Wicker (Flörsheim am Main)

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Wicker
Wappen der Gemeinde Wicker bis 1972
Koordinaten: 50° 1′ 41″ N, 8° 24′ 15″ O
Höhe: 143 m ü. NHN
Fläche: 5,91 km²[1]
Einwohner: 3497 (30. Jun. 2017)[2]
Bevölkerungsdichte: 592 Einwohner/km²
Eingemeindung: 31. Dezember 1971
Postleitzahl: 65439
Vorwahl: 06145

Wicker ist ein Stadtteil von Flörsheim am Main im Main-Taunus-Kreis in Hessen und hat etwa 3.500 Einwohner.

Geographische Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Blick von der B 40 im Westen nach Wicker
Blick von der Kirchstraße zur Katholischen Pfarrkirche
Der ehemals als Gasthof genutzte Fachwerkbau in der Taunusstraße 3 diente von 1934 bis 1971 als Rathaus
Katholisches Pfarrhaus von 1907
Die Flörsheimer Warte bei Wicker

Wicker liegt im Rhein-Main-Gebiet auf der Südwestecke einer etwa 40 Meter hohen Geländestufe, die sich am Nordrand der Oberrheinischen Tiefebene erhebt. An der Westflanke der Geländestufe liegt die Talaue des Wickerbachs. Der Ort hat dem Bach den Namen gegeben. Auf Wickerer Gebiet liegen noch heute drei Mühlen, die jedoch nicht mehr in Betrieb sind.

Am Ortsrand gibt es viele Aussichtspunkte mit Blick nach Osten, Süden und Westen, besonders von der Flörsheimer Warte aus, die etwa 400 Meter südlich von Wicker liegt und im Jahr 1996 für den Regionalpark RheinMain als Rekonstruktion eines mittelalterlichen Landwehrturms erbaut wurde. Der ursprüngliche Wartturm wurde 1817 abgerissen.

In Bezug auf den Weinbau wird es das Tor zum Rheingau genannt.

Wicker grenzt an die Orte Massenheim, Hochheim, Weilbach und Flörsheim.

Durch Wicker führt die von Mainz nach Frankfurt am Main führende Bundesstraße 40. Über Hofheim-Wallau und Weilbach besteht Anbindung an die Bundesautobahn 66.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Erwähnt wurde der Ort erstmals am 6. April 910 in einer Schenkungsurkunde des Mainzer Erzbischofs Hatto I. an das Kloster Fulda.

Um 1540 wurde Wicker befestigt, d. h. mit Mauer, Graben und Wall umgeben. Die Mauer war etwa 4 Meter hoch und 70 cm stark. Noch heute sind Reste der Ortsmauer an einigen Stellen sichtbar. Erst Ende des 18. Jahrhunderts wurde die Mauer geschleift und die ersten Häuser außerhalb des Walles gebaut.

Bereits 1588 ist in Wicker eine Schule erwähnt.

Im April 1610 wurde Wicker von einem großen Feuer heimgesucht. In zwei bis drei Stunden brannten von 71 Hofraiten 48 samt Stallungen, Scheunen und Kelterhäusern bis auf den Grund nieder. Nur 11 Häuser blieben unversehrt, der Rest wurde beschädigt. Der Dreißigjährige Krieg verhinderte einen baldigen Wiederaufbau. 1654 wurden in Wicker 47 Haus- und Grundbesitzer gezählt. Statt der früher vorhandenen 71 Häuser waren nur 38 nachgewiesen. Wicker hatte 1668 eine Einwohnerzahl von 179. 1792 waren wieder 100 Häuser vorhanden.

Im Rahmen der Napoleonischen Kriege waren 1813 sieben Tage lang 9000 Mann in Wicker einquartiert. Nachdem die Speicher und Scheunen leer waren, musste die Gemeinde Medenbach vom 6. bis 13. Dezember 1813 täglich 200 Rationen Heu zu je 10 Pfund, 125 Rationen Stroh und 50 Simmer Gerste oder Hafer, am 14. Dezember sogar das Doppelte an die russische Artillerie hier liefern.

Nach dem Ersten Weltkrieg war Wicker unter französischer Besatzung. Vom Abzug der Franzosen zeugt noch heute ein in der Gemarkung stehender Gedenkstein, dessen Inschrift sinngemäß besagt, dieser Stein sei den Menschen beim Abzug der Besatzungstruppen vom Herzen gefallen.

Im Zweiten Weltkrieg mussten die Einwohner am 8. Juli 1941 eine Brandnacht erdulden und am 28. März 1945 sogar den Beschuss der Ortschaft. Danach wurde der Ort von amerikanischen Soldaten eingenommen und auch in die amerikanische Besatzungszone eingegliedert.

Im Vorfeld der Gebietsreform in Hessen schlossen sich noch am 31. Dezember 1971 Flörsheim, Weilbach und Wicker freiwillig zu einer Stadt zusammen.[3]

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 1609: 0.210 Einwohner
(60 Haushalte)
  • 1648: 0.0000(28 Männer)
  • 1668: 0.179 Einwohner
(48 Häuser)
  • 1745: 0.426 Einwohner
  • 1796: 0.0000(100 Häuser)
  • 1817: 0.622 Einwohner
  • 1834: 0.704 Einwohner
  • 1846: 0.755 Einwohner
  • 1864: 0.764 Einwohner
  • 1885: 0.741 Einwohner
  • 1910: 0.788 Einwohner
  • 1914: 0.860 Einwohner
  • 1939: 0.895 Einwohner
  • 1946: 1.106 Einwohner
  • 1956: 1.298 Einwohner
  • 1961: 1.403 Einwohner
  • 1963: 1.430 Einwohner
  • 1970: 1.799 Einwohner
  • 1987: 3.090 Einwohner[1]
  • 2007: 3.529 Einwohner
  • 2010: 3.537 Einwohner
  • 2014: 3.574 Einwohner[4]
Wicker: Einwohnerzahlen von 1834 bis 1967
Jahr     Einwohner
1834
  
704
1840
  
759
1846
  
755
1852
  
750
1858
  
738
1864
  
764
1871
  
716
1875
  
716
1885
  
741
1895
  
787
1905
  
782
1910
  
788
1925
  
815
1939
  
895
1946
  
1.106
1950
  
1.182
1956
  
1.298
1961
  
1.403
1967
  
1.510
Datenquelle: Histo­risches Ge­mein­de­ver­zeich­nis für Hessen: Die Be­völ­ke­rung der Ge­mei­nden 1834 bis 1967. Wies­baden: Hes­sisches Statis­tisches Lan­des­amt, 1968.

Wirtschaft und Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Blick auf den Rhein-Main-Deponiepark von der Flörsheimer Warte gesehen am 28. September 2008
Blick über die Wickerbachaue auf die Weinberge von Wicker von der Flörsheimer Warte gesehen

Weinbergslagen machen mit 42,5 Hektar einen Großteil der landwirtschaftlichen Nutzfläche aus und werden von vielen Nebenerwerbs- und einigen Haupterwerbswinzern bewirtschaftet. Die Wickerer Weinlagen gehört zum Weinanbaugebiet Rheingau. Hier beginnt die Rheingauer Rieslingroute, die von hier nach Westen bis Lorchhausen durch alle Rheingauer Weinbaugemeinden führt.[5]

Wicker ist mit einem rund 85 Hektar großen Areal Standort des Rhein-Main-Deponieparks (früher Kreismülldeponie des Main-Taunus-Kreises). Da die Ortsdurchfahrt der B 40 für den Schwerlastverkehr gesperrt ist, müssen die meisten für die Deponie bestimmten Transporte, nämlich die aus dem östlichen und nördlichen Kreisgebiet einen weiten Umweg fahren über die A 66 bis Wiesbaden-Erbenheim, weiter über die B 455 bis Mainz-Kastel und dann über die A 671 nach Hochheim-Nord, wo sie von Westen her über die B 40 die Deponie erreichen.

Kultur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die katholische Pfarrkirche St. Katharina ist eine eindrucksvoll erhaltene Wehrkirchenanlage mit Mauerbering, die auf eine Kirche des 13. Jahrhunderts zurückgeht und in verschiedenen Bauphasen überformt wurde. Der wuchtige, dreigeschossige Turm mit Eckquaderung wurde um 1500 errichtet. Das mittelalterliche Kirchenschiff wurde 1814 nach Westen verlängert.[6] Neben dem alten Rathaus und dem Katholischen Pfarrhaus sind auch etliche andere Anwesen denkmalgeschützt, aber auch eine Reihe von Wegkreuzen und Skulpturen.

Vereine und Veranstaltungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Vereinswesen im Ort ist sehr vielfältig. Es gibt einen Turnverein, zwei Gesangsvereine, den Historischen Verein, den Landfrauen-Verein, den Club Fidelio (Verein für Brauchtumspflege), den Reit- und Fahrverein, Kleintierzuchtverein, Schützenverein, Verein Freiwillige Feuerwehr sowie den Winzerverein.

Auch in Wicker wird, nicht nur aufgrund der Nähe zu Mainz, die „Fassenacht“ gefeiert. Höhepunkt eines jeden Jahres ist das am ersten Augustwochenende stattfindende Weinfest. Dabei ist ein Großteil des alten Ortskerns mit Wein- und Essenständen gesäumt, die nicht selten 20.000 Besucher zu bewirten haben.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Wicker (Flörsheim am Main) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Wicker, Landkreis Main-Taunus-Kreis. Historisches Ortslexikon für Hessen. In: Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen (LAGIS). (Stand: 21. April 2016)
  2. „Zahlen – Daten – Fakten“ im Internetauftritt der Stadt Flörsheim am Main, abgerufen im August 2017.
  3. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27. 5. 1970 bis 31. 12. 1982. W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart und Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 370.
  4. Einwohnerzahlen für 1914, 1963 und nach 1987 wurden aus dem bestehenden Wikipediaartikel übernommen und in die LAGIS-Zahlenreihe eingefügt.
  5. Rheingauer Weinbauverband: Rheingauer Riesling Route
  6. Landesamt für Denkmalpflege Hessen (Hrsg.): Kirchstraße 5: Katholische Pfarrkirche. In: DenkXweb, Online-Ausgabe von Kulturdenkmäler in Hessen