Gérard Lopez (Geschäftsmann)

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Gérard Lopez (* 27. Dezember 1971 in Luxemburg) ist ein luxemburgisch-spanischer Unternehmer, Geschäftsmann, Automobilrennfahrer, Fußballfunktionär und ehemaliger Formel-1-Rennstall-Besitzer.

Leben und Karriere[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gérard Lopez wurde als Kind spanischer Eltern im Großherzogtum Luxemburg geboren und spielte in seiner Jugend unter anderem Fußball beim Erstligaklub CS Fola Esch, dessen Präsident er Jahrzehnte später auch wurde. Seine Ausbildung erhielt er unter anderem an der Miami University, von der er mit einem Bachelor in Management-Informationssysteme und Betriebsmanagement und Schwerpunkten in der Mathematik und Statistiken abging. Gleich im Anschluss an sein Studium gründete und betrieb er zahlreiche Unternehmen in den Vereinigten Staaten, darunter die Web-Entwicklungsfirma Icon Solutions oder das Leasingunternehmen ProLease. Vor allem mit dem frühen Webservice-Provider Icon Solutions galt Lopez als einer der Pioniere in der Web-Entwicklung. Beide Firmen verkaufte er bereits nach 18 Monaten erfolgreich und gewinnbringend.

1998 gründete er gemeinsam mit Mark Tluszcz und Hans-Jürgen Schmitz Mangrove Capital Partners, eine Risikokapitalanlagefirma, die in zahlreiche große Projekte, wie Skype, Lumension Security, WooMe oder Brands4friends, in deren Anfangszeit investierte. Während Brands4friends unter anderem Anfang 2011 für 150 Millionen Euro von eBay gekauft wurde und Mangrove Capital Partners als Hauptinvestor davon profitierte, gilt der Verkauf von Skype an eBay im September 2005 für 3,1 Milliarden US-Dollar als das erfolgreichste Investment des luxemburgischen Unternehmens. Im Laufe der Jahre investierte Lopez in weitere Unternehmen wie SecureWave, Convergex oder Wix.com, wobei er teilweise auch als CEO und anderen offiziellen Funktionen in den jeweiligen Unternehmen mitwirkte. Weiters sitzt er im Vorstand diverser Technologieunternehmen wie PrimeSphere, Quickcom Global Communications, Pulpsport, Sapiens Tech, Lumension Security, ZINK Imaging oder Cambridge Healthcare & Biotech und tritt in einigen davon auch als Präsident in Erscheinung.

Als er mit Mangrove Capital Partners an der Firma Gravity Sport Management beteiligt war, wurde er auch in den Motorsport involviert und trat als Fahrer für das Gravity-Racing-International-Team bei Langstreckenrennen an. Bereits zuvor war er als Fahrer bei Bergrennen aktiv, so unter anderem mit einem Lamborghini Miura, und nahm an der FIA-GT3-Europameisterschaft teil. 2008 gründete er zusammen mit seinem von Gravity Sport Management kommenden Landsmann Éric Lux die Investmentgesellschaft Genii Capital. Vor allem den Beziehungen von Lopez war es zu verdanken, dass Genii Capital Ende des Jahres 2009 75 Prozent der Anteile des Formel-1-Rennstalls Renault kaufte. Ein knappes Jahr später erwarb Genii Capital auch die restlichen 25 Prozent an dem Rennstall, der in weiterer Folge zahlreiche Namenswechsel vollzog und eine Vereinbarung mit Lotus traf. In weiterer Folge trat Lopez auch als Teamchef des Rennteams, das vom Großen Preis von Bahrain in der Saison 2010 bis zum Großen Preis von Abu Dhabi in der Saison 2011 in insgesamt 115 Rennen antrat, in Erscheinung. Mitte des Jahres 2013 wurde erstmals medial über die wirtschaftlichen Schwierigkeiten des Team berichtet.[1] Ab dieser Zeit hatten manche Zulieferer die Belieferung des Team eingestellt und es gab diverse Gerichtsverhandlungen gegen das Rennteam. Aufsehen erregte auch die Beschlagnahmung Teile des Equipments während des Großen Preis von Belgien durch Gerichtsvollzieher. In weiterer Folge verkaufte Genii Capital 90 Prozent seiner Anteile am mittlerweile hochverschuldeten Rennstall im Dezember 2015 für den symbolischen Kaufpreis von einem Pfund Sterling zurück an Renault.[2] Genii Capital blieb jedoch weiterhin durch das Gravity Sport Management in anderen Rennserien vertreten.

Seit Sommer 2015 ist Lopez auch CEO der privat geführten Nekton Group, die hauptsächlich in die Ölförderung in Russland investiert.[3] Bereits im Herbst 2014 hatte er sich aus der Führungsetage von Mangrove Capital Partners zurückgezogen,[4] die mit Michael Jackson wiederum einen neuen Partner an Land zogen. Zum Verdacht der Geldwäsche kam es während seiner Präsidentschaft auch bei CS Fola Esch, wobei vom Formel-1-Rennstall über eine von seinem Partner Éric Lux betreute Firma in Hongkong zwei Millionen Euro an den luxemburgischen Erstligisten überwiesen wurden.[5] Wie Lopez bei der Präsentierung des neuen Renault Sport F1 Teams und des Boliden Renault R.S.16 Anfang Februar 2016 bestätigte, ist seine Investmentfirma Genii Capital, sowie auch er selbst als Privatperson, als Minderheitsaktionär am Rennstall beteiligt und sitzt auch in dessen Verwaltungsrat.[6] Hierbei ist er vor allem für die Unternehmensstrategie bezüglich großer Partner und neuer Technologien zuständig, wobei er die strategische Planung mit anderen Verwaltungsratsmitgliedern teilt.[6] Auch 2015 wurde Lopez von Wirtschaftsminister Etienne Schneider als Unternehmensvertreter zum informellen EU-Ministerrat für Wettbewerbsfähigkeit eingeladen.[7] Mit seinen Investments ist Lopez vor allem in Lateinamerika, Afrika, Asien und Osteuropa vertreten.[8]

Privates[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gérard Lopez hat seinen Hauptwohnsitz in Bad Mondorf und besitzt 85 Autos, die er in einer Halle in einem Luxemburger Gewerbegebiet untergebracht hat.[9][10] Er besaß einst die größte Lamborghini-Sammlung der Welt, ehe er sämtliche dieser Autos verkaufte.[11] Im Sommer 2014 wurde seine Freundin Stéphanie Turci in ihrer Wohnung in der französischen Stadt Mexy entführt, daraufhin in einer Hütte festgehalten und erst nach Tagen in der Wildnis freigelassen. Lopez war bei der Entführung ebenfalls in der Wohnung seiner Freundin und wurde ebenfalls von den Entführern mit vorgehaltener Waffe bedroht.[12][13] Er spricht fließend Englisch, Spanisch, Französisch, Deutsch, Italienisch, Portugiesisch und Luxemburgisch.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Gérard Lopez auf der offiziellen Webpräsenz von Genii Capital (englisch)
  • Gérard Lopez auf der offiziellen Webpräsenz der Miami University (englisch)

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Das meiste Geld schulden wir uns selbst. auto-motor-und-sport.de, abgerufen am 24. März 2016.
  2. Heiko Stritzke: Lotus-Übernahme: Renault zahlte nur ein Pfund. Motorsport-Total.com, 27. Dezember 2015, abgerufen am 24. März 2016.
  3. Von der Formel 1 zu russischen Ölquellen, abgerufen am 24. März 2016
  4. Mangrove macht ohne Gérard Lopez weiter, abgerufen am 24. März 2016
  5. Geldwäsche-​​Verdacht bei Fola und Lotus, abgerufen am 24. März 2016
  6. a b Gerard Lopez: «Es wird ein Entwicklungsjahr», abgerufen am 24. März 2016
  7. Gerard Lopez: "Wir leben in einer großen Lüge", abgerufen am 24. März 2016
  8. Skype financier Gerard Lopez to lead new Russia-focused infrastructure investment group (englisch), abgerufen am 24. März 2016
  9. Gérard Lopez, der (fast) unauffindbare Millionär, abgerufen am 24. März 2016
  10. Auto-Kollektion von Gerard Lopez – Die geilste Garage Europas, abgerufen am 24. März 2016
  11. Wenn Autos zur Passion werden, abgerufen am 24. März 2016
  12. Entführte Freundin von Gerard Lopez freigelassen, abgerufen am 24. März 2016
  13. Polizei verhaftet drei mutmaßliche Entführer, abgerufen am 24. März 2016