Weilbach (Flörsheim)

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Weilbach
Wappen der ehemaligen Gemeinde Weilbach
Koordinaten: 50° 2′ 43″ N, 8° 26′ 6″ O
Höhe: 113 m ü. NHN
Fläche: 7,45 km² [LAGIS]
Einwohner: 4007 (30. Jun. 2017)[1]
Bevölkerungsdichte: 538 Einwohner/km²
Eingemeindung: 31. Dezember 1971
Postleitzahl: 65439
Vorwahl: 06145
Zentrum des Ortes
Zentrum des Ortes

Weilbach ist ein Stadtteil von Flörsheim am Main im südhessischen Main-Taunus-Kreis.

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Geographische Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weilbach liegt zu beiden Seiten des Weilbachs am südlichen Rand des Main-Taunusvorlandes über der Untermainebene mit Blick über das Rhein-Main-Gebiet nach Süden und zum Vortaunus und Hohen Taunus nach Norden. Der Ort liegt in dem spitzen Winkel, den die Bundesautobahnen A 66 und A 3 südöstlich des Wiesbadener Kreuzes bilden, zwischen Wiesbaden und Frankfurt am Main.

Geologie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die überwiegend während der Eiszeit vom Main abgelagerten Kiese und Sande wurden lange Zeit wirtschaftlich genutzt, auch Fossilienfunde wurden gemacht. Manche Grube wurde später als Mülldeponie verwendet. Der sogenannte Silbersee wurde rekultiviert und Naturschutzgebiet mit angrenzendem Naturlehrhaus der Gesellschaft zur Rekultivierung der Weilbacher Kiesgrubenlandschaft, einer hessischen Institution zur Förderung des Naturschutzes vor Ort (wie das Naturschutzzentrum Bergstraße bei Bensheim oder das Naturschutz-Zentrum Hessen in Wetzlar).[2]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die älteste Erwähnung in einer Schenkungsurkunde an das Kloster St. Jakob in Mainz als Wilibach datiert von 1112. Später war die Bezeichnung Niederweilbach üblich, um eine Unterscheidung zum ehemaligen Nachbarort Oberweilbach zu schaffen. Weilbach unterstand seit 1581 dem Mainzer Kurfürsten und gehörte zum Erzbistum Mainz. 1803 ging Weilbach an Nassau-Usingen und gehörte zur Zeit des Herzogtums Nassau zum Amt Hochheim. Nach der Annexion durch Preußen wurde es 1867 dem Mainkreis und später dem Landkreis Wiesbaden im Regierungsbezirk Wiesbaden zugeordnet.

Weilbach schloss sich im Vorfeld der Gebietsreform in Hessen am 31. Dezember 1971 mit der Stadt Flörsheim und der Nachbargemeinde Wicker zusammen.[3] Für den Stadtteil Weilbach wurden ein Ortsbezirk eingerichtet und ein Ortsbeirat gewählt.

Durch die wirtschaftliche Entwicklung nach dem Zweiten Weltkrieg, namentlich durch die nahe gelegene Industrie in Frankfurt-Höchst, kam es wie in anderen Ortschaften des Rhein-Main-Gebietes zu einem starken Bevölkerungswachstum und zu einer Änderung der Lebensgrundlage der meisten Bewohner.

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wappen und Flagge[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Wappen und die Flagge wurden am 9. September 1955 durch das Hessische Innenministerium genehmigt.[4]

Wappen von Weilbach
Wappenbeschreibung: „Im geteilten Schild oben in Gold ein wachsender schwarzer Wolf, unten in Rot ein silbernes Rad.“

Flaggenbeschreibung: „Im rot-weiß geteilten Flaggenfeld das Weilbacher Ortswappen dergestalt, daß die obere goldene Wappenhälfte der roten Flaggenbahn und die untere rote Wappenhälfte der weißen Flaggenbahn aufliegt.“

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am nordwestlichen Ende des Weilbaches (hessisch: die Weilbach) findet sich das im 12. bis 13. Jahrhundert entstandene Schloss Weilbach, das vom Rittergeschlecht Erlenbach von Weilbach erbaut wurde. Anfang 17. Jahrhundert gelangte dieses dann in den Besitz von Johann Philipp von Wolff-Metternich und ist noch heute in Besitz der Familie. Gelegentliche öffentliche Veranstaltungen haben das Schloss inzwischen bekannter gemacht.

Die Katholische Pfarrkirche Maria Himmelfahrt wurde 1875 nach Plänen des Kirchenarchitekten Grau im neuromanischen Stil erbaut. Sie hat die Form einer Säulenbasilika mit einem 30 m langen Schiff und einem 32 m hohen Kirchturm. 1996/97 erfolgte eine Renovierung im Außenbereich, 2000 wurde der Innenraum neu gestaltet.

Bad Weilbach[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bad Weilbacher Quelle, dargestellt auf einer Karte Nassaus, etwa 1830

Zu den zahlreichen berühmten Quellen Nassaus zählt auch die Faulborn-Quelle von Bad Weilbach. Nicht nur eine eigene Mineralwasserquelle mit einem Abfüllbetrieb gab es über lange Zeit. Auch Heilwasser in Form einer Schwefelquelle diente einem Kurhaus, einem Badehaus und einem Inhalatorium als Grundlage für die gesundheitsbewussten Gäste. Im Auftrag des Herzogs von Nassau entstand 1838 das neoklassizistische Kurhaus. Zu den Gästen der Anlage zählten Johann Wolfgang von Goethe und Rothschilds.

Ab 1911 wurde das Haus als Landfrauenschule durch den Reifensteiner Verein für Wirtschaftliche Frauenschulen auf dem Land, der von Ida von Kortzfleisch ins Leben gerufen worden war, genutzt. In dem früheren Ärztehaus wurde neben der klassischen Reifensteiner Schule eine Kolonialschule eingerichtet, in welcher Frauen auf das Leben in den deutschen Kolonien vorbereitet wurden.[5]

Von 1984 bis 1986 wurden die dem Verfall preisgegebenen Gebäude, allen voran das Palais Weilbach, von Franz E. Schilke in Eigentumswohnungen umgebaut. Die Parkanlage ist noch heute Ausflugsziel in der Region. Bad Weilbach ist ein Ortsteil des Stadtteils Weilbach.[6]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Fresenius, R. (1856): Chemische Untersuchungen der wichtigsten Mineralwasser des Herzogthums Nassau: V. Die Mineralquelle zu Weilbach. - Jahrbücher des Vereins für Naturkunde im Herzogthum Nassau 11: 145-178; Wiesbaden.
  • Fresenius, R. (1860); Chemische Untersuchungen der wichtigsten Mineralwasser des Herzogthums Nassau: VII. Die neue Natronquelle zu Weilbach. - Jahrbücher des Vereins für Naturkunde im Herzogthum Nassau: 15: 124-138; Wiesbaden.
  • Hochheimer, W. (2003): Historischer Kurzrundgang durch die Geschichte von Weilbach. - Flörsheim-Weilbach: Selbstverlag.
  • Lixenfeld, H. (1988): Erzählungen aus dem alten Weilbach. - Flörsheim-Weilbach: Selbstverlag.
  • Lixenfeld, H. (1990): Erzählungen aus dem neuen Weilbach. - Flörsheim-Weilbach: Selbstverlag.
  • Sandberger, F. (1851): Die Nassauischen Heilquellen: Soden, Cronthal, Weilbach, Wiesbaden, Schlangenbad,Schwalbach und Ems. - Wiesbaden: Kreidel.
  • Schilke, F. (1995): Schlösser als Lebensräume der Gegebenwart.
  • Schulz, A. (1852): Mikroskopische Untersuchung der wichtigsten Mineralquellen von Nassau. - Jahrbücher des Vereins für Naturkunde im Herzogthum Nassau 8: II 49-89; Wiesbaden.
  • Literatur über Weilbach in der Hessischen Bibliographie

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Weilbach – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. „Zahlen – Daten – Fakten“ im Internetauftritt der Stadt Flörsheim am Main, abgerufen im August 2017.
  2. Weilbacher Kiesgruben & Naturschutzhaus
  3. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27. 5. 1970 bis 31. 12. 1982. W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart und Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 370.
  4. Staats-Anzeiger für das Land Hessen. 1955, Amtsblatt Nr. 39, Seite 977
  5. Heike Lattka: Einst nur ein Imitat der großen Bäder. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung. 20. Oktober 2011, Seite 59.
  6. Stadtportrait Weilbach floersheim-main.de