Franz Kasimir von Kleist

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Franz Kasimir von Kleist (* 25. Januar 1736 in Stettin; † 30. März 1808 in Berlin) war ein preußischer General der Infanterie, der 1806 als Gouverneur von Magdeburg vor den französischen Truppen kapitulierte.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Herkunft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seine Eltern waren der Generalleutnant Franz Ulrich von Kleist und dessen erste Ehefrau Luise Eleonore, geborene von Putlitz. Er war der jüngste Sohn dieser Ehe.

Militärkarriere[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kleist kam im Alter von 20 Jahren in das Infanterieregiment seines Vaters. Dort avancieret er bis 1760 zum Premierleutnant. Bei der Belagerung von Schweidnitz konnte er sich als Ingenieur auszeichnen, wurde aber verwundet. 1762 wurde Kleist Flügeladjutant des Königs Friedrich II. und 1769 Adjutant bei Kronprinzen Friedrich Wilhelm, mit dem Charakter eines Majors. 1777 wurde er dann in das Infanterieregiment „Jung-Stutterheim“ versetzt. Im Bayrischen Erbfolgekrieg war er bei der Armee des Prinzen Heinrich und kommandierte dort ein Bataillon Freiwilliger. Am 8. September 1780 wurde er zum Oberst und Regimenstkommandeur ernannt. Am 1. Juni 1788 wurde er zum Generalmajor befördert und zum Chef des Regiments Wunsch zu Fuß ernannt. Im Jahr 1800 erhielt er das Regiments Kalkstein zu Fuß und wurde Gouverneur von Magdeburg.

Fall von Magdeburg 1806[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Da an den Festungsanlagen Magdeburgs seit 1740 nicht mehr weitergebaut wurde und seit dem Ende des 18. Jahrhunderts auch keine Instandhaltungsarbeiten mehr erfolgten, konnte die Festung der neuen Waffentechnik nicht standhalten. Kleist hielt nach den Kapitulationen von Prenzlau, Stettin, Spandau und Küstrin den Widerstand für zwecklos und sah sich am 8. November 1806 gezwungen, die Festung mit ca. 24.000 Mann Besatzung, 600 Geschützen und großen Vorräten dem napoleonischen Marschall Michel Ney zu übergeben. Damals wie heute war/ist die kampflose Übergabe sehr umstritten, da die Festung Magdeburg nach nur dreiwöchiger Belagerung und trotz Übermacht der Verteidiger aufgegeben wurde.[1]

Kleists Verhalten war Gegenstand in der Immediatuntersuchungskommission. Diese Kommission trat auf Befehl König Friedrich Wilhelm III. vom 27. November 1807 am 6. Dezember 1807 zusammen und arbeitete bis 1812. Aufgrund der Arbeit der Kommission wurden zahlreiche Offiziere zum Teil unehrenhaft entlassen. In mehreren Fällen wurden auch Kriegsgerichtsverfahren angestrengt, die Urteile lauteten teilweise auf Festungshaft - im Falle des Kommandanten der Festung Küstrin Obersten von Ingersleben und des Generals der Infanterie Kasimir von Kleist auf die Todesstrafe. Oberst von Ingersleben wurde in Abwesenheit verurteilt und starb im Ausland;, General von Kleist war bereits vor dem Verfahren verstorben.

Am 16. Januar 1809 verhandelte auf Veranlassung des Königs in Königsberg ein unter Generalfeldmarschall Friedrich Adolf von Kalckreuth zusammengetretenes Kriegsgericht über die Kapitulation von Magdeburg. Es kam zu dem Schluss:
„Der General v. K. wäre, wenn er noch lebte, wegen der übereilten und durchaus pflichtwidrigen Übergabe der wichtigen Festung Magdeburg an die Franzosen zu arquebusieren.“[2]

Familie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seine Frau war gleichfalls eine Kleist aus dem Hause Zützen: Caroline Luise Eleonore Johanne von Kleist (* 7. Dezember 1747; † 1780). Sie war die Tochter des Oberst Karl Wilhelm von Kleist (1707–1766) und seiner Ehefrau Eva Luise Eleonore, geborene von Schlomach (1726–1813). Das Paar hatte folgende Kinder:

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Gustav Kratz, H. Kypke: Die Biographien der Muttrin-Damenschen Linie. In: Geschichte des Geschlechts von Kleist. Teil 3, Abteilung 3, Trowitzsch & Sohn, Berlin 1885–1887, S. 444 (Online)
  • Großer Generalstab, Kriegsgeschichtliche Abteilung II (Hrsg.): 1806. Das Preussische Offizierkorps und die Untersuchung der Kriegsereignisse. E.S. Mittler & Sohn, Berlin 1906, S. 281–299, Digitalisat
  • Kurt von Priesdorff: Soldatisches Führertum. Band 2, Hanseatische Verlagsanstalt Hamburg, ohne Jahr, S. 276.
  • Anton Balthasar König: Franz Kasimir von Kleist. In: Biographisches Lexikon aller Helden und Militairpersonen, welche sich in Preußischen Diensten berühmt gemacht haben. Band 2. Arnold Wever, Berlin 1789, S. 291 (Franz Kasimir von Kleist bei Wikisource [PDF]).

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Augenzeugenbericht in: Ruthard von Frankenberg: Im Schwarzen Korps bis Waterloo. Memoiren des Majors Erdmann von Frankenberg. edition von frankenberg, Hamburg 2015. S. 18f.
  2. Zitat in: 1806. Das Preussische Offizierkorps und die Untersuchung der Kriegsereignisse (Lit.), Urteil vom 16. Januar 1809, Auszug, betreffend Kleist (im Original S. 299); (PDF-Datei; 97 kB)