Friedrich Wilhelm Kritzinger (Theologe)

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen

Friedrich Wilhelm Kritzinger (* 24. Januar 1816 in Lehnin; † 12. Juli 1890 in Naumburg (Saale)) war ein deutscher evangelischer Theologe und Pädagoge. Er ging als Autor des Weihnachtsliedes Süßer die Glocken nie klingen in die Literaturgeschichte ein.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kritzinger besuchte die Klosterschule in Lehnin und das Gymnasium der Ritterakademie in Dom Brandenburg. Danach studierte er bei August Neander Theologie in Berlin. Von 1847 bis 1850 leitete er ein Privatinstitut in Pyritz (Pommern). Ostern 1850 wurde er zum Rektor der Stadtschule in Naugard (Pommern) bestellt. Nach Empfehlung des preußischen Kultusministers von Eichhorn hatte Otto Viktor Fürst von Schönburg-Waldenburg (1785–1859) Kritzinger ab 8. Juli 1852 zum ersten Direktor der Lehrerinnenbildungsanstalt (heute Christophorusgymnasium) in Droyßig bestellt.[1] Diese Position hatte Kritzinger 38 Jahre lang inne.

Kritzinger war auch als Dichter tätig. Für die täglichen Morgenandachten, die er als Leiter der Königlichen Erziehungs- und Bildungsanstalten in Droyßig hielt, sowie zu hohen kirchlichen Festtagen, schrieb er religiöse Lieder und Gedichte. Sein bis heute bekanntestes Werk ist das Weihnachtslied Süßer die Glocken nie klingen, das er zur Melodie des aus Thüringen überlieferten Volkslieds Dort sinket die Sonne im Westen verfasste. Sein Gedicht Der Wald („Wald, du bist so wunderschön“) wurde mehrfach als Chorsatz vertont, so von Michael Eduard Surläuly und Karl Attenhofer.[2]

Gesundheitlich angeschlagen, musste Kritzinger um seine Versetzung in den Ruhestand zum 1. Juli 1890 bitten. Mit seiner Familie siedelte er nach Naumburg (Saale) um. Schon kurz nach dem Umzug starb er dort. Auf Wunsch des Prinzen Hugo zu Schönburg-Waldenburg wurde er auf dem Friedhof in Droyßig gegenüber dem Prinzlichen Erbbegräbnis beigesetzt. Sein Grab dort ist noch heute erhalten und in gutem Zustand.

Seine Verdienste brachten ihm zahlreiche Ehrungen ein. 1875 wurde ihm der Adler der Ritter des Königlichen Hausordens von Hohenzollern verliehen. 1885 wurde er zum Königlichen Schulrat ernannt. 1888 erhielt er den Roten Adlerorden IV. Klasse und 1890 den Roten Adlerorden III. Klasse mit Schleife. In Droyßig wurde die Wilhelm-Kritzinger-Straße nach ihm benannt.[3] Seine Geburtsstadt Lehnin beschloss 2019, ihn gemeinsam mit seinem Bruder Ludwig Kritzinger mit einer Kritzinger-Gasse zu ehren.[4]

Werke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Werkverzeichnis nach zeitgenössischen Katalogen:[5][6][7]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Gedenkblätter des Königlichen Lehrerinnen-Seminars zu Droyßig, 1. bis 6. Band, 1857 bis 1890
  • Festschrift zum 50-jährigen Bestehen der Droyßiger Anstalten am 1. Oktober 1902, herausgegeben von Paul Meyer, Breslau 1902
  • Franz Brümmer: Lexikon der deutschen Dichter und Prosaisten vom Beginn des 19. Jahrhunderts bis zur Gegenwart. Bd. 4. 6. Aufl. Leipzig 1913, S. 116 (Digitalisat).
  • Droyßiger Blätter Nr. 1 bis 12 (1927 bis 1932)
  • Hermann Petrich: Unser Geistliches Volkslied. 2. Auflage. 1924, S. 185 f.
  • Monatshefte für Evangelische Kirchengemeinden des Rheinlandes, 34. Jahrgang, 1985, 269 ff.
  • Harry Beyer: KRITZINGER, Friedrich Wilhelm. In: Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon (BBKL). Band 4, Bautz, Herzberg 1992, ISBN 3-88309-038-7, Sp. 668–670.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Kurzchronik zur Geschichte der Droyßiger königlichen Erziehungs-und Bildungsanstalten, abgerufen am 12. Juli 2020.
  2. Author: Friedrich Wilhelm Kritzinger (1816–1890) bei The LiederNet Archive, abgerufen am 11. Juli 2020.
  3. Wilhelm-Kritzinger-Straße in Droyßig, abgerufen am 11. Juli 2020.
  4. Christine Lummert: Großer Name für kleine Gasse in Lehnins Ortsmitte. Märkische Allgemeine, 16. Mai 2019, abgerufen am 11. Juli 2020.
  5. Wilhelm Heinsius: Allgemeines Bücher-Lexikon oder vollständiges alphabetisches Verzeichnis aller ... erschienenen Bücher, welche in Deutschland und in den durch Sprache und Literatur damit verwandten Ländern gedruckt worden sind. Band 14, Erste Abteilung: A–K. Brockhaus, Leipzig 1869, S. 718 (Digitalisat in der Google-Buchsuche).
  6. Gustav Wilhelm Wuttig, Richard Haupt: Neues Bücher-Lexikon. Erster Teil: 1865–1870 A–K (= Christian Gottlob Kayser: Vollständiges Bücher-Lexicon ... 1750–1910. Band 17). Weigel, Leipzig 1872, S. 629 (Digitalisat in der Google-Buchsuche).
  7. Hilmar Schmuck, Willi Gorzny, Peter Geils (Hrsg.): Gesamtverzeichnis des deutschsprachigen Schrifttums (GV) 1700–1910. Band 81: Kreu – Krz. K.G. Saur, München 1983. ISBN 3-598-30000-X, S. 142 u. 144 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).