Friedrich Franz Dietrich von Bremer

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Friedrich Franz Dietrich Graf von Bremer (* 10. August 1759 in Hannover; † 7. März 1836 ebenda) war ein deutscher Minister des Königreichs Hannover.

Herkunft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seine Eltern waren der Bürger, Geheime Rats und Minister Benedict von Bremer (* 1717; † 1779) und dessen Ehefrau Caroline Auguste von Haus, eine Tochter des großbritannischen Geheimen Rats Friedrich Ludwig von Haus auf Eimbeckhausen und der Charlotte von Bennigsen.

Werdegang[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Um 1879: Nach der preußischen Annexion des Königreichs Hannover läutet das Wunder-Haus das Zeitalter bürgerlichen Wohnungsbaus auch in der "Friedrichstraße" ein: Das viereinhalb-stöckige Gebäude überragt bereits die rechts noch stehenden herrschaftlichen Adelssitze der Grafen Bernstorff und Bremer[1]. Das Palais Bremer wird 1891[2] dem Durchbruch der Ebhardtstraße weichen, der Verlauf der kopfsteingepflasterten Straße wird jedoch erst nach dem Zweiten Weltkrieg im Zuge der autogerechten Stadt begradigt. Carte de visite von Karl F. Wunder, die rückseitig ebenfalls für das neue Foto-Atelier wirbt.

Er studierte ab Ostern 1777 Rechtswissenschaft an der Universität Göttingen. Danach wurde er Staatsdiener in der Justizkanzlei in Hannover, zunächst als Auditor. 1782 wurde er außerordentlicher Hof- und Kanzleirat. Von 1786 bis 1795 war Bremer am Reichskammergericht in Wetzlar als Beisitzer tätig, um dann 1796 - wieder in Hannover - erst zum Hofrichter und 1797 dann zum Land- und Schatzrat ernannt zu werden.[3] Verheiratet war er mit Louise Eleonore von Zwierlein.[4]

Zu Beginn der französischen Besetzung "Kur"-Hannovers 1803 wurde Bremer zum diplomatischen Unterhändler mit den Franzosen: Am 3. Juni 1803 besiegelte seine Unterschrift unter der Konvention von Sulingen die Kapitulation der hannoverschen Armee. Die Ratifizierung der Konvention wurde von Napoleon anschließend verweigert. Am 5. Juli 1803 unterzeichnete der hannoversche Oberbefehlshaber von Wallmoden-Gimborn in Artlenburg die weitergehende Konvention über die Kapitulation des Kurfürstentums Hannover und die Auflösung der Hannoverschen Armee.

Wenige Tage später wurde Bremer von General Édouard Adolphe Mortier als einer von fünf Mitgliedern der sogenannten "Exekutivkommission" eingesetzt. Nach dem Abzug der Franzosen Ende 1805 wurde er Staats- und Kabinettsminister für Äußeres und Finanzen.[5] Nachdem er im Zuge der zweiten französischen Besetzung Hannovers 1807 entlassen wurde, flüchtete er gemeinsam mit der hannoverschen Regierung nach Schwerin. Unterdessen zogen die Franzosen alle seine Güter ein.

Nach der Niederlage der napoleonischen Truppen bei Waterloo wurde Bremer ab 1814 abermals Außen- und Finanzminister. Zeitweilig war er sogar Kriegsminister. Nach dem Wiener Kongress und der Erhebung Hannovers zum Königreich wurde Bremer 1817 die Ehrenbürger-Würde der Stadt Hannover verliehen. Dies bedeutete zugleich das unentgeltliche Recht auf Bürger- und Brauer-Gilde-Recht. Die Verfassung von 1819 war im Wesentlichen ein Werk von Bremer, zumal er enger Vertrauter des Grafen Ernst Friedrich Herbert zu Münster war, seinerzeit Chef der Deutschen Kanzlei in London. Bremer war jedoch zugleich Freund von August Wilhelm Rehberg.

1823 erhielt Bremer den Vorsitz im Ministerium. Zu seinem 50-jährigen Dienstjubiläum wurde er am 6. August 1832 in den Grafenstand erhoben. Erst kurz vor seinem 73sten Lebensjahr trat er im Zuge der Juli-Revolution in den Ruhestand.

Familie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Er heiratete Louise von Zwierlein, eine Tochter des Advokaten und Prokurators am Reichskammergericht Wetzlar dem Reichsfreiherrn Christian Jacob von Zwierlein (1737–1793). Deren Sohn Carl (* 3 November 1791; † 19. August 1853) wurde Kriegsrat sowie Stallmeister und heiratete Sophie von Staffhorst (* 10. Februar 1805).[6] Luise Sophie Frederike Eleonore (* 16. August 1797; † 20. März 1819) heiratete Karl Ludwig Friedrich Leutrum von Ertingen (* 27. August 1791; † 18. Dezember 1852)[7]

Ehrungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Adolf Schaumann: Bremer, Friedrich Franz Dietrich, Graf von. In: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB). Band 3, Duncker & Humblot, Leipzig 1876, S. 304 f.
  • Bernd Mühlhan: Bremer, Friedrich Franz Dietrich. In: Neue Deutsche Biographie (NDB). Band 2, Duncker & Humblot, Berlin 1955, ISBN 3-428-00183-4, S. 581 (Digitalisat).
  • Deutsche Biographische Enzyklopädie, Bd. 2, S. 109
  • Wilhelm Rothert (Herausgeber) und (für Bd. 3 A. Rothert und M. Peters (Herausgeber)): Hannoversche Biographie. Bd. 1: Hannoversche Männer und Frauen seit 1866; Bd. 2: Im alten Königreich Hannover, 1814–1866; Bd. 3: Hannover unter dem Kurhut, 1646-1815; Hannover; 1912, 1914 und 1916; hier: Bd. 2, S. 523 sowie Bd. 3, S. 483
  • Heinrich Wilhelm Rotermund: Das Gelehrte Hannover oder Lexikon von Schriftstellern und Schriftstellerinnen, gelehrten Geschäftsmännern und Künstlern, die seit der Reformation in und außerhalb der sämtlichen zum Königreich Hannover gehörigen Provinzen gelebt haben und noch leben, aus den glaubwürdigsten Schriftstellern zusammengetragen, 2 Bde., Bremen 1823; hier: Bd. 1, S. 262
  • C. Haase: Ernst Brandes 1758–1810 (v.a. Bd. II, 1974)
  • C. Haase: Politische Säuberungen in Niedersachsen 1813–1815, 1983
  • C. Haase: Der Briefwechsel Friedrich Franz Dietrich von Bermers mit Ernst Friedrich Herbert Graf von Münster 1806–1831, in: Niedersächsisches Jahrbuch 46/47 (1974/75), S. 329–344
  • Horst Kruse: Stände und Regierung – Antipoden. Die Calenberg-Göttingischen Landstände 1715–1802. Hannover 2000 (= Quellen und Darstellungen zur Geschichte Niedersachsens, Bd. 121), S. 230f.
  • Niedersächsische Lebensbilder. Bde. 1–9, Hildesheim, Leipzig 1939–1976; hier: Bd. 3, S. 36–46
  • Klaus Mlynek: Bremer, Friedrich Franz Dietrich Graf von in: Stadtlexikon Hannover, S. 83, 557

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Ludwig Hoerner in: Hannover in frühen Photographien 1848–1910. Mit einem Beitrag von Franz Rudolf Zankl. München, Schirmer-Mosel, 1979. ISBN 3-921375-44-4. S. 37f.
  2. Gerd Weiß (zusammen mit Marianne Zehnpfennig): Die südliche Wallbebauung: Friedrichswall, in: Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland, Baudenkmale in Niedersachsen, Stadt Hannover, Teil 1, Bd. 10.1, herausgegeben vom Niedersächsischen Landesverwaltungsamt - Institut für Denkmalpflege, Verlag Friedr. Vieweg & Sohn, Braunschweig/Wiesbaden 1983, ISBN 3-528-06203-7, hier: S. 66f.
  3. Winfried Schulze, Helmut Gabel (Hrsg.): Ständische Gesellschaft und soziale Mobilität (= Historisches Kolleg München [Hrsg.]: Schriften des Historischen Kollegs: Kolloquien. Band 12). Walter de Gruyter GmbH, 1988, ISBN 3-486-54351-2, S. 361 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
  4. Anette Baumann: Advokaten und Prokuratoren: Anwälte am Reichskammergericht (1690-1806) (= Quellen und Forschungen zur höchsten Gerichtsbarkeit im Alten Reich. Band 51). Böhlau Verlag, Köln, Weimar, Wien 2006, ISBN 3-412-07806-9, S. 129 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
  5. Carl Haase: Politische Säuberungen in Niedersachsen 1813–1815: eine Fallstudie zur Phänomenologie der Kollaboration (= Quellen und Untersuchungen zur allgemeinen Geschichte Niedersachsens in der Neuzeit. Band 5). A. Lax, Hildesheim 1983, ISBN 3-7848-3419-1, S. 10/12 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
  6. Genealogisches Taschenbuch der gräflichen Häuser auf das Jahr 1893, S. 161
  7. Gothaisches genealogisches Taschenbuch der freiherrlichen Häuser auf das Jahr 1859, S.433