Kloster Lehnin (Gemeinde)

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Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Gemeinde Kloster Lehnin
Kloster Lehnin (Gemeinde)
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Kloster Lehnin hervorgehoben
Koordinaten: 52° 19′ N, 12° 43′ O
Basisdaten
Bundesland: Brandenburg
Landkreis: Potsdam-Mittelmark
Höhe: 56 m ü. NHN
Fläche: 200,97 km²
Einwohner: 10.720 (31. Dez. 2015)[1]
Bevölkerungsdichte: 53 Einwohner je km²
Postleitzahl: 14797
Vorwahlen: 03382, 033835, 033207 (Göhlsdorf)Vorlage:Infobox Gemeinde in Deutschland/Wartung/Vorwahl enthält Text
Kfz-Kennzeichen: PM
Gemeindeschlüssel: 12 0 69 306
Gemeindegliederung: 14 Ortsteile
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Friedensstraße 3
14797 Kloster Lehnin
Webpräsenz: www.klosterlehnin.de
Bürgermeister: Uwe Brückner (parteilos)
Lage der Gemeinde Kloster Lehnin im Landkreis Potsdam-Mittelmark
Bad Belzig Beelitz Beetzsee Beetzseeheide Bensdorf Borkheide Borkwalde Brück Buckautal Golzow Görzke Gräben Havelsee Kleinmachnow Kloster Lehnin Linthe Linthe Michendorf Mühlenfließ Niemegk Nuthetal Päwesin Planebruch Planetal Rabenstein/Fläming Rosenau (Brandenburg) Roskow Schwielowsee Seddiner See Stahnsdorf Teltow Treuenbrietzen Wenzlow Werder (Havel) Wiesenburg/Mark Wollin Wusterwitz Ziesar Groß Kreutz BrandenburgKarte
Über dieses Bild
Posthalterei Lehnin
Historischer Backofen in Emstal
Torfstichsee Emstaler Schlauch

Kloster Lehnin [ləˈniːn] ist eine amtsfreie Gemeinde im Landkreis Potsdam-Mittelmark in Brandenburg (Deutschland).

Geografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kloster Lehnin liegt im Westen des Landes Brandenburg, 20 Kilometer südöstlich der Stadt Brandenburg an der Havel und rund 30 Kilometer südwestlich von Potsdam sowie rund 60 Kilometer von Berlin entfernt. Sie liegt beidseitig der Bundesautobahn 2 zwischen den Ortsteilen Göhlsdorf (an der Bundesautobahn 10 (Berliner Ring)) und Reckahn.

Landschaften, Flüsse[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Gemeindegebiet umfasst den größten Teil der Zauche sowie Teile der Havelniederung und des Planetales. Im Gemeindegebiet entspringt der meist kanalisierte Havelnebenfluss Emster.

Gemeindegliederung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gemeinde Kloster Lehnin besteht laut Hauptsatzung aus 14 Ortsteilen (mit jeweils einem Ortsvorsteher), zwei Gemeindeteilen[2] und weiteren Wohnplätzen[3].

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Dorf Lehnin als Kern der heutigen Gemeinde sieht als sein Gründungsdatum das Jahr 1180 an, als der Askanier Otto. I, der zweite Markgraf der Mark Brandenburg, das den Namen gebende Zisterzienser-Kloster Lehnin gründete. Deshalb wurde 2005 das 825-jährige Jubiläum gefeiert. Allerdings bestand 1180 und lange Zeit danach nur das Kloster. Die eigentliche Gründung des Dorfes oder Fleckens Lehnin vollzog sich 1415 aus einem Markt, den die Mönche vor den Klostermauern einrichteten. Eine größere Ausdehnung erfuhr der Ort 1667 durch die Ansiedlung von 13 Handwerkern mit ihren Familien. Der Grund dafür war vermutlich der häufige Aufenthalt des Kurfürsten. 1750 sind 104, 1800 152 Feuerstellen belegt. Allerdings verlor der Flecken Lehnin 1733 das Marktrecht an Werder (Havel) und konnte es erst 1855 wiedererlangen.

Das Dorf Rietz gehörte bis zu seiner Auflösung 1571 zum Hochstift Brandenburg, dem Fürstentum der Bischöfe des Bistums Brandenburg.[4]

1943 bezog der sogenannte Generalbevollmächtigte Chemie (Gebechem) mehrere Gebäude des heutigen Luise-Henrietten-Stifts und ließ auf dem Gelände für seine Behörde sieben weitere Baracken errichten. Die Behörde koordinierte die Interessen der Kriegswirtschaft mit denen der Wehrmacht und SS und verteilte von hier aus KZ-Häftlinge und Zwangsarbeiter auf die Chemieindustrie.[5] Das Stift ist eine diakonische Einrichtung der Evangelischen Kirche, die 1911 das Klostergelände bezog und in den alten Klostergemäuern sowie verschiedenen Neubauten eine weit verzweigte, heute vorbildliche helfende und heilende Einrichtung aufgebaut hat.

Am 23. April 1945 besetzten sowjetische Truppen der Roten Armee im Zusammenhang mit der Schlacht um Berlin auch Lehnin.

Bei Lehnin waren von 1982 bis 1990 die etwa 500 Fallschirmjäger der NVA stationiert. Ihr vorrangiges Ziel im Kriegs- oder Interventionsfall waren die Flughäfen von West-Berlin. Mitte Oktober 1989 wurde der Verband auf Anordnung Erich Honeckers, der als Vorsitzender des Nationalen Verteidigungsrats der DDR die formelle Befugnis dazu hatte, zum Einsatz gegen die Demonstranten nach Leipzig verlegt, blieb jedoch in den Kasernen.[6] Heute unterhält die Bundeswehr dort einen Truppenübungsplatz.

Eingemeindungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gutshaus und Feuerwehrhaus in Krahne

Die Gemeinde Kloster Lehnin entstand am 1. April 2002 aus dem freiwilligen Zusammenschluss der Gemeinden Emstal, Göhlsdorf, Grebs, Krahne, Lehnin, Michelsdorf, Nahmitz, Netzen, Prützke, Rädel, Reckahn und Rietz des damaligen Amtes Lehnin und der Gemeinde Damsdorf des Amtes Emster-Havel.[7] Am 26. Oktober 2003 wurde mittels Landesgesetz die bis dahin selbstständige Gemeinde Trechwitz (damaliges Amt Emster-Havel) ebenfalls eingegliedert.[8]

Sitz der Gemeindeverwaltung ist der Ortsteil Lehnin, Friedensstraße 3.

Bevölkerungsentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jahr Einwohner
2002 11 391
2003 11 863
2004 11 815
2005 11 700
2006 11 566
Jahr Einwohner
2007 11 398
2008 11 195
2009 11 129
2010 11 089
2011 10 732
Jahr Einwohner
2012 10 724
2013 10 669
2014 10 682

Gebietsstand des jeweiligen Jahres[9][10], ab 2011 auf Basis des Zensus 2011

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gemeindevertretung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gemeindevertretung besteht aus 22 Gemeindevertretern und dem hauptamtlichen Bürgermeister. Die Kommunalwahl am 25. Mai 2014 ergab folgende Sitzverteilung:[11]

Sozialdemokratische Partei Deutschlands (SPD) 8 Sitze
Christlich Demokratische Union Deutschlands (CDU) 5 Sitze
Freie Bürger und Bauern 4 Sitze
Die Linke 3 Sitze
Bürgernähe 1 Sitz
Freiwillige Feuerwehrverein Emstal 1 Sitz

Bürgermeister[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach der Bildung der Gemeinde wurde der damalige Amtsdirektor Bernd Kreykenbohm (parteilos) am 23. April 2002 durch die Gemeindevertretung für die restliche Dauer seiner Amtszeit bis zum 2. Juli 2008 zum hauptamtlichen Bürgermeister gewählt. In der Bürgermeisterwahl am 16. März 2008 wurde er mit 84,3 % der gültigen Stimmen in seinem Amt bestätigt. Am 20. März 2016 wurde Uwe Brückner (Listenvereinigung SPD / Freie Bürger und Bauern) mit 72,1 Prozent der gültigen Stimmen für eine Amtszeit von acht Jahren zu seinem Nachfolger gewählt (Amtsantritt: Anfang Juli 2016).[12][13]

Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Wappen wurde am 21. Februar 2003 genehmigt.

Blasonierung: „In Blau eine bewurzelte elfblättrige goldene Eiche überdeckt von einem springenden silbernen Hirsch.“[14]

Das heutige Wappen der Gemeinde – goldene Eiche auf blauem Grund, davor springender Hirsch in Silber – ist die Stilisierung einer Zeichnung in der Klosterkirche, die auf die Gründungslegende des Klosters zurückgeht, einen Traum von Otto I., in dem Hirsch und Eiche eine Rolle spielen. Näheres dazu hier.

Flagge[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Flagge besteht – bei Aufhängung an einem Querholz – aus drei Längsstreifen im Verhältnis 1:2:1 in den Farben Blau – Weiß – Blau mit dem Gemeindewappen im Mittelstreifen.

Städtepartnerschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit 2003 besteht eine Partnerschaft zwischen Kloster Lehnin und der belgischen Stadt Tervuren in Flandern.

Kreuzgang des Klosters Lehnin

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der Liste der Baudenkmale in Kloster Lehnin und in der Liste der Bodendenkmale in Kloster Lehnin stehen die in der Denkmalliste des Landes Brandenburg eingetragenen Kulturdenkmale.

Bauwerke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kirche in Damsdorf
  • Hauptsehenswürdigkeit im Ortsteil Lehnin ist das Kloster Lehnin und die Klosterkirche St. Marien
  • im Ortsteil Reckahn befinden sich das Gutshaus der Familie Rochow, welches Schloss Reckahn genannt wird, mit dem Rochow-Museum, das vorbestehende Alte Gutshaus Reckahn, die barocke Dorf- und Schlosskirche Reckahn, das Schulmuseum Reckahn und ein slawischer Burgwall Reckahn
  • Willibald Alexis (1798–1871), einem brandenburgischen Heimatschriftsteller setzte der Ortsteil Lehnin 1914 ein Denkmal vor dem Friedhof an der Puschkinstraße. Die Bronzeplakette mit dem Reliefmedaillon des Schriftstellers schuf der brandenburgische Bildhauer Paul Matzdorf. Der große Gedenkstein mit Tafel ist Ausgangspunkt für den Willibald-Alexis-Weg. Er wurde errichtet, da Lehnin örtlicher Hintergrund für Die Hosen des Herrn von Bredow ist, einem der bekanntesten Romane von Alexis.
  • Kriegerdenkmal für die Gefallenen des Ersten Weltkriegs im Ortsteil Netzen vor der Kirche
  • Sowjetisches Ehrenmal von 1971 im Ortsteil Kaltenhausen Nr.75/77, daneben ein Gedenkstein der VVN, der zur Verteidigung des Friedens aufruft

Naturdenkmäler[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Blaue Stein ist ein großer Findling mit einer bläulich-grünen Farbe im Kiefernforst etwa zwei Kilometer östlich des Dorfes Krahne. Dieser wurde früher als Steinbruch verwendet.

Regelmäßige Veranstaltungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jährlich am letzten September-Wochenende wird im Ortsteil Lehnin über zwei Tage ein internationales Kürbisfest mit bunten und teils kuriosen Kürbisdekorationen gefeiert. Dazu gibt es: Umzug, Markt, Stände, Lesung, Konzert, Wettbewerbe, Ausstellung – die Ausstellung 2003 zeigte 120 Kürbissorten. Gastdelegationen aus verschiedenen Orten wie Walhain-Saint-Paul in Belgien oder Preding in der Weststeiermark in Österreich waren zu Besuch.

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Neben der Landwirtschaft spielte die Schifffahrt auf Emster, Emsterkanal und Havel wirtschaftlich eine Rolle. Durch den Aufschluss von Lehm- und Tonvorkommen konnten im 19. Jahrhundert Ziegeleien errichtet werden, die Tagelöhner beschäftigten. Verschifft wurde der Backstein, wie auch in Glindow und Deetz, über die Havelgewässer nach Berlin, Potsdam, Brandenburg (Havel) bis nach Hamburg. Ab 1878 wurde durch die örtliche Wirtschaft, vorerst ergebnislos, angestrebt, die geplante Eisenbahnstrecke von Brandenburg nach Jüterbog über Lehnin zu führen. 1899 erfolgte dann der Kleinbahnanschluss der Lehniner Kleinbahn AG über Nahmitz und Damsdorf nach Groß Kreutz.

In den 1960er Jahren wurden die Ziegeleien geschlossen und 1967 der Betrieb der Kleinbahn eingestellt. Im Rahmen des Jugendobjektes „Havelobst“ der FDJ wurde ab 1982 der Obstbau im Lehniner Gebiet ausgedehnt. Seit der deutschen Wiedervereinigung wird der Tourismus zunehmend bestimmender Wirtschaftsfaktor; Anziehungspunkt ist neben dem Kloster die landschaftlich reizvolle Umgebung.

Größter Industriebetrieb in Kloster Lehnin ist die Grand River Enterprises (Deutschland) GmbH im Ortsteil Rietz. Grand River Enterprises ist ein Tabakwarenproduzent. Seit 2006 werden in Rietz mehrere Milliarden Zigaretten jährlich produziert. Das Unternehmen ist eine Ausgründung eines indianischen Unternehmens in Kanada. 290 Arbeitnehmer sind in Kloster Lehnin beschäftigt.

2010/11 wurde in der Gemeinde der Solarpark Reckahn mit einer Leistung von knapp 38 MWp installiert.[15]

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Söhne und Töchter der Gemeinde[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Rochows Herrenhaus in Reckahn (sogenanntes Schloss Reckahn)

Weitere Persönlichkeiten, die mit der Gemeinde in Verbindung stehen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Kloster Lehnin (Gemeinde) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Bevölkerung im Land Brandenburg nach amtsfreien Gemeinden, Ämtern und Gemeinden 31. Dezember 2015 (XLS-Datei; 83 KB) (Fortgeschriebene amtliche Einwohnerzahlen) (Hilfe dazu).
  2. Hauptsatzung für die amtsfreie Gemeinde Kloster Lehnin vom 29. Oktober 2008 PDF
  3. Dienstleistungsportal der Landesverwaltung – Gemeinde Kloster Lehnin
  4. Gustav Abb und Gottfried Wentz: Das Bistum Brandenburg. Erster Teil, In: Germania sacra, Berlin und Leipzig 1929, Walter de Gruyter, S. 69.
  5. Evangelisches Diakonissenhaus Berlin Teltow Lehnin Geschichte des Klosters Lehnin.
  6. Honeckers Elitetruppe – Die Fallschirmjäger. mdr, 28. April 2009
  7. Bildung einer neuen amtsfreien Gemeinde Kloster Lehnin. Bekanntmachung des Ministeriums des Innern vom 15. März 2002. Amtsblatt für Brandenburg – Gemeinsames Ministerialblatt für das Land Brandenburg, 13. Jahrgang, 2002, Nummer 13, Potsdam, 27. März 2002, S.403 PDF
  8. Viertes Gesetz zur landesweiten Gemeindegebietsreform betreffend die Landkreise Havelland, Potsdam-Mittelmark, Teltow-Fläming (4.GemGebRefGBbg) vom 24. März 2003. Gesetz- und Verordnungsblatt für das Land Brandenburg, I (Gesetze), 2003, Nr. 05, S.73
  9. Historisches Gemeindeverzeichnis des Landes Brandenburg 1875 bis 2005. Landkreis Potsdam-Mittelmark. S. 18–21
  10. Bevölkerung im Land Brandenburg nach kreisfreien Städten, Landkreisen und Gemeinden 1991 bis 2014
  11. Amtliches Ergebnis der Kommunalwahl vom 25. Mai 2014
  12. Kloster Lehnin: Brückner neuer Bürgermeister. In: Märkische Allgemeine, 20. März 2016
  13. Amtliches Ergebnis der Bürgermeisterwahl vom 20. März 2016
  14. Wappenangaben auf dem Dienstleistungsportal der Landesverwaltung des Landes Brandenburg
  15. Endspurt für Solarparks auf freier Fläche. In: Potsdamer Neueste Nachrichten, 28. Juli 2011. Abgerufen am 22. Januar 2016.