54′ 43,8″ N, 7° 0′ 27″ O