Górzyca

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Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen sind unter Górzyca (Begriffsklärung) aufgeführt.
Górzyca
Wappen von Górzyca
Górzyca (Polen)
Górzyca
Górzyca
Basisdaten
Staat: Polen
Woiwodschaft: Lebus
Powiat: Słubice
Fläche: 8,01 km²
Geographische Lage: 52° 29′ N, 14° 39′ OKoordinaten: 52° 29′ 0″ N, 14° 39′ 0″ O
Einwohner: 1539 (2007[1])
Postleitzahl: 69-113
Telefonvorwahl: (+48) 95
Kfz-Kennzeichen: FSL
Wirtschaft und Verkehr
Straße: DK 31: Słubice-Kostrzyn nad OdrąStettin
Schienenweg: PKP-Linie 273: Breslau–Stettin
Nächster int. Flughafen: Berlin-Schönefeld
Gmina
Gminatyp: Landgemeinde
Gminagliederung: 12[1] Ortschaften
7 Schulzenämter
Fläche: 142,55 km²
Einwohner: 4270
(30. Jun. 2015)[2]
Bevölkerungsdichte: 30 Einw./km²
Gemeindenummer (GUS): 0805022
Verwaltung (Stand: 2015)
Gemeindevorsteher: Robert Stolarski[3]
Adresse: ul. 1 maja 1
69-113 Górzyca
Webpräsenz: www.gmina.gorzyca.pl



Górzyca [guˈʒɨʦa] (deutsch Göritz (Oder)) ist ein Dorf und Sitz der gleichnamigen Landgemeinde im Powiat Słubicki der polnischen Woiwodschaft Lebus.

Geographische Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Ortschaft befindet sich auf einer Anhöhe am rechten Ufer der Oder zwischen Frankfurt (Oder) und Küstrin. Nachbargemeinde auf dem linken Oderufer ist Reitwein.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Göritz nordöstlich der Stadt Frankfurt an der Oder auf einer Landkarte von 1905
Ehemalige Stadtkirche von Göritz
Altes Stadtwappen

Bereits um 1000 v. Chr. ist die Gegend an beiden Ufern der Oder besiedelt gewesen. Die bei Ausgrabungen im Jahre 1900 gemachten bronzezeitlichen Funde waren der erste Nachweis einer besonderen Art der Lausitzer Kultur, für die die Bezeichnung Göritzer Gruppe geprägt wurde.

Göritz entstand als regelmäßig angelegter deutscher Marktort im 13. Jahrhundert nahe einer Befestigungsanlage und eines Fischerkietzes. Der 1252 erstmals urkundlich erwähnte Ort war ab 1276 Sitz des Bistums Lebus. Nach dem unerwarteten Aussterben der Askanier in Brandenburg versuchte der polnische König Władysław I. Ellenlang Teile der Neumark zu erobern. In den Jahren 1325 und 1326 fanden die heftigsten Kämpfe statt, dabei ließ 1326 Ludwig I., der Markgraf von Brandenburg, das bischöfliche Schloss und den Dom in Göritz plündern und zerstören. Dabei kam es auch zum Diebstahl des Opferstockes der Marienkapelle. Ein dort befindliches „wundertätiges“ Marienbild machte Göritz ab 1342 zu einem bedeutenden Marienwallfahrtsort.

Göritz, das kurzzeitig auch im Besitz der Stadtrechte war, wurde 1346 in einer Urkunde über die Aufhebung des Bischofssitzes in dem zerstörten Ort letztmals als Stadt bezeichnet. Stadtbefestigungsanlagen besaß Göritz jedoch zu keiner Zeit. 1413 erfolgte die Gründung des Klerikerstiftes Unserer lieben Frau, dem das Dorf Storkow (Starków) übereignet wurde. Nach der Reformation endete die Zeit der Marienwallfahrten nach Göritz am 15. Juni 1551 endgültig als Markgraf Johann von Küstrin die schon lange geforderte Beseitigung der Reliquie durchsetzen ließ und die Kapelle mit ihrem Inventar dabei von aufgebrachten Drossener Bürgern zerstört wurde.

Der Ort lebte von der Landwirtschaft und hielt Viehmärkte ab. Nach der Zerstörung 1757 durch einen Brand im Jahr 1757 wurde Göritz auf neuem Grundriss neu aufgebaut. Die Kirche Unserer lieben Frau entstand 1767 an alter Stelle neu.

Am 11. August 1758 setzte Friedrich II. auf dem Wege zur Schlacht bei Kunersdorf unweit Göritz[4] über die Oder.

Im Jahr 1808 erfolgte die Erhebung von Göritz zur Stadt, die seit 1818 dem Landkreis Sternberg und seit dessen Teilung im Jahre 1873 bis 1945 dem Landkreis Weststernberg[5] angehörte. Das Stadtwappen war ein Bischofshut.[6]

Mit der Fertigstellung der Eisenbahn zwischen Breslau und Stettin erhielt die Stadt 1876 einen Eisenbahnanschluss. In der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts begann in Göritz der Abbau von Braunkohle.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Stadt unter polnische Verwaltung gestellt. Die gesamte Einwohnerschaft wurde von der örtlichen polnischen Verwaltungsbehörde vertrieben und durch Polen ersetzt; die anschließend in „Górzyca“ umbenannte Ortschaft verlor das Stadtrecht.[7]

Einwohnerzahl[8][Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 1700: ca. 500[6]
  • 1800: ca. 1.000[6]
  • 1850: ca. 2.000[6]

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ortsteile[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Landgemeinde (Gmina wiejska) Górzyca hat eine Fläche von 145,5 km² und 4.294 Einwohner. Dazu gehören folgende Ortschaften:[9]

  • Czarnów (Tschernow, 1936–1945 Schernow)
  • Górzyca (Göritz)
  • Laski Lubuskie (Lässig)
  • Owczary (Ötscher)
  • Pamięcin (Frauendorf[10])
  • Radówek (Klein Rade)
  • Spudłów (Spudlow)
  • Stańsk (Stenzig)
  • Żabice (Säpzig)
  • Chyrzyno (Kietzerbusch)
  • Ługi Górzyckie
  • Żabczyn (Neu Amerika)

Weitere Orte in der Gemeinde sind:

  • Czarnówek (Neu Tschernow)
  • Glinki Radowskie (Peltret’s Vorwerk)
  • Leszczyki (Albrechtsmühle)
  • Luboniec (Thieleshof)
  • Owczarki (Bruchvorwerk)
  • Pamięcinek (Bruchvorwerk)
  • Rogoźnica
  • Spudłówek
  • Spławiska (Dammhaus)
  • Stawidło
  • Targacz (Dommühle)
  • Twardoszek (Am Kanal)
  • Ślężno (Schleenwerder)

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • W. Riehl und J. Scheu (Hrsg.): Berlin und die Mark Brandenburg mit dem Markgrafenthum Nieder-Lausitz in ihrer Geschichte und in ihrem gegenwärtigen Bestande. Berlin 1861, S. 481–482.
  • Eduard Ludwig Wedekind: Sternbergische Kreis-Chronik. Geschichte der Städte, Flecken, Dörfer, Kolonien, Schlösser etc. dieses Landestheiles von der frühesten Vergangenheit bis auf die Gegenwart. Zielenzig 1855, S. 210.
  • Theodor Fontane: Wanderungen durch die Mark Brandenburg. Band 2 (Oderland) „Das Oderbruch und seine Umgebungen“ – Von Frankfurt bis Schwedt
  • Theodor Fontane: Vor dem Sturm, 1878

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Górzyca – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Website der Gemeinde, PLAN ROZWOJU LOKALNEGO GMINY GÓRZYCA, Dezember 2007 (PDF-Datei; 415 kB)
  2. Population. Size and Structure by Territorial Division. As of June 30, 2015. Główny Urząd Statystyczny (GUS) (ZIP-Ordner mit XLS-Dateien; 7,82 MiB), abgerufen am 28. Mai 2016.
  3. Website der Gemeinde (BIP), Urząd Gminy Górzyca, abgerufen am 8. März 2015
  4. Beschrieben bei Theodor Fontane:Theodor Fontane: Vor dem Sturm, 10. Kapitel
  5. Der Landkreis Weststernberg und seine Gemeinden (Memento vom 12. Oktober 2007 im Internet Archive)
  6. a b c d Eduard Ludwig Wedekind: Sternbergische Kreis-Chronik. Geschichte der Städte, Flecken, Dörfer, Kolonien, Schlösser etc. dieses Landestheiles von der frühesten Vergangenheit bis auf die Gegenwart. Zielenzig 1855, S. 210.
  7. Zur vollständigen Vertreibung der Einwohner der Neumark siehe Paweł Rutkowski (Hrsg.): Streifzüge zwischen Oder und Drage. Begegnung mit der Neumark, Deutsches Kulturforum, Potsdam 2012, ISBN 978-3-936168-44-0, S. 14 f.
  8. Dr. Rademachers deutsch-österreichisches Ortsbuch 1871–1990 – Göritz (Oder)
  9. §8 STATUT GMINY GÓRZYCA
  10. Heinrich Berghaus: Landbuch der Mark Brandenburg und des Markgrafenthums Nieder-Lausitz. Band 3, Brandenburg 1856, S. 273–281.