Fabian Thylmann

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Fabian Thylmann (* 5. Juni 1978[1] in Aachen) ist ein deutscher Unternehmer in der Pornoindustrie.

Werdegang[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Thylmann ist der ursprüngliche Programmierer der Affiliate-Tracking-Software NATS. Nachdem er 2006 seine Anteile an dem Unternehmen, das er mitbegründet hatte, verkauft hatte, kaufte er die Internetseite PrivatAmateure. Später kaufte er für ungefähr 140 Millionen US-Dollar weitere Porno-Websites wie Mydirtyhobby, die Kamerainternetseite Webcams.com und XTube sowie die Bezahlnetzwerke Brazzers.com und Mofos.

Er war seit 2011 Geschäftsführer und einziger Gesellschafter der von ihm gegründeten Luxemburger Holding Manwin, des Betreibers von Youporn und den anderen von ihm gekauften Websites.[2] In Lizenz von Playboy betreibt Manwin auch die Online-Vermarktung und die Fernsehsender von Playboy TV. Manwin übernahm im September 2012 mit Reality Kings einen weiteren der größten Konkurrenten.[3][4] Thylmann gehört mit Digital Playground „eines der größten Porno-Filmstudios der Welt“.[5] Innerhalb von fünf Jahren erreichte er Dominanz in der Branche.[3] Finanziert wurde die Expansion durch einen dubiosen 362-Millionen-Dollar-Kredit,[6] der offenbar von zwei ehemaligen Goldman-Sachs-Bankern vermittelt wurde.[7]

Am 4. Oktober 2012 erwirkte Thylmann gegen die Berichterstattung der Zeitung Die Welt eine Unterlassungsverfügung beim Landgericht Düsseldorf,[8][9] die am 19. Dezember 2012 vom Landgericht Düsseldorf vollständig aufgehoben wurde.[10][11] Mit einer einstweiligen Verfügung ging Thylmann gegen das Magazin Der Spiegel wegen der Veröffentlichung eines Fotos vor, das ihn bei einem Vortrag auf der Internext Expo zeigt.[12]

Im Dezember 2012 durchsuchten Beamte der Steuerfahndung Thylmanns Villa bei Brüssel und die Büros von Manwin in Hamburg. Thylmann wurde auf Veranlassung der Staatsanwaltschaft Köln in Belgien wegen des Verdachts auf Steuerhinterziehung festgenommen[13] und anschließend nach Deutschland ausgeliefert. Nach kurzer Untersuchungshaft wurde er am 21. Dezember 2012 gegen Zahlung einer zweistelligen Millionenkaution freigelassen.[14] Sein Pass wurde einbehalten.[7][15]

Im Oktober 2013 wurde berichtet, dass Thylmann seine Manwin-Anteile an Manager aus dem eigenen Haus verkauft hatte,[16][17] die Manwin mittels einer Fusion mit RedTube in Mindgeek umbenannten.[18][19] Im April 2015 erhob die Staatsanwaltschaft Köln nach zweijährigen Ermittlungen Anklage wegen Steuerhinterziehung gegen Thylmann.[18] Das Verfahren wurde im November 2016 gegen eine Geldauflage von 5 Millionen Euro eingestellt. Zuvor hatte Thylmann bereits nach einer Verständigung mit den Steuerbehörden 26,25 Millionen Euro plus Zinsen nachbezahlt. Ein abgetrenntes Verfahren um möglicherweise hinterzogene Einkommensteuer in Höhe von knapp 650.000 Euro ist weiter vor dem Landgericht Aachen anhängig.[20]

Im Dezember 2016 wurde Thylmann am Landgericht Aachen wegen Steuerhinterziehung zu einem Jahr und vier Monaten Freiheitsstrafe auf Bewährung verurteilt.[21]

Privates[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Thylmann lebt mit seiner Frau und seinen beiden Kindern im belgischen Raeren.[1][3][5]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Amtsgericht Hamburg, Eintragung vom 30. Juni 2011 im Handelsregister B 118809
  2. Benjamin Wallace: The Geek-Kings of Smut. In: New York, 30. Januar 2011, abgerufen am 11. Dezember 2012, hier S. 5 (englisch).
  3. a b c Florian Flade, Lars-Marten Nagel: Das Porno-Imperium – Ein Deutscher erregt die Welt. In: Welt am Sonntag, 10. September 2012, abgerufen am 17. September 2012, S. 15–19.
  4. Florian Flade, Lars-Marten Nagel: Deutscher Pornokönig soll Geld in Zypern versteuern. In: Die Welt, 16. September 2012, abgerufen am 17. September 2012.
  5. a b Frank Fleschner: Herrscher im Reich der Lust-Wirtschaft. In: Focus, 31. März 2012, abgerufen am 17. September 2012.
  6. Matthias Oden: Der Pornokönig (Memento vom 16. Oktober 2012 im Internet Archive). In: Financial Times Deutschland vom 15. Oktober 2012.
  7. a b Florian Flade, Lars-Marten Nagel: Wall-Street-Millionen bauten das Youporn-Imperium. In: Die Welt, 23. März 2013.
  8. Jörg Eigendorf: Gericht untersagt Berichterstattung über Pornokönig – vorläufig. In: Das Welt-Investigativteam, 4. Oktober 2012, abgerufen am 15. Oktober 2012.
  9. Christian Meier: Pornokönig lässt in der FTD die Hosen runter. In: Meedia, 15. Oktober 2012, abgerufen am 7. Februar 2016.
  10. Florian Flade, Lars-Marten Nagel: YouPorn-Chef unterliegt vor Gericht. In: Die Welt, 19. Dezember 2012.
  11. Johannes Boie, Frederik Obermaier: Youporn-Gründer unterliegt Springer – Nackte Tatsachen. In: Süddeutsche Zeitung, 19. Dezember 2012.
  12. Spiegel-Rechtsabteilung: MyDirtyRight! Spiegelblog auf Spiegel Online, 21. Dezember 2012.
  13. Florian Flade, Lars-Marten Nagel: Youporn-Chef in Belgien festgenommen. In: Die Welt, 10. Dezember 2012, abgerufen am 11. Dezember 2012.
  14. Verdacht auf Steuerhinterziehung: Porno-König Thylmann droht lange Haft. In: Der Spiegel, 21. Dezember 2012.
  15. Uwe Buse: Männer, die auf Schirme starren, Der Spiegel 51/2012
  16. xbiz: Fabian Thylmann Sells Stake in Manwin to Company Management, 18. Oktober 2013
  17. Porno-König verkauft sein Imperium. In Süddeutsche Zeitung, 19. Oktober 2013
  18. a b Florian Flade, Lars-Marten Nagel, Marcel Pauly: Staatsanwaltschaft klagt Ex-Youporn-Chef an, Die Welt, 19. April 2015
  19. Manwin Operator of YouPorn.com Renames Itself To MindGeek & Buys MindGeeks On Sedo For $3,500, thedomains.com, 28 Oktober 2013
  20. Millionenauflage: Steuerverfahren gegen Porno-Unternehmer Thylmann eingestellt, JUVE, 18. November 2016
  21. spiegel.de: YouPorn-Gründer Thylmann verurteilt