Rhaunen

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Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Ortsgemeinde Rhaunen
Rhaunen
Deutschlandkarte, Position der Ortsgemeinde Rhaunen hervorgehoben
49.8647222222227.3430555555556318Koordinaten: 49° 52′ N, 7° 21′ O
Basisdaten
Bundesland: Rheinland-Pfalz
Landkreis: Birkenfeld
Verbandsgemeinde: Rhaunen
Höhe: 318 m ü. NHN
Fläche: 10,75 km²
Einwohner: 2118 (31. Dez. 2013)[1]
Bevölkerungsdichte: 197 Einwohner je km²
Postleitzahl: 55624
Vorwahl: 06544
Kfz-Kennzeichen: BIR
Gemeindeschlüssel: 07 1 34 069
Adresse der Verbandsverwaltung: Zum Idar 23
55624 Rhaunen
Webpräsenz: www.rhaunen.de
Ortsbürgermeister: Manfred Klingel (SPD)
Lage der Ortsgemeinde Rhaunen im Landkreis Birkenfeld
Horbruch Krummenau (Hunsrück) Weitersbach Gösenroth Schwerbach Oberkirn Hausen (Hunsrück) Rhaunen Stipshausen Hottenbach Hellertshausen Schauren Asbach Sulzbach (Hunsrück) Bollenbach Bundenbach Baumholder Frauenberg Reichenbach Heimbach Ruschberg Berglangenbach Fohren-Linden Berschweiler bei Baumholder Mettweiler Eckersweiler Rohrbach Rückweiler Hahnweiler Leitzweiler Sien Sienhachenbach Schmidthachenbach Oberreidenbach Mittelreidenbach Dickesbach Fischbach Bergen Berschweiler bei Kirn Hintertiefenbach Gerach Niederwörresbach Niederhosenbach Griebelschied Sonnschied Wickenrodt Herrstein Oberwörresbach Veitsrodt Herborn Mörschied Breitenthal Oberhosenbach Weiden Vollmersbach Kempfeld Kirschweiler Bruchweiler Allenbach Wirschweiler Langweiler (bei Idar-Oberstein) Idar-Oberstein Sensweiler Hettenrodt Mackenrodt Siesbach Leisel Schwollen Hattgenstein Oberhambach Rinzenberg Börfink Buhlenberg Abentheuer Brücken (bei Birkenfeld) Achtelsbach Meckenbach Ellweiler Dambach Gimbweiler Hoppstädten-Weiersbach Dienstweiler Nohen Birkenfeld (Nahe) Ellenberg Gollenberg Rimsberg Schmißberg Elchweiler Niederhambach Niederbrombach Kronweiler Sonnenberg-Winnenberg Oberbrombach Rötsweiler-Nockenthal Wilzenberg-Hußweiler Saarland Landkreis Trier-Saarburg Landkreis Bernkastel-Wittlich Rhein-Hunsrück-Kreis Landkreis Bad Kreuznach Landkreis KuselKarte
Über dieses Bild
Altes Rathaus im Dorfzentrum
Blick von Osten mit Altem Amtsgericht und Kirche
Der Rhaunelbach fließt innerhalb der Ortslage in einem Betonbett

Rhaunen ist eine Ortsgemeinde im Landkreis Birkenfeld in Rheinland-Pfalz. Sie ist der Verwaltungssitz der gleichnamigen Verbandsgemeinde, ein staatlich anerkannter Fremdenverkehrsort und gemäß Landesplanung als Grundzentrum ausgewiesen.[2]

Geographie[Bearbeiten]

Geographische Lage[Bearbeiten]

Rhaunen liegt am Idarwald im Hunsrück in einem weitläufigen, wasserreichen Talkessel. Dieser Talkessel trennt das Idarwaldmassiv vom Soonwaldmassiv. In der Ortslage von Rhaunen mündet der Lingenbach in den Rhaunelbach, dieser mündet wie der Näßbach, der Macherbach und der Büdenbach in den Idarbach.

Gemeindeteile[Bearbeiten]

Zu Rhaunen gehört auch die Siedlung Neuzenbrunnen sowie die Wohnplätze Hochwälderhof und Königstein.[3]

Geologie[Bearbeiten]

Das anstehende Gestein, der Hunsrückschiefer, entstammt der geologischen Formation des Devon. Der Talkessel in dem Rhaunen liegt wurde durch die vielen Bäche gebildet, die hier zusammenfließen und verschiedene Schwemmfächer mit sehr lehmigem Untergrund ausbildeten. Der Hunsrückschiefer steht daher in den Hanglagen direkt an, während in den Talauen der lehmige Boden zu finden ist. Sind die Hänge meist mit Mischwald besetzt, so findet man in den Tälern Weideland und auf den höhergelegenen Terrassen und Kuppen Ackerbau. Der Schiefer wurde in früherer Zeit intensiv als Baumaterial genutzt, so als Dacheindeckung und zum Mauerbau. Selbst die zahlreichen öffentlichen Gebäude in Rhaunen, die um die Jahrhundertwende errichtet wurden, haben unverputzte Mauern aus Schieferbruchsteinen. Von den zahlreichen Schiefergruben in den Tälern rund um Rhaunen ist keine mehr in Betrieb, vereinzelt sieht man noch die Abraumhalden. Der größte Betrieb war die Grube „Abenstern“ am Wartenberg Richtung Hausen gelegen. Sie produzierte etwa bis Ende der 1950er Jahre. Die Höhenrücken, etwa des Idarwaldmassives, werden von dem äußerst verwitterungsresistenten Taunusquarzit gebildet, dessen Bodenausbildung nurmehr Forstwirtschaft zulässt. Der Taunusquarzit beherbergt Lagerstätten an Raseneisenerzen, die bis zirka in die Mitte des 19. Jahrhunderts ausgebeutet und verhüttet wurden, so geschehen in der „Weitersbacher Hütte“ bei Rhaunen.

Klima[Bearbeiten]

Der Jahresniederschlag beträgt 744 mm. Die Niederschläge liegen im mittleren Drittel der in Deutschland erfassten Werte. An 50 % der Messstationen des Deutschen Wetterdienstes werden niedrigere Werte registriert. Der trockenste Monat ist der April, die meisten Niederschläge fallen im November. Im November fallen 1,4 mal mehr Niederschläge als im April. Die Niederschläge variieren nur minimal und sind extrem gleichmäßig übers Jahr verteilt. An nur 1 % der Messstationen werden niedrigere jahreszeitliche Schwankungen registriert.

Geschichte[Bearbeiten]

Rhaunen war Sitz des gleichnamigen Hochgerichtes. Bis zum 14. Jahrhundert waren die Wildgrafen uneingeschränkte Besitzer des Gerichtes und der dazugehörigen Ortschaften Bollenbach, Bruschied, Bundenbach, Gösenroth, Hausen, Heuchelheim, Krummenau, Laufersweiler, Lindenschied, Oberkirn, Stipshausen, Schwerbach, Sulzbach, Weitersbach und Woppenroth. Im Bereich des Gerichtes lag auch die Schmidtburg. Durch den Verlust der wildgräflichen Schmidtburg an Balduin von Trier, gelangte auch ein Teil des Hochgerichtes an Kurtrier.

Mit dem Ende des Alten Reiches wurde auch die mittelalterliche Verwaltungseinheit, das Hochgericht, endgültig aufgelöst. Im Zuge der französischen Okkupation der linksrheinischen Territorien nach dem Frieden von Lunéville wurde Rhaunen dem Département de la Sarre, Arrondissement Birkenfeld, Kanton Rhaunen zugeschlagen. Aufgrund der auf dem Wiener Kongress getroffenen Vereinbarungen kam das Gebiet 1815 zum Königreich Preußen. Rhaunen wurde Sitz einer Bürgermeisterei im Kreis Bernkastel. Teile des alten Hochgerichtes gehörten nun jedoch zu dem oldenburgischen Landesteil Birkenfeld (z.B. Bundenbach). Auch nach dem Ersten Weltkrieg, in der Zwischenkriegszeit, und während der nationalsozialistischen Herrschaft war Rhaunen Verwaltungssitz für die umliegenden Dörfer. Im Zuge einer Verwaltungsreform in den 1960er Jahren wurde das „Amt Rhaunen“ in die „Verbandsgemeinde Rhaunen“ im Landkreis Birkenfeld umgewandelt die bis heute besteht.

Die ehemalige Idarwald-Kaserne liegt westlich des Ortes am Königstein.

Politik[Bearbeiten]

Gemeinderat[Bearbeiten]

Der Gemeinderat in Rhaunen besteht aus 16 Ratsmitgliedern, die bei der Kommunalwahl am 25. Mai 2014 in einer personalisierten Verhältniswahl gewählt wurden, und dem ehrenamtlichen Ortsbürgermeister als Vorsitzenden.

Die Sitzverteilung im Gemeinderat:[4]

Wahl SPD CDU WGR 1 WGR 2 Gesamt
2014 7 3 3 3 16 Sitze
2009 7 4 5 16 Sitze
2004 6 7 3 16 Sitze

Wappen[Bearbeiten]

Die Wappenbeschreibung lautet: „Schrägrechts geteilt von Schwarz und Gold. Vorne ein wachsender silberner Wolfskopf, hinten ein blaubewehrter und -gezungter roter Löwe.“

Der Löwe nimmt Bezug zur ehemaligen Zugehörigkeit der Gemeinde zum Besitz der Wild- und Rheingrafen. Der Wolfskopf ist aus einem Siegel des Hochgerichts Rhaunen aus dem Jahre 1711 entnommen.[5]

Partnergemeinden[Bearbeiten]

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Bauwerke[Bearbeiten]

Sehenswert sind das alte Rathaus in der Ortsmitte, das Gebäude des ehemaligen Königlich-Preußischen Amtsgerichtes, die evangelische Kirche mit der ältesten erhaltenen Stumm-Orgel aus dem Jahre 1723, sowie zahlreiche Gebäude im alten Ortskern aus verschiedenen Stilepochen, deren Geschichte man an Informationstafeln ablesen kann. In der Verbandsgemeindeverwaltung kann man römische Fundstücke aus der Umgebung bewundern. Am Rhaunelbach erinnert eine Bronzestatue an das Rhauner Original: den „Bachspautzer“.

Siehe auch: Liste der Kulturdenkmäler in Rhaunen

Parks[Bearbeiten]

Der Rhaunen im Halbkreis umschließende Wartenberg lädt mit schönen Wegen und Aussichten auf das Dorf zum Wandern ein.

Naturdenkmäler[Bearbeiten]

Der am Ortsausgang Richtung Stipshausen/Idarwald aufgestellte frühgeschichtliche Menhir, ein Quarzitblock, „Königsstein“ genannt ist zwar kein Naturdenkmal im eigentlichen Sinne, wird aber durch eine Schiefertafel als solches ausgewiesen. Echte Naturdenkmäler sind einige sehr alte Eichen in der Umgebung, sowie die „Jakobstanne“ auf dem Wartenberg, die eigentlich eine mächtige Douglasie ist.

Siehe auch: Liste der Naturdenkmale in Rhaunen

Sport[Bearbeiten]

„TUS“ Rhaunen mit verschiedenen Abteilungen. Überregional bekannt ist die IVV-Wanderung im Frühjahr.

Regelmäßige Veranstaltungen[Bearbeiten]

Rhauner Herbstmarkt am 1. Samstag im Oktober und der Weihnachtsmarkt im Dezember. Die Veranstaltung „Päädscher Laafe“ (Hochdeutsch: „Pfade laufen“) ist eine Art „Tag der offenen Tür“ der Ortsgemeinde, bei der man Einblicke in sonst nicht offen zugängliche Orte erhalten kann. Gleichzeitig können sich Geschäfte und sonstige Institutionen „einmal anders“ präsentieren.

Kulinarische Spezialitäten[Bearbeiten]

Spieß- und Schaukelbraten, Gefüllte Klöße, Reibekuchen, „Schaales“

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

Rhaunen bietet zahlreiche Dienstleistungen für die Dörfer der Umgebung. Ärzte, Behörden, Kirchen, Schulen, Werkstätten, Tankstellen und Geschäfte des täglichen und nichttäglichen Bedarfes sind vor Ort, jedoch kein produzierendes Gewerbe. Die nächsten größeren Orte sind Idar-Oberstein, Simmern/Hunsrück, Morbach und Kirn.

Verkehr[Bearbeiten]

Durch die ORN werden Busleistungen auf den Linien 345, 351 und 352 erbracht. Neben der größten Bushaltestelle (Rhaunen Markt) gibt es auch noch Haltestellen an der Kirche, der Verbandsgemeindeverwaltung und am Freibad. Die Linie 345 verkehrt vom Bahnhof Idar-Oberstein über Tiefenstein, Asbach und Stipshausen nach Rhaunen Markt. Die Linien 351 und 352 stellen Verbindungen zum internationalen Flughafen Frankfurt-Hahn her. Die Linie 351 kommt vom Idar-Obersteiner Bahnhof, die Linie 352 vom Kirner Bahnhof. Montag bis Freitag bestehen sechs, am Samstag drei und am Sonntag zwei Verbindungen zum Flughafen.

Öffentliche Einrichtungen[Bearbeiten]

Rhaunen ist Verwaltungssitz der gleichnamigen Verbandsgemeinde, sowie des Forstamtes „Idarwald“, dessen Zuständigkeitsbereich sich nach der Forstverwaltungsreform wesentlich vergrößert hat. Dagegen wurde das am Ort schon über 100 Jahre bestehende Notariat 2007 im Zuge einer Strukturreform mit seinem Dienstsitz nach Morbach verlegt. In Rhaunen finden aber noch Sprechstunden statt. Rhaunen ist weiterhin Dienstsitz eines katholischen Geistlichen. Aufgrund einer Gebietsreform im Kirchenkreis Trier wird die seit der Reformation bestehende evangelisch - lutherische Pfarrei Rhaunen mit Dienstsitz Rhaunen aufgelöst. Die Kirchengemeinde Rhaunen fusioniert mit der Kirchengemeinde Hausen und nennt sich in Zukunft Kirchengemeinde Rhaunen-Hausen. Dazu gehören die Ortsgemeinden Rhaunen, Bollenbach, Hausen, Oberkirn und Weitersbach. Der (Die) zuständige Geistliche hat jedoch seinen Sitz in der Kirchengemeinde Hottenbach - Stipshausen.

Bildung[Bearbeiten]

In Rhaunen gibt es zwei Kindergärten, eine Grundschule, die Integrierte Gesamtschule Herrstein-Rhaunen und eine Volkshochschule.

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Söhne und Töchter der Gemeinde[Bearbeiten]

  • Sigbert Josef Maria Ganser (1853–1931), berühmter Psychologe. Nach ihm wurde das Ganser-Syndrom benannt
  • Albert Kahn (1869–1942), einer der bedeutendsten Industriearchitekten der Moderne, (wanderte schon früh in die USA aus)
  • Walter Dix (1879–1965), Pflanzenbauwissenschaftler
  • Otto Conrad (1890–1968), Lehrer, Fotograf und Heimatforscher („Vom Hunsrück zur Nahe“)
  • Gerd Heinz-Mohr (1913–1989), evangelischer Theologe und Schriftsteller promovierte über die Gesellschaftslehre des Nikolaus von Kues („Unitas Christiana“)
  • Erwin Echternacht (1925–2013), lebte in München, Bildhauer, Grafiker, Maler und Autor, Staatliche Bildhauerschule, Landeskunstschule Mainz, Akademie der Bildenden Künste München, Meisterschüler mit Abschluss Diplom, Akademiepreise und Wettbewerbspreise, Ausstellungen im In- und Ausland.

Persönlichkeiten, die vor Ort gewirkt haben[Bearbeiten]

  • Julius Bellinger (1831–?), deutscher Politiker der Deutschen Zentrumspartei und Mitglied des Reichstages, war von 1867 bis 1869 Friedensrichter in Rhaunen
  • Albin Edelhoff (1887–1974), Maler und Naturfreund
  • Peter Joseph Rottmann (1799–1881), bedeutender Hunsrücker Mundartdichter, heiratete Wilhelmine Maull aus Rhaunen
  • Albert Pütz (1932–2008), Jurist und Schriftsteller, arbeitete bis 1966 als Amtsrichter in Rhaunen, danach am Amtsgericht Idar Oberstein.

Literatur[Bearbeiten]

  • Wilhelm Fabricius: Das Hochgericht Rhaunen. Erläuterungen zum Geschichtlichen Atlas der Rheinprovinz, dritter Band, Bonn 1901.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Rhaunen – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Statistisches Bundesamt – Gemeinden in Deutschland mit Bevölkerung am 31. Dezember 2013 (XLS-Datei; 4,0 MB) (fortgeschriebene amtliche Einwohnerzahlen auf Grundlage des Zensus 2011). (Hilfe dazu)
  2. Statistisches Landesamt Rheinland-Pfalz – Regionaldaten
  3. Statistisches Landesamt Rheinland-Pfalz – Amtliches Verzeichnis der Gemeinden und Gemeindeteile, Seite 21 (PDF; 2,3 MB)
  4. Der Landeswahlleiter Rheinland-Pfalz: Kommunalwahl 2014, Stadt- und Gemeinderatswahlen
  5. Wappenbeschreibung Rhaunen