Artlenburg

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Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Gemeinde Artlenburg
Artlenburg
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Artlenburg hervorgehoben
53.37527777777810.4891666666674Koordinaten: 53° 23′ N, 10° 29′ O
Basisdaten
Bundesland: Niedersachsen
Landkreis: Lüneburg
Samtgemeinde: Scharnebeck
Höhe: 4 m ü. NHN
Fläche: 11,85 km²
Einwohner: 1588 (31. Dez. 2012)[1]
Bevölkerungsdichte: 134 Einwohner je km²
Postleitzahl: 21380
Vorwahl: 04139
Kfz-Kennzeichen: LG
Gemeindeschlüssel: 03 3 55 003
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Schulstraße 3
21380 Artlenburg
Webpräsenz: Flecken Artlenburg
Bürgermeister: Rolf Twesten (CDU)
Lage der Gemeinde Artlenburg im Landkreis Lüneburg
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Über dieses Bild

Artlenburg ist ein Flecken im Landkreis Lüneburg in Niedersachsen.

Geografie[Bearbeiten]

Geografische Lage[Bearbeiten]

Artlenburg liegt westlich des Naturparks Elbufer-Drawehn direkt an der Elbe. Der Elbe-Seitenkanal zweigt hier von der Elbe ab. Die Gemeinde gehört der Samtgemeinde Scharnebeck an, die ihren Verwaltungssitz in der Gemeinde Scharnebeck hat.

Geschichte[Bearbeiten]

Der Name Artlenburg rührt von der auf dem gegenüberliegenden Ufer der Elbe liegenden Ruine der Ertheneburg her, die den Elbübergang der Alten Salzstraße von Lüneburg nach Lübeck sicherte; die Ruine gehört heute zur Gemeinde Schnakenbek.

Durch das Artlenburger Privileg im Jahre 1161 wurden Streitigkeiten zwischen den deutschen und skandinavischen Kaufleuten gelöst, indem Lübecker Kaufleute den bisher im Ostseehandel dominierenden gotländischen Kaufleuten rechtlich gleichgestellt wurden. Dies bildete die Grundlage für die Ausbreitung der Hanse über die Ostsee.

In den Vorlesungen über die Geschichte des deutschen Volkes und Reiches von Heinrich Leo heißt es:

Der Dänenkönig Waldemar hatte bis zum J. 1206 ruhig des früher am deutschen Reiche begangenen Raubes genoßen. Otto's Stellung in Norddeutschland hatte ihn gedeckt. Mit einemmale griff er nun im J. 1206 Herzog Bernhard von Sachsen an, und zerstörte Artlenburg.[2]

1211 war Artlenburg wieder aufgebaut.[3]

Das französische Hauptheer zwang den kommandierenden hannoverschen Feldmarschall Reichsgraf Johann Ludwig von Wallmoden-Gimborn zum Abschluss des Vertrages von Artlenburg am 5. Juli 1803, infolgedessen das hannoversche Heer sich auflöste. Die als Konvention von Artlenburg bezeichnete Kapitulation machte die Franzosen zu Herren des Landes.[4]

In Artlenburg wurden am 23. April 1821 insgesamt 63 Wohnhäuser nebst Nebengebäuden durch eine Brandkatastrophe eingeäschert. Im vierten Band des „Vaterländischen Archivs“, Hannover 1821, S. 416 ff., findet sich eine ausführliche „Nachricht über Artlenburgs Einäscherung vom 23. April 1821“ vom Amtsassessor Eberhard Christian Compe in Artlenburg:[5]

Ungeachtet ihres drückenden Elends fühlen Artlenburgs unglückliche Bewohner sich zum freudigsten Danke aufgeregt für die lebhafte Theilnahme, welche ihr trauriges Schicksal in der Nähe und Ferne erweckt hat, und für die Bereitwillige Hülfe, womit Inn= und Ausländer ihnen entgegen zu kommen wetteifern. Wie die Blitzesschnelle des verheerenden Brandes und wie das sichtbare Feuerzeichen auf 10 und mehrere Meilen in die Runde, hat sich das Gerücht davon nach allen Gegenden schnell verbreitet und in seinen colossalen Darstellungen die schreckliche Wahrheit diesmal nicht übertroffen. (...)

Über die Ereignisse in den letzten Tagen des Zweiten Weltkrieges (1939–1945) gibt die Artlenburger Chronik Auskunft:

Das Kriegsgeschehen näherte sich jetzt immer mehr der Elbe. Vielfach vergruben die Leute Wertsachen und Wäsche. Ein Zug des Artlenburger Volkssturms musste die Neetzebrücke in Lüdershausen bewachen. Von Lüneburg zogen von nun an Truppenverbände der Elbe zu. Die alte Heerstraße bot ein Buntbewegtes, z.T. auch trauriges Bild. Infanteristen, Pioniere, Artillerieabteilungen, Nachschubverbände usw. Abteilungen, Nachschubverbände usw. wechselten einander ab, manche gut geordnet, andere in regellosen ungeordneten Haufen. Dazwischen kamen Gruppen von Kriegsgefangenen, die über die Hohnstorfer Brücke nach Schleswig-Holstein gebracht werden sollten. Eine Militärfähre setzte Truppen über die Elbe. Die Brücken über die Neetze bei Lüdershausen und über den Schneegraben wurden gesprengt. Am Nachmittag näherte sich ein deutscher Tigerpanzer (offensichtlich der Panzerkampfwagen VI Tiger II), der noch über die Hohnstorfer Elbbrücke gekommen war auf dem Deich unserem Ort, kam aber nicht mehr zum Schuß, sondern wurde noch abends von der Besatzung an der Elbe gesprengt.
Am 20. April 1945 entbrannte der Kampf. Mittags schoß der Engländer einige Brandgranaten (roten Phosphor) ins Dorf. Nachmittags erfolgte ein Tieffliegerangriff mit 2cm-Bordwaffen. In der Nacht vom 20. auf den 21. April bombardierte englische Artillerie unseren Ort so heftig, daß 50 % der Häuser mehr oder weniger stark beschädigt wurden. Das alte Schulhaus z.B. hatte 7 Volltreffer erhalten. Artlenburg bot ein Bild der Verwüstung. Dächer waren abgedeckt, Fensterscheiben zertrümmert, Zäune umgerissen, Leitungsmasten abgebrochen, Drähte hingen zerrissen von den Masten herab, Trümmer bedeckten die Straßen. Die Einwohner waren in die Keller, in Luftschutzbunker oder in die Feldmark geflüchtet.“

Ortsname[Bearbeiten]

Der Ort Artlenburg setzt die Siedlung von Neu-Erthenburg fort. Namengebend war die Burg Ertheneburg, die zumeist auf dem Nordufer der Elbe gesucht wird. Frühere Ortsnamen von Artlenburg waren im 12. Jahrhundert Ertheneburg, Mitte des 12. Jahrhunderts Sifridum de Ertiniburch, 1137 Erteneburg und im 13. Jahrhundert Ertineburch mit der Variante Ertineburgh. Der Ortsname Neu-Ertheneburg erscheint seit dem 13. Jahrhundert in den Jahren 1211 als prope nouam Ertenburc, 1543 in Ertellenborg und 1547 to Artlenborg.

Der Flussname ist wie folgendermaßen belegt:

1137 Erthene, 1228 in palude Blekede determinatum est illos de Blekede protendi usque ad fluvium, qui Ertene (Variante: Erthene) nominatur , (1319-1330) (A. 16. Jahrhundert) in palude Blekede usque Ertheneborch. In alio registro habetur usque Otsene , (1312-1331) (A. 16. Jh.) in palude Blekede et usque Otene.

Unstrittig ist, dass Erteneburg/Artlenburg seinen Namen von einem heute verschwundenen Gewässernamen erhalten hat.[6]

Politik[Bearbeiten]

Der Flecken Artlenburg gehört zum Landtagswahlkreis 48 Elbe und zum Bundestagswahlkreis 38 Lüchow-Dannenberg–Lüneburg.[7][8]

Gemeinderat[Bearbeiten]

Der Rat der Gemeinde Artlenburg setzt sich aus 11 Abgeordneten zusammen.

CDU SPD Grüne FDP Gesamt
2001 6 4 1 0 11 Sitze
2006 6 5 0 0 11 Sitze
2011 7 4 0 0 11 Sitze

Stand: Kommunalwahl am 11. September 2011

Bürgermeister[Bearbeiten]

Ehrenamtlicher Bürgermeister ist zurzeit Rolf Twesten.

Museen[Bearbeiten]

  • Heimatmuseum, mit Ausstellungsstücken aus der Region.
Denkmal auf dem Elbdeich

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

Verkehr[Bearbeiten]

Die B 209 LüneburgLauenburg berührt das Gemeindegebiet von Artlenburg.

Sonstiges[Bearbeiten]

In der Konvention von Artlenburg kapitulierte 1803 das Kurfürstentum Hannover gegenüber der Armee Napoleons. Teile der unterlegenen hannoverschen Truppen entzogen sich über das nördlich der Elbe gelegene, damals noch zu Kur-Hannover gehörende Herzogtum Sachsen-Lauenburg der Entwaffnung durch die Franzosen und gingen nach England, wo sie die King’s German Legion bildeten.

Literatur[Bearbeiten]

  • André Feit: Die letzten Kriegstage im Dreieck Artlenburg – Hohnstorf/Elbe – Lauenburg – Ein Rückblick nach 60 Jahren Frieden. Hohnstorf (Elbe) 2005
  • Flecken Artlenburg. Unsere Chronik. Schwarzenbek 2013
  • August Hoffmann: Sippenbuch der Gemeinde Artlenburg 1640–1938. Artlenburg 1987

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Artlenburg – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Landesbetrieb für Statistik und Kommunikationstechnologie Niedersachsen, Fortgeschriebene Einwohnerzahlen zum 31. Dezember 2012 (Hilfe dazu)
  2. Leo, Heinrich: Vorlesungen über die Geschichte des deutschen Volkes und Reiches, Dritter Band, Halle, Eduard Anton, 1861, S. 104 f.
  3. Usinger, Rudolf: Deutsch-dänische Geschichte 1189–1227, Berlin 1863, Verlag und Druck von E. S. Mittler und Sohn, S. 133.
  4. Vgl. Blazek, Matthias: Das Kurfürstentum Hannover und die Jahre der Fremdherrschaft 1803–1813, ibidem, Stuttgart 2007, ISBN 978-3-89821-777-4, S. 13.
  5. Ausführlich: Blazek, Matthias: Das Löschwesen im Bereich des ehemaligen Fürstentums Lüneburg von den Anfängen bis 1900, Adelheidsdorf 2006, S. 186 f., ISBN 978-3-00-019837-3.
  6. Der Ortsnamenforscher auf NDR 1 Niedersachsen. Recherche Jürgen Udolph.
  7. Landtagswahlkreise ab 16. Wahlperiode. Wahlkreiseinteilung für die Wahl zum Niedersächsischen Landtag. Anlage zu § 10 Abs. 1 NLWG, S. 4. (PDF; 87 KB).
  8. Beschreibung der Wahlkreise. Anlage zu § 2 Abs. 2 Bundeswahlgesetz. In: Achtzehntes Gesetz zur Änderung des Bundeswahlgesetzes. Anlage zu Artikel 1. Bonn 18. März 2008, S. 325. (PDF; 200 KB).