Gabriele Radecke

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Gabriele Radecke (* 14. September 1967 in Berlin) ist eine deutsche Literaturwissenschaftlerin, Editionswissenschaftlerin, Autorin, Herausgeberin und Editorin. Sie ist die Gründerin und Leiterin der Theodor Fontane-Arbeitsstelle an der Georg-August-Universität Göttingen.[1][2]

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach dem Abitur in Mainz absolvierte Gabriele Radecke eine Ausbildung zur Buchhändlerin von 1986 bis 1989. Im Anschluss studierte sie Germanistik, Politik- und Rechtswissenschaften an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz und schloss 1995 mit einem Magisterexamen über Eduard von Keyserling ab. Nach der Teilnahme am Graduiertenkolleg Textkritik als Doktorandin an der Ludwig-Maximilians-Universität München promovierte sie im Jahr 2000 über Theodor Fontane.[3]

Radecke blieb nachfolgend auch als Postdoktorandin am Graduiertenkolleg Textkritik der LMU München für die textgenetische Edition von Theodor Fontanes Mathilde Möhring[4] und arbeitete als freie Literatur- und Editionswissenschaftlerin sowie als Redakteurin. 2009 nahme sie eine Tätigkeit als wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Georg-August-Universität in Göttingen auf. Dort gründete sie im Jahr 2010 am Seminar für Deutsche Philologie die Theodor Fontane-Arbeitsstelle, die sie seitdem leitet.[5]

Gabriele Radecke ist die Ururenkelin des Komponisten Robert Radecke.

Arbeitsschwerpunkte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zusammen mit Gotthard Erler und Heinrich Detering ist sie seit 2012 Herausgeberin und wissenschaftliche Leiterin der Großen Brandenburger Ausgabe der Werke und Briefe Theodor Fontanes[6] sowie Herausgeberin der digitalen Edition von Theodor Fontanes Notizbüchern.[7] Darüber hinaus arbeitet Gabriele Radecke über August von Goethe, Theodor Storm und Eduard von Keyserling sowie innerhalb der Brief- und Notizbuchforschung. Seit 2015 veranstaltet sie zusammen mit der Theodor Fontane Gesellschaft, Sektion Berlin-Brandenburg, einen Fontane-Seminartag zum Thema Edition und Interpretation.

Gabriele Radecke engagiert sich seit über zwanzig Jahren für die populäre Verbreitung wissenschaftlicher Erkenntnisse.[8] 2017 wurde sie mit dem Preis des Stiftungsrats der Universität Göttingen in der Kategorie Wissenschaft und Öffentlichkeit „für den vorbildlichen Transfer aktueller wissenschaftlicher Themen in eine breite Öffentlichkeit“ ausgezeichnet.[9] Durch die wegweisende Verbindung konventioneller und digitaler Methoden bei der Edition des Werks von Theodor Fontane sei es ihr gelungen, unter Einhaltung höchster wissenschaftlicher Standards ihre Forschung anschaulich einer breiten Öffentlichkeit zu vermitteln, so die Laudatio.[10]

2017 wurde sie zur Sprecherin des wissenschaftlichen Beirats zum Fontane-Jubiläum 2019 gewählt (fontane.200) und ist in dieser Funktion als ehrenamtliche Beraterin für viele Ausstellungen und Veranstaltungen tätig.[11]

Stipendien und Preise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 2017 Preis des Stiftungsrats der Universität Göttingen, Kategorie Wissenschaft und Öffentlichkeit
  • 2002 Stipendium der Stiftung Weimarer Klassik für die Edition des Tagebuchs der Reise nach Preußen und Sachsen [1819] von August von Goethe, Wir waren sehr heiter
  • 1999–2003 Postdoktorandenstipendium am Graduiertenkolleg Textkritik der LMU München für die textgenetische Edition von Theodor Fontanes Mathilde Möhring
  • 1996 Stipendium der Goethe-Gesellschaft in Weimar für die Edition des Tagebuchs der Italienreise [1830] von August von Goethe, Auf einer Reise nach Süden

Veröffentlichungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Monographien[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Vom Schreiben zum Erzählen. Eine textgenetische Studie zu Theodor Fontanes „L’Adultera“. (= Epistemata. Band 358). Königshausen & Neumann 2002, ISBN 3-8260-2052-9.

Herausgeberschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • „Die Decadence ist da.“ Theodor Fontane und die Literatur der Jahrhundertwende. Frühjahrstagung der Theodor Fontane Gesellschaft, 24.–26. Mai 2001 in München. Hrsg. von Gabriele Radecke. Königshausen & Neumann, Würzburg 2002, ISBN 3-8260-2300-5.
  • Schrift – Text – Edition. Hans Walter Gabler zum 65. Geburtstag. (= Beihefte zu editio. Band 19). Hrsg. von Christiane Henkes, Walter Hettche, Gabriele Radecke und Elke Senne. Niemeyer, Tübingen 2003, ISBN 3-11-093990-8.
  • Das Literatur-Archiv – Sammlungen und Perspektiven der Forschung. (= Schriften der Theodor-Storm-Gesellschaft. 56). Hrsg. von Gerd Eversberg, Regina Fasold und Gabriele Radecke. Husum 2007.

Editionen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Theodor Fontane: L’Adultera. (= Große Brandenburger Ausgabe – Das erzählerische Werk. Band 4). Novelle. Hrsg. von Gabriele Radecke. Aufbau Verlag, Berlin 1998, ISBN 3-351-03116-5).
  • August von Goethe: Auf einer Reise nach Süden. Tagebuch 1830. Erstdruck nach den Handschriften. Hrsg. von Andreas Beyer und Gabriele Radecke. Hanser, München 1999, ISBN 3-446-19325-1.
  • Wilhelm Bode: Goethes Sohn. Kommentierte Neuausgabe. (= Aufbau-Taschenbuch. 1829). Hrsg. von Gabriele Radecke. Aufbau Taschenbuch Verlag, Berlin 2002, ISBN 3-7466-1829-0.
  • Theodor Fontane: Die Poggenpuhls. (= Große Brandenburger Ausgabe – Das erzählerische Werk. Band 16). Hrsg. von Gabriele Radecke. Aufbau Verlag, Berlin 2006, ISBN 3-351-03128-9.
  • Theodor Fontane – Bernhard von Lepel: Der Briefwechsel. Zwei Bände. Kritische Ausgabe. (= Schriften der Theodor Fontane Gesellschaft. Bände 5.1/5.2). Hrsg. von Gabriele Radecke. de Gruyter, Berlin 2006, ISBN 3-11-016354-3.
  • August von Goethe: Wir waren sehr heiter. Reisetagebuch 1819. Hrsg. von Gabriele Radecke. Aufbau Verlag, Berlin 2007, ISBN 978-3-351-03209-8.
  • Theodor Fontane: Von vor und nach der Reise. Plaudereien und kleinere Skizzen. (= Große Brandenburger Ausgabe – Das erzählerische Werk. Band 19). Hrsg. von Gabriele Radecke und Walter Hettche. Aufbau Verlag, Berlin 2007, ISBN 978-3-351-03131-2.
  • Theodor Fontane: Mathilde Möhring. (= Große Brandenburger Ausgabe – Das erzählerische Werk. Band 20). Nach der Handschrift neu herausgegeben von Gabriele Radecke. Aufbau Verlag, Berlin 2008, ISBN 978-3-351-03132-9.
  • Theodor Storm – Theodor Fontane. Briefwechsel. Kritische Ausgabe. (= Storm-Briefwechsel. Band 19). Hrsg. von Gabriele Radecke. Erich Schmidt Verlag, Berlin 2011, ISBN 978-3-503-12280-6.
  • Theodor Fontane: Notizbücher. Digitale genetisch-kritische und kommentierte Edition. Hrsg. von Gabriele Radecke. Göttingen 2015 ff.
  • Marie von Ebner-Eschenbach – Josephine von Knorr, Briefwechsel 1851–1908. Kritische und kommentierte Ausgabe. Zwei Bände. Hrsg. von Ulrike Tanzer, Irene Fußl, Gabriele Radecke und Lina-Maria Zangerl. de Gruyter, Berlin/ Boston 2016, ISBN 978-3-05-009400-7.
  • Eduard von Keyserling: Wellen. Roman. Hrsg., kommentiert und mit einem Nachwort versehen von Gabriele Radecke. Reclam, Ditzingen 2018, ISBN 978-3-15-011156-7.
  • Theodor Fontane: Theaterkritik 1870–1894. (= Große Brandenburger Ausgabe – Das kritische Werk. Bände 2–5). 4 Bände. Hrsg. von Debora Helmer und Gabriele Radecke in Zusammenarbeit mit der Theodor Fontane-Arbeitsstelle, Universität Göttingen. Aufbau Verlag, Berlin 2018, ISBN 978-3-351-03737-6.
  • Theodor Fontane: Mathilde Möhring. Hrsg., kommentiert und mit einem Nachwort versehen von Gabriele Radecke. Reclam, Ditzingen 2019, ISBN 978-3-15-019513-0.

Beiträge in Zeitungen (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • mit Robert Rauh: Wulkow - ersatzlos gestrichen. Fontanes vergessene Orte. Teil 1. In: Märkische Allgemeine Zeitung. 30. März 2019.[12]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Interview mit Gabriele Radecke auf Von Pappe ist nur der Einband – was Fontanes Notizbücher verraten. In: effi19.org. Pressenetzwerk für Jugendthemen e.V. (PNJ), 14. Januar 2019, abgerufen am 3. April 2019.
  2. Interview mit Gabriele Radecke von Leander Wattig: Gabriele Radecke: Ich habe die Fontane-Arbeitsstelle an der Universität Göttingen gegründet. In: orbanism.com. 6. Januar 2016, abgerufen am 3. April 2019.
  3. Interview mit Gabriele Radecke von Tilman Krause: Die Kommunikationsmaschine. In: welt.de. 28. Dezember 2018, abgerufen am 3. April 2019.
  4. Projektbeschreibung auf der Webseite des Graduiertenkollegs Textkritik
  5. Youtube-Interview mit Gabriele Radecke und Mathias Göbel Constanze Bartsch, Julia Langhof und Martin Stobbe: Perspektiven der Digitalen Editionsphilologie: Die Hybrid-Edition von Theodor Fontanes Notizbüchern. Interview im Rahmen der Masterclass „Digitale Editionen“ an der WWU Münster. 13. März 2015, abgerufen am 3. April 2019.
  6. Tilman Spreckelsen: Endlich Zeitgenosse. In: faz.net. 7. Februar 2015, abgerufen am 3. April 2019.
  7. Tilman Spreckelsen: Besuch im Steinbruch des Autors. In: faz.net. 21. Februar 2014, abgerufen am 3. April 2019.
  8. Anja Reinbothe-Occhipinti: Fontanes unbekannte Notizen: Eine Sommerreise durchs Ruppinsche. In: maz-online.de. 22. September 2018, abgerufen am 3. April 2019.
  9. Christiane Böhm: Für besonderes Engagement ausgezeichnet. In: goettinger-tageblatt.de. 11. Dezember 2017, abgerufen am 3. April 2019.
  10. Stiftungsrat ehrt Universitätsmitglieder für besondere Aktivitäten und Leistungen. In: focus.de. 11. Dezember 2017, abgerufen am 3. April 2019.
  11. Webseite zu Fontane.200 von der Brandenburgischen Gesellschaft für Kultur und Geschichte gGmbH, abgerufen am 3. April 2019.
  12. Wulkow – ersatzlos gestrichen. Abgerufen am 1. April 2019.