Gare de la Bastille

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Gare de la Bastille um 1900
Luftaufnahme von 1984

Der Gare de la Bastille war ein Bahnhof in Paris. Er lag im 12. Arrondissement zwischen der Rue de Lyon und der Rue de Charenton auf Höhe des namengebenden Platzes Place de la Bastille.

Gebaut wurde der Bahnhof von der Compagnie des chemins de fer de l’Est. Am 22. September 1859 wurde er in Anwesenheit des französischen Kaisers Napoleon III. eröffnet. Er war Anfangspunkt der 5,4 Kilometer langen Linie nach Vincennes, die 1872 nach Sucy-en-Brie und 1875 nach Brie-Comte-Robert verlängert wurde. Im Jahr 1892 erreichte sie bei einer Länge von 54,1 Kilometer Verneuil-l’Étang, wo es eine Verbindung zur Strecke nach Mülhausen gab. Zunächst diente der Bahnhof auch dem Fernverkehr, nach 1871 wurde er zum reinen Vorortbahnhof. Dank eines umfangreichen Ausflugsverkehrs an den Wochenenden stieg die Zahl der Fahrgäste von 12 Millionen im Jahr 1871 auf 20 Millionen jährlich in den 1920er Jahren an.[1]

Das Gebäude wurde von François-Alexis Cendrier entworfen, der vor allem Bahnhöfe für die Gesellschaften Compagnie du chemin de fer de Paris à Orléans und Compagnie du chemin de fer de Paris à Lyon geplant hatte. Es war 30 Meter breit, 250 Meter lang und trug eine asymmetrische zweischiffige Bahnhofshalle. Da die Zufahrtgleise auf einem gemauerten Viadukt lagen, befanden sich die zwei Seiten- und zwei Mittelbahnsteige oberhalb des Straßenniveaus. Von den sechs Bahnsteiggleisen dienten vier dem Reiseverkehr, zwei waren betrieblichen Zwecken vorbehalten. Als Folge der beengten Verhältnisse wies der Bahnhof eine Besonderheit auf: um den angekommenen Zug zu umfahren, wechselten die Lokomotiven über Schiebebühnen vor den Prellböcken auf das danebenliegende Gleis. Dieses Verfahren wurde bis 1964 praktiziert, dann konnten Wendezüge eingesetzt werden, die durch die Elektrifizierung anderer Vorortstrecken freigeworden waren. Bis zur Stilllegung wurde die Strecke mit Dampflokomotiven, zuletzt Tenderlokomotiven der Bauart 141-TB (Achsfolge 1’D1’), betrieben,[2] die im Betriebswerk Nogent Vincennes beheimatet waren. Zwischen 1945 und 1964 liefen in den Zügen auch Eilzugwagen, die von der Deutschen Reichsbahn stammten.[1]

Am 14. Dezember 1969 wurde der Bahnhof stillgelegt, allerdings wurden Teile der Strecke am 14. Dezember 1974 in das Netz der RER A eingebunden. Der Bahnhof selbst diente seitdem für Ausstellungen aller Art (z. B. für die französische Kunstmesse FIAC). Um der Opéra Bastille Platz zu machen, wurde er ab 1984 abgerissen.

Weblinks[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Wolfgang Klee und Stefan Vockrodt: Nach Osten: Gare de l'Est und Bastille. In: Eisenbahnen in Paris = Eisenbahngeschichte Spezial 2 (2015). ISBN 978-3-937189-94-9, S. 22-29.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b  Stefan Vockrodt, Wolfgang Klee: Eisenbahnen in Paris. In: EisenbahnGeschichte Spezial. 2, 2015, S. 27 ff.
  2.  Ives Broncard: Les dernières années de la vapeur en France. Èditions NM - La vie du rail, Paris 1977, S. 18 f.

48.8519444444442.3705555555556Koordinaten: 48° 51′ 7″ N, 2° 22′ 14″ O