Günther Grzimek (Landschaftsarchitekt)

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Günther Grzimek (* 3. November 1915 in Köln; † 8. Mai 1996 in Pfeffenhausen) war ein deutscher Landschaftsarchitekt. Sein bekanntestes Werk ist der Olympiapark in München.

Familie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Grzimeks Eltern waren Günther Grzimek und Emmy Jansen. Sein Bruder war der Bildhauer Waldemar Grzimek. Er war zweimal verheiratet und hat aus erster Ehe vier Kinder.

Ausbildung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Grzimek wuchs in Ostpreußen und Berlin auf und besuchte dort das Gymnasium, das er als Unterprimaner verließ, um eine Lehre als Gärtner zu beginnen. Während der zweieinhalbjährigen Lehrzeit holte er an einer Abendschule das Abitur nach, das ihm den Zugang an die Humboldt-Universität Berlin ermöglichte.

Dort studierte er von 1937 bis 1942 Garten- und Landschaftsgestaltung. Nach dem Einsatz in der Wehrmacht in Holland, Italien und Polen kam er 1945 bis 1947 in französische Gefangenschaft.

Gartenamtsleiter in Ulm[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach seiner Entlassung war er zunächst selbständiger Gartenarchitekt in Ravensburg, wurde aber noch im gleichen Jahr vom damaligen Stadtbaudirektor Max Guther als Leiter des städtischen Garten- und Friedhofsamtes nach Ulm geholt. Über diese Zeit des Wiederaufbaus der fast völlig zerstörten Stadt sagte er einmal zusammenfassend: "Es ging in der Nachkriegsära darum, dass die Grünflächen nicht unterbewertet blieben".

Bereits in Ulm entwickelte er die später noch intensivierten theoretischen Leitlinien und praktische Beispiele für seine sozial orientierte städtische Grünplanung:

  • Grzimek entwarf ein, im städtischen Flächennutzungsplan mit den anderen Fachplanungen gleichberechtigt verankertes, zusammenhängendes Netz von öffentlichen Grünflächen um eine verdichtete Bebauung. Einfamilienhaussiedlungen mit kleinen Privatgärten ohne nennenswerte öffentliche Grünflachen, lehnte er ab.
  • Grünflächen sollten seiner Ansicht nach multifunktionales "Leistungsgrün" sein, ihre vielfältigen Funktionen so intensiv und effizient wie möglich erfüllen.
  • Eine weitere Auswirkung seiner Umsetzung demokratischer Leitbilder in die Grünplanung war die Bürgerbeteiligung. So organisierten Ulmer Elterninitiativen unter Grzimeks Mitwirkung mit der „Aktion Sandfloh“ selbst den Bau von Spielplätzen und die Entwicklung von Spielgeräten. Gleichgesinnte aus einem Kreis um Otl Aicher und die Ulmer Volkshochschule unterstützten ihn.
  • Seine Nutzerorientierung ging manchmal so weit, dass er zunächst keine festen Wege in seinen Grünflächen baute, sondern erst abwartete, wo sich Trampelpfade entwickelten. Diese Haltung war auch Ausdruck von Kosteneffizienz, um teure Fehlplanungen zu verhindern.

In Ulm blieb Grzimek bis zur Gründung seines Ingenieurbüros für Grünplanung im Jahre 1960 tätig.

Professor an der Kunsthochschule Kassel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1965 wurde er Nachfolger von Hermann Mattern Professor an der Hochschule für Bildende Künste Kassel, bis 1972. Bei der documenta 4 war er Mitglied im "documenta Rat". Günther Grzimek ordnete Landschaftsplanung nicht als Gartenkunst ein, die Kunst sollte seiner Ansicht nach Aufgabe von Künstlern bleiben. Studenten und Dozentenkollegen in Kassel schlugen Grzimek 1969 die Gründung einer neuartigen Arbeitsgruppe vor, in der Studenten und Dozenten demokratisch gleichberechtigt an Projekten arbeiten sollten. Ein Verein "Entwicklungsgruppe für Landschaftskultur" (EGL) wurde dazu gegründet. 1973 wurde der Verein zum Büro "EGL GmbH – Entwicklung und Gestaltung von Landschaft". Die Angestellten wurden Gesellschafter, sieben Zweigbüros mit verschiedenen Schwerpunkten wurden gegründet.

Olympiapark München[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Olympiapark München

In die Kasseler Zeit fällt auch seine Planung zum Münchner Olympiapark. Der Olympiapark markiert den Beginn einer neuen Ära in der deutschen Landschaftsgestaltung, entsprechend dem allgemeinen gesellschaftlichen Umbruch der 60er und 70er Jahre. Auch die Grünplanung sollte nun "demokratisch" werden. Grzimek setzt dies am konsequentesten um. Er entwarf keine Freiräume für Privilegierte, sondern wollte eine optimale Grünversorgung für alle Schichten der Bevölkerung. Die Benutzbarkeit war ihm wichtiger als eine gestalterische Idee. Dass der Olympiapark dennoch hohe ästhetische Qualität aufweist, liegt nach Grzimek daran, dass der Park "seine Gestalt bis in die Details hinein von einer Ästhetik des Selbstverständlichen ab[leitet], die im Sinne einer humanen Ökologie die freie und aktive Selbstverwirklichung seiner Benutzer zum obersten Kriterium macht." (Quelle: Günther Grzimek, Stefan Rainer, 1983) "Wenn wir etwas machen, dann dürfen wir nicht etwas machen, was so ist, dass man sagt, ach, das hat der Grzimek gemacht, sondern wir müssen es so machen, dass es selbstverständlich ist. Dass man einfach sagt, ich hab mich sauwohl gefühlt [...] Wir haben einen Gebrauchsgegenstand machen wollen.”

Professor an der TU München[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Von 1972 bis zu seiner Emeritierung 1981 war Grzimek ordentlicher Professor auf dem "Lehrstuhl und Institut für Landschaftsarchitektur" an der Technischen Universität München in Weihenstephan. Er veränderte nach Amtsantritt die Schwerpunkte des Studienplans erheblich. Die Nachfolge von Grzimek trat nach zwei Jahre nach seiner Emeritierung Professor Peter Latz im Jahr 1983 an.

Grzimek legte aufgrund seiner Forderung nach absoluter Nutzerorientierung größten Wert auf sozial- und planungswissenschaftliche Fächer. Gestalterisch ausgerichtete Fächer strich er ganz, die naturwissenschaftlichen Grundlagen wurden auf ein Mindestmaß reduziert. Sein Ziel war nicht der Gartenkünstler früherer Zeiten, sondern der städtebaulich orientierte, interdisziplinär arbeitende Grünplaner. Theorie und Praxis erhielten in der Ausbildung nun gleiche Wertigkeit. Er ging weg von den reinen Vorlesungen, hin zu einem überwiegend aus Seminaren und Teamarbeit bestehenden Studium. 1972 wurde der Studiengang umbenannt in "Landespflege", und aufgewertet durch die Verleihung des akademischen Grades "Diplomingenieur" auch für Absolventen dieses Fachbereiches.

Nach dem Vorbild der EGL in Kassel gründete Grzimek auch in Weihenstephan ein Büro namens "Grünplan GmbH".

Die Besitzergreifung des Rasens[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In einer Ausstellung und deren Katalog fasste Grzimek 1983 seine lebenslangen Vorstellungen von der sozialen Bedeutung der Freiräume zusammen. Beides war „die Aufforderung zur Inbesitznahme der städtischen Freiräume, die Abkehr von Distanz und Repräsentation, die 'Demokratisierung' der öffentlichen Flächen, was letztlich auch eine Öffnung der Entwurfs- und Gestaltungsvorgänge bedeutete.“[1]

Günther Grzimek starb am 8. Mai 1996 an seinem damaligen Wohnort Holzhausen bei Pfeffenhausen in Niederbayern.[2] Seine Grabstätte befindet sich auf dem Stadtfriedhof Biberach an der Riß, den er zu Lebzeiten selbst gestaltet hat.

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 19. Juni 1973 wurde Günther Grzimek von der Bayerischen Akademie der Schönen Künste mit dem Friedrich-Ludwig-von-Sckell-Ehrenring ausgezeichnet, der höchsten Auszeichnung seines Berufsstandes.

Die Stadt München verlieh ihm den Architekturpreis.

Werke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Landschaftsarchitektonische Werke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Grzimek entwickelte vor allem landschaftsplanerische Stadtentwicklungskonzepte z.B. für Ulm, Darmstadt, Ludwigsburg, Aschaffenburg und Biberach an der Riß.

Seine ausgeführten Hauptprojekte sind u.a.:[1]

Weitere Projekte:

Bei zahlreichen Projekten arbeitete er mit dem Architekten Günter Behnisch zusammen.

Daneben nahm er auch an vielen bedeutenden Wettbewerben mit Entwürfen teil, so z.B. für die Bundesbauten in Bonn.

Bibliografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Grünplanung in Ulm: Probleme einer wachsenden Stadt, Ulm: Stadtverwaltung (Hrsg.), 1956
  • Grünplanung Darmstadt, Darmstadt: Roether, 1965
  • Vom Aufgang der Neuzeit, 1966
  • Spiel und Sport in der Stadtlandschaft: Erfahrungen und Beispiele für morgen, München: Callwey, 1972
  • Gedanken zur Stadt- und Landschaftsarchitektur seit Friedrich Ludwig von Sckell, München: Callwey, 1973
  • Wettbewerb Bundesgartenschau Kassel 1981: Landschaftsarchitektur als documenta hortensis, in: Garten + Landschaft, Bd. 87 (1977), 5, S. 296–308
  • Die Besitzergreifung des Rasens, München: Callwey, 1983

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Gerhard Grzimek, Rupprecht Grzimek: Die Familie Grzimek aus Oberglogau in Oberschlesien. o.O., 1986
  • Stefan Leppert: Zum 80. Geburtstag von Günther Grzimek - Die Besitzergreifung des Rasens, in: Garten+Landschaft H. 1, 1996
  • Winfried Jerney: Rasen betreten erlaubt - Günther Grzimek: Planung mit den Bürgern, in: Garten+Landschaft, H. 8, 2003 (Online-Text siehe Weblinks)

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Süddeutsche Zeitung: Trauer um Professor Grzimek, 11. Mai 1996, Regionalausgabe Freising
  2. Süddeutsche Zeitung: Anwalt im Sinne der Humanökologie, 3. November 1995, Regionalausgabe Freising Seite 7