Friedrich Wilhelm Kritzinger (Theologe)

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Friedrich Wilhelm Kritzinger (* 24. Januar 1816 in Lehnin, Provinz Brandenburg, Königreich Preußen; † 12. Juli 1890 in Naumburg (Saale), Provinz Sachsen, Königreich Preußen) war ein deutscher evangelischer Theologe und Pädagoge. Er ging als Autor des Weihnachtsliedes Süßer die Glocken nie klingen in die Literaturgeschichte ein.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kritzinger war der Nachfahre Salzburger Exulanten, die 1731/32 aus dem Erzstift Salzburg vertrieben wurden und sich im Fürstentum Sachsen-Merseburg ansiedeln konnten. Die folgenden Generationen waren im kursächsischen Leipzig ansässig, von wo es Kritzingers Vater in den Wirren der Befreiungskriege nach Preußen brachte. Hier fand er in Lehnin eine Anstellung als Oekonomie-Schreiber und schließlich Sekretär beim königlich-preußischen Rentamt. Aus der Verbindung mit der Tochter eines Lehniner Schneidermeisters wurde 1816 zunächst der Sohn Friedrich Wilhelm geboren, bevor er seine Frau im Mai 1817 heiratete. Im Jahre 1823 folgte dann der zweite Sohn Ludwig.[1]

Nach der Klosterschule in Lehnin und einer weiterführenden Schule studierte er bei August Neander Theologie in Berlin. Von 1847 bis 1850 leitete er ein Privatinstitut in Pyritz (Provinz Pommern). Ostern 1850 wurde er zum Rektor der Stadtschule in Naugard (Provinz Pommern) bestellt. Nach Empfehlung des preußischen Kultusministers von Eichhorn hatte Otto Viktor Fürst von Schönburg-Waldenburg (1785–1859) Kritzinger ab 8. Juli 1852 zum ersten Direktor der Lehrerinnenbildungsanstalt (heute Christophorusgymnasium) in Droyßig (preußische Provinz Sachsen) bestellt.[2] Diese Position hatte Kritzinger 38 Jahre lang inne.

Gesundheitlich angeschlagen, musste Kritzinger um seine Versetzung in den Ruhestand zum 1. Juli 1890 bitten. Mit seiner Familie siedelte er nach Naumburg (Saale) um. Schon kurz nach dem Umzug starb er dort. Auf Wunsch des Prinzen Hugo zu Schönburg-Waldenburg wurde er auf dem Friedhof in Droyßig gegenüber dem Prinzlichen Erbbegräbnis beigesetzt. Sein Grab dort ist noch heute erhalten und in gutem Zustand.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kritzinger war auch als Dichter tätig. Für die täglichen Morgenandachten, die er als Leiter der Königlichen Erziehungs- und Bildungsanstalten in Droyßig hielt, sowie zu hohen kirchlichen Festtagen, schrieb er vor allem religiöse Lieder und Gedichte.[3] Sein bis heute bekanntestes Werk ist das Weihnachtslied Süßer die Glocken nie klingen, das er zur Melodie des aus Thüringen überlieferten Volkslieds Dort sinket die Sonne im Westen verfasste. Sein Gedicht Der Wald („Wald, du bist so wunderschön“) wurde mehrfach als Chorsatz vertont, so von Michael Eduard Surläuly und Karl Attenhofer.[4]

Er hat bei seinen Dichtungen mit seinem Bruder Ludwig Kritzinger (1823–1894) eng zusammengearbeitet. Nach neueren Forschungen des Kirchenmusikers Andreas Behrendt[5] ist „die Quellenlage nicht eindeutig“; nach der überlieferten Familiengeschichte soll Ludwig der eigentliche Autor des Liedes sein.[1] Er hat auch die Klosterschule Lehnin absolviert und war später Schulmeister. Nach Anstellungen in der Uckermark kam er 1866 in seinen Heimatort zurück.[6] Als Kantor und erster Lehrer der neu gegründeten „Unierten Evangelischen Schule“ in Lehnin[7] hat er seit 1874 sicher nachdrücklich zur Verbreitung der Lieder seines Bruders beigetragen. Beide Brüder haben auch Abhandlungen zur Geschichte des Klosters Lehnin verfasst.

Ehrungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seine Verdienste brachten ihm zahlreiche Ehrungen ein. 1875 wurde ihm der Adler der Ritter des Königlichen Hausordens von Hohenzollern verliehen und er 1885 zum Königlichen Schulrat ernannt. 1888 erhielt er den Roten Adlerorden IV. Klasse und die III. Klasse mit Schleife. In Droyßig wurde die Wilhelm-Kritzinger-Straße nach ihm benannt.[8] Sein Geburtsort Lehnin beschloss 2019, ihn gemeinsam mit seinem Bruder Ludwig mit einer Kritzingergasse zu ehren.[9] Die Benennung der Kritzingergasse und die Enthüllung einer Gedenktafel fand am 28. November 2021 statt.[6][10]

Werke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Werkverzeichnis nach zeitgenössischen Katalogen:[11][12][13]

Weiteres:

  • als Wilhelm Kritzinger: Die Gründung des ehemals so berühmten Cisterzienser-Klosters Lehnin bei Brandenburg a.d.H. und Beschreibung der daselbst befindlichen Merkwürdigkeiten. Lehnin o. J. [1851 ?] (Digitalisat in der Google-Buchsuche).
  • Beitrag zu: Ludwig Kritzinger: Kloster Lehnin und seine Sagen. Lehnin 1876.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Gedenkblätter des Königlichen Lehrerinnen-Seminars zu Droyßig, 1. bis 6. Band, 1857 bis 1890
  • Festschrift zum 50-jährigen Bestehen der Droyßiger Anstalten am 1. Oktober 1902, herausgegeben von Paul Meyer, Breslau 1902
  • Franz Brümmer: Lexikon der deutschen Dichter und Prosaisten vom Beginn des 19. Jahrhunderts bis zur Gegenwart. Bd. 4. 6. Aufl. Leipzig 1913, S. 116 (Digitalisat).
  • Droyßiger Blätter Nr. 1 bis 12 (1927 bis 1932)
  • Hermann Petrich: Unser Geistliches Volkslied. 2. Auflage. 1924, S. 185 f.
  • Monatshefte für Evangelische Kirchengemeinden des Rheinlandes, 34. Jahrgang, 1985, 269 ff.
  • Harry Beyer: KRITZINGER, Friedrich Wilhelm. In: Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon (BBKL). Band 4, Bautz, Herzberg 1992, ISBN 3-88309-038-7, Sp. 668–670.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Thomas Messerschmidt: Warum das Lied „Süßer die Glocken nie klingen“ mit Lehnin verbunden ist. BRAWO (Brandenburger Wochenblatt), 5. Dezember 2021, abgerufen am 7. Dezember 2021.
  2. Kurzchronik zur Geschichte der Droyßiger königlichen Erziehungs-und Bildungsanstalten, abgerufen am 12. Juli 2020.
  3. Liederverzeichnis
  4. Author: Friedrich Wilhelm Kritzinger (1816–1890) bei The LiederNet Archive, abgerufen am 11. Juli 2020.
  5. Porträt Behrendt
  6. a b Lehniner ersannen „Süßer die Glocken nie klingen“. Kloster Lehnin (Gemeinde), 22. November 2021, abgerufen am 29. November 2021.
  7. Schulgeschichte Lehnin
  8. Wilhelm-Kritzinger-Straße in Droyßig, abgerufen am 11. Juli 2020.
  9. Christine Lummert: Großer Name für kleine Gasse in Lehnins Ortsmitte. Märkische Allgemeine, 16. Mai 2019, abgerufen am 11. Juli 2020.
  10. Andreas Koska: „Süßer die Glocken nie klingen“ – Ein Lehniner ist der Verfasser. zauche365.de, abgerufen am 7. Dezember 2021.
  11. Wilhelm Heinsius: Allgemeines Bücher-Lexikon oder vollständiges alphabetisches Verzeichnis aller ... erschienenen Bücher, welche in Deutschland und in den durch Sprache und Literatur damit verwandten Ländern gedruckt worden sind. Band 14, Erste Abteilung: A–K. Brockhaus, Leipzig 1869, S. 718 (Digitalisat in der Google-Buchsuche).
  12. Gustav Wilhelm Wuttig, Richard Haupt: Neues Bücher-Lexikon. Erster Teil: 1865–1870 A–K (= Christian Gottlob Kayser: Vollständiges Bücher-Lexicon ... 1750–1910. Band 17). Weigel, Leipzig 1872, S. 629 (Digitalisat in der Google-Buchsuche).
  13. Hilmar Schmuck, Willi Gorzny, Peter Geils (Hrsg.): Gesamtverzeichnis des deutschsprachigen Schrifttums (GV) 1700–1910. Band 81: Kreu – Krz. K.G. Saur, München 1983. ISBN 3-598-30000-X, S. 142 u. 144 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).